Rüdiger Stobbe / 15.06.2021 / 10:00 / Foto: Doenertier82 / 5 / Seite ausdrucken

Woher kommt der Strom? 22. Woche

Der meteorologische Sommeranfang brachte mit der 22. Analysewoche (Abbildung) zum Wochenbeginn viel Solarstrom. Die Windstromerzeugung hingegen war insgesamt wenig befriedigend. So kam es wieder zu einer typischen Sommer-Strom-Importwoche. Lediglich am Donnerstag wurde per Saldo mehr Strom exportiert als importiert. Die Strompreise absolut pro MWh bewegten sich zwischen 50 und 86 €. Es wurden an den sieben Tagen unter dem Strich 197,3 GWh Strom von Deutschland importiert. Dafür mussten 82,85 €/MWh gezahlt werden. Die kompletten Zahlen der Woche im 6-Jahres-Vergleich.

Jeweils zum Morgen und zum Abend steuerten die Konventionellen (Abbildung 1) mit erhöhter Pumpspeicherstromerzeugung zum Absenken der regelmäßigen Stromlücken bei. Per Saldo wurde dennoch außer am Donnerstag immer Strom importiert, der wie oben bereits belegt, hochpreisig erworben wurde. Die Preiskurve (Abbildung 2) veranschaulicht nochmals, dass Deutschland über Mittag, wenn wegen der starken Solarstromerzeugung viel Strom im Markt ist, diesen recht günstig verkauft. Günstig jedenfalls zu den Preisen, die gezahlt werden müssen, wenn Strom importiert werden muss, um die Stromversorgung sicherzustellen. Mit dem für viele Bundesländer mit Fronleichnam beginnenden langen Wochenende sinkt der Strombedarf ab. Ab Freitag sank glücklicherweise auch die regenerative Stromerzeugung, vor allen die Stromerzeugung per Photovoltaik, so dass negative Export-Strompreise zur Mittagszeit für Deutschland vermieden wurden (Abbildung 3).

Die Tabelle mit den Werten der Energy-Charts und die daraus generierte Tabelle liegen unter Abbildung 4 ab. Es handelt sich um Werte der Nettostromerzeugung, der „Strom, der aus der Steckdose“ kommt, wie auf der Webseite der Energy-Charts ganz unten ausführlich erläutert wird.

Die Charts mit dem Jahres- und Wochenexportzahlen liegen unter Abbildung 5 ab. Abbildung 6 ermöglicht, dass Sie ihr eigener Energiewender werden. Abbildung 7 beinhaltet die Charts, welche eine angenommene Verdoppelung und Verdreifachung der Wind- und Solarstromversorgung visualisieren.

Abbildung 8 enthält ein Video, in dem sich Joachim Weimann zu den Kosten der Energiewende äußert. Das Interview stammt aus dem Jahr 2015, ist dennoch hochaktuell. Ergänzt wird dieser Beitrag durch einen diesmal brandaktuellen Beitrag der HHL Leipzig Graduate School of Management mit Prof. Sinn und Prof. Althammer.

Demnächst wird stromdaten.info um ein CO2-Tool ergänzt werden. Das Tool erlaubt eine Sicht auf den CO2-Ausstoß, der Deutschland mit importiertem Strom zwar nicht angerechnet wird, der dennoch – im Ausland – in die Atmosphäre geblasen wird. Dies ist vor allem deshalb wichtig, weil Deutschland in den vergangenen Jahren immer mehr Strom importiert hat.

Beachten Sie bitte unbedingt den Stromdateninfo-Tagesvergleich ab 2016 in den Tagesanalysen. Dort finden Sie die Belege für die im Analyse-Text angegebenen Durchschnittswerte und viel mehr. Der Vergleich beinhaltet einen Schatz an Erkenntnismöglichkeiten. Überhaupt ist das Analysetool stromdaten.info mittlerweile ein sehr mächtiges Instrument der Stromdatenanalyse geworden.

Die Tagesanalysen

Montag, 31.5.2021: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 50,65 Prozent, davon Windstrom 7,77 Prozent, Solarstrom 28,82 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 14,07 Prozent. Stromdateninfo Tagesvergleich ab 2016. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Ein ruhiger Tag mit zwei großen Stromlücken. Unter dem Strich zahlt Deutschland, zahlt der deutsche Stromkunde 106,98€/MWh, um diese Lücken zu schließen. Die konventionelle Stromerzeugung bemüht sich nicht wirklich, um den Bedarf Deutschlands zu decken. Sie könnte es, sie will es nicht. Die Preise, die aufgerufen werden, sind diese. Der Handelstag.

Dienstag, 1.6.2021: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 51,18 Prozentdavon Windstrom 10,35 Prozent, Solarstrom 26,86 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 13,97 Prozent. Stromdateninfo Tagesvergleich ab 2016. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Der Dienstag ähnelt dem Montag. Ein leichter Windstromanstieg ist über Tag zu verzeichnen. Die Konventionellen leisten nur das Nötigste und leeren die Pumpspeicher teilweise, um die Preise nicht zu stark ansteigen zu lassen. Außerdem bringt es Ertrag. Selbstverständlich sieht die Preiskurve wie die gestrige aus. Der Handelstag.

Mittwoch, 2.6.2021: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 58,56 Prozentdavon Windstrom 20,09 Prozent, Solarstrom 25,10 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 13,37 Prozent. Stromdateninfo Tagesvergleich ab 2016. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Der letzte PV-Strom ergiebige Tag der Woche. Die Windstromerzeugung zieht weiter an. Dennoch reicht die regenerative Stromerzeugung plus Konventionelle auch heute nicht aus, um die beiden üblichen Stromlücken auszugleichen. Die Preise und der Handelstag: Die Schweiz, Österreich, Frankreich und Polen machen gute Preisdifferenzgeschäfte. Deutschland hingegen zahlt für 22,01 GWh Importstrom unter dem Strich 93,86 €/MWh.

Donnerstag, 3.6.2021: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 57,61 Prozentdavon Windstrom 21,22 Prozent, Solarstrom 22,31 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 14,09 Prozent. Stromdateninfo Tagesvergleich ab 2016. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Heute exportiert Deutschland mehr Strom, als es importiert. Die morgendliche Stromlücke fällt gering aus. Warum? Es ist in den meisten Bundesländern Feiertag. Der Strombedarf ist geringer als an einem Werk-Donnerstag. Für den Rest der Woche ebenfalls. Stichwort „Verlängertes Wochenende“. Braunkohle- und Gasstromerzeugung ziehen über Tag etwas an. Dennoch muss der Importstrom der Vorabendlücke wieder hoch bezahlt werden. Der Handelstag.

Freitag, 4.6.2021: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 44,25 Prozent, davon Windstrom 8,12 Prozent, Solarstrom 20,89 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 15,24 Prozent. Stromdateninfo Tagesvergleich ab 2016. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Fast den ganzen Tag kauft Deutschland Strom zu. Der wenige Strom, der exportiert wird, bringt nicht viel ein. Die Konventionellen verhalten sich wie die Tage vorher. Sie nehmen gute Preise mit. Der Handelstag.

Samstag, 5.6.2021: Anteil Erneuerbare an der Gesamtstromerzeugung 47,55 Prozent, davon Windstrom 10,32 Prozent, Solarstrom 20,02 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 17,20 Prozent. Stromdateninfo Tagesvergleich ab 2016. Die Agora-ChartmatrixHier klicken.

Wochenende, wenig Bedarf, wenig regenerativer Strom. Zur Windstrom- kommt noch ein PV-Strom-Schwäche. Konventionell wird nicht genug getan, um die Lücken zu schließen. Das Ausland liefert ja. Die Preiskurve sieht so aus.

Sonntag, 6.6.2021: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 46,22 Prozent, davon Windstrom 12,66 Prozent, Solarstrom 14,70 Prozent, Strom Biomasse/Wasserkraft 18,86 Prozent. Stromdateninfo Tagesvergleich ab 2016. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Ein komplette Importtag. Per Saldo natürlich. Die Konventionellen nehmen die Preise auch mit, die unseren Nachbarn für den Strom gezahlt werden. So sieht die Preiskurve aus.

Die monatlichen Informationen zu den PKW-Neuzulassungen aufbereitet von Peter Hager aus Lauf an der Pegnitz.

Die Bäume wachsen nicht in den Himmel

Die Neuzulassungen lagen im Mai bei 230.635 PKW, was einem Plus von 37,2 Prozent gegenüber dem Mai 2020 entspricht und mit +0,4 Prozent nur geringfügig über dem April 2021 liegt. Mit einem Minus von fast 31 Prozent gegenüber Mai 2019 sind die PKW-Neuzulassungen nach wie vor weit von dem Niveau vor Corona entfernt.

Gesamt: 230.635 (ggü. 05/2020: +37,2 Prozent/ ggü. 05/2019: -30,7 Prozent)

Bei den alternativen Antrieben gab es wie zu erwarten sehr hohe Zuwachsraten gegenüber dem Vorjahresmonat, dennoch bleibt der Anteil an den Gesamtzulassungszahlen nahezu unverändert:

Hybrid (incl. Plug-in): 64.367 (ggü. 05/2020: +181,8 Prozent / Zulassungsanteil: 27,9 Prozent)

Plug-in-Hybrid: 27.222 (ggü. 05/2020: +303 Prozent/ Zulassungsanteil: 11,8 Prozent)

Elektro (BEV= Battery Electric Vehicle): 26.786 (ggü. 05/2020: +380,2 Prozent / Zulassungsanteil: 11,6 Prozent)

Der höhere Zulassungsanteil bei den BEV (April 2021: 10,4 Prozent) ist hauptsächlich durch den "Tesla-Effekt" bedingt (bei Tesla sind im ersten Monat eines Quartals die Zulassungen sehr niedrig).

Quelle: hier

Top 5 nach Herstellern:

Hybrid-PKW (ohne Plug-in): 175.577 (01-05/2021)

Audi (mit 10 Modellen): 22,8 Prozent
BMW (mit 11 Modellen): 16,8 Prozent
Toyota (mit 8 Modellen): 9,4 Prozent
Hyundai (mit 6 Modellen): 8,0 Prozent
Ford (mit 8 Modellen): 7,0 Prozent

Hybrid-PKW (mit Plug-in): 132.257 (01-05/2021)

Mercedes (mit 10 Modellen): 20,0 Prozent
VW (mit 5 Modellen): 14,1 Prozent
BMW (mit 9 Modellen): 14,0 Prozent
Audi (mit 8 Modellen): 11,0 Prozent
Seat (mit 3 Modellen): 6,3 Prozent

Elektro-PKW: 115.296 (01-05/2021)

VW (mit 5 Modellen): 25,1 Prozent
Smart (mit 2 Modellen): 9,1 Prozent
Tesla (mit 3 Modellen): 8,1 Prozent
Hyundai (mit 3 Modellen): 8,0 Prozent
Renault (mit 2 Modellen): 7,6 Prozent

Die beliebtesten zehn E-Modelle in 05/2021 (Gesamt: 26.786) waren:

VW up: 2.819 (Minis)
Tesla Model 3: 2.744 (Mittelklasse)
VW ID3: 2.252 (Kompaktklasse)
Smart FourTwo: 1.671 (Minis)
Skoda Enyaq: 1.646 (SUV)
Renault ZOE: 1.521 (Kleinwagen)
VW ID4: 1.277 (SUV)
Opel Corsa: 1.156 (Kleinwagen)
BMW i3: 979 (Kleinwagen)
Fiat 500: 941 (Minis)

Die elektrische Version des Fiat 500 schaffte es erstmals in die Top-ten. Der Skoda Enyaq – im April neu auf den Markt und auf Platz 10 – kommt jetzt auf Platz 5.

Chip-Mangel in der Automobilindustrie

Auch wenn hierzu keine exakten Zahlen zu finden sind – Schätzungen gehen von weltweit 2 bis 4 Millionen weniger Autos für das erste Halbjahr 2021 aus – gibt es zwei gute Nachrichten, die den Chip-Mangel zumindest mittelfristig abmildern könnten:

Bosch hat seine Chip-Fabrik in Dresden offiziell eröffnet (hergestellt werden Halbleiter für Automobilsysteme sowie Elektrowerkzeuge von Bosch).

Infineon zieht den Produktionsstart seines neuen Werkes in Villach auf Sommer 2021 vor (dort werden Leistungshalbleiter u.a. für die Elektromobilität produziert).

Etwas zum Kopfschütteln

Im grünen Baden-Württemberg wollen im Herbst das Fraunhofer ISE mit Partnern in einem Projekt auf der A81 die Überdachung von Autobahnen mit PV-Modulen erproben. Man braucht kein Prophet zu sein: Bei den hohen Sicherheitsanforderungen (u.a. Aufprallschutz, Einsturzschutz) wird das sicher sehr teuer. Das hat sogar schon das Bundesverkehrsministerium erkannt.

Noch Fragen? Ergänzungen? Fehler entdeckt? Bitte Leserpost schreiben! Oder direkt an mich persönlich: stromwoher@mediagnose.de. Alle Berechnungen und Schätzungen durch Rüdiger Stobbe und Peter Hager nach bestem Wissen und Gewissen, aber ohne Gewähr.  Die bisherigen Artikel der Kolumne Woher kommt der Strom? mit jeweils einer kurzen Inhaltserläuterung finden Sie hier.

Rüdiger Stobbe betreibt seit über 5 Jahren den Politikblog www.mediagnose.de.

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Leserpost

netiquette:

Hans-Peter Dollhopf / 15.06.2021

“Dafür mussten 82,85 €/MWh gezahlt werden”, also 8,3 ¢/kWh. Jede kWh, die aus dem Ausland einfließt, um von meinem EVU an mich weiterverkauft zu werden, wird mit den deutschländischen Zulagen trotzdem auf 30 bis 35 ¢/kWh hochgetrieben. Warum? Wenn mein EVU mich mit einer im Ausland eingekauften kWh für 8.3 ¢ versorgt, fallen sachlich weder KWK - Umlage noch Offshore-Haftungsumlage an! Ich verstehe ja noch die Konzessionsabgabe, weil der ausländische Strom muss ja verteilt werden, aber die spezifisch deutschproblematischen Aufschläge sind bei importiertem Strom doch völlig sachfremd!

Joerg Machan / 15.06.2021

Ganz großen Dank für den Video - Link zu Herrn Joachim Weimann. Für Mitleser: Keine 5 Minuten, aber unglaublich auf den Punkt gebracht. Perfekt. Nochmals: Dankeschön.

Roger Reichert / 15.06.2021

Wann laden die Leute ihre E-Autos auf? Wenn sie nicht gebraucht werden, also nachts. Und nachts ist bekanntlich weniger Solar-Strom verfügbar als wenn kein Wind ist. Man stelle sich mal 20 Mio. E-Kisten plus E-Senioren-Mobile plus Handys vor… nachts, gleichzeitig, wenn kein Wind weht, ohne vernünftige Zwischenspeichermöglichkeit tagsüber. Morgens wundert man sich dann über den abgetauten Kühlschrank, den blinkenden Radiowecker, das nicht geladene Auto uvm. Erst, wenn man dann vor geschlossenen Supermärkten steht, die Tanke geschlossen hat, Ravioli kalt gegessen werden müssen, werden die Deutschen merken, dass “grün” nicht funktioniert. Was wird man dann seitens der Politiker und Mainstream-Medien sagen? Genau, wir, das Volk, sind ja schuld am hohen Verbrauch gewesen… mit all den Einfamilien-Häusern, den vielen Autos und Kaffeemaschinen… und die meisten Deutschen werden es doch abnicken.

Ralf.Michael / 15.06.2021

Sachte, Sachte, Herr Stobbe…...warten Sie doch bitte bis nach der Wahl. Dann veröffentliche ich mein brandneues Verfahren zum Anzapfen Extraterrestrischer Stromquellen. Nein, keine SolarEnergie, (deshalb dürfen unsere grünen Mitmenschen noch nichts davon erfahren), sondern etwas absolut Neues und Anbderes. Nein, Kobolde sind ebenfalls nicht involviert, da kann ich Sie vollkommen beruhigen. Alles schon überprüft und nachgerechnet. Nein, ich verate vorher absolut Nichts. Ein Stichwort : Na gut, es hat etwas mit Wurml zu tun, zufrieden ?? Die werden Augen ma…..... ;o))

Markus Buchholz / 15.06.2021

82,85€ mittlerer Strompreis pro MWh….Ich verstehe den Sinn dieses kalkulatorischen Preises nicht. Für den gesamten Mai ergibt sich laut stromdaten.info mit der gleichen Rechnungsmethodik ein Preis von 1.420 € pro netto importierter MWh…das ist 14 mal höher als der tatsächlich maximale Preis im Mai! Und theoretisch ist diese Preiskalkulation bei gleicher Export- und Importmenge in einem Zeitraum gar nicht definiert (Division durch 0). Gibt es einen guten Grund, diese Berechnung so durchzuführen?

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