Rüdiger Stobbe / 24.03.2020 / 10:00 / Foto: Doenertier82 / 8 / Seite ausdrucken

Woher kommt der Strom?  11. Woche

Deutschland wird seine Klimaziele erreichen (Abbildung). Nicht wegen der Energiewende, sondern wegen der fast kompletten Stilllegung des öffentlichen Lebens mit unabsehbaren Folgen für die Wirtschaft.

Die 11. Woche war sehr wechselhaft. Markant ist der rapide Rückgang der Windstromerzeugung um 80 Prozent von Freitagmittag bis zum Samstagmorgen. Strom wurde mehrfach verschenkt. Allerdings fielen keine nennenswerten Boni für die Abnehmer an. Generell gilt auch diese Woche wie fast immer: Benötigt Deutschland per Saldo Strom, ist er teurer, als wenn Deutschland Strom exportiert.

Die Tabelle mit den Werten der Energy-Charts und der daraus generierte Chart, sowie die Im-/Exportzahlen der Woche und des bisherigen Jahres. Zum Schluss noch der Agora-Chartmix für die komplette Woche.

Die Tagesanalysen

Sonntag, 8.3.2020: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 66,91%, davon Windstrom 45,59%, Sonnenstrom 8,82%, Strom Biomasse/Wasserkraft 12,50%. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Wochenende, ein ruhiger Tag. Die Windstromerzeugung läuft gleichmäßig. Die Sonne scheint recht ordentlich. Alles im grünen Bereich. Deutschland exportiert Strom. Den ganzen Tag. Ok, die Preise liegen den größten Teil des Tages unter 20 €/MWh. Der Höchstpreis, der erzielt wird, beträgt 34,80 €/MWh. Alles nicht auskömmlich. Aber die Stromversorgung ist gesichert. Gegen Abend fahren die konventionellen Stromerzeuger ihre Kraftwerke hoch. Denn die Windstromerzeugung sinkt.

Montag, 9.3.2020: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 43,48%, davon Windstrom 24,64%, Sonnenstrom 6,52%, Strom Biomasse/Wasserkraft 12,32%. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Die Windstromerzeugung sinkt weiter. Dafür steigt der Bedarf. Denn es ist Montag, Werktag. Die konventionelle Stromerzeugung inkl. Pumpspeicher wird weiter hochgefahren. Dennoch entsteht eine stundenlange Deckungslücke. Sie wird durch Stromimporte geschlossen. Genauso wie die Lücke am späten Nachmittag / frühen Abend. Im Verhältnis zu den Exportpreisen, die Deutschland erzielt, werden für den Import Spitzenpreise gezahlt.

Dienstag, 10.3.2020: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 67,65%, davon Windstrom 55,88%, Sonnenstrom 1,76%, Strom Biomasse/Wasserkraft 10,00%. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Die Windstromerzeugung zieht wieder an. Zum Glück gibt es wenig Sonnenstrom. Sonst würden die Preise richtig in den Keller gehen. So werden wenigsten von 8:00 bis 13:00 Uhr Preise von sehr knapp über 30 €/MWh erzielt. Der Tiefpreis des Tages liegt bei 4,93 €/MWh um 23:00 Uhr. In dieser Stunde exportiert Deutschland auch die Höchstmenge des heutigen Tages: 11,233 GW.

Mittwoch, 11.3.2020: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 66,24%, davon Windstrom 49,04%, Sonnenstrom 5,73%, Strom Biomasse/Wasserkraft 11,46%. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Gestern wurden noch fast 5 €/MWh zu Tagesende erzielt. Jetzt, zu Beginn des neuen Tages, wird der Strom verschenkt. Erst um 4:00 Uhr steigt der Preis wieder an und erreicht um 8.00 Uhr einen ersten Höhepunkt. Da allerdings importiert Deutschland. Genauso wie um 19:00 Uhr.

Donnerstag, 12.3.2020: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 73,10%, davon Windstrom 55,56%, Sonnenstrom 7,02%, Strom Biomasse/Wasserkraft 10,53%. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Heute verschenkt Deutschland von 10:00 bis 13:00 Uhr Strom. Die Sonnenstromerzeugung ergänzt den Windstrom so, dass viel zu viel Strom im Markt ist. Die konventionellen Stromerzeuger fahren allein deswegen ihre Produktion nicht herunter, weil neben dem Sonnenuntergang ein Rückgang der Windstromerzeugung plus Mehrbedarf zu erwarten ist. Richtig kalkuliert. Eine Unterdeckung wird dennoch nicht komplett vermieden. Um 18:00 und 19:00 Uhr importiert Deutschland per Saldo Strom. Selbstverständlich zu Tageshöchstpreisen.

Freitag, 13.3.2020: Anteil erneuerbare Energieträger an der Gesamtstromerzeugung 69,51%, davon Windstrom 50,61%, Sonnenstrom 7,93%, Strom Biomasse/Wasserkraft 10,98%. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken.

Viel Wind, viel Sonne = Viel Strom im Markt = Geringe Exportpreise und zum Teil verschenkter Strom. Zum Abend sinkt die Windstromerzeugung massiv. Da muss dann wieder importiert werden. Zu Höchstpreisen. Denn eine Stromunterdeckung kann auch nicht durch das Hochfahren der konventionellen Kraftwerke verhindert werden.

Samstag, 14.3.2020: Anteil Erneuerbare an der Gesamtstromerzeugung 52,17%, davon Windstrom 21,74%, Sonnenstrom 14,78%, Strom Biomasse/Wasserkraft 15,65%. Die Agora-Chartmatrix: Hier klicken

Hätte die Sonnenstromerzeugung am heutigen Samstag nicht ihr Jahreshoch gehabt, dann hätte es fast den ganzen Tag eine Stromunterdeckung gegeben. Oder haben die konventionellen Stromerzeuger spekuliert. Der Höchstimportpreis lag bei lediglich 38,53 €/MWh. Da kann man nicht selber den Strom produzieren. Wie auch immer. Um 6:00 Uhr wurden mittels regenerativer Energieträger insgesamt 10 GW von benötigten 50 GW produziert. Macht 20%. Klar, die Windstromerzeugung zog später wieder an. Doch es werden mit dem in der nächsten Woche beginnenden Frühling wieder vermehrt die Tage mit schönem Wetter kommen. Dann gibt es generell wenig Windstrom. Da die Sonne nachts nicht scheint – wirklich! – wird die regenerative Stromerzeugung im Durchschnitt wieder sinken. So war es vergangenes Jahr, so wird es in diesem Jahr sein.

Ordnen Sie Deutschlands CO2-Ausstoß in den Weltmaßstab ein. Zum interaktiven CO2-Rechner: Hier klicken. Noch Fragen? Ergänzungen? Fehler entdeckt? Bitte Leserpost schreiben! Oder direkt an mich persönlich: stromwoher@mediagnose.de. Alle Berechnungen und Schätzungen durch Rüdiger Stobbe nach bestem Wissen und Gewissen, aber ohne Gewähr. Die bisherigen Artikel der Kolumne Woher kommt der Strom? mit jeweils einer kurzen Inhaltserläuterung finden Sie hier.

 

Rüdiger Stobbe betreibt seit 4 Jahren den Politikblog  www.mediagnose.de

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Dieter Kief / 24.03.2020

Danke Herr Stobbe!

Peter Hager / 24.03.2020

Für 2020 erreicht D nun sein CO2-Minderungsziel von 751 Mio. t (entspricht -40% ggü. 1990) auf jeden Fall (bei 805 Mio. t in 2019 und einem Rückgang von rund 7% wie von 2008 auf das Finanzkrisenjahr 2009). Nur zu welchem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Preis! Oder hat womöglich die große Transformation - von AM beim letzten Weltwirtschaftsforum in Davos verkündet - schon begonnen? @Rüdiger Stobbe: Danke für die regelmäßige sowie umfassende Berichterstattung und bleiben Sie gesund!

Stephan Bujnoch / 24.03.2020

Daß eingekaufter Strom teurer ist als verkaufter überschüssiger Strom liegt in der Natur der “Konstruktion”. Wenn wir Strom brauchen, treten wir als Nachfrager in der Notsituation auf, denn wir brauchen ihn augenblicklich, zahlen demnach was verlangt wird. Anders wenn wir überschüssigen Strom verkaufen wollen. Dann sind wir Anbieter im Überschußmarkt. Die Schweizer und Österreicher können - wenn sie wollen - die Bergspeicher ihrer Pumspeicherwerke auffüllen. Das werden sie genau dann tun wenn sie den Strom hinterher geschmissen kriegen, oder, noch besser, der deutsche Michel für die gnädige Abnahme einen Bonus abdrückt. Dies wird nicht so bleiben, sondern sich noch verschärfen. Die “Konstruktion” aber bleibt. Danke ihr genialen Energiewender!

T. Merkens / 24.03.2020

Von mir auch vielen Dank für diese Arbeit - ich bin auf die Fortsetzungen nach Lahmlegen eines Teils der Industrie gespannt. Zur Zeit fahren an meinem Wohnort zwischen Stade und Neu Wulmstorf direkt an der Bahnverbindung Cuxhaven-Hamburg jeden Tag pro Stunde mindestens je vier praktisch unbesetzte (!) Personenzüge in jeder Richtung vorbei. Je 1x Diesel, 3x Strom - manchmal denke ich, dass hier “erneuerbarer” Strom vorm Export zum “Negativ-Preis” gerettet werden soll, so unglaublich schwachsinnig erscheint einem das. Übrigens auch am vergangenen Wochenende. Weitere Transporte, die mir seit einigen Wochen auffallen, falls es jemanden interessiert: massiver PKW-Transport Richtung Cuxhaven - zur Zeit meistens BMW, ca. 4 Züge a ~300 Stück pro Tag (grob gezählt), doppelt bespannt oder von Ludmilla-Diesellok gezogen - freundliche Grüße

Thomas Brox / 24.03.2020

Schließe mich dem Kommentar von F. Auerbacher an.

Peter Baron / 24.03.2020

@Hermine Mut, Gibt es jede Menge, einfach googeln ‘Solar-Ladegeräte Test’.

F. Auerbacher / 24.03.2020

Regelmäßig lese ich Ihre Berichte und meist gibt es nichts zu kommentieren. Alles sehr ordentlich dokumentiert - daher nichts zu kritisieren und an der Unvernunft der Öko-Energiewende rumzumeckern ist Wasser in den Rhein geschüttet. Also will ich Ihnen einfach so mal, ohne bestimmten Anlass, öffentlich meinen Dank und meine höchste Anerkennung aussprechen. Das,was Sie tun,ist wirklich Dienst für den Bürger und Hilfestellung zur Meinungsbildung. Ich bin ganz sicher: hunderte von Lesern sehen das genauso. Herzlichen Dank!

Hermine Mut / 24.03.2020

Lieber Herr Stobbe , zunächst einfach Danke ! dass Sie (noch) auf dem Posten sind, dass nicht jedes Thema von Corona verschluckt wird !  Ich habe eine Frage, die vielleicht jemand beantworten kann : gibt es eine Batterie/Ladegerät fürs Smartphone, das solar/“photovoltaisch” aufgeladen werden kann (also das Ding in die Sonne stellen ?). - Das hätte ich gerne !

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