Rüdiger Stobbe / 21.07.2020 / 10:00 / Foto: Doenertier82 / 3 / Seite ausdrucken

Woher kommt der Strom? 28. Woche

Die 28. Woche ist ein Paradebeispiel für die Volatilität (= Schwankungsbreite) insbesondere der Windstromerzeugung. Ein Beispiel für das, was der Volksmund Flatterstrom nennt. Flatterstrom, der gleichwohl von der sogenannten Wissenschaft abgestritten wird (Abbildung). Wenn Strom aus Windkraft fehle, müssten halt konventionelle Kraftwerke ran. Später dann, nach deren Abschalten, käme der Strom aus Speichern. Was blanke Theorie ist und bleiben wird. Es sei denn, der Strombedarf Deutschlands würde dem eines Agrarlandes "angepasst". 

Zurück zur 28. Woche der Stromerzeugung in Deutschland. Am Sonntag, dem Tag mit dem geringsten Strombedarf der Woche, und am Montag war die Stromerzeugung mittels erneuerbarer Energieträger stark. Konventionelle Kraftwerke liefen auf Sparflamme. Dienstag begann eine Schwachwindphase mit Tiefpunkt am Donnerstag 0:00 Uhr mit einer Erzeugung von 1,944 GW On- und 0,542 GW Offshore = 2,486 GW. Bedarf um diese Zeit: 50,099 GW. Am Sonntag sah es noch ganz anders aus. Da lieferte der Wind noch 32,5 GW Strom. Schauen Sie sich unter Abbildung 1 die verschiedenen Charts auf einen Blick an. Sehen Sie, wie der Preis schwankt. Die konventionellen Kraftwerke passen sich, soweit es geht, an. Dennoch. Was an dem einen Tag zu viel und unter dem Strich stark preissenkend ist, reicht an dem anderen Tag nicht aus, um den Bedarf zu decken. Hochpreisiger Importstrom muss her. Zu den Preisen, die aufgerufen werden, mehr in den Tagesanalysen.

Die Tabelle mit den Werten der Energy-Charts und der daraus generierte Chart vertiefen die verwendeten Agora-Charts. Hinzu kommen noch die Im- und Exportcharts für die 28. Woche und das aufgelaufene Jahr

Besonders möchte ich auf Abbildung 2 hinweisen. Dort finden Sie einen aktuellen Bericht des Deutschlandfunks (Dlf) zum Kohleausstieg in NRW. Es kommen auch Menschen zu Wort, die den Hambacher Forst besetzt halten. Die Speerspitze des Klimaschutzes sozusagen. 

Die Tagesanalysen

Sonntag, 5.7.2020: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 78,57 Prozent, davon Windstrom 50,79 Prozent, Sonnenstrom 15,08 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 12,7 Prozent. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Ab 3:00 Uhr bis 18:00 Uhr wurde überschüssiger Strom nicht nur verschenkt. Es wurde noch richtig Geld mitgegeben. In der Spitze 64,99 €/MWh. Macht bei exportierten 10,21 GW um 14:00 Uhr lockere 663.547,90 €. Um 12:00, 13:00, 15:00 und 16:00 Uhr fielen ähnliche Summen an. Macht zusammen gut geschätzte 3,2 Millionen €. Es freut die Nachbarn. Diesmal vor allem Österreich. Warum werden konventionellen Kraftwerke nicht weiter heruntergefahren? Es braucht große rotierende Massen, um das Stromnetz stabil zu halten. Wind- und Sonnenkraftwerke allein reichen nicht!

Montag, 6.7.2020: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 73,97 Prozent, davon Windstrom 46,58 Prozent, Sonnenstrom 15,75 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 11,64 Prozent. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Auch der Montag war noch stark in der Wind- und Sonnenstromerzeugung. Allerdings war der Bedarf höher. Das Preisniveau lag in der Mittagsspitze nur geringfügig im negativen Bereich. Österreich sahnte ab. Machte sogar einige Preisdifferenzgeschäfte. Da war es nicht weiter tragisch, dass der Importpreis für Österreich und andere am Vormittag in der Spitze bei 28.27 €/MWh lag. 

Dienstag, 7.7.2020: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 56,06 Prozentdavon Windstrom 24,24 Prozent, Sonnenstrom 18,94 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 12,88 Prozent. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Die Stromerzeugung mittels erneuerbarer Energieträger lässt nach. Die konventionelle Stromerzeugung zieht an. Die ersten Lücken in der eigenen Stromversorgung entstehen trotzdem. Was sich selbstverständlich und direkt einsehbar bei den Preisen, die Deutschland zahlen muss, bemerkbar macht. Wer profitiert? Wer macht gute Preisdifferenzgeschäfte? Hier klicken.

Mittwoch, 8.7.2020: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 39,83 Prozent, davon Windstrom 11,86 Prozent, Sonnenstrom 13,56 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 14,41 Prozent. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Fast den ganzen Tag erzeugt Deutschland nicht genügend Strom, um den Bedarf zu decken. Deutschland importiert. Ab 7:00 Uhr liegt der Preis immer über 40 €/MWh. Ob sich das rechnet? Ich weiß es nicht. Halt, doch, für unsere Nachbarn rechnet es sich in jedem Fall, oder?

Donnerstag, 9.7.2020: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 42,40 Prozent, davon Windstrom 13,60 Prozent, Sonnenstrom 15,20 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 13,60 Prozent. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Der Donnerstag mit dem Windtiefpunkt bringt den ganzen Tag wenig Strom aus erneuerbaren Energieträgern. Lediglich am Nachmittag wird der Bedarf knapp gedeckt. Unter dem Strich bleiben hohe Importpreise. Wie gehabt. Sogar am frühen Morgen. Auch wenn es anders aussieht im Chart. Clever – wie immer – vor allem die kleine Schweiz. Die nutzt auch recht geringfügige Preisdifferenzen

Freitag, den 10.7.2020: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 52,55 Prozent, davon Windstrom 26,28 Prozent, Sonnenstrom 13,87 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 12,41 Prozent. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Heute zieht die Stromerzeugung mittels erneuerbarer Energieträger Richtung Tagesmitte an, so dass ab 8:00 Uhr der Strombedarf Deutschlands nahezu gedeckt ist. Die Preise bewegen sich uneinheitlich zwischen 29 und 43 €/MWh, wobei Deutschland ab und zu auch von hohen Preisen profitiert. Gewinner aber bleiben unter dem Strich unsere Nachbarn.

Samstag, 11.7.2020: Anteil Erneuerbare an der Gesamtstromerzeugung 52,21 Prozent, davon Windstrom 17,70 Prozent, Sonnenstrom 19,47 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 15,04 Prozent. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Der Einstieg ins Wochenende bringt recht wenig Windstrom. Über Tag scheint die Sonne befriedigend auf die Solarmodule. So wird in der Mittagsspitze der Bedarf gedeckt. Überschüssiger Strom wird relativ günstig verkauft. Vor und nach Sonnenuntergang wird Strom importiert. Relativ teuer. Nichts Neues also.

Immer wieder kommt die Frage auf, was unsere Nachbarn mit dem Strom machen, den sie aus Deutschland importieren. Polen z.B. nimmt regelmäßig – praktisch jeden Tag – 0,03 TWh zwecks eigener Stromversorgung ab. Da gibt es wohl auch Verträge, deren Preisgestaltung vom Börsenpreis abweicht, was sich in der Im-/Exportbetrachtung Deutschland bemerkbar machte. Die Alpenländer werden abgenommenen Strom ebenfalls selbst verbrauchen und/oder in Pumpspeicherkraftwerken speichern. Die Niederlande und Dänemark werden den Strom ebenfalls in den Eigenverbrach einkalkulieren oder, wenn Abnahmeboni gezahlt werden, diese einstecken und den womöglich nicht benötigten Strom über Generatoren "verarbeiten". In Bewegungsenergie und Wärme. Dies sind Annahmen. Wenn ein Leser, gerne auch eine Leserin, ausführliche Infos, und seien es „nur“ solche zu einzelnen Ländern, liefern kann: Bitte an stromwoher@mediagnose.de senden.

Ordnen Sie Deutschlands CO2-Ausstoß in den Weltmaßstab ein. Zum interaktiven CO2-Rechner: Hier klicken. Noch Fragen? Ergänzungen? Fehler entdeckt? Bitte Leserpost schreiben! Oder direkt an mich persönlich: stromwoher@mediagnose.de. Alle Berechnungen und Schätzungen durch Rüdiger Stobbe nach bestem Wissen und Gewissen, aber ohne Gewähr. 

Die bisherigen Artikel der Kolumne Woher kommt der Strom? mit jeweils einer kurzen Inhaltserläuterung finden Sie hier.

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Thomas Brox / 21.07.2020

Erlass des Wahrheitsministeriums (WaMi) vom heutigen Tag: 1) Mündliche oder schriftliche Analyse beliebiger Energiedaten (zum Beispiel Erzeugung, Versorgung, Preis elektrischer Energie, etc.) durch Personen, die nicht durch das WaMi autorisiert sind, führen umgehend zu einem mindestens 5 jährigen Aufenthalt in einem Sozialisierungs-Camp. 2) Mündliche oder schriftliche Zitate oder Verweise oder sonstige Verwendung naturwissenschaftlicher Sachverhalte (zum Beispiel physikalische oder chemische Gesetze, mathematische Theoreme, etc.) durch Personen, die nicht durch das WaMi autorisiert sind, führen umgehend zu einem mindestens 10 jährigen Aufenthalt in einem Sozialisierungs-Camp. 3) Unangemessene Kritik jeglicher Form an der Versorgung oder dem Lebensstandard oder dem allgemeinen Wohlbefinden oder der allgemeinen Zufriedenheit der Volksgemeinschaft führen umgehend zu einem mindestens 20 jährigen Aufenthalt in einem Sozialisierungs-Camp. 4) Die Durchführung des Erlasses wird durch Mitarbeiter der Hauptabteilung 4711 des Ministeriums für Staatsschutz durchgeführt. 5) Der Erlass tritt sofort in Kraft. 6) Gezeichnet: Minister für Wahrheit, Minister für Staatsschutz.

Günther Wirst / 21.07.2020

Hier ein kleiner Beitrag zu den Speichern, den Rettern der Klimawende also: Da wird uns jetzt allen Ernstes vorgegaukelt, die Traktionsbatterien der Elektrovehikel könnten nach ihrem segensreichen Wirken im E-Auto bei Erreichen eines bestimmten SOH, 70% sind angedacht, in einem “zweiten Leben” noch viel Gutes für das Klima und die Menschheit leisten. Ein Schwachsinn und eine Schnapsidee sondergleichen. Die Batterie wird im Laufe ihres Lebens nicht kleiner, der Wirkungsgrad wird schlechter. Will heißen, das Verhältnis zwischen eingespeister Energie und wieder entnehmbarer Energie verschlechtert sich. Wieder einmal können durch einfache Grundrechnungen eine Unzahl an Studien und Forschungsergebnissen widerlegt werden. Bitte sehr: Berechnungsbasis sei eine Traktionsbatterie, die im Neuzustand eine Nettokapazität von 50 kWh aufweist. Man kann durchaus Lade- und Entladeverluste von zusammen 15% annehmen, daher ist bei einer neuen Batterie eine Stromentnahme an der Steckdose von 50/0,85 = 58,8 kWh erforderlich. Für des sogenannte zweite Leben, die Batterie soll als stationärer Stromspeicher Verwendung finden, ist der Einsatz bis zu einem SOH von 50% geplant. Zwischen 70 und 50% also. Im Durchschnitt ihres zweiten Lebens hat die Batterie also gegenüber einer neuen Batterie 40% Wirkungsgrad verloren. Damit ergibt sich für das zweite Leben der Batterie folgende Rechnung: Zugeführte Energie 58,8 kWh, entnehmbare Energie 50 x 0,6 = 30 kWh. Wirkungsgrad daher 30/58,8 = 51%. Die Hälfte der verfügbaren Energie wird allein durch die Zwischenspeicherung verbraten. Noch schlimmer sieht’s gegen Ende des zweiten Batterielebens aus, hier die Berechnung: Zugeführte Energie weiterhin 58,8 kWh, entnehmbare Energie aber nur mehr 50 x 0,5 = 25 kWh. Das klägliche Ergebnis: 25/58,8 = 42,5%.

R. Gremli / 21.07.2020

Soweit ich weiss, ist die Schweiz in grossen Teilen auch ein Transitland für Strom. Da geht einiges nach Italien oder umgekehrt.

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