Wissenschaftspopulismus

Zunächst, was eigentlich ist Populismus? Jeder weiß es, möchte man glauben, doch keiner kann es sagen. Um schlauer zu werden, habe ich eine Zeitlang im Internet herumgeklickt. Ergebnis: Nicht jetzt, sondern vorher dünkte ich mich schlauer. Dann seit langem mal wieder ein Blick in mein Lexikon: Den Begriff „Populismus“ gibt es dort gar nicht, dafür eine Menge Staub. Zurück in Wikipedia. Alles durchaus lesenswert, was da steht: 

Auf lateinisch „populus, Volk“ wird verwiesen, und darauf, dass dem Begriff Populismus von den Sozialwissenschaften mehrere Phänomene zugeordnet würden. Hin geht es, und her geht es, bald wird Populismus in die rechte Ecke gerückt, bald in die linke, auch auf die Mitte zielt der Begriff. Gleich welche Gruppierung, nahezu unterschiedslos wird Populismus als politisches Schmähwort verstanden. Und verwendet. Von emotionalen Kampagnen ist die Rede, in denen vereinfachende Lösungen auf komplexe Probleme angeboten würden. Am ehesten bringt es der letzte Absatz auf den Punkt, und hier geht es um die Unzufriedenheit der Wähler mit der Konsensdemokratie, von der sie sich ausgeschlossen wähnten. Und das eben fände im Populismus seinen Ausdruck.

Interessant auch die Definition bei Wiktionary, das sich selbst als freies Wörterbuch versteht. „Populistisch“ sei, sich mit seinen politischen Forderungen nach den jeweils aktuellen Wünschen und Ängsten der Bevölkerung richtend, um die Unterstützung möglichst vieler Wähler zu erhalten. Welche Partei, fragt man sich da, kann es sich dann überhaupt leisten, nicht-populistisch zu sein? Dennoch, jede tut so, als ob das Schmähwort nur auf die Anderen zutrifft. Wie Dreck, mit dem man schmeißt. Und immer mit Erfolg, denn stets bleibt davon etwas hängen. Vor allem die Konservativen kriegen ihn ab. „Rechtspopulismus“ hat in Europa Konjunktur.

Und was ist mit der Wissenschaft? Die widerlegt populistische Ansätze, spielt dem Populismus aber auch oft genug in die Hand. Gibt es so etwas wie Wissenschaftpopulismus?

Wissenschaft als Mittel zum politischen Zweck

Gewiss spielt er keine Rolle, wenn es zum Beispiel um Rätsel der elamischen Keilschrift geht oder darum, ob es tatsächlich unendlich viele Fibonacci-Primzahlen gibt oder nicht. Auch, ob die Radnetzspinnen Larinioides cornutus und Larionioides folium als „gute“ Arten gelten können oder, so wie bisher, besser zwei verschiedenen Spezies zugerechnet werden sollten. Freiräume sind das, in denen der Wissenschaftler nur seiner Wissenschaft, nur sich selbst und nur seinen Kollegen verpflichtet ist. Die paar Forschungsmittel, die er braucht, finden sich auch, ohne sonderlich Aufmerksamkeit auf sich lenken zu müssen.

Doch Wissenschaft kann teuer sein, sehr teuer sogar, und dann heißt es, die Öffentlichkeit  zu gewinnen, zumal die Politik, um die dafür notwendigen Forschungsmittel zu akquirieren. Wissenschaft mag aber auch per se für die Politik interessant sein, nämlich immer dann, wenn sie sich als Mittel zum politischen Zweck verwenden lässt. Und sogleich öffnen sich die Türen.

Populismus bedeutet nicht einfach „Lüge“, Wissenschaftspopulismus schon gar nicht. Wissenschaftlich eruierte Teilwahrheiten eignen sich viel besser. Als Beispiel der Klimawandel. Den gibt es. Denn nicht nur das Wetter ändert sich ständig, sondern auch dessen Resultante, wie sie sich über Jahrzehnte hin abzeichnet: das Klima eben. SonneneinstrahlungTemperaturLuftfeuchtigkeitWind und Bewölkung ergeben regional wie auch global bald mehr, bald weniger bizarre Kurven. Nicht nur mit Daten aus der Gegenwart und der jüngeren Vergangenheit gelingt das, sondern auch mit solchen längst vergangener Zeiten.

Nur eben die Ursachenforschung, mit der hapert es. Schwankungen der Sonneneinstrahlung und der Erdbahnparameter werden in Betracht gezogen, Vulkanismus und Plattentektonik sowie Änderungen in der atmosphärischen Zirkulation, den Meeresströmungen und der Vegetationsbedeckung. Politisch jedoch steht eine einzige Gruppe von Faktoren im Vordergrund: die der Treibhausgase. Zwar ist das mit Abstand am stärksten wirkende und womöglich einzig wahre Treibhausgas der Wasserdampf, vor allem die durch ihn gebildeten Wolken sind es.

Die politische und mediale Welt aber anerkennt praktisch nur ein einziges Gas: den „Klimakiller“ Kohlendioxid. CO2 – für das Pflanzenwachstum eine conditio sine qua non – bewirkt zwar, wie manch andere atmosphärischen Spurengase, eine Absorption von Wärmestrahlung, das aber nur schwach. Zudem finden sich Veränderungen in der atmosphärischen CO2-Konzentration immer nur als Folge globaler Erwärmungsphasen, mitunter auch in einer Gegenbewegung, oder es ergibt sich keinerlei zeitliche Korrelation. CO2 kommt demnach als Antreiber von Klimaveränderungen eher nicht in Frage. 

Auch das aktuelle Wettergeschen dieses Jahres wurde wieder gerne als Beleg für das unselige Wirken von Kohlendioxid angeführt. Doch gab es – im Europa des Jahres 1540 eine Jahrtausenddürre, und der Sommer 1904 soll gemäß bisheriger Wetteraufzeichnungen der bisher niederschlagärmste gewesen sein – die Ursachen dafür sind unklar, keinesfalls aber CO2- oder gar industriebedingt.

Ein politogenes Gas

Es heißt, fast nur noch solche Wissenschaftler, die aus dem aktiven Dienst ausgeschieden und nicht länger auf Forschungsmittel angewiesen sind, könnten sich leisten, auf die vom herrschenden Dogma abweichenden Sachverhalte hinzuweisen. Einer von ihnen, der Klimatogeograph Werner Kirstein, bezeichnet das CO2 als ein politogenes Gas. Von ihm leben weltweit ganze Heerscharen von Politikern und Medienleuten, auch politiknahe Klima-Wissenschaftler. Um die Verteilung vieler, vieler Milliarden Dollar geht es da, und vor allem um politischen Einfluss beziehungsweise dessen Wahrung. Sind die Bürger erst mal ordentlich verunsichert, ja verängstigt, lassen sich mit einem riesigen Aufwand an Kosten und Mühen vermeintlich einfache Lösungen für den „Klimaschutz“ durchsetzen: durch „erneuerbare Energien“(welch Schmerz in den Ohren von Physikern, gemeint sind Energiequellen) und vor allem durch Einsparung von CO2. Das ist Populismus, genauer gesagt Wissenschaftspopulismus.

Einem Großteil der Bevölkerung kommt man mit populistischen Argumenten sehr entgegen. Man liebt Ein-Grund-Begründungen, schön einfach sind sie. Und wenn der Klimawandel die Leute nicht ausreichend erschreckt, dann eben, so Ivar Giaever (Physik-Nobelpreisträger von 1973), erschreckt man die Leute mit Wetterextremen. Sind diese hierzulande nicht politogen genug, gibt es ja, bitteschön, Wetterkapriolen sonstwo auf der Welt. Menschen mit anderer Meinung als die der Meinungselite werden wirkungsmächtig als „Klimaskeptiker“ oder gar – angelehnt an Holocaustleugner – als „Klimaleugner“ in die Ecke verwiesen.

Das sind die Leute, die in dem ihnen eigenen Starrsinn die Ergebnisse des UNO-Klimarats IPCC, für den hunderte Wissenschaftler in jahrelanger Arbeit das Klimawissen bewerten und einordnen, nicht als alleinverbindlich anerkennen wollen. Und können. Einfach, weil sie eigenes Wissen haben, Wissen, das frei von politischem Lobbyismus ist. Oder sie haben sich wie der renommierte schwedische Klimatologe Lennart Bengtsson mit der Emeritierung vom Lobbyismus freigemacht.

Umgekehrt werden von Wissenschaftspopulisten gern all jene des Lobbyismus bezichtigt, die der Gentechnik das Wort reden. „Gen-Kritiker“ sind das, die da warnen. Man möchte glauben, bei solcher Bezeichnung handele es sich um eine Art Witz, ähnlich wie bei „genfreien“ Nahrungsmitteln oder dem Bestreben ganzer Länder und Landstriche, „atomfrei“ zu werden. Nein, es sind weitverbreitete Krönungen sprachlicher Absurdität. Den Kritikern der Gentechnik (oder eben kurz „Genkritikern“), unter anderen den von verschiedenen NGOs betriebenen „genkritischen Bewegungen“, geht es samt und sonders um die Diskreditierung gentechnisch veränderter Lebensmittel und die dafür zeichnende Indurstrie.

Bei der Gentechnik vertauschte Rollen

Die einen verfolgen mit ihren Warnungen eben mal einfach nur populistische Taktiken, den anderen graust es ehrlich vor Weißkitteln mit all ihren labortechnischen „Eingriffen in die Schöpfung“. Dabei ist jedwede Züchtung ein Eingriff in die Schöpfung. Nein und tausendmal nein, heißt es dann, die bisherige Form der Züchtung, die konventionelle, sei eine naturgegebene. Sie wäre dem Menschen mit dem Schöpfungsakt gewissermaßen in die Wiege gelegt.

Was die meisten von den Gentechnik-Kritikern nicht wissen (oder nicht wissen wollen), ist, dass die sogenannte konventionelle Züchtung von heute durch chemische Mutagene oder durch Bestrahlung, zum Beispiel mittels Kobaltkanonen, nach dem Schrotschussprinzip unkontrollierbar befeuert wird. Ansonsten verliefe der Züchtungsprozess viel zu langsam. Gentechnik hingegen wird mit präzisen und relativ einfach kontrollierbaren Eingriffen in das Erbgut gehandhabt. Hochmoderne Verfahren, namentlich das Genome-Editing mit der CRISPR-Cas9-Technik, bewirken winzige Veränderungen, die von denen, wie sie in der Natur fortlaufend passieren, nicht zu unterscheiden sind. Und genau darin sehen die Wissenschaftspopulisten das Problem: Das Unnatürliche kommt im Gewande des Natürlichen daher!

Das machte sich sogar der EuGH mit einem seiner jüngsten Urteile zu eigen und stellte die Grüne Gentechnik samt ihren neuartigen Entwicklungen unter Kuratel. Wer wohl hat die „Experten“ vorgeschlagen und ausgewählt, die dem Gerichtshof zur Seite standen? Bestimmt keiner von den 134 Nobelpreisträgern, die gegen Greenpeace auf die Barrikaden gehen, indem sie öffentlich appellieren, die Bedenken gegen gentechnisch produzierte Lebensmittel aufzugeben. Nun ja, mag man da einwenden, bekanntlich gefallen sich gerade Nobelpreisträger in populistischem Gehabe. Berühmt geworden, glauben sie, niemand könne sie so einfach an den Pranger stellen.

Was von den „Genkritikern“ gern verschwiegen wird: Es existiert keine einzige Studie, die eine Gesundheitsgefahr durch das Züchtungsinstrument Gentechnik belegt. Hocheffektive Pflanzen lassen sich mittels gezielt veränderten Erbguts erzeugen, unter anderem solche, die resistent gegenüber ihren Fressfeinden sind. Auf diese Weise können Insektizide megatonnenweise eingespart und damit andere Insekten vorm Chemietod bewahrt werden. Musterfall ist eine transgene Maissorte, der Bt-Mais. Zugleich ist er gegen Schimmelbefall weitgehend gefeit und daher auch frei von dessen krebserregenden Produkten. – Propaganda von Industriegiganten sei das, die sich gegenseitig auszustechen versuchen, heißt es von grüner Seite. Ähnliches gäbe es ja auch in der Waffenindustrie.

Ein politogenes Chemieungeheuer

Man darf gespannt sein, welcher Art die Einwände gegen das Ansinnen der Gentechnik sind, trockenheitresistente Züchtungen auf den Markt zu bringen. Milliardenverluste, wie die in diesem Jahr, ließen sich dadurch vermeiden. Eigentlich passt das doch wunderschön zum Klimakatastrophen-Populismus. Nun, wenn schon, könnte es dann heißen, aber bitte nicht auf deutschem Boden! Hier hat billiger Populismus schon so manchen Industriezweig kurzgehalten und ins Ausland gedrängt. Demnächst womöglich die Entwicklung und Produktion von Verbrennungsmotoren.

Mit dem Herbizid Glyphosat will nach Ansicht von Öko-Populisten der Konzernriese Monsanto (jetzt Bayer AG, Deutschland) unseren Planeten vergiften. Und zwar bedenkenlos. Glyphosat sei krebserregend, zumindest aber hinsichtlich seiner Anwendungssicherheit umstritten, ja höchst umstritten. Warum? Weil angeblich von nicht belegbarer Anwendungssicherheit. Belegbar hingegen ist, dass Glyphosat der Erhaltung unserer natürlichen Umwelt dient, indem es destruierende Bodenbearbeitungsmaßnahmen zur Unkrautbekämpfung beziehungsweise den Einsatz wirklich bedenklicher Pestizide erübrigt.

Nein, rufen die Warner, wahr vielmehr ist, dass Konzerne, wie eben Monsanto/Bayer AG, mit solchen Mitteln die Weltherrschaft auf dem Agrarsektor anstreben. Kapitalismus in Reinstform sei das. Mit dem Urteil des US-Gerichtes, das kürzlich der Klage eines Hausmeisters stattgab, er sei über die Krebsgefahr von Glyphosat nicht hinreichend aufgeklärt worden, wäre aller Welt einmal mehr deutlich geworden, wie schlimm dieses Gift tatsächlich ist. Zumindest sein könnte.

Homöopathie und Gender-Forschung

Es gibt in unserer Mitte ganze Bereiche, die glauben machen, auf wissenschaftlicher Grundlage zu argumentieren und zu agieren, stattdessen aber allein oder ganz wesentlich auf Wissenschaftspopulismus setzen. Die Homöopathie und Akupunktur gehören dazu, die anthroposophische und die chinesische Medizin. Und, selbstredend, große Bereiche der Sozialwissenschaften. Wie auch sollten sich die Politikwissenschaften, die Sozial-, Motivations- und Persönlichkeitspsychologie, die Völkerkunde oder gar die Gender-Forschung von wissenschaftsexternen Einflüssen freihalten können, wie die Religionswissenschaften, zumal die Islamwissenschaft?

Dabei müsste die Wissenschaft die Politik von sich besser fernhalten, allzumal ideologische Einflüsse. Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei, steht in Artikel 5 unseres Grundgesetzes.

Gleichsam inflationär sind die Versuche von Esoterik und Parawissenschaften, sich auf echte, auf akademische Wissenschaft zu berufen. Und überall blühen sie, all die Formen von biodynamischer Landwirtschaft, die Unternehmen zur energetischen Wohnraumentstörung und -entstrahlung wie auch Ideen zu Diäten mit „naturbelassenen“ Nahrungsmitteln. Entscheidungen werden ausgependelt oder mittels Geomantie getroffen, Impfgegner tun sich zusammen und Gegner von Tierversuchen. Oft genug finden sich dafür Steuermittel, immer aber verunsicherte Bürger, die dazu Geld und Stimme geben.

Die Vertreter wissenschaftspopulistischer Strömungen stehen den Hard Sciences eher fern, oft sehr fern. Dasselbe gilt vermutlich für die Mehrheit der Politiker. Warum sonst widerstrebt es ihnen, politisch unvoreingenommene Vertreter der Wissenschaft in den Bundestag oder in die Landtage einzuladen, um sich per PowerPoint-Vortrag über deren Argumente und Sichtweisen zu informieren, und das, bevor tiefgreifende Beschlüssen getroffen werden?

Weit eher hat man den Eindruck, es ginge hier weniger um Sachargumente als vielmehr darum, den anderen Parteien vom Rednerpult her oder aus den Reihen der Abgeordneten durch lautes Gelächter und Protestgeschrei Wählerstimmen abzujagen.

Kronzeugen aus dem Spitzenbereich der Wissenschaft

Wie wohltuend muss es dann sein, wenn sich für die eigenen populistischen Zwecke Kronzeugen aus dem Spitzenbereich der Wissenschaft finden. So Professor Dr. Peter Strohschneider, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), der im vorigen Jahr vor der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina in Halle eine Rede hielt. Titel: „Über Wissenschaft in Zeiten des Populismus“. Gemeint sind damit nicht etwa die über die Leitmedien verbreiteten Fehlinformationen zur Gentechnik, zu Treibhausgasen oder vermeintlich wissenschaftlich begründeten Grenzwerten atmosphärischer Spurengase.

Im Gegenteil, vom DFG-Präsidenten bekommt man eher das zu hören, was ohnehin ständig von den Türmen der Meinungselite geblasen wird. Es fehlt daher nicht an Warnungen vor Autokraten und Populisten, denen freie Wissenschaft zum „Objekt von Insinuation und Verdächtigmachung“ gereiche. Massiv verbreiteten sie Expertenmisstrauen. Der Austausch von Argumenten als Verständigungsbasis offener Gesellschaften würde aufgekündigt, populistisches Experten-Bashing untergrabe dieses Vertrauen gezielt, Denunziationsvokabeln von „Lügenpresse“, „Expertengeschwätz“ oder „Lügenwissenschaft“ verstellten den Blick auf die wahre Sachlage.

Solche Art von Bestätigung, ausgezeichnet als die „Rede des Jahres“, befeuert die Politiker und die von ihnen herbeigeholten und bisweilen selbsternannten Experten. Sie wissen, wie man es anstellen muss, um wissenschaftliche Sachverhalte so darzustellen, wie es opportun ist. Und das ohne langweilige Diagramme, ohne langweilige Kurven, ohne langweilige Tabellen und ohne irgendwelche Studienbelege oder Gutachten von verlässlich unabhängiger Seite.

Wissenschaftspopulismus, man hört ihn trapsen. Überall!

Gerald Wolf ist Universitätsprofessor, Hirnforscher und emeritierter Institutsdirektor und lebt in Magdeburg. In seinen Vorträgen und Publikationen widmet er sich der Natur des Menschen, vorzugsweise dem Gehirn und dem, was es aus uns macht. Neben zahlreichen Fachpublikationen und Fach- und Sachbüchern stammen von ihm drei Wissenschaftsromane.

Foto: Bildarchiv Pieterman

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Gertraude Wenz / 08.09.2018

Danke, lieber Herr Arning, Sie haben in Ihrer unverwechselbaren Art alles bestens auf den Punkt gebracht! Auch den anderen Kommentatoren - und dem Autor natürlich - herzlichen Dank! Ihr alle seid es, die mich nicht ganz an den Menschen, speziell den Deutschen, verzweifeln lassen! Wenn “Populismus” negativ konnotiert ist, dann müsste es “Demokratie” auch sein.

Michael Jansen / 08.09.2018

Allein die Wertung der Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung durch links-grüne Populisten zeigt schon ihren häufig unwissenschaftlichen, ideologisch eingeengten Ansatz. Wenn die Forschung ein unwillkommenes Ergebnis zu Tage fördert, dann ist natürlich die Korrumpierung der Forscher durch wirtschaftliche Interessen und finstere Kapitalisten daran schuld. Kommen jedoch grüne Untersuchungen zu einem den nahestehenden Politkern genehmen Ergebnis, dann wird dies sofort als Beweis für die eigene Position gewertet, egal welche methodischen Fehler die seriöse Wissenschaft evtl. findet. Dabei wird der grundsätzliche Denkfehler gemacht, dass man unterstellt, es gebe nur materielle Korruption. Genauso gibt es natürlich auch eine ideologische, moralische Selbst-Korrumpierbarkeit, die schnell dazu verleitet, die Ergebnisse von Forschungen im eigenen Sinne zumindest auszulegen wenn nicht gar zu manipulieren.

Andreas Rochow / 08.09.2018

Ein großartiger Beitrag, der auf eine Fehlentwicklungen im akademischen System fokussiert, den Pseudo- oder Fake Wissenschaft für politische Kampagnen zu missbrauchen. Professor Strohschneider von der DFG hat sich in seinem Vortrag vor der altehrwürdigen Leopoldina für die Politisierung praktisch aller Wissenschaften aus Gründen der (politischen) Opportunität ausgesprochen. Man darf dies als eine persönliche Meinungsäußerung bewerten. Solche Statements aber als Wissenschaft zu verkaufen, grenzt an Scharlatanerie. Der unabhängigen, freien Wissenschaft hat er damit einen Bärendienst geleistet. Ein weiterer Mosaikstein für die florierende Tendenz, sich den meist weltweiten, von der UNO angeführten, populistischen Kampagnen anzudienen. Das Wieselwort “Populismus” trifft diese Haltung nicht präzise; um die Wissenschaft derart zu beschädigen, müssen schon eine ordentliche Portion Opportunismus und eine spezielle Charakterschwäche zusammentreffen.

Emmanuel Precht / 08.09.2018

“Lebt in Magdeburg” na siehste wohl, ein Dunkeldeutscher, was sonst als angebrachte Kritik kann man von denen denn schon erwarten?! Ich belege jetzt einen Sprachkurs mit dem Titel “Sächseln, die Sprache des Widerstandes”. Wohlan…

Wolfgang Kaufmann / 08.09.2018

Man könnte von „Subventionitis“ reden. Das erinnert mich an den Bauern, der mit seinen Milchkühen Verluste macht. Doch statt auf Fleischrinder umzustellen, schafft er sich hundert weitere Milchkühe an, um die fetten Subventionen abzugreifen. Sein Milchmädchen hat ihm dazu geraten – klar, die lebt davon…

Wolfgang Kaufmann / 08.09.2018

Im Allgemeinen ist die Wikipedia ziemlich gut. Im Artikel „Rechtspopulismus“ gibt es sogar eine Karte Europas mit entsprechend verorteten Regierungen in dunkler Einfärbung. Im Artikel „Linkspopulismus“ gibt es das leider nicht; mit ein klein wenig Mühe ließe sich da sicherlich was finden. Selbst wenn ich unter „Failed State“ nachschlage und ganz reinzoome, kann ich NRW, Bremen und Berlin nicht entdecken…

Werner Arning / 08.09.2018

Die Sache mit dem Populismus wurde erfunden, um damit zu erklären, warum Politik gegen den Bürger gemacht wird. Politik, die dieser nicht will. Und Politik, die er nicht will, ist eben keine populistische Politik. Wenn Politik betrieben würde, die der Bürger will, wäre dieses populistische Politik. Verstanden? Nee? Eben, der Bürger ist dumm. Deshalb darf man keine Politik machen, die der Bürger gut findet. Weil, diese wäre populistisch. Der Bürger muss lernen: Die Politiker wissen viel besser, was für mich gut ist. Und wenn sie Politik machen, die ich doof finde, dann ist es zu meinem Besten. Das Beste für mich ist, wenn die Politiker Politik machen, die ich nicht verstehe. Deren Sinn sich mir nicht erschließt. Dann ist sie ganz sicher richtig. Alles andere wäre nämlich populistisch.

Klaus Metzger / 08.09.2018

Man möchte den Aluhutträgern zurufen, Du darfst nicht alles glauben, was Du denkst!

Wilhelm Lohmar / 08.09.2018

Ein Blick in ein älteres herkömmliches Lexikon ist wirklich eine gute Idee. Ich habe noch das dtv-Konversationslexikon von 1975. Populismus wird dort als eine literarische Bewegung in Frankreich in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts beschrieben. Abgesehen davon sind diese älteren und alten Lexika durchaus eine Hilfe, um bei der gegenwärtigen sprachlichen Verlotterung bestimmte inflationär gebrauchte Schlagwörter sinnvoll einzuordnen.

Frank Box / 08.09.2018

“Wissenschaft als Mittel zum politischen Zweck” - Das ist mir auch schon aufgefallen, und zwar bei “Spektrum der Wissenschaft”, nachdem deren Partner “Die Zeit” von taz-Journalisten übernommen wurde und die Ausrichtung von “konservativ” nach “linksextrem” wechselte. Seitdem wird auch bei “Spektrum” vom “menschengemachten Klimawandel” gefaselt, obwohl KEINERLEI wissenschaftlich seriöse Messungen existieren, die das untermauern! Auch das Niveau hat insgesamt nachgelassen. Von einem Wissenschaftsjournalisten erwarte ich, dass er zunächst einmal den wissenschaftlichen Arbeiten selbst geistig folgen kann. Dann muss er in der Lage sein, die zentralen Erkenntnisse so herauszuarbeiten, dass ihnen anschließend auch ein fachfremdes Publikum geistig folgen kann. Daran scheitert man bei “Spektrum der Wissenschaft” jetzt regelmäßig! Offensichtlich ist auch hier eine korrekte politische Gesinnung inzwischen wichtiger, als wissenschaftsjournalistische Fähigkeiten. Ich jedenfalls lese das nicht mehr!

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