Noch kommt es nur selten vor, dass es an jedem Tag einer kompletten Analysewoche zur Mittagsspitze mindestens eine Stunde Negativpreise gibt. Diesmal war es soweit. Mit einem Tiefpreis vom minus 499 €/MWh. Das sind die Momente, an denen unsere europäischen Nachbarn ihre Preisdifferenzgeschäfte besonders gerne starten. Der Abschluss erfolgt in aller Regel am gleichen Tag zum Abend. Da wird die über Tag günstig eingekaufte elektrische Energie wieder zu hohen Preisen nach Deutschland verkauft. Dieser Sachverhalt erklärt die hohen „Anschlussbegehren“ nach Batteriespeichern. Es ist nicht in erster Linie der Wunsch, das Gelingen der Energiewende (schöne Geschichte) zu unterstützen, sondern viel Geld eben mit Preisdifferenzgeschäften per Batteriespeicher zu verdienen (wahre Geschichte). Wobei gerne verdrängt wird, dass bei einer gesicherten Überschuss-Stromabnahme und Strom-Abgabe durch vorhandene Batteriespeicher im eigenen Land die Strom-Preise bei weitem nicht die Differenzen aufweisen werden, wie aktuell. Denn der gespeicherte Strom muss entladen werden, sonst kann nicht wieder neu geladen werden.
In diesem Zusammenhang möchte ich darauf hinweisen, dass von mir eine ausführliche Analyse zur Speicherung überschüssigen Mittagsstroms im Mai des vergangenen Jahres in der Jungen Freiheit (PDF) erschienen ist.
Unsere Energiewendefreunde werfen eingedenk der Gaskraftwerkspläne Katherina Reiches immer wieder „mehr Batteriespeicher bauen“ als Alternative in die Runde. Bieten solche Speicher tatsächlich eine Alternative? Zunächst die Fakten.
Hier sind die Daten basierend auf Berichten bis Anfang 2026:
- 2024 beantragt: Über 400 GW an Speicherleistung (mit ca. 661 GWh Kapazität) wurden für den Netzanschluss (ab Mittelspannungsebene) angefragt.
- 2025/2026 (Anfragen-Pipeline): Die Zahl der Anfragen stieg weiter, wobei Berichte Mitte 2025 von über 500 GW an angemeldeten Projekten sprachen.
Wichtige Unterscheidung: Beantragt vs. Installiert
Die "beantragten" GW-Zahlen sind Anschlussbegehren, keine bereits realisierten Projekte. Nicht alle dieser Projekte werden gebaut.
- Genehmigt/Zugesagt (Stand Ende 2025): Laut Bundesnetzagentur wurden für das Jahr 2024/2025 Anschlusszusagen für rund 24,8 GW (ca. 46 GWh Kapazität) erteilt.
- Tatsächlicher Zubau (Inbetriebnahme) 2025: Laut BSW-Solar wurden 2025 ca. 6,5 GWh neue Speicherkapazität in Betrieb genommen, wobei der Markt für Großspeicher stark wächst.
- Prognose 2026: Es wird ein weiteres starkes Wachstum erwartet, mit einer potenziellen Gesamt-Speicherkapazität von über 35 GWh bis Ende 2026.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Projekte im Umfang von hunderten Gigawatt (GW) in der Planungsphase sind, aber der tatsächliche Zubau (Inbetriebnahme) eher im einstelligen Gigawatt-Bereich pro Jahr liegt." Quelle
Das aktuell größte Batteriespeicher Deutschlands ist seit vergangenem Jahr in Bollingstedt in Betrieb. Die Anlage erstreckt sich über zwei Fußballfelder und hat eine Kapazität von 239 MWh. Bemerkenswert ist, was Georg Gallmetzer und Kollegen von Eco-Stor, der Betreiberfirma, erläutern (Quelle). Weitere 1.000 (!) Speicher dieser Größenordnung seien nötig, um Deutschland ein bis zwei Tage mit Batteriestrom zu versorgen. Darüber hinaus sei dann eine Speicherung mittels grünem Wasserstoff notwendig. Nach zehn Jahren hätte sich der Großspeicher Bollingstedt amortisiert. Es sei aber angemerkt: nach 20 bis 25 Jahren muss auch ein solcher Großspeicher – Kostenpunkt um die 50 Mio € ohne Nebenkosten – erneuert werden. Genauso wie Windkraft- und Solarkraftwerke. Fossile Kraftwerke, Kernkraftwerke können wesentlich länger (60 Jahre und länger) betrieben werden.
Angenommen, unter Berücksichtigung der oben dargelegten Werte, im Jahr 2030 stünden insgesamt 70 GWh Speicherstrom (Verdoppelung) in Deutschland zur Verfügung, wäre ein Zubau von 150 (!) „Bollingstedt-Anlagen“ in den nächsten vier Jahren notwendig. Oder entsprechend mehr geringer dimensionierte Anlagen. Das würde ausreichen, den überschüssige Strom des Mai-Feiertags zu speichern und zum Abend wieder ins Netz einzuspeisen. Anschließend gibt es aktuell noch zwei weitere Tage, den 2. und 3. Mai, mit Stromüberschuss über die Mittagszeit. Danach ist zunächst Schluss mit „zu viel grünem Strom“. Jetzt muss der benötigte Strom wieder in großen Mengen aus dem Ausland importiert werden. Grünen Ladestrom für die Batteriespeicher gibt erst mal nicht. Mehr dazu in der kommenden Woche.
Einen Überblick über die wichtigsten Aspekte der 18. Analysewoche 2026 gibt Agora Energiewende. Agora Energiewende erstellt auch Prognosen, wie die Stromerzeugung aussehen würde, wenn die Erneuerbaren einen bestimmten Ausbaugrad erreicht hätten. Wir nehmen den Ausbaugrad 86 Prozent und müssen feststellen, dass der weitere Ausbau der Erneuerbaren aller Analysetage und damit zu negativen Preisen führen wird. Wenn diese Stromübererzeugung dann noch von der Technik „gebändigt“ werden kann und ein Blackout vermieden wird, ist bereits viel gewonnen. Die Residuallast steigt in der Spitze auf über 73 GWh in einer von 24 Stunden. Trotz des massiven Ausbaus der Erneuerbaren.
Was ist Kraftwerks-Leistung? Was ist Energie?
Gigawatt (GW) ist eine Einheit für Leistung, also für die maximale Fähigkeit eines Kraftwerks, Strom zu erzeugen. Gigawattstunden (GWh, TWh) sind eine Einheit für Energie, also für die tatsächlich produzierte Strommenge über eine bestimmte Zeit. Die Beziehung ist einfach: Energie = Leistung × Zeit. Ein Kraftwerk mit 1 GW Leistung erzeugt bei Volllast theoretisch maximal: 1 GW × 8.760 h = 8,76 TWh pro Jahr. Wie viel elektrische Energie tatsächlich entsteht, bestimmt beim Kohle-, Gas- oder Kernkraftwerk im weitesten Sinn der Mensch über die Brennstoffzufuhr und Zufuhrdauer. Die Energie für eine Stunde wird üblicher- und für den Normalbetrachter irreführenderweise mit GW bezeichnet. Die manchmal verwendete Schreibweise „GWh pro Stunde“ ist nur eine umständliche Form von GW – mathematisch kürzt sich die Stunde („h“ und „pro Stunde“) weg.
Sonderfall Wind- und Solarkraft
Bei Wind- und Solarkraft bestimmt nicht der Betreiber, sondern das Wetter die Strom-Produktion. Eine 5-MW-Windkraftanlage könnte theoretisch 43,8 GWh/Jahr erzeugen, liefert an Land aber realistisch in Deutschland nur etwa 20 Prozent davon (auf See 40 bis 50 Prozent), also rund 8,8 GWh/Jahr – im Mittel 1 MW-Dauerenergie. Bei Solarpaneelen mit ebenfalls 5 MW installierter Leistung halbieren sich die Werte nochmals wegen verschiedener Kapazitätsfaktoren: Nacht, Winter, flacher Sonnenstand, Bewölkung und Temperaturverluste.
Tageswerte
Jeder Tag beginnt mit dem Überblick, den Agora-Energiewende zur Verfügung stellt. Die smard.de-Charts und -Tabellen ermöglichen vielfältige Analysen. Erkunden Sie das Potenzial.
Kaum Windstrom, viel PV-Strom. Die Strompreise.
Die Regenerativen decken fast den Bedarf. Die Strompreise.
Die Regenerativen übersteigen den Bedarf. Die Strompreise.
Starke regenerative Stromerzeugung. Die Strompreise.
Wieder starke PV-Stromerzeugung plus Windstrom. Die Strompreise.
Erneuerbare weiter stark. Die Strompreise.
Windstromerzeugung nimmt über Tag zu. PV-Strom sehr stark. Die Strompreise.
Die bisherigen Artikel der Kolumne „Woher kommt der Strom?“ seit Beginn des Jahres 2019 mit jeweils einem kurzen Inhaltsstichwort finden Sie hier. Noch Fragen? Ergänzungen? Fehler entdeckt? Bitte Leserpost schreiben! Oder direkt an mich persönlich: stromwoher@mediagnose.de. Alle Berechnungen und Schätzungen durch Rüdiger Stobbe und Peter Hager nach bestem Wissen und Gewissen, aber ohne Gewähr.
Ab Ausgabe 1/2026 bilden die öffentlichen Analyseseiten smard.de, Agora Energiewende und Energy-Charts die Datengrundlage dieser Kolumne.
Im Achgut-Buchshop erhältlich:
„Atomenergie – jetzt aber richtig – Wie die ‚dümmste Energiepolitik der Welt‘ abgewendet werden kann“ von Klaus-Dieter Humpich und Manfred Haferburg, Achgut Edition 2024, hier bestellbar.


Es ist immer wieder nur eine Antwort die richtige. Deutschland, seine Politiker, seine Ecksperten, seine Lobbyisten, seine Leistungsempfänger, seine Parteimitglieder, seine Besserwisser und seine Besserwessis haben gemeinsam durch gemeinsames Ziehen am selben Strick, mit gemeinsamem Gebrüll, zusammen mit den NGOs, den Agenturen und den Pfennigfuchsern verhindert, dass es große Stromspeicher, z.B. Pumpspeicherwerke, gibt und dass die auch im Pumpbetrieb betrieben werden. Sogar der Bundestag hat Gesetze verabschiedet, mit oder ohne Lesung, mit oder ohne Vernunft, die es einem Netzbetreiber verbieten, Speicher zu betreiben. Für jeden Anderen fallen dadurch zwei Mal Netzentgelt an, was sich selbstverständlich dann niemand antut, solange er auch einfach die Backen aufblasen kann. Und die Netzbetreiber sind so kleinkariert, dass sie von sich aus auch niemals auf das doppelte Geld verzichten würden, selbst wenn der Strom genau den selben Weg in zwei Teilstücken nehmen würde, den er bei direktem Verbrauch in einem Ritt nimmt. Schilda grüßt seine Freunde!!!! Oder muss es ihre Freunde heißen? Immerhin ist die Stadt ja ein Femininium. Und wo die meiste Ahnungslosigkeit geballt auftritt, muss der Höfliche leider verschweigen.