Gunnar Heinsohn / 14.01.2020 / 09:17 / Foto: Pixabay / 49 / Seite ausdrucken

Wirtschaftskriege: Vom Segen des Klauens (2)

Japans Weg nach ganz oben scheitert in den 1990er Jahren nicht an mangelndem Erfindungsgeist. Der imponiert ungebrochen. 2017 startet Hitachi das globale Projekt Society 5.0: „Das Durchdringen jeder ökonomischen Branche und jeder öffentlichen Institution und Infrastruktur mit den Innovationen der vierten industriellen Revolution (zum Beispiel Internet of Things, Big Data, Künstliche Intelligenz [KI], Roboter) erzeugt die Gesellschaft der Zukunft, in der permanent nicht nur neue Dienstleistungen, sondern auch neue Werte entstehen. [...] Das ist Society 5.0, eine super-smarte Gesellschaft. Japan wird dabei vor der übrigen Welt die Führung übernehmen.“

Das klingt vollmundig. Doch wer diese Zielsetzung als bloße Propaganda abtut, mag etwa nach Kopenhagen schauen. Dort entsteht – über die Daten-Verzahnung von Stadtverwaltung, Verkehrsanlagen und Zulieferindustrie – ein roboterisiertes Metro-System. Es gehört in die höchste Kategorie der Grade-of-Automation 4/GoA4. Es kommt verständlicherweise nicht aus Dänemark selbst, das mit weniger als sechs Millionen Einwohnern dafür keine ausreichende industrielle Basis aufweist. Es kommt aber auch nicht aus dem direkt benachbarten Deutschland mit einschlägigen Firmen à la Siemens oder Bombardier, sondern – einschließlich der fahrerlosen Triebwagen – von Hitachi, das mit der Universität von Tokio das Laboratory Society 5.0 betreibt.

Gleichwohl kommen Kopenhagen beziehungsweise Europa mit einer derart integrierten Technologie zu spät. Bei einem der größten Minenkonzerne der Erde läuft in Australien ein ausgedehntes Schienensystem mit 170 Lokomotiven schon seit Juli 2018 fahrerlos unter Rio Tinto AutoHaul Train Control. Doch auch dieses System stammt keineswegs aus einem australischen Laboratorium. Es ist wiederum Hitachi, das Rio Tinto zum Weltführer bei automatisierten Industriebahnen macht. Dabei haben sich die Japaner fürs engere Europageschäft Italiens bestes Fachunternehmen, Ansaldo Energia aus Genua, hinzugekauft. Für die Firma ist das ein Glücksfall, weil ihre Zukunft allein aus italienischem Nachwuchs nicht mehr gesichert werden kann. Mit nur noch 42 mathematisch Begabten unter 1.000 Kindern (322 in Japan), ist man hinter die Türkei (47) zurückgefallen (TIMSS 2015).

Gründungspersönlichkeiten fehlen keineswegs

Es stimmt schon, dass Japan beim Bau großer Passagierflugzeuge den Europäern und Nordamerikanern nicht gewachsen ist, obwohl die Mitsubishi MR J70 das Blatt wenden könnte. Immerhin aber behauptet man bei zweistrahligen Businessjets mit der „Honda HA 420“ momentan die Weltspitze.

Selbst bei einer so trivialen, aber milliardenfach eingesetzten Technologie wie dem Reißverschluss kommen die einzig relevanten Innovationen von Japans YKK und nicht aus dem Ursprungsland USA, obwohl seine Herstellung ganz überwiegend in der chinesischen Sechsmillionen-Stadt Qiaotou erfolgt, die auch als Knopf-Metropole die Körper der Welt erobern konnte.

Auch Gründerpersönlichkeiten fehlen im vergreisenden Japan keineswegs. Sollte man die global imponierendsten Perspektiv-Unternehmer benennen, käme man an Masayoshi Son (*1957) wohl kaum vorbei. Der Japaner koreanischer Abstammung hat mit seinen Gewinnen aus der chinesischen Firma „Alibaba“ das Unternehmen „SoftBank“ aufgebaut, die unter anderem mit ARM aus dem englischen Cambridge die wichtigste Firma für Chipdesign seit 2016 im Portefeuille hat. Mit Tadashi Yanai steht hinter Fast Retailing mit Uniqlo, der größten Bekleidungsfirma Asiens und der aktuellen Nummer drei weltweit, ebenfalls ein Japaner.

Eine aufregende Erkenntnis und kühne Forschertat

Es ist vor allem Japans geringer Anteil von nur noch 1,6 Prozent an der Weltbevölkerung (2019), der es daran hindert, dem 21. Jahrhundert seinen Stempel noch stärker aufzudrücken als mit Robotern und automatischen Untergrundbahnen. Dieser demografische Befund bleibt in den Prognosen der 1980er Jahre unterbelichtet. Auch deshalb wird momentan nicht zureichend erfasst, was ein demografisch elfmal stärkeres Japan ein China also einmal erreichen könnte. Auch für dieses Land werden ja ununterbrochen Parallelen zum vermeintlichen japanischen Scheitern gezogen.

Die Gründe für den Erfindergeist, der das alternde Japan in der technologischen Weltspitze hält, werden von den Analytikern bis heute übergangen. Man hat im 20. Jahrhundert die Demografie des Landes überschätzt, seine kognitiven Stärken dafür unterschätzt. Und doch gibt es einen kleinen, aber folgenreichen Befund mitten aus der Zeit einstiger Japan-Besessenheit. Am 20. Mai 1982 erscheint in Nature, der angesehensten naturwissenschaftlichen Zeitschrift, ein Aufsatz von Richard Lynn mit dem Titel: „IQ in Japan and the United States shows a growing disparity“.

Ein Dreivierteljahrhundert nach Tsushima erfährt die Welt, dass Japaner einen Durchschnitts-IQ von rund 105 aufweisen, Briten (und ihre Übersee-Verwandten) sich aber weiterhin mit ihrem Greenwich-IQ von 100 begnügen müssen. Eine aufregende Erkenntnis und kühne Forschertat wird da mitgeteilt. Heiner Rindermann bestätigt 2018 diesen Befund mit einer japanischen Cognitive Ability (ein breiteres und neutraleres Maß als der IQ) von CA104. Die 2018er Ergebnisse der inneramerikanischen Tests für den Zugang zur Universität (SAT) haben im Fach Mathematik „Asians“ mit 635 Punkten vor „Whites“ mit 557 und „Hispanics“ (die am schnellsten wachsende Bevölkerungsgruppe) mit 489 Punkten.

Kostbare, wenn auch kaum gehörte Lehre

Pierre Bourdieu, Star-Soziologe aus Frankreich, hatte noch 1978 die gesamte Intelligenzforschung als rassistisch verdammt, weil die „herrschende Klasse“ das IQ-Konzept lediglich für die Rechtfertigung ihrer Privilegien benutze (siehe seine Schrift „Racisme de l’intelligence“ von 1978).

Vier Jahre später bescheinigt Lynn, also ein Mitglied des bis ins 20. Jahrhundert global dominanten britischen Empire, den in der Tat rassistisch als Gooks oder Yellows diskriminierten Ostasiaten kognitive Überlegenheit. Und doch hört die westliche Überheblichkeit nicht auf. Denn nur aufgrund tiefsitzender Geringschätzung kann man anschließend vom Aufstieg der Koreaner und Chinesen überrascht werden.

Richard Lynn erteilt den weißen Rassisten eine kostbare, wenn auch kaum gehörte Lehre: Nationen, die im Rennen bleiben wollen, sind nicht nur moralisch im Unrecht, sondern begehen zugleich eine Torheit, wenn sie Hochqualifizierte aufgrund von Pigmentierung, Augenstellung oder Nasenform außer Landes jagen, ermorden oder an der Grenze zurückweisen. Niemals zuvor war die Nachfrage nach Talenten größer als heute, und sie wird morgen noch weit höher liegen, was die bereits für 2020 fehlenden 40 Millionen Hochqualifizierten unmissverständlich deutlich machen. Wer in diesem Umfeld Leistungssenker bevorzugt, weil an ihnen „Haarstruktur und Götterwelt“ bevorzugt werden, stiftet Schaden, weil seine Helferkapazitäten schwinden, während die Hilfsbedürftigen im eigenen Land ihren Bevölkerungsanteil erhöhen.

Ausgeprägter Kompetenzismus

Zumutungen an Migranten, vor Grenzübertritt erst einmal das religiöse Bekenntnis oder gar ihr Äußeres zu modifizieren, landen mit Lynn im historischen Abseits. Wer sich durch die Examina gebüffelt hat, überwindet Grenzen. Das Paradebeispiel liefert Singapur. Mit aktuell nur 0,83 Kindern pro Frauenleben wäre der Stadtstaat ohne Einwanderung zum Aussterben verurteilt. Realiter aber steigt die Bevölkerung zwischen 1968 und 2019 von gut 2 auf knapp 6 Millionen. 44 Prozent der Einwohner sind Einwanderer oder ausländische Beschäftigte. Ihre Kompetenz von CA106 ist für Migranten die höchste weltweit. Selbst die Einheimischen Singapurs schaffen nur CA105, was für sie allerdings ebenfalls die Weltspitze markiert.

Natürlich werden Bewerber auch abgelehnt. Das geschieht aber nicht, weil sie „braun“, „schwarz“ oder „weiß“ sind, sondern weil sie nicht zum Qualifikationsprofil passen. Gegen Rassismusvorwürfe verteidigt man sich deshalb vehement. Einen ausgeprägten Kompetenzismus, der für eine zu drei Vierteln aus Chinesen bestehende Bevölkerung sorgt, kann man dennoch nicht in Abrede stellen. Gleichwohl, ein Viertel der Bevölkerung ist nicht chinesisch. Das entspricht in etwa dem Bevölkerungsanteil von knapp 24 Prozent in der Bundesrepublik, der nicht in Deutschland geboren ist.

Bekanntlich verfolgt Berlin – wie zuvor bereits Bonn und durchgehend etwa auch Paris – eine ganz andere Einwanderungspolitik. Man denkt nicht an die Zukunft der tendenziell „ewigen“ Nation, sondern an aktuell verwendbare Arbeitskräfte für ausgesuchte, aber keineswegs unsterbliche Firmen. Die Unternehmen werden nach Ausreizung ihrer Profitabilität abgewickelt, müssen aber nicht für die zurückbleibenden Arbeitskräfte und ihre menschenwürdige Versorgung aufkommen. Deren Kosten belasten die gesamte Nation. Der aber fallen die Zahlungen zunehmend schwerer. Denn sie hat beispielsweise bei den Altdeutschen ja keinen Singapur-CA von 105, sondern von 100 und bei den Migranten nicht 106, sondern lediglich 92.

Angst vor der Beschäftigung mit Intelligenz

Nun ist nicht leicht zu beweisen, dass die immer stärkere Öffnung der Kompetenzschere zwischen Ostasien und der europäiden Welt auch die unterschiedliche Entwicklungsdynamik bestimmt. Doch zwischen 1980 und 2019 springt Singapurs Pro-Kopf- Einkommen von seinerzeit ärmlichen 5.000 auf 63.000 US-Dollar, in Deutschland aber geht es lediglich von damals sehr passablen 11.000 auf 50.000 und beim Berliner Zukunftspartner Frankreich (CA 98/9269) sogar von seinerzeit üppigen 13.000 auf nur 43.000. Natürlich ist der Vergleich mit einer Stadt wie Singapur, die zugleich Bankenzentrum ist, mit Flächenstaaten nur begrenzt aussagefähig. Doch 1980 liegt diese Stadt noch tief auch unter den nicht-urbanen Regionen des EU-Führungsduos, während sie heute weit über ihnen rangiert.

Dass die Qualifikation der Bürger den wichtigsten Rohstoff der meisten Nationen bildet, ist eine Binsenweisheit und gern deklamierte Politparole. Aber wohl niemand hat besser verstanden als Lee Kuan Yew (1923–2015), Singapurs hoch kontroverser Langzeit-Premier (1959–1990), dass dann auch die Steigerung der nationalen Kompetenz das höchste Staatsziel sein muss. „Seine Vision, schrieb Henry Kissinger‚ „zielte auf einen Staat, der nicht einfach überleben, sondern sich durch Exzellenz durchsetzen würde. Überlegene Intelligenz, Disziplin und Einfallsreichtum würden Ressourcen ersetzen.“ Mir ist kein deutscher oder europäischer Politiker bekannt, der bereit gewesen wäre, sich mit solchen Prioritäten Ärger einzuhandeln. Steigerung des Sozialprodukts mag noch angehen, seine kognitiven Voraussetzungen aber bleiben tabu.

Da spielt die Angst vor der Beschäftigung mit Intelligenz eine Rolle. Ein kanadischer Einwanderungspolitiker hat mich in meinen 1980er Toronto-Jahren damit gefrotzelt, dass die Deutschen dauernd Grundsatzdebatten darüber anzetteln, ob Intelligenz angeboren oder erworben sei. Wer dann das Ungefällige vertrete, werde sozial vernichtet, auch wenn er ein gescheiter Mensch sei. Wer das allgemein Geglaubte von sich gebe, werde Minister, auch wenn er meschugge sei.

Ihm hingegen sei die Frage völlig gleichgültig, solange Intelligenz mitbringe, wer über Kanadas Grenze wolle. Niemand müsse dabei Dokumente mit lückenlosen Nachweisen vorlegen, dass seine Intelligenz von staatlichen Kindergärtnerinnen, keinesfalls aber von den Eltern stamme. Man nehme jeden, der oder die aus welchen Gründen auch immer gescheit sei. Man wisse schließlich aus Erfahrung, dass Könner und Kluge ihre Kompetenz im Normalfall weiterreichen, und es sei einem schnurz, wie sie das bewerkstelligen.

Brütet Deutschland eine neue „Wunderwaffe“ aus?

Das ist angelsächsischer Pragmatismus. Deutschland aber hat eine genozidale Diktatur hinter sich, in der „Intellektualismus“ und „theoretische Intelligenz“ als jüdisch verfolgt und ausgelöscht wurden. Man musste damals mit Dokumenten nachweisen, solche Qualitäten nicht im Ahnenverzeichnis zu haben. Germanen sollten zäh wie Leder oder hart wie Kruppstahl agieren und sich ansonsten auf eine „praktische Intelligenz“ beschränken. Entsprechend zäh verläuft nach wie vor die Befreiung von dieser intellektuellen Zwangsjacke – in einer bizarren, wiewohl ungewollten Treue zu jener furchtbaren Tradition – nicht nur in Deutschland, sondern in großen Teilen der europäischen Welt.

Das zusammen mit Deutschland 1945 niedergeworfene Japan denkt anders. Obwohl es demografisch schrumpft, werden 2017 nur 20 (zwanzig!) Asylanten akzeptiert. Man will nur Leute aufnehmen, die das eigene Leistungsniveau nicht absenken. Gerade die jedoch werden überall knapper. Kleinstaaten wie die Schweiz oder Singapur mögen den Immigrationsweg gehen. Aber für eine 125-Millionen-Nation wird das schwierig. Man weiß aber sehr gut, dass unqualifizierte Jugendliche aus der Dritten Welt die in Rente gehenden eigenen Könner nicht zu ersetzen vermögen.

Ich bin von japanischen Zeitungen und Wirtschaftsmagazinen befragt worden, ob Deutschland mit dem massiven Einlassen ebensolcher Neubürger eine neue „Wunderwaffe“ ausbrüte, mit der es die ökonomische Konkurrenz in die Knie zwingen wolle. Man hatte tatsächlich zunächst ein hinterhältiges Manöver vermutet und sich erst durch Nachweise über Deutschlands irreversibles Bildungsfiasko beruhigen lassen. Dass 2018 zu den 1.000 Umsatz-Topfirmen weltweit 146 japanische, aber nur 44 deutsche – etwa gleich viel wie in Südkorea, Frankreich oder Großbritannien – gehören, brauchte sie dann nicht mehr überraschen.

Die EU ahnt nichts von Japans Überlegenheit

Weil Europäer ihre kognitive Kompetenz verringern, während Japan die ihrige verteidigt, wird sein Vorsprung automatisch größer. Das erleichtert und verstetigt die Weltführerschaft bei Robotern nebst zugehöriger Künstlicher Intelligenz. Unter den 20 Privatfirmen mit den meisten AI-Patenten kommen 2018 eine aus Korea, je zwei aus Deutschland und China, drei aus den USA, aber zwölf aus Japan. Sich ganz auf die eigenen klugen Köpfe zu verlassen, erweist sich als ungemein smarter Schachzug. Hingegen verringern die meisten westlichen Konkurrenten die für diese Zukunftsbranche unverzichtbare Kompetenz und werden deshalb wohl niemals wieder eine ernsthafte Konkurrenz.

Der eigene Kognitionsverlust wird im Westen bis heute kaum zum Thema. So beschreibt eine Untersuchung von „BNP Parisbas“ aus dem Frühjahr 2019 eine „Japanisation“ der EU ausdrücklich als Schreckgespenst. Man nimmt die vergangenen dreißig Jahre Japans (1989–2019) als Folie für die eigene Zukunft, betrachtet aber nur finanzielle und quantitativ-demografische Faktoren. Warum die EU heute schon technologisch hinter dem Inselstaat rangiert, wird nicht einmal gefragt. Kognitive Differenzen bleiben vollkommen ausgeblendet. Man ahnt nichts von der speziellen Überlegenheit derer, mit denen man sich ganz unbekümmert vergleicht.

Bei der eigenen Zukunftsorientierung operiert Tokio ähnlich wie Singapur. Der Stadtstaat wirbt Chinesen an. Japan tut das auch und beherbergt mit einer Dreiviertelmillion mehr als dreimal so viele Chinesen wie Deutschland. Zentral aber zielt man auf die Stärkung Ostasiens als geopolitischen Raum. Man hat sehr genau registriert, dass man 2017 bei PCT-Patenten den bis dahin globalen zweiten Rang (nach den USA) mit der Differenz von rund 700 Patenten an China verloren hat. 2018 weitet sich der Rückstand auf schon 3.700 Patente. Noch im Oktober 2018 unterschreibt Premierminister Shinzo Abe in Peking rund fünfzig Verträge zu wirtschaftlichen Kooperationen.

Erfolgreiches japanisch-chinesisches Duo

Toyota als modernste Autoschmiede der Welt ergänzt bei Batterien die Partnerschaft mit der heimischen Panasonic (Weltführer bis 2017 und Versorger von Tesla) mit der neuen Nummer eins CATL aus China. Man ist kompetent genug, um sich – bei 6,6 Prozent des Weltprodukts – mit der elfmal stärkeren, im Durchschnittsalter zehn Jahre jüngeren und bei der Kompetenz ähnlich hohen Gruppe ökonomisch zu verflechten. Unterhalb der Kulisse von Anschuldigungen, halbgaren Entschuldigungen und sonstigem Theaterdonner wird – superb dargestellt in Ezra Vogels China and Japan – immer effektiver kooperiert. Gemeinsam kann das japanisch-chinesische Duo für das 21. Jahrhundert erfolgreich in Angriff nehmen, was Japan allein im 20. Jahrhundert misslingen musste.

Bei der gegenseitigen investiven Verflechtung bilden China und Japan heute schon die größte finanzielle Partnerschaft der Menschheit. Es kann ihrem Fortkommen nur nützen, dass im Westen unverstanden bleibt, wie sehr Japans Alleinaufstieg an mangelnder Menschenzahl, nicht aber an mangelnder Kompetenz gescheitert ist. „Keine Angst vor Chinas Stärke“, posaunt im Frühjahr 2019 eine führende deutsche Tageszeitung. Es werde dem Giganten nicht besser ergehen als Japan, das doch auch zu unrecht gefürchtet worden sei. Dabei wird wiederum nicht gefragt, was denn in Japan der Faktor dafür war, für den man es überhaupt als Bedrohung empfinden konnte. Zu China unterbleibt solches Fragen ebenfalls. Dasselbe gilt für zwei kleinere Mitglieder – Korea und Taiwan – der ostasiatischen High-Tech-Allianz. Was haben sie gemeinsam mit Japan und China?

Den ersten Teil dieses Beitrages finden Sie hier.

Dies ist ein Auszug aus „Wettkampf um die Klugen“ von Gunnar Heinsohn, 2019, Zürich: Orell Füssli Verlag, hier bestellbar.

Foto: Pixabay

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beat schaller / 14.01.2020

Super Zusammenfassung, mit Argumenten, die vielleicht nicht pc-genehm sind, dafür aber umso treffender. Grossartig dieser Bericht, und ich werde mir das Buch noch besorgen. Dieser Link wird mehrfach weiter gereicht. b.schaller

Enrique Mechau / 14.01.2020

Die Deutschen ruhen sich noch immer auf dem Volk der Dichter und Denker, und dem sogenannten Wirtschaftswunder aus. Sie meinen noch immer alles andere an Deutschland anpassen zu müssen (Am deutschen Wesen…) Mit dieser Einstellung sind sie bereits krachend gescheitert und werden auch zukünftig damit scheitern. Nur das große Maul aufreissen genügt heutzutage nicht mehr. Aber die Hauptsache wir Deutschen haben die (wenn auch nur eingebildete) moralische Überlegenheit in Allem und Jedem. Alles wird sicher mit einem Kanzler Habeck und einem Vize Kühnert und deren Entourage (natürlich auch mit einem autodidaktischen Lebensweg) viel besser werden. Deutschland wird ein Agrarstaat mit Pferdeantrieb und für die Elektrizität wird mit Tretgeneratoren gesorgt.

Klaus Demota / 14.01.2020

Ja, Japan ist auch so eine Sache: es wäre zu analysieren, wie die (temporäre) Emigration deutscher Unternehmen bzw. Patente in dieses Land sowohl nach dem ersten als auch dem zweiten WK sich auf die industrielle Balance beider Staaten ausgewirkt hat (zB Olympus und Fujitsu). Es wäre auch zu überlegen, ob nicht - wie einst in USA - der Ausstoss der nichtstaatlichen Bildungseinrichtungen ausreicht, um den ingenieursmässigen Intellekt hierzulande nachhaltig zu am Leben zu halten. Ganz nach dem zynischen Wort “das (staatliche) Gymnasium ist die heutige Hauptschule”. Und die Landesuniversitäten sind nicht für die Ewigkeit gemacht, wie es die Kloster- und Lateinschulen auch nicht waren.

Rainer Möller / 14.01.2020

Interessant finde ich, wie weit der heutige “Globalismus” sich von seinen wirtschaftsliberalen Ursprüngen entfernt hat. Ursprünglich hieß es ganz entspannt: Lass doch jeden auf der Welt das machen, was er am besten kann - die Japaner ihre fahrerlosen Bahnen und die Dänen ihre Gebäckspezialitäten. Heute heißt es ganz unentspannt: Wir müssen unbedingt ganz oben bleiben, sonst ... ja was genau sonst? Machen wir bankrott wie der Fleischermeister ums Eck, oder was? Da hat sich der reale Kapitalismus in seiner hysterischen Abscheulichkeit gegen die wirtschaftsliberale Theorie durchgesetzt!

Dieter Kief / 14.01.2020

Ja, der IQ ist rassistisch, immer noch. Thilo Sarrazin und “das Judengen” - Jakob Augstein hält dem das immer noch vor, auch Plasberg usw.. - Wie lange noch? - Es ist auch klar, dass es bequem ist, den Zusammenhang zwischen kognitiven Fähigkeiten und wirtschaftlichem Erfolg zu verleugnen. - Kommt Saskia Esken um die Ecke, und fordert Ergebnisgleichheit in der Bildung - sortiert nach Schichten. Im Jahr 2020. Die SPD ist die Partei, in der sich das idealtypisch abmalt: Entweder, man akzeptiert den IQ als Faktor im Bildungsgeschehen, oder man verrennt sich weiter mit Forderungen wie der Saskia Eskens, dass endlich die Bildungsergebnisse über alle Schichten verteilt gleich sein sollen.  Es ist aber so, dass im Grunde sowohl die Linke als auch die Grünen wie auch die CDU nach wie vor so redet, nur nicht so krass wie Frau Esken, die einfach im Gleichheitspfad weitertrampelt. Nebenbei: Die vornehmeren Debattanten in Deutschland (SZ, ,FAZ, Die Zeit, tagesthemen) verweisen immer auf den Rassismus der USA, wenn es um die geringere Konkorrenzfähigkeit der Schwarzen in den USA geht. Aber auch hier geht es stark (nicht allein, aber stark) um den IQ - und darum, dass in den USA keiner einen Plan hat, was mit den sozusagen ausrangierten Schwarzen eigentlich geschehen soll. Detroit - failed city… - und keiner weiß, was zu tun wäre.

Rainer Möller / 14.01.2020

Heinsohn zitiert selektiv nur solche Fakten, die ihm passen. Andere lässt er weg - z.B. dass gerade Hoch-IQ-Staaten wie Japan oder Israel großen Wert auf ethnische Homogenität legen. Homogenität ist eben auch ein Wirtschaftsvorteil: Sie verhindert die enormen Reibungsverluste, die sich in den USA, Großbritannien usw. zeigen, wo ein großer Teil der erzielten Überschüsse wieder für die Regulierung ethnischer Konflikte verbraucht wird.

U. Unger / 14.01.2020

Bravo, Herr Heinsohn! Es lebe die Intelligenz! Die erfolgreichen Zugewinngemeinschaften werden sich mit Leichtigkeit noch weiter von den Bedarfsgemeinschaften absetzen. Keine rosigen Aussichten für Afrika, EU, Lateinamerika. Ich rechne schon in 10 Jahren mit einer 1. Welt, die flächenmässig größer, als je zuvor sein wird. Rußland und Mongolei werden als unteres Ende mutmaßlich anschließen können, die 2. Welt/ Schwellenländer dürften sich etwa zu 1/3 nach oben, die restlichen 2/3 nach unten einordnen. Der Rest wird 3. tendenziell 4. Welt sein. Mit allen erdenklichen ökonomischen Problemen, selbst außerhalb der Naturkatastrophen- Saison. Hatte schon gestern in etwa das beschrieben, was Sie heute Kompetenzismus nennen. Die neue Teilung dürfte sich schnell durchsetzen und verfestigen. Die Rennpferde sind vorgestellt, aufsitzen! Einfach mal danke für Ihre Nachhilfe Herr Professor! Habe als Diplom- Kaufmann hoffentlich alles kapiert? Allen Sozialisten wünsche ich zukünftig Glück und Zufriedenheit in Ihrer zuständigen Bedarfsgemeinschaft. Viel Spaß beim Anprangern des Wohlstandes. Der Segen des Vorenthaltens wird euch treffen.

Sabine Hahn / 14.01.2020

Es ist überaus löblich, daß von Ihnen, Herr Heinsohn, in immer neuen Variationen auf die Bedeutung demographischer Faktoren mit all seinen Implikationen für die Entwicklung der Gesellschaften hingewiesen wird. Geist und Talent verteilen sich eben nicht gleichmäßig auf sämtliche Kulturkreise. dieser Erde. Es gibt soziale Räume und Ethnien, die bei der der Hervorbringung von intellektuellen Eliten bessere , im Sinne von nutzbringendere, Resultate als andere zu erzielen vermögen. Solange dieser Staat von politischen Eliten und deren medialen Steigbügelhaltern geprägt ist, die glauben, daß man, um in voller Gleichheit die Glückseligkeit verheißende soziale Gerechtigkeit zu vollenden, nur ein Bildungssystem etablieren muß, welches den Dümmsten zum Maß aller Dinge erhebt, wird sich in diesem Land nichts ändern, was uns auch nur im Entferntesten noch dazu befähigt, mit den innovativ vorweg marschierenden Nationen Ostasiens ein wenig zu konkurrieren. Allerdings sollte man sich davor hüten, diesen für Alteuropa traurigen Befund und die Verantwortung für die Ausbildung intellektueller Eliten und deren jetzigen Zustand allein dem gegenwärtigen Staatswesen anzulasten. Generatives Verhalten, Sozialisation sind nicht minder durch kulturelle Faktoren von langer Dauer bestimmt. Der “Zustand” von Religion und Familie tragen ebenfalls wesentlich dazu, intellektuelle Prägungen und deren Rahmen zu formatieren, d.h. auch jeder von trägt Verantwortung für den deplorablen Zustand unserer jetzigen Gesellschaft im Allgemeinen und Besonderen. Mit der schleichenden Entchristlichung seit dem 19. Jh., der gesellschaftlichen Vermassung und den absichtsvoll verursachten Ausmordungen und demographischen Katastrophen im 20. Jh. haben wir bzw. unsere Vorfahren den unaufhaltsamen Niedergang Alteuropas in Gang gesetzt.

Manfred Haferburg / 14.01.2020

Für viele ist die Fukushima-Reaktorhavarie eine Katastrophe, die Japan ins Mittelalter katapultiert. Doch Japan hat längst aus der Not eine Tugend gemacht. Neben einer sehr erfolgreichen Beseitigung der Strahlengefahr und den Havariefolgen haben Japanische Wissenschaftler und Ingenieure vielfältige Roboter entwickelt, die autark in die havarierten Reaktoren geschickt werden können, um dort Informationen und Bilder zu liefern und erste Aufräumarbeiten zu machen. Diese Roboter können natürlich vielfältig auch anderswo an schwer zugänglichen Orten eingesetzt werden, zum Beispiel zur Menschenrettung bei Erdbeben und anderen Unglücken. Auch die Industrie hat einen Bedarf für solche Roboter.

H. Ewald / 14.01.2020

Hallo Herr Heinson, leider habe ich den ersten Teil zeitlich etwas verpasst. Als langjähriger Mitarbeiter mit 2 Dekaden Erfahrung in einem japanischen Unternehmen möchte ich gerne mal einige europäische Sichtweisen auf Japan ergänzen. Ja die Japaner haben weniger regulären Urlaub als in Europa, dafür ist bei nationalen und religiösen Feiertagen (und davon gibt es fast jeden Monat 1-2), die auf ein Wochenende fallen der darauffolgende Montag frei. Die längere Arbeitszeit hat viel mit der japanischen Mentalität zu tun, z.B. das die Mitarbeiter nicht vor dem Chef nach Hause gehen wollen, mit der Stellung des Mannes in der Familie, mit der räumlichen Enge der Wohnungen. Gegen Ende des Arbeitstages wird auch einige Zeit in die Pflege der kollegialen Beziehungen investiert. In Bezug auf das Bildungssystem, Migration und Wirtschaft kann ich Ihnen nur zustimmen.

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