Rüdiger Stobbe, Gastautor / 26.03.2019 / 10:00 / Foto: Doenertier82 / 0 / Seite ausdrucken

Woher kommt der Strom? 11. Woche

Von Rüdiger Stobbe.

Der VW-Konzernlenker Diess wollte, dass Volkswagen aus dem mächtigen Automobilindustrieverband VDA austritt. Weil der Verband nicht komplett auf die Linie "In Zukunft nur noch Akku-Autos" einschwenken wollte. Wie VW-Chef Diess es ursprünglich  beschlossen hatte. Nun ist das Thema vom Tisch. Offensichtlich haben kluge Köpfe den VW-Manager auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Als reines Elektroautounternehmen wäre VW ziemlich schnell in den Abgrund gefahren. Mit einer zusätzlichen Hybridfahrzeug-Strategie wird das verhindert. Mehr dazu weiter unten.

Die elfte Woche war – wie bereits die zehnte – sehr windstark. Die Tabelle und der daraus generierte Chart belegen das eindrucksvoll. Addiert man die Windstromwerte der beiden Wochen und rechnet diesen Wert auf ein komplettes Jahr hoch, würden 296,72 Terawattstunden (TWh) Strom durch Wind erzeugt. Plus – selbstverständlich alles nur rein theoretisch – den Sonnenstromwert (45,75 TWh), die Werte Biomasse (44,76 TWh) und Wasserkraft (19,40 TWh) des Jahres 2018, ergäben insgesamt 406,83 TWh Strom durch die Erneuerbaren gesamt.

Mein Gedankenspiel belegt, dass auch bei extremem Wind – Wind über das gesamte Jahr plus einem höchst sonnenintensivem Sommer – der Strom der erneuerbaren Energieträger Wind, Sonne, Biomasse und Wasserkraft bei weitem nicht ausreichen würde, den Strombedarf  in Deutschland (netto) zu decken. Besonders auffällig ist darüber hinaus, dass die Menge Sonnenstrom trotz des "Dürrejahres" 2018 im Verhältnis zur installierten Leistung sehr gering (11,46 Prozent) ausfällt.

Sonntag, 10.3.2019: Anteil Erneuerbare an Gesamtstromerzeugung 62,12 Prozent 

Zur Tagesmitte geringer werdender Windstrom wird durch Solarstrom ausgeglichen. Gegen Abend frischt der Wind wieder auf. Es wird eine windreiche Woche eingeläutet.

Montag, 11.3.2019: Anteil Erneuerbare an Gesamtstromerzeugung 60,38 Prozent

Der Strombedarf steigt an. Deshalb liegt die konventionelle Stromerzeugung trotz etwas mehr Windstrom als am Sonntag bei 0,63 TWh. Wovon 0,09 TWh exportiert werden. Der Tagesverlauf der Stromerzeugung ist unspektakulär.

Dienstag, 12.3.2019: Anteil Erneuerbare an Gesamtstromerzeugung 62,28 Prozent

Die Windstromerzeugung steigt stark. Es wird – wie an den folgenden Tagen – mehr als eine TWh Strom aus erneuerbaren Energieträgern erzeugt. Ein noch etwas höherer Strombedarf als am Montag lässt die konventionelle Stromerzeugung bei 0,63% verharren. Allerdings können 0,14 TWh exportiert werden.

Mittwoch, 13.3.2019: Anteil Erneuerbare an Gesamtstromerzeugung 69,02 Prozent

Heute weht der Wind so stark und gleichmäßig, dass allein Wind- und Sonnenkraftwerke über ein Terawatt Strom erzeugen. Das sind über zwei Drittel des Strombedarfs an diesem Tag. 0,21 TWh werden exportiert. Das ist die Netzausregelungsreserve, die permanent erzeugt werden muss, um abrupt-starke Schwankungen bei der Stromeinspeisung durch Wind- und Sonne in das Netz und/oder beim augenblicklichen Strombedarf auszugleichen. Wird diese unabdingbare Reserve nicht benötigt, wird sie exportiert.

Donnerstag, 14.3.2019: Anteil Erneuerbare an Gesamtstromerzeugung 64,61 Prozent

Gleichmäßig und stark weht der Wind. Der Sonnenstrom allerdings halbiert sich. Deshalb wird die Terawattstunde Strom aus Wind und Sonne nicht ganz erzeugt. Dennoch liefern die Erneuerbaren ein zufriedenstellendes Ergebnis.

Freitag, 15.3.2019: Anteil Erneuerbare an Gesamtstromerzeugung 67,23 Prozent

Der am Freitagmorgen etwas nachlassende Wind frischt wieder auf und erreicht zum Abend neue Stärke. Sonnenstromerzeugung verharrt auf niedrigem Niveau. Trotzdem: Wieder ein starker Tag für die Erneuerbaren.

Samstag, 16.3.2019: Anteil Erneuerbare an Gesamtstromerzeugung 69,68 Prozent

Gegen 8:00 Uhr gibt es eine Winddelle, die im Verlauf des Tages wieder aufgeholt wird. Zum Wochenende wird der Strombedarf geringer. Zur Deckung des Strombedarfs liefern sie heute mehr als drei Viertel des benötigten Stroms.

Hybridfahrzeuge dienen ganz konkret dem Menschen

Autofahren ohne giftige Abgase; wer wäre von dieser Idee nicht angetan? Deshalb gleich den weltgrößten – oder ist es aktuell „nur“ der zweitgrößte? – Autokonzern komplett auf Elektroautos umstellen zu wollen, ist dennoch recht kurzsichtig. Gut, dass VW-Chef Diess auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wurde. Zumindest Hybridfahrzeuge sollen bei VW in Zukunft zusätzlich zu den reinen Elektrofahrzeugen gebaut werden. Fahrzeuge, die neben dem Elektromotor auch noch den Verbrenner nutzen. Was die Zukunft sein könnte, weil mit diesen Fahrzeugen die Tank- und Reichweitenproblematik wegfällt. Der Verbrennungsmotor kann die Batterie des Fahrzeugs jederzeit während der Fahrt aufladen. Der Elektromotor kann dort genutzt werden, wo es sinnvoll ist: In Ortschaften, in der Stadt. Da wo sich Menschen auf engem Raum aufhalten. Da, wo Abgase – und seien sie noch so gut gefiltert/entgiftet worden – nicht hingehören.

Dass Hybridfahrzeuge nicht dem Klimaschutz, der CO2-Reduktion dienen – der Strom wird durch Verbrennung erzeugt –, ist klar. Hybridfahrzeuge dienen ganz konkret dem Menschen in Städten, in Ballungsräumen.

Wer allerdings ohnehin nur in der Stadt unterwegs ist, kann auf Kleinfahrzeuge zurückgreifen, die rein elektrisch betrieben werden. Ich nenne hier den französischen Hersteller Aixam, der seit Jahr und Tag diese Fahrzeuge herstellt und auch in Deutschland verkauft. Zu sehen sind sie leider selten. Klimaschutz als Idee und Klimaschutz als konkretes Handeln sind eben immer noch zweierlei. 

Apropos Klimaschutz. Es gibt namhafte Wissenschaftler, die erklären einleuchtend, dass es so etwas wie „Klimaschutz" gar nicht geben kann (Siehe Seite 16):

Klima ist kein Wetter, sondern der lokale statistische Mittelwert von Wetter über mindestens 30 Jahre. Ein Globalklima gibt es nicht, nur Klimazonen von tropisch, subtropisch, gemäßigt bis polar. Die Klimas unterschiedlicher Erdregionen ändern sich zudem nicht gleichsinnig. So wird die Antarktis aktuell kälter, die Arktis dagegen wärmer. Dieser Vorgang kehrt sich zyklisch etwa alle 60 Jahre um, die Wissenschaft spricht von Klimaschaukel. Immerwährender Klimawandel ist naturgesetzlich, konstantes Klima gibt es nicht! „Schützen“ kann man einen statistischen Mittelwert nicht, der sich zudem laufend ändert. Man müsste dazu mit dem Schutz des Wetters anfangen. Prof. Dr. Heinz Miller, ehemaliger Vize-Direktor des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) in Bremerhaven sagte zu Klimaschutz: „Wer von Klimaschutz redet, weckt Illusionen. Klima lässt sich nicht schützen und auf einer Wunschtemperatur stabilisieren. Es hat sich auch ohne Einwirkungen des Menschen oft drastisch verändert. Schlagworte wie „Klimakollaps'' oder „Klimakatastrophe'' sind irreführend. Klima kann nicht kollabieren, die Natur kennt keine Katastrophen''. Der Begriff „Klimaschutz“ ist sinnlos. Man kann und muss selbstverständlich Anpassungen an die Folgen der naturgesetzlich unvermeidbaren Klimaänderungen vorzusehen, wie z.B. Deiche gegen Sturmfluten bauen etc. Dem natürlichen Klimawandel „Konstanz" aufzwingen zu wollen (Klimaschutz), ist dagegen absurd. Es ist aus naturgesetzlichen Gründen unmöglich.

Die Förderung wird gerne mitgenommen 

Nichtsdestotrotz bewegen sich Bundesregierung und alle Menschen mit Guten Gedanken auf der Rille "Wir müssen das Klima schützen" und die Dekarbonisierung in allen Sektoren vorantreiben. Wobei ich mir sicher bin, dass viele der sogenannten Klimaschützer genau wissen, dass der Aufbau einer Stromversorgung mit erneuerbaren Energieträgern, der Umstieg auf die reine Elektromobilität mit dem Aufbau eines entsprechenden Stromtanknetzes oder zum Beispiel die Gebäudedämmung zur CO2-Absenkung weltweit in nennenswertem Umfang kaum etwas beiträgt. Dennoch wird die Förderung, der Auftrag, der Gewinn gerne mitgenommen.

Realität ist, dass der CO2-Ausstoß weltweit steigt und weiter steigen wird. Auch wenn der CO2-Ausstoß Deutschlands gleich Null wäre. Der 2-Prozent-Anteil Deutschlands am weltweiten CO2-Ausstoß ist schnell aufgeholt. Vor allem Entwicklungs- und Schwellenländer wollen am Wohlstand teilhaben und benötigen verlässliche Energie zum günstigen Preis. Sonst ist Entwicklung respektive Weiterentwicklung nicht möglich. Das dynamische Wachstum der Weltbevölkerung tut das Seine dazu. Je mehr Menschen die Erde bewohnen, desto mehr Energie wird benötigt. Seit 1990 sind etwa 2,3 Milliarden Menschen hinzugekommen. Die leben auch nicht nur von Sonne, Wind und Liebe. Die brauchen Nahrung, die wollen bei Kälte heizen, die brauchen Energie. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass trotz des enormen Bevölkerungswachstums die Zahl der hungernden Menschen weltweit absolut zurückgegangen ist.  

Zum Thema Förderung der Energiewende: Schauen wir zum Beispiel nur mal auf das Fraunhofer ISE. Da arbeiten weit über tausend meist hochqualifizierte Menschen seit 1981 an der Nutzbarmachung der Solarenergie und den Steigerungsmöglichkeiten in Sachen Stromerzeugung. Mittlerweile sind Unmengen Solarpaneele installiert. Von 100 Prozent möglicher Leistung wurden 2018 faktisch nur 11,45 Prozent erzeugt. So nützlich die Charts des Instituts für diese Kolumne sind: Sie belegen, dass Sonnenstrom vollkommen ungeeignet ist, in einem marktwirtschaftlich seriös aufgestellten Industrieland eine wesentliche Rolle zu spielen. Solarstromerzeugung bleibt Nische.

Auch wenn in der Broschüre „Aktuelle Fakten“, (Seite 5) des Fraunhofer ISE die Ansicht vertreten wird, dass 8,7 Prozent Anteil Solarstrom an der Stromerzeugung in Deutschland 2018 aus 1,6 Millionen (!) Anlagen relevant sei. Ohne Subventionen würde sich niemand eine Solaranlage auf’s Dach oder sonst wohin bauen. Deshalb sollte sofort jegliche Förderung und geförderte Forschung in Sachen Solar eingestellt werden. Dann erledigt sich das Thema Solarstrom umgehend von selbst. Vorteil: Zu den weitgehend nutzlosen und in der Entsorgung nicht unproblematischen Solarpaneelen (Sondermüll) kämen keine neuen hinzu.

Die bisherigen Artikel der Kolumne Woher kommt der Strom? mit jeweils einer kurzen Inhaltserläuterung finden Sie hier.

Rüdiger Stobbe betreibt seit 3 Jahren den Politikblog www.mediagnose.deSeit knapp einem Jahr beobachtet er dort die Stromerzeugung in Deutschland.

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