Seit der PV-Stromsteigerung ab März 2024 entstehen regelmäßig erhebliche Strom-Versorgungslücken, wenn die über Tag hohe PV-Stromerzeugung zum Abend wegfällt. Das führt zu Preissprüngen.
Ein Blick auf die Strompreisbildung des bisherigen Jahres 2024 offenbart, dass mit Beginn der PV-Stromsteigerung ab März 2024 eine erhebliche Preisvolatilität einsetzte. Die PV-Stromerzeugung wurde im vergangenen Jahr stark ausgebaut. Und auch in diesem Jahr geht es weiter. In Witznitz wurde kürzlich der größte Solarpark Deutschlands, wenn nicht sogar Europas eröffnet.
Nicht umsonst wird die Bereitstellung auch von Systemdienstleistungen betont. Diese stehen – größter Solarpark hin oder her – in keinem Verhältnis zu der Menge an Systemdienstleistungen, die konventionelle Kraftwerke mit großen Stromerzeugungsgeneratoren bereitstellen. Diese fallen nach und nach energiewendebedingt weg und hinterlassen ein riesiges, wahrscheinlich hunderte Milliarden Euro teures Systemdienstleistungsproblem.
Was da auf die diversen Haushalte, auf die private Wirtschaft zukommt, hat unsere Politelite nicht mal ansatzweise begriffen, wie die Debatte am vergangenen Donnerstag, dem 4.7.2024, im Deutschen Bundestag gezeigt hat. Dort ist von Größenordnungen in Sachen Speicher und mehr die Rede, die geradezu lachhaft sind. Leider legt die einzige tatsächliche Energiewende-Oppositionspartei den Finger so faktenfrei in die so offene Energiewende-Wunde, dass nichts an Erkenntnisgewinn für den geneigten Zuhörer dabei herumkam. Wie dem auch sei, es wird in Zukunft dank des neuen Giga-Solarparks in Witznitz noch mehr PV-Strom im Sommer 2024 erzeugt werden.
Ursprünge der Preissprünge liegen offen
Die aktuelle Analysewoche belegt eindrucksvoll, woher die oben in der Übersicht bereits gut erkennbaren Preissprünge ihren Ursprung haben. Insbesondere, wenn die über Tag hohe PV-Stromerzeugung zum Abend wegfällt, entstehen regelmäßig erhebliche Strom-Versorgungslücken. Das führt zu Preissprüngen von 100 bis 180 €/MWh. Vor Beginn der täglichen PV-Stromerzeugung ist ein ähnliches Phänomen zu beobachten. In aller Regel sind die Preissprünge in dieser Zeit geringer. Aber sie sind da, wie der Chart der 26. Analysewoche belegt. Dass zum Peak der PV-Stromerzeugung über die Mittagszeit der Strompreis in den Keller, wenn nicht sogar in den negativen Bereich fällt, verwundert den regelmäßigen Leser dieser Kolumne nicht. In der 26. KW war dies viermal der Fall. Fünfmal und mehr werden in diesem Sommer keine Überraschung sein. Zumal der Ausbau der PV-Stromerzeugung ohne Rücksicht auf Verluste weiter promotet wird.
Ich möchte darauf hinweisen, dass in dieser Woche im Day-Ahead-Handel ein Höchstpreis von weit über 2.000 €/MWh aufgerufen wurde. Wegen eines technischen Defektes an der europäischen Strombörse in Paris wurde der sonst grenzüberschreitende Stromhandel auf die einzelnen Teilnehmerländer übertragen. Deutschland wurde dabei kalt erwischt. Um 6:00 und um 20:00 Uhr. Die Nachfrage überstieg das Strom-Angebot offensichtlich erheblich. Prompt geriet der Strompreis aus den Fugen. Ein Stahlwerk stellte für diesen Tag den Betrieb ein. So blieben "nur" die Fixkosten. Im Intraday-Handel waren die Preissprünge moderat, wie der orangene Graph belegt. Zusätzliche Informationen gibt es im Interview, welches ich am 5.7.2024 mit Benjamin Gollme vom Kontrafunk zum Vorfall am 26.6.2024 geführt habe.
Wochenüberblick
Montag, 24.6.2024, bis Sonntag, 30.6.2024: Anteil Wind- und PV-Strom 50,2 Prozent. Anteil regenerativer Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 65,8 Prozent, davon Windstrom 17,0 Prozent, PV-Strom 33,3 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 15,5 Prozent.
- Regenerative Erzeugung im Wochenüberblick 24.6.2024 bis 30.6.2024
- Die Strompreisentwicklung in der 26. Analysewoche 2024.
Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Wochenvergleich zur 26. Analysewoche ab 2016.
Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zur 26. KW 2024: Factsheet KW 26/2024 – Chart, Produktion, Handelswoche, Import/Export/Preise, CO2, Agora-Chart 68 Prozent Ausbaugrad, Agora-Chart 86 Prozent Ausbaugrad.
Rüdiger Stobbe zum Strommarkt: Spitzenpreis 2000€/MWh beim Day-Ahead Handel
- Meilenstein – Klimawandel & die Physik der Wärme
- Klima-History 2: Video-Schatz des ÖRR aus dem Jahr 2010 zum Klimawandel
- Klima-History 1: Video-Schatz aus dem Jahr 2007 zum Klimawandel.
- Interview mit Rüdiger Stobbe zum Thema Wasserstoff plus Zusatzinformationen
- Weitere Interviews mit Rüdiger Stobbe zu Energiethemen
- Viele weitere Zusatzinformationen
- Achtung: Es gibt aktuell praktisch keinen überschüssigen PV-Strom (Photovoltaik). Ebenso wenig gibt es überschüssigen Windstrom. Auch in der Summe der Stromerzeugung mittels beider Energieträger plus Biomassestrom plus Laufwasserstrom gibt es fast keine Überschüsse. Der Beleg 2022, der Beleg 2023/24. Strom-Überschüsse werden bis auf wenige Stunden immer konventionell erzeugt. Aber es werden, insbesondere über die Mittagszeit für ein paar Stunden vor allem am Wochenende immer mehr!
Jahresüberblick 2024 bis zum 30. Juni 2024
Daten, Charts, Tabellen & Prognose zum bisherigen Jahr 2024: Chart 1, Chart 2, Produktion, Stromhandel, Import/Export/Preise/CO2
Tagesanalysen
Was man wissen muss: Die Wind- und PV-Stromerzeugung wird in unseren Charts fast immer „oben“, oft auch über der Bedarfslinie angezeigt. Das suggeriert dem Betrachter, dass dieser Strom exportiert wird. Faktisch geht immer konventionell erzeugter Strom in den Export. Die Chartstruktur zum Beispiel mit dem bisherigen Jahresverlauf 2024 bildet den Sachverhalt korrekt ab. Die konventionelle Stromerzeugung folgt der regenerativen, sie ergänzt diese. Falls diese Ergänzung nicht ausreicht, um den Bedarf zu decken, wird der fehlende Strom, der die elektrische Energie transportiert, aus dem benachbarten Ausland importiert.
Eine große Menge Strom wird im Sommer über Tag mit PV-Anlagen erzeugt. Das führt regelmäßig zu hohen Durchschnittswerten regenerativ erzeugten Stroms. Was allerdings irreführend ist, denn der erzeugte Strom ist ungleichmäßig verteilt.
Montag, 24.6.2024: Anteil Wind- und PV-Strom 44,2 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 59,8 Prozent, davon Windstrom 16,3 Prozent, PV-Strom 27,9 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 15,5 Prozent.
Kaum Windstrom, viel PV-Strom, ganztägiger Stromimport. Die Strompreisbildung
Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 24. Juni ab 2016.
Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zum 24.6.2024: Chart, Produktion, Handelstag, Import/Export/Preise/CO2 inklusive Importabhängigkeiten.
Dienstag, 25.6.2024: Anteil Wind- und PV-Strom 51,2 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 65,2 Prozent, davon Windstrom 14,3 Prozent, PV-Strom 36,9 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 14,0 Prozent.
Fast 50 GW PV-Strom in der Spitze, weiter wenig Windstrom, Stromimport-Unterbrechung von 11:00 bis 16:00 Uhr. Die Strompreisbildung.
Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 25. Juni ab 2016.
Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zum 25.6.2024: Chart, Produktion, Handelstag, Import/Export/Preise/CO2 inklusive Importabhängigkeiten
Mittwoch, 26.6.2024: Anteil Wind- und PV-Strom 46,3 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 60,6 Prozent, davon Windstrom 13,2 Prozent, PV-Strom 33,1 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 14,3 Prozent.
Weiter starke PV-Stromerzeugung mit Importunterbrechung. Die Strompreisbildung mit Stundenpreisen statt – wie oben beim orangenen Intraday-Graph – Durchschnittspreisen.
Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 26. Juni 2016.
Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zum 26.6.2024: Chart, Produktion, Handelstag, Import/Export/Preise/CO2 inkl. Importabhängigkeiten
Donnerstag, 27.6.2024: Anteil Wind- und PV-Strom 43,1 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 58,4 Prozent, davon Windstrom 12,9 Prozent, PV-Strom 30,1 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 15,3 Prozent.
Wieder ganztägiger Stromimport. Die Strompreisbildung.
Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 27. Juni ab 2016.
Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zum 27.6.2024: Chart, Produktion, Handelstag, Import/Export/Preise/CO2 inkl. Importabhängigkeiten
Freitag, 28.6. 2024: Anteil Wind- und PV-Strom 58,8 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 72,7 Prozent, davon Windstrom 27,7 Prozent, PV-Strom 31,1 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 13,9 Prozent.
Die Windstromerzeugung zieht an, PV-Strom lässt nach. Dennoch ergibt sich eine regenerative Übererzeugung. Die Strompreisbildung mit negativen Strompreisen von 12:00 bis 16:00 Uhr.
Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 28. Juni ab 2016.
Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zum 28.6.2024: Chart, Produktion, Handelstag, Import/Export/Preise/CO2 inkl. Importabhängigkeiten.
Samstag, 29.6. 2024: Anteil Wind- und PV-Strom 52,9 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 70,9 Prozent, davon Windstrom 11,2 Prozent, PV-Strom 41,7 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 18,0 Prozent.
Über Tag gibt es ein "Windstromloch". Die PV- Stromerzeugung ist wieder stark. Die Strompreisbildung. Lukrative Preisdifferenzgeschäfte werden getätigt. Von unseren Nachbarn.
Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 29. Juni ab 2016.
Daten, Tabellen & Prognosen zum 29.6.2024: Chart, Produktion, Handelstag, Import/Export/Preise/CO2 inkl. Importabhängigkeiten
Sonntag, 30.6.2024: Anteil Wind- und PV-Strom 55,4 Prozent. Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 73,7 Prozent, davon Windstrom 35,3 Prozent, PV-Strom 20,1 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 18,3 Prozent.
Geringer Bedarf, halbierte PV-Stromerzeugung. Die Stromnachfrage ist über Tag offensichtlich sehr gering. Deshalb wird der Strom von 9:00 bis 16:00 Uhr praktisch verschenkt. Weil nur zwei Stunden (13:00, 14:00 Uhr) ein Negativpreis anfällt, erhalten die Produzenten des regenerativen Stroms die volle EEG-Vergütung.
Belege für Werte und Aussagen im Text oben, viele weitere Werte sowie Analyse- und Vergleichsmöglichkeiten bietet der Stromdateninfo-Tagesvergleich zum 30. Juni ab 2016.
Daten, Charts, Tabellen & Prognosen zum 30.6.2024: Chart, Produktion, Handelstag, Import/Export/Preise/CO2 inkl. Importabhängigkeiten
Die bisherigen Artikel der Kolumne Woher kommt der Strom? seit Beginn des Jahres 2019 mit jeweils einem kurzen Inhaltsstichwort finden Sie hier. Noch Fragen? Ergänzungen? Fehler entdeckt? Bitte Leserpost schreiben! Oder direkt an mich persönlich: stromwoher@mediagnose.de. Alle Berechnungen und Schätzungen durch Rüdiger Stobbe und Peter Hager nach bestem Wissen und Gewissen, aber ohne Gewähr.
Rüdiger Stobbe betreibt seit 2016 den Politikblog MEDIAGNOSE.

Die Strompreis-Sprünge ergeben sich nicht daraus, dass wir nicht mehr genug konventionelle Kraftwerke hätten. Der Punkt ist eher, dass es sich für die Betreiber schlicht nicht lohnt, sie für paar wenige Stunden hochzufahren. D. h. wenn man sie partout anfordern will, dann lassen die Betreiber diese Leistung halt vergolden.
Aus Stromkundensicht ist der Preis zwar ein Ärgernis, aber nicht das größtes Problem. Speziell in den Abendstunden haben wir in jüngerer Zeit (speziell seit Ostern, wo ja noch weitere Kohle-Kraftwerksblöcke vom Netz gingen) teils bedrohliche Netzfrequenzsprünge, gern um 22 oder 23 Uhr pünktlich zur neuen Stunde. Wenn zu solchen Zeiten konventionelle Kraftwerke vom Netz gehen, fehlt deren Regelleistung gerade dann, wenn man sie am dringendsten brauchen würden, nämlich eben gerade zum Stundenwechsel. Irgendwann wird man sich da mal gehörig verkalkulieren. Wenn die Netzfrequenz unter 49.800 Hz geht, drohen automatische „Lastabwürfe“, die dann auch größerflächig sein können. Bis 49.825 Hz sind wir in jüngerer Zeit schon gekommen. Der Netzfrequenz-Chart vom 28.04. abends zeigt sehr anschaulich auf, wie schnell die Netzfrequenz wegsackt, wenn nicht genug Primärregelleistung (FCR) vorgehalten wird. Die Dinge gehen dann so schnell, dass die Sekundärregelleistung (aFRR) gar nicht schnell genug zur Verfügung steht.
Ich habe ein Elektrosmogdetektor billig erstanden. Der mißt zwar nur Frequenzen von 50 Hz bis 1000 MHZ, aber es mißt schon unter dem Grenzwert und geht bis in den Bereich drahtloser Telefonie. Man findet damit leicht alle Kabel unter dem Putz und stellt fest, daß alle Wände Elektrosmog emittieren. Elektrosmog geht auch massiv von Stromleitungen und Steckdosen aus, an die kein Verbraucher angeschlossen ist. Man denkt falsch, wenn man denkt, da kann ja kein Strom fließen. Meist hört man ein 50 Hz Brummen, aber es kann auch Rauschen, Pfeifen und Knattern. Das sind die gepulsten Felder der Sendemasten. Seitdem ich das Gerät habe, sehe ich die elektrische Welt anders. Im Schlafzimmer ist das natürlich interessant. Hochspannungsleitungen, Sendemasten, Microwellenherde, das ist brenzlig. Und wie das in der Bahn aussieht, wenn alle an ihrem Händi herumfummeln, das ist ein Elektrosmogkäfig. Gemessen wird in V/m, Voltmeter. Am sichersten ist man in der Raummitte, sofern die Lampe über dem Kopf aus ist. Das Gerät ist empfehlenswert für alle, die denken, sie betrifft das nicht.
Die EDF berichtet über die nukleare Stromerzeugung: Frankreich Juni 2023: 22.7TWh. Juni 2024: 26.4TWh + 16.2%. 01-06 2023: 158.1TWh, 01-06 2024: 177.4TWh + 12.2%. GB Juni 2023: 3.3TWh. Juni 2024: 3.4TWh + 2.7%. 01-06 2023: 18.2TWh. 01-06 2024: 18.1TWh -1.0%. Deutschland: Eigene Kernkraftwerke und nukleare Teilhabe an den Fähigkeiten der USA : 01-06 2024: 0 KWh. Ich erwähne letzteres immer gerne, da Deutschland nur aus der friedlichen Nutzung der Kernenergie ausgestiegen ist, aber am gefährlicheren Teil festhält. Die Schweiz hat bekanntlich keine Atomwaffen, auch keine Teilhabe an jenen dritter, betreibt dafür Kernkraftwerke. Manche Staaten tun beides.