Rüdiger Stobbe / 31.01.2023 / 10:00 / Foto: Doenertier82 / 2 / Seite ausdrucken

Woher kommt der Strom? 3. Analysewoche 2023

Die Windstromerzeugung der dritten Analysewoche 2023 schwankte stark. Der Wind- und PV-Stromanteil lag unter 30 Prozent der Strom-Gesamtproduktion. Es gab sogar praktisch zwei Dunkelflautentage. 

Die Wochenübersicht:

Montag, 16. Januar 2023 bis Sonntag, 22. Januar 2023: Anteil Wind- und PV-Strom 29,0 Prozent. Anteil regenerativer Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 39,0 Prozent, davon Windstrom 26,8 Prozent, PV-Strom 2,2 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 10,0 Prozent.

Freitag, der 20.1.2023 war der Dunkelflautentag mit unter 10 Prozent Wind- und PV-Stromerzeugung. Entsprechend hoch war die Strom-Ergänzungsproduktion durch die konventionellen Stromerzeuger. Zusätzlich wurde viel Importstrom benötigt. Also wurde der Wochenhöchstpreis für eine MWh Strom aufgerufen: 231 €. Am Sonntag, 22.1.2023, einem „halben“ Dunkelflautentag neben dem Mittwoch, gab es ebenfalls recht wenig Stromerzeugung per Windkraft- und PV-Anlagen. Allerdings war der Bedarf – wie immer am Wochenende – geringer, so dass die eigene konventionelle Stromproduktion Deutschlands ausreichte. Die Prognose des Zukunfts-Agorameters für den 20.1. bis 22.1.2023 ist schon einigermaßen beängstigend. Trotz eines rechnerischen Ausbaugrades von 86 Prozent „Erneuerbare“ sieht es für das Jahr 2040 so aus. Am Freitag um 17:00 Uhr werden über 63 GW konventionell erzeugter (Gas-)Strom benötigt, um den Bedarf zu decken. Aktuell gibt es im Bereich Gasstromerzeugung 31 GW installierte Leistung.

Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Wochenvergleich zur dritten Analysewoche ab 2016.

Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zur KW 3/2023 Factsheet KW 3/2023 – ChartProduktionHandelswocheImport/Export/Preise, CO2Agora-Chart 2030Agora-Chart 2040.

Bisheriges Jahr 2023

Die regenerative Stromerzeugung des Jahres 2023 hat in KW 3/2023 nachgelassen. Es wird eine noch größere Menge konventionell erzeugter Strom als in den beiden Wochen zuvor benötigt. Zum größten Teil als Ergänzung zur Deckung des deutschen Strombedarfs. Zum Teil aber auch aus Netzstabilisierungsgründen.

Daten, Charts, Tabellen & Prognose zum bisherigen Jahr 2023: Chart 1Chart 2ProduktionStromhandelImport/Export/Preise/CO2Agora 2030Stromdateninfo Jahresvergleich ab 2016

Tagesanalysen

Bitte beachten: Die Wind- und PV-Stromerzeugung wird in unseren Charts fast immer „oben“, oft auch über der Bedarfslinie angezeigt. Das suggeriert dem Betrachter, dass dieser Strom exportiert wird. Faktisch geht immer konventionell erzeugter Strom in den Export. Die Chartstruktur zum Beispiel mit dem bisherigen Jahresverlauf 2023 bildet den Sachverhalt korrekt ab. Die konventionelle Stromerzeugung folgt der regenerativen, sie ergänzt diese. Falls diese Ergänzung nicht ausreicht, um den Bedarf zu decken, wird der fehlende Strom, der die elektrische Energie transportiert, aus dem benachbarten Ausland importiert.

Montag, 16. Januar 2023: Anteil Wind- und PV-Strom 45,1 Prozent. Anteil erneuerbarer Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 55,4 Prozent, davon Windstrom 42,9 Prozent, PV-Strom 3,2 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 9,3 Prozent.

Der Montag bringt noch einiges an Windstrom. In der Spitze wird ein Preis von 186 €/MWh aufgerufen.

Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 16. Januar ab 2016.

Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zum 16.1.2023: ChartProduktionHandelstagImport/Export/Preise/CO2Agora-Chart 2030Agora-Chart 2040

Dienstag, 17. Januar 2023: Anteil Wind- und PV-Strom 37,8 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 46,9 Prozent, davon Windstrom 34,2 Prozent, PV-Strom 3,7 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 9,1 Prozent.

Heute ist die Windstromerzeugung bereits erheblich geringer. Ab etwa 8:00 Uhr sinkt sie kontinuierlich. Der Strompreis steigt etwas. 

Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 17. Januar ab 2016. 

Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zum 17.1.2023: ChartProduktionHandelstagImport/Export/Preise/CO2Agora-Chart 2030Agora-Chart 2040

Mittwoch, 18. Januar 2023: Anteil Wind- und PV-Strom 26,5 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 36,4 Prozent, davon Windstrom 24,2 Prozent, PV-Strom 2,2 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 10,0 Prozent.

An diesem Mittwoch kommt es zu einem ersten Tiefpunkt der Stromerzeugung mittels Windkraft- und PV-Anlagen (Erster halber Dunkelflautentag). Der Strompreis liegt unter dem Strich etwas höher als an den Vortagen.

Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 18. Januar ab 2016.  

Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zum 18.1.2023: ChartProduktionHandelstagImport/Export/Preise/CO2Agora-Chart 2030Agora-Chart 2040

Donnerstag, 19. Januar 2023: Anteil Wind- und PV-Strom 32,9 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 41,9 Prozent, davon Windstrom 30,7 Prozent, PV-Strom 2,2 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 9,00 Prozent.

Der Donnerstag wartet insgesamt wieder mit höherer regenerativer Stromerzeugung auf. Ab etwa 10:00 Uhr sinkt sie, um den Freitag als kompletten Dunkelflautentag „vorzubereiten“. Die Preisentwicklung ist die übliche. Sie richtet sich in erster Linie nach Angebot und Nachfrage. 

Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 19. Januar ab 2016. 

Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zum 19.1.2023: ChartProduktionHandelstagImport/Export/Preise/CO2Agora-Chart 2030Agora-Chart 2040

Freitag, 20. Januar 2023: Anteil Wind- und PV-Strom 9,8 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 20,8 Prozent, davon Windstrom 8,00 Prozent, PV-Strom 1,8 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 11,00 Prozent.

Ein kompletter, ein ganzer Dunkelflautentag. Mit hohen Stromimporten über Tag. Mit hohen Strompreisen. Die Prognosen des Agora-Zukunftsmeters – siehe unten – sind bezogen auf die Energiewende erschütternd.

Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 20. Januar ab 2016. 

Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zum 20.1.2023: ChartProduktionHandelstagImport/Export/Preise/CO2Agora-Chart 2030Agora-Chart 2040.

Samstag, 21. Januar 2023: Anteil Wind- und PV-Strom 24,8 Prozent. Anteil Erneuerbare an der Gesamtstromerzeugung 35,5 Prozent, davon Windstrom 23,7 Prozent, PV-Strom 1,2 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 10,6 Prozent.

Die Windstromerzeugung zieht kontinuierlich an. Um ab etwa 20:00 Uhr mit dem Sonntag den zweiten halben Dunkelflautentag einzuleiten. Die Strom-Preisentwicklung belegt wieder eindrucksvoll das frei-marktwirtschaftliche Preisfindungsprinzip „Angebot & Nachfrage“.

Belege für die Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 21. Januar ab 2016. 

Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zum 21.1.2023: ChartProduktionHandelstagImport/Export/Preise/CO2Agora-Chart 2030Agora-Chart 2040.

Sonntag, 22. Januar 2023: Anteil Wind- und PV-Strom 20,4 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 31,3 Prozent, davon Windstrom 19,8  Prozent, PV-Strom 0,6 Prozent Strom Biomasse/Wasserkraft 10,9 Prozent.

Ab etwa 9:00 Uhr entwickelt sich der zweite halbe Dunkelflautentag. Zum Vorabend kommt es zu einer Preisspitze

Belege für die Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 22. Januar ab 2016. 

Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zum 22.1.2023: ChartProduktionHandelstagImport/Export/Preise/CO2Agora-Chart 2030Agora-Chart 2040.

Eine kritische Betrachtung der Jahresrückblicke 2022 von Bundesnetzagentur und Agora-Energiewende sowie ergänzende,  weiterführende Literatur, Artikel, Videos und mehr rufen Sie hier auf.

Die bisherigen Artikel der Kolumne Woher kommt der Strom? mit jeweils einem kurzen Inhaltsstichwort finden Sie hier.

Noch Fragen? Ergänzungen? Fehler entdeckt? Bitte Leserpost schreiben! Oder direkt an mich persönlich: stromwoher@mediagnose.de. Alle Berechnungen und Schätzungen durch Rüdiger Stobbe und Peter Hager nach bestem Wissen und Gewissen, aber ohne Gewähr.

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Jörg Themlitz / 31.01.2023

Gestern RBB aktuell: Thema Windräder drehen, erzeugen Strom, niemand da der den Strom abnehmen kann.  Und trotzdem müssen alle Kunden diesen Strom bezahlen. Meine Sichtweise: Aus Ideologie, Geldgier, Planlosigkeit und Dummheit ins Niemandsland (Felder, Wälder etc.) einbetonierte industrielle Großwindanlagen erzeugen Strom, den selbst in Jahren niemand nutzen kann. Damit diese Dummheit weiter funktioniert, müssen alle Stromkunden, den nicht genutzten Strom mit einer Kugel Eis groß wie tausend Eisfabriken bezahlen. Prinzip GEZ Gebühr für DDR Fernsehen 2.0 Nichtseher. Die umstrittene, “grüne” Energie Populistin Professorin Claudi Kemfert hat dazu “interessante” Anworten. Antworten die ihre Unwissenheit zu Fragen der Energieerzeugung (Stromerzeugung) und Transport über große Strecken belegen. Sinngemäß: ´Man, keine nähere Bezeichnung, sollte die vorhandenen lokalen Speichermöglichkeiten (E-Autos ???) besser nutzen. Und obwohl gerade genügend Wind da ist, speisen die Kohlekraftwerke weiter Strom ein.`; Ein unter Vollast laufendes Kohlekraftwerk (oder Kernkraftwerk) durch Schalter umlegen vom Netz nehmen? Warum es immer noch nicht genügend Stromtrassen vom Norden nach Süden gibt, vertsteht sie nicht. ´Denn es geht anders ganz schnell, siehe LNG Terminal.` Dass das LNG Terminal im Grunde ein ankerndes, angemietetes, völlig überteuertes Schiff mit einer 1 - 2 km langen Rohrleitung über See und ein bisschen Strand ist, na ja…; Stromtrassen über 500 - 600 km über oder unter bebautem Land oder Kulturland ist eine ganz andere Hausnummer. Dazu Unmengen an Umschaltstationen, worüber Herr Stobbe sicherlich mehr und schlauer schreiben kann als ich oder dieses schon getan hat.

Dr. Joachim Lucas / 31.01.2023

Die grüne Wirtschafts-und Energiepolitik ist für die Deutschen wie der Versailler Vertrag, nur ohne die Franzosen.

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