Gunnar Heinsohn / 14.01.2020 / 09:17 / Foto: Pixabay / 49 / Seite ausdrucken

Wirtschaftskriege: Vom Segen des Klauens (2)

Japans Weg nach ganz oben scheitert in den 1990er Jahren nicht an mangelndem Erfindungsgeist. Der imponiert ungebrochen. 2017 startet Hitachi das globale Projekt Society 5.0: „Das Durchdringen jeder ökonomischen Branche und jeder öffentlichen Institution und Infrastruktur mit den Innovationen der vierten industriellen Revolution (zum Beispiel Internet of Things, Big Data, Künstliche Intelligenz [KI], Roboter) erzeugt die Gesellschaft der Zukunft, in der permanent nicht nur neue Dienstleistungen, sondern auch neue Werte entstehen. [...] Das ist Society 5.0, eine super-smarte Gesellschaft. Japan wird dabei vor der übrigen Welt die Führung übernehmen.“

Das klingt vollmundig. Doch wer diese Zielsetzung als bloße Propaganda abtut, mag etwa nach Kopenhagen schauen. Dort entsteht – über die Daten-Verzahnung von Stadtverwaltung, Verkehrsanlagen und Zulieferindustrie – ein roboterisiertes Metro-System. Es gehört in die höchste Kategorie der Grade-of-Automation 4/GoA4. Es kommt verständlicherweise nicht aus Dänemark selbst, das mit weniger als sechs Millionen Einwohnern dafür keine ausreichende industrielle Basis aufweist. Es kommt aber auch nicht aus dem direkt benachbarten Deutschland mit einschlägigen Firmen à la Siemens oder Bombardier, sondern – einschließlich der fahrerlosen Triebwagen – von Hitachi, das mit der Universität von Tokio das Laboratory Society 5.0 betreibt.

Gleichwohl kommen Kopenhagen beziehungsweise Europa mit einer derart integrierten Technologie zu spät. Bei einem der größten Minenkonzerne der Erde läuft in Australien ein ausgedehntes Schienensystem mit 170 Lokomotiven schon seit Juli 2018 fahrerlos unter Rio Tinto AutoHaul Train Control. Doch auch dieses System stammt keineswegs aus einem australischen Laboratorium. Es ist wiederum Hitachi, das Rio Tinto zum Weltführer bei automatisierten Industriebahnen macht. Dabei haben sich die Japaner fürs engere Europageschäft Italiens bestes Fachunternehmen, Ansaldo Energia aus Genua, hinzugekauft. Für die Firma ist das ein Glücksfall, weil ihre Zukunft allein aus italienischem Nachwuchs nicht mehr gesichert werden kann. Mit nur noch 42 mathematisch Begabten unter 1.000 Kindern (322 in Japan), ist man hinter die Türkei (47) zurückgefallen (TIMSS 2015).

Gründungspersönlichkeiten fehlen keineswegs

Es stimmt schon, dass Japan beim Bau großer Passagierflugzeuge den Europäern und Nordamerikanern nicht gewachsen ist, obwohl die Mitsubishi MR J70 das Blatt wenden könnte. Immerhin aber behauptet man bei zweistrahligen Businessjets mit der „Honda HA 420“ momentan die Weltspitze.

Selbst bei einer so trivialen, aber milliardenfach eingesetzten Technologie wie dem Reißverschluss kommen die einzig relevanten Innovationen von Japans YKK und nicht aus dem Ursprungsland USA, obwohl seine Herstellung ganz überwiegend in der chinesischen Sechsmillionen-Stadt Qiaotou erfolgt, die auch als Knopf-Metropole die Körper der Welt erobern konnte.

Auch Gründerpersönlichkeiten fehlen im vergreisenden Japan keineswegs. Sollte man die global imponierendsten Perspektiv-Unternehmer benennen, käme man an Masayoshi Son (*1957) wohl kaum vorbei. Der Japaner koreanischer Abstammung hat mit seinen Gewinnen aus der chinesischen Firma „Alibaba“ das Unternehmen „SoftBank“ aufgebaut, die unter anderem mit ARM aus dem englischen Cambridge die wichtigste Firma für Chipdesign seit 2016 im Portefeuille hat. Mit Tadashi Yanai steht hinter Fast Retailing mit Uniqlo, der größten Bekleidungsfirma Asiens und der aktuellen Nummer drei weltweit, ebenfalls ein Japaner.

Eine aufregende Erkenntnis und kühne Forschertat

Es ist vor allem Japans geringer Anteil von nur noch 1,6 Prozent an der Weltbevölkerung (2019), der es daran hindert, dem 21. Jahrhundert seinen Stempel noch stärker aufzudrücken als mit Robotern und automatischen Untergrundbahnen. Dieser demografische Befund bleibt in den Prognosen der 1980er Jahre unterbelichtet. Auch deshalb wird momentan nicht zureichend erfasst, was ein demografisch elfmal stärkeres Japan ein China also einmal erreichen könnte. Auch für dieses Land werden ja ununterbrochen Parallelen zum vermeintlichen japanischen Scheitern gezogen.

Die Gründe für den Erfindergeist, der das alternde Japan in der technologischen Weltspitze hält, werden von den Analytikern bis heute übergangen. Man hat im 20. Jahrhundert die Demografie des Landes überschätzt, seine kognitiven Stärken dafür unterschätzt. Und doch gibt es einen kleinen, aber folgenreichen Befund mitten aus der Zeit einstiger Japan-Besessenheit. Am 20. Mai 1982 erscheint in Nature, der angesehensten naturwissenschaftlichen Zeitschrift, ein Aufsatz von Richard Lynn mit dem Titel: „IQ in Japan and the United States shows a growing disparity“.

Ein Dreivierteljahrhundert nach Tsushima erfährt die Welt, dass Japaner einen Durchschnitts-IQ von rund 105 aufweisen, Briten (und ihre Übersee-Verwandten) sich aber weiterhin mit ihrem Greenwich-IQ von 100 begnügen müssen. Eine aufregende Erkenntnis und kühne Forschertat wird da mitgeteilt. Heiner Rindermann bestätigt 2018 diesen Befund mit einer japanischen Cognitive Ability (ein breiteres und neutraleres Maß als der IQ) von CA104. Die 2018er Ergebnisse der inneramerikanischen Tests für den Zugang zur Universität (SAT) haben im Fach Mathematik „Asians“ mit 635 Punkten vor „Whites“ mit 557 und „Hispanics“ (die am schnellsten wachsende Bevölkerungsgruppe) mit 489 Punkten.

Kostbare, wenn auch kaum gehörte Lehre

Pierre Bourdieu, Star-Soziologe aus Frankreich, hatte noch 1978 die gesamte Intelligenzforschung als rassistisch verdammt, weil die „herrschende Klasse“ das IQ-Konzept lediglich für die Rechtfertigung ihrer Privilegien benutze (siehe seine Schrift „Racisme de l’intelligence“ von 1978).

Vier Jahre später bescheinigt Lynn, also ein Mitglied des bis ins 20. Jahrhundert global dominanten britischen Empire, den in der Tat rassistisch als Gooks oder Yellows diskriminierten Ostasiaten kognitive Überlegenheit. Und doch hört die westliche Überheblichkeit nicht auf. Denn nur aufgrund tiefsitzender Geringschätzung kann man anschließend vom Aufstieg der Koreaner und Chinesen überrascht werden.

Richard Lynn erteilt den weißen Rassisten eine kostbare, wenn auch kaum gehörte Lehre: Nationen, die im Rennen bleiben wollen, sind nicht nur moralisch im Unrecht, sondern begehen zugleich eine Torheit, wenn sie Hochqualifizierte aufgrund von Pigmentierung, Augenstellung oder Nasenform außer Landes jagen, ermorden oder an der Grenze zurückweisen. Niemals zuvor war die Nachfrage nach Talenten größer als heute, und sie wird morgen noch weit höher liegen, was die bereits für 2020 fehlenden 40 Millionen Hochqualifizierten unmissverständlich deutlich machen. Wer in diesem Umfeld Leistungssenker bevorzugt, weil an ihnen „Haarstruktur und Götterwelt“ bevorzugt werden, stiftet Schaden, weil seine Helferkapazitäten schwinden, während die Hilfsbedürftigen im eigenen Land ihren Bevölkerungsanteil erhöhen.

Ausgeprägter Kompetenzismus

Zumutungen an Migranten, vor Grenzübertritt erst einmal das religiöse Bekenntnis oder gar ihr Äußeres zu modifizieren, landen mit Lynn im historischen Abseits. Wer sich durch die Examina gebüffelt hat, überwindet Grenzen. Das Paradebeispiel liefert Singapur. Mit aktuell nur 0,83 Kindern pro Frauenleben wäre der Stadtstaat ohne Einwanderung zum Aussterben verurteilt. Realiter aber steigt die Bevölkerung zwischen 1968 und 2019 von gut 2 auf knapp 6 Millionen. 44 Prozent der Einwohner sind Einwanderer oder ausländische Beschäftigte. Ihre Kompetenz von CA106 ist für Migranten die höchste weltweit. Selbst die Einheimischen Singapurs schaffen nur CA105, was für sie allerdings ebenfalls die Weltspitze markiert.

Natürlich werden Bewerber auch abgelehnt. Das geschieht aber nicht, weil sie „braun“, „schwarz“ oder „weiß“ sind, sondern weil sie nicht zum Qualifikationsprofil passen. Gegen Rassismusvorwürfe verteidigt man sich deshalb vehement. Einen ausgeprägten Kompetenzismus, der für eine zu drei Vierteln aus Chinesen bestehende Bevölkerung sorgt, kann man dennoch nicht in Abrede stellen. Gleichwohl, ein Viertel der Bevölkerung ist nicht chinesisch. Das entspricht in etwa dem Bevölkerungsanteil von knapp 24 Prozent in der Bundesrepublik, der nicht in Deutschland geboren ist.

Bekanntlich verfolgt Berlin – wie zuvor bereits Bonn und durchgehend etwa auch Paris – eine ganz andere Einwanderungspolitik. Man denkt nicht an die Zukunft der tendenziell „ewigen“ Nation, sondern an aktuell verwendbare Arbeitskräfte für ausgesuchte, aber keineswegs unsterbliche Firmen. Die Unternehmen werden nach Ausreizung ihrer Profitabilität abgewickelt, müssen aber nicht für die zurückbleibenden Arbeitskräfte und ihre menschenwürdige Versorgung aufkommen. Deren Kosten belasten die gesamte Nation. Der aber fallen die Zahlungen zunehmend schwerer. Denn sie hat beispielsweise bei den Altdeutschen ja keinen Singapur-CA von 105, sondern von 100 und bei den Migranten nicht 106, sondern lediglich 92.

Angst vor der Beschäftigung mit Intelligenz

Nun ist nicht leicht zu beweisen, dass die immer stärkere Öffnung der Kompetenzschere zwischen Ostasien und der europäiden Welt auch die unterschiedliche Entwicklungsdynamik bestimmt. Doch zwischen 1980 und 2019 springt Singapurs Pro-Kopf- Einkommen von seinerzeit ärmlichen 5.000 auf 63.000 US-Dollar, in Deutschland aber geht es lediglich von damals sehr passablen 11.000 auf 50.000 und beim Berliner Zukunftspartner Frankreich (CA 98/9269) sogar von seinerzeit üppigen 13.000 auf nur 43.000. Natürlich ist der Vergleich mit einer Stadt wie Singapur, die zugleich Bankenzentrum ist, mit Flächenstaaten nur begrenzt aussagefähig. Doch 1980 liegt diese Stadt noch tief auch unter den nicht-urbanen Regionen des EU-Führungsduos, während sie heute weit über ihnen rangiert.

Dass die Qualifikation der Bürger den wichtigsten Rohstoff der meisten Nationen bildet, ist eine Binsenweisheit und gern deklamierte Politparole. Aber wohl niemand hat besser verstanden als Lee Kuan Yew (1923–2015), Singapurs hoch kontroverser Langzeit-Premier (1959–1990), dass dann auch die Steigerung der nationalen Kompetenz das höchste Staatsziel sein muss. „Seine Vision, schrieb Henry Kissinger‚ „zielte auf einen Staat, der nicht einfach überleben, sondern sich durch Exzellenz durchsetzen würde. Überlegene Intelligenz, Disziplin und Einfallsreichtum würden Ressourcen ersetzen.“ Mir ist kein deutscher oder europäischer Politiker bekannt, der bereit gewesen wäre, sich mit solchen Prioritäten Ärger einzuhandeln. Steigerung des Sozialprodukts mag noch angehen, seine kognitiven Voraussetzungen aber bleiben tabu.

Da spielt die Angst vor der Beschäftigung mit Intelligenz eine Rolle. Ein kanadischer Einwanderungspolitiker hat mich in meinen 1980er Toronto-Jahren damit gefrotzelt, dass die Deutschen dauernd Grundsatzdebatten darüber anzetteln, ob Intelligenz angeboren oder erworben sei. Wer dann das Ungefällige vertrete, werde sozial vernichtet, auch wenn er ein gescheiter Mensch sei. Wer das allgemein Geglaubte von sich gebe, werde Minister, auch wenn er meschugge sei.

Ihm hingegen sei die Frage völlig gleichgültig, solange Intelligenz mitbringe, wer über Kanadas Grenze wolle. Niemand müsse dabei Dokumente mit lückenlosen Nachweisen vorlegen, dass seine Intelligenz von staatlichen Kindergärtnerinnen, keinesfalls aber von den Eltern stamme. Man nehme jeden, der oder die aus welchen Gründen auch immer gescheit sei. Man wisse schließlich aus Erfahrung, dass Könner und Kluge ihre Kompetenz im Normalfall weiterreichen, und es sei einem schnurz, wie sie das bewerkstelligen.

Brütet Deutschland eine neue „Wunderwaffe“ aus?

Das ist angelsächsischer Pragmatismus. Deutschland aber hat eine genozidale Diktatur hinter sich, in der „Intellektualismus“ und „theoretische Intelligenz“ als jüdisch verfolgt und ausgelöscht wurden. Man musste damals mit Dokumenten nachweisen, solche Qualitäten nicht im Ahnenverzeichnis zu haben. Germanen sollten zäh wie Leder oder hart wie Kruppstahl agieren und sich ansonsten auf eine „praktische Intelligenz“ beschränken. Entsprechend zäh verläuft nach wie vor die Befreiung von dieser intellektuellen Zwangsjacke – in einer bizarren, wiewohl ungewollten Treue zu jener furchtbaren Tradition – nicht nur in Deutschland, sondern in großen Teilen der europäischen Welt.

Das zusammen mit Deutschland 1945 niedergeworfene Japan denkt anders. Obwohl es demografisch schrumpft, werden 2017 nur 20 (zwanzig!) Asylanten akzeptiert. Man will nur Leute aufnehmen, die das eigene Leistungsniveau nicht absenken. Gerade die jedoch werden überall knapper. Kleinstaaten wie die Schweiz oder Singapur mögen den Immigrationsweg gehen. Aber für eine 125-Millionen-Nation wird das schwierig. Man weiß aber sehr gut, dass unqualifizierte Jugendliche aus der Dritten Welt die in Rente gehenden eigenen Könner nicht zu ersetzen vermögen.

Ich bin von japanischen Zeitungen und Wirtschaftsmagazinen befragt worden, ob Deutschland mit dem massiven Einlassen ebensolcher Neubürger eine neue „Wunderwaffe“ ausbrüte, mit der es die ökonomische Konkurrenz in die Knie zwingen wolle. Man hatte tatsächlich zunächst ein hinterhältiges Manöver vermutet und sich erst durch Nachweise über Deutschlands irreversibles Bildungsfiasko beruhigen lassen. Dass 2018 zu den 1.000 Umsatz-Topfirmen weltweit 146 japanische, aber nur 44 deutsche – etwa gleich viel wie in Südkorea, Frankreich oder Großbritannien – gehören, brauchte sie dann nicht mehr überraschen.

Die EU ahnt nichts von Japans Überlegenheit

Weil Europäer ihre kognitive Kompetenz verringern, während Japan die ihrige verteidigt, wird sein Vorsprung automatisch größer. Das erleichtert und verstetigt die Weltführerschaft bei Robotern nebst zugehöriger Künstlicher Intelligenz. Unter den 20 Privatfirmen mit den meisten AI-Patenten kommen 2018 eine aus Korea, je zwei aus Deutschland und China, drei aus den USA, aber zwölf aus Japan. Sich ganz auf die eigenen klugen Köpfe zu verlassen, erweist sich als ungemein smarter Schachzug. Hingegen verringern die meisten westlichen Konkurrenten die für diese Zukunftsbranche unverzichtbare Kompetenz und werden deshalb wohl niemals wieder eine ernsthafte Konkurrenz.

Der eigene Kognitionsverlust wird im Westen bis heute kaum zum Thema. So beschreibt eine Untersuchung von „BNP Parisbas“ aus dem Frühjahr 2019 eine „Japanisation“ der EU ausdrücklich als Schreckgespenst. Man nimmt die vergangenen dreißig Jahre Japans (1989–2019) als Folie für die eigene Zukunft, betrachtet aber nur finanzielle und quantitativ-demografische Faktoren. Warum die EU heute schon technologisch hinter dem Inselstaat rangiert, wird nicht einmal gefragt. Kognitive Differenzen bleiben vollkommen ausgeblendet. Man ahnt nichts von der speziellen Überlegenheit derer, mit denen man sich ganz unbekümmert vergleicht.

Bei der eigenen Zukunftsorientierung operiert Tokio ähnlich wie Singapur. Der Stadtstaat wirbt Chinesen an. Japan tut das auch und beherbergt mit einer Dreiviertelmillion mehr als dreimal so viele Chinesen wie Deutschland. Zentral aber zielt man auf die Stärkung Ostasiens als geopolitischen Raum. Man hat sehr genau registriert, dass man 2017 bei PCT-Patenten den bis dahin globalen zweiten Rang (nach den USA) mit der Differenz von rund 700 Patenten an China verloren hat. 2018 weitet sich der Rückstand auf schon 3.700 Patente. Noch im Oktober 2018 unterschreibt Premierminister Shinzo Abe in Peking rund fünfzig Verträge zu wirtschaftlichen Kooperationen.

Erfolgreiches japanisch-chinesisches Duo

Toyota als modernste Autoschmiede der Welt ergänzt bei Batterien die Partnerschaft mit der heimischen Panasonic (Weltführer bis 2017 und Versorger von Tesla) mit der neuen Nummer eins CATL aus China. Man ist kompetent genug, um sich – bei 6,6 Prozent des Weltprodukts – mit der elfmal stärkeren, im Durchschnittsalter zehn Jahre jüngeren und bei der Kompetenz ähnlich hohen Gruppe ökonomisch zu verflechten. Unterhalb der Kulisse von Anschuldigungen, halbgaren Entschuldigungen und sonstigem Theaterdonner wird – superb dargestellt in Ezra Vogels China and Japan – immer effektiver kooperiert. Gemeinsam kann das japanisch-chinesische Duo für das 21. Jahrhundert erfolgreich in Angriff nehmen, was Japan allein im 20. Jahrhundert misslingen musste.

Bei der gegenseitigen investiven Verflechtung bilden China und Japan heute schon die größte finanzielle Partnerschaft der Menschheit. Es kann ihrem Fortkommen nur nützen, dass im Westen unverstanden bleibt, wie sehr Japans Alleinaufstieg an mangelnder Menschenzahl, nicht aber an mangelnder Kompetenz gescheitert ist. „Keine Angst vor Chinas Stärke“, posaunt im Frühjahr 2019 eine führende deutsche Tageszeitung. Es werde dem Giganten nicht besser ergehen als Japan, das doch auch zu unrecht gefürchtet worden sei. Dabei wird wiederum nicht gefragt, was denn in Japan der Faktor dafür war, für den man es überhaupt als Bedrohung empfinden konnte. Zu China unterbleibt solches Fragen ebenfalls. Dasselbe gilt für zwei kleinere Mitglieder – Korea und Taiwan – der ostasiatischen High-Tech-Allianz. Was haben sie gemeinsam mit Japan und China?

Den ersten Teil dieses Beitrages finden Sie hier.

Dies ist ein Auszug aus „Wettkampf um die Klugen“ von Gunnar Heinsohn, 2019, Zürich: Orell Füssli Verlag, hier bestellbar.

Foto: Pixabay

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Anneliese Bendit / 14.01.2020

“Vom Segen des Klauens” auch soziale Marktwirtschaft oder FDGO genannt.

Anders Dairie / 14.01.2020

Mich belastet der Satzteil:  “...Deutschlands irreversibles Bildungsfiasko…”  Heißt doch,  Herr Prof. HEINSOHN,  dass die Rücklichter des Zugs nicht mehr sichtbar sind.  Es ist schon so,  die MERKEL-Zeit könnte einst,  statt bleierner Zeit,  Sterbenszeit genannt werden.  Die medialen Helfer können von sich sagen: “....aber wenigstens seit 2005 prima gelebt… !”  Bevor sie von den intelligenteren ihrer Kinder geschnitten werden.

Steffen Huebner / 14.01.2020

Die Japaner haben, da sie auf ihre kulturelle Integrität großen Wert legen, auch nach 1945 statt auf MIgration lieber auf Automatisierung gesetzt. Als Anfang der Siebziger in der alten BRD noch tausende Gastarbeiter an den Fließbändern bei Ford, Opel und Volkswagen schraubten, nahmen die Japaner ihre weltweit erste automatische Montagestrecke für PKW in Betrieb. Statt Massenimport kulturfremder Arbeitskräfte mit all ihren gesellschaftlichen Problemen und Kosten, investiert die japanische Gesellschaft in ihr kulturell homogenes und deshalb besonders leistungsfähiges Bildungssystem. Dieses kulturell homogene Bildungssystem “ohne Sand im Getriebe” ist die Grundlage zur Entwicklung von Hightech- Produkten, welche den rohstoffarmen Japanern die materielle Voraussetzung sichert, die Probleme der Zukunft zu lösen. Und was für Japan zutrifft, gilt auch für viele andere asiatische (Stadt-) Staaten.  Für die BRD dagegen sind die Würfel gefallen - wenn Deutschland unbedingt zugrunde gehen will, muß es eben zugrunde gehen.

Hartwig Hübner / 14.01.2020

@ Martin Lederer / 14.01.2020: Es ist fürchterlich falsch, was Sie da schreiben. Brüssel lehnt das Christentum ab. Berlin ist gottlos, blasphemisch. Brüssel auch. In Paris hat man Notre-Dame abgefackelt und will nicht hinterfragen wer das war. Die gesamte EU ist anti-christlich eingestellt und verfolgt jegliches christliche Denken. Was glauben Sie, verbirgt sich hinter dem Wort “rechts”? In Wahrheit ist darunter noch alles zusammen gefasst, was echt christlich ist. Nur jemand, der das Original nicht kennt, nie gelesen hat, würde argumentieren, ein Gefühl des Christentums wäre hier mitschuldig. Das ist vollkommener Unsinn. Dem echten Christen ist jeder Deutscher sein Nächster. Echte Christen würden den Islam niemals hier hereinlassen. Das Problem ist die Gottlosigkeit in Deutschland, die Blasphemie. Und darin sind die Linken Meister. Nur so wird daraus ein Schuh. Und lesen Sie mal, was zu Blasphemie und Gottlosigkeit im Original steht. Ziel dieser EU ist es, das jüdisch-christliche Erbe Europas AUSZULÖSCHEN. Das lässt sich alles logisch und stringent BEWEISEN. In Spanien ist eine CHRISTENFeindliche Regierung ins Amt gehievt worden. Der Kosovo-Krieg war in Wahrheit ein Krieg gegen CHRISTEN. Diese EU hat für die Feinde der CHRISTEN gekämpft. Etc.

Matthias Kegelmann / 14.01.2020

Verehrter Autor, Ihre Artikel sind stets interessant. Eine nicht leugbare Tatsache ist, es gibt sehr viel mehr Daten, als man in einem Artikel allein verarbeiten, berücksichtigen kann. China unterscheidet sich von Japan in eklatanter Weise. Und das fängt mit der Freundlichkeit an. Chinas Kommunisten sind Verbrecher und die unfreundlichsten, mörderischsten Menschen weltweit. Chinas arrogante, Menschen verachtende Noch-Machthaber terrorisieren den Menschen und nehmen DIESEM, auch dank des technologischen Fortschritts, SEINE FREIHEIT. Japan hat aus seiner Geschichte wohl gelernt. Das ist die eine häßliche Seite. Den Menschen, durch einen Roboter ersetzen zu wollen, was soll das? Nun, man zeigt, wie intelligent man ist, ja, keine Frage, aber das verdeckt auch etwas anderes, nicht wahr? Die Linken verstehen den Menschen immer noch nicht. Deren Dogmatik verhindert das. Noch ein anderer Punkt. Das Thema Diesel: Japan hatte im letzten Jahrhundert um die 20 Prozent Dieselautos auf seinen Straßen. Dann kam der verrückte Staat in Japan, OHNE JEGLICHE INTELLIGENZ, auf die Idee, unterstützt von der Möchtegern-Weltdiktatur der UN und sehr vielen dreisten Lügen und sehr viel Pseudo-Wissenschaft, den Diesel zu verbannen, aus dem eigenen Land.  Die Quote soll auf sage und schreibe 0,4 Prozent gefallen sein. Jetzt liegt er wieder bei 2 Prozent. Kürzlich hat eine spanische Zeitung verlautbaren lassen, Japan setzt jetzt WIEDER auf den Diesel und subventioniert diesen, mit angeblich 1.000 EUR. Argument: immer noch die geisteskranke Umwelt. Die jetzige Dieselgeneration an Motoren würde die Umwelt und Natur weit weniger “verpesten” als die Benziner. Können Sie mir folgen? Wo soll bei diesen Japanern bitte schön Intelligenz vorhanden sein? Die lassen sich genauso wie “wir” von der UN einseifen. Warum?

Rolf Mainz / 14.01.2020

Man suche testweise in einer deutschen Bibliothek nach Literatur zum zweifellos überaus wichtigen Thema der Künstlichen Intelligenz. Trotz mannigfacher Lippenbekenntnisse deutscher Politiker, Wirtschaftsführer und vermeintlicher Intellektueller wird man oft über das äusserst knappe Leseangebot erstaunt sein (man vergleiche auch mit dem vergleichsweise breiten Angebot zu Esoterik, Diätplänen, etc…). Und wenn sich etwas findet, dann oftmals sich mit potenziellen negativen(!) Auswirkungen beschäftigend. Bezeichnend. Man verspielt in Deutschland die nächste Chance, ohne deren Potenzial überhaupt zur Kenntnis genommen zu haben. Man redet davon, handelt aber nicht. Man warnt bereits vor möglichen Folgen, ohne zu wissen wovon überhaupt die Rede ist. Ist das Dekadenz? Ist es Ignoranz? Oder ist es schlichtweg dummer Dünkel? Eines steht jedenfalls bereits fest: andere Nationen werden die Möglichkeiten nutzen, mit Sicherheit.

Dr. Gerhard Giesemann / 14.01.2020

Keine Angst vor China. Die waren einmal Produzent Nr. 1 weltweit - im 19.Jhdt., bis sie von den Engländern auf nahe Null gebracht worden sind, Stichwort “Opiumkriege”. Rangfolge bei den Patentanmeldungen beim EPO (= europäische Patentorganisation, “epo.org” - hat nichts mit der EU zu tun, außer der Bezeichnung “europäisch”. So ist die Schweiz Gründungsmitglied, die Türkei ist Mitglied seit 2000, insgesamt 36 oder 37 Vertragsstaaten, also deutlich mehr als die EU): 1. USA. 2. Japan 3. Deutschland und 4. - mit großem Abstand zu DE, Frankreich. Gucksdu “epo.org” - wer’s nicht glaubt. China wird aufholen, steht ihnen auch zu, müssten eigentlich deutlich VOR den USA liegen: 350 Mio. (USA) versus 1.400 Mio. Einwohner. Am Innovativsten derzeit ist die EU insgesamt, mit ihren 550 Mio. Einwohnern, mit GB. Die Musik spielt immer noch in Europa und in den USA, der Riesenmarkt der Moslems dient wirklich nur als Markt, China bisher dito. Indien so wie so. Aber klar: Das wird nicht so bleiben, völlig in Ordnung, die sind auch nicht blöd - sofern nicht vom Islam versaut. Take it easy.

Martin Lederer / 14.01.2020

Als Ergänzung zu meinem vorherigen Kommentar: Dieses “Gutmenschentum” betrifft ja nicht nur die Migration, sondern alles möglich. Z.B. den Atomausstieg. Oder die “Klimarettung”. Auch hier mein Eindruck, diese sind in Deutschland (und teilweise auch im Westen) besonders stark, anderen Ländern ist das absolut egal. Wie gesagt, es ist so ein besonderer gefühliger Zustand, in dem sich dieses Land befindet und sich andere Länder nicht befinden. Und im Grunde ist das die Mutter aller Probleme in diesem Land. Und ich bin mir sicher, wenn es nicht zwischendurch eine massive Krise gibt, die dieses “Gutmenschentum” beendet, dass es in ein paar Jahren den nächsten gefühligen Gutmenschenhype um das nächste Thema geben wird.

Martin Lederer / 14.01.2020

Das Grundproblem von Deutschland sind doch nicht die Rassisten. Deren Einfluss auf die Politik ist doch gleich Null, eher sogar noch unter Null. Das Grundproblem ist ein anderes. Das ist mir wieder einmal klar geworden, als ich einen Gutmenschenartikel gelesen habe. Wenn die japanischen Medien einen Artikel über arme Filipinos bringen würde, die im Boot nach Japan wollen und dabei ertrinken. Mit der Botschaft “Denen müssen wir doch helfen. Japan ist ein reiches Land. Denen geht es so schlecht und das ist unsere Schuld. Wie können wir nur so kalt sein und die nicht in unser Land lassen.” Aber solche Art von Artikeln könnte man auch zu allem anderen schreiben. Z.B. die Medien könnten einen Bericht über arme hungernde Arbeitslose in Italien bringen, die entlassen wurde, weil eine japanische Konkurrenzfirma, deren alte Firma in die Insolvenz trieb. Auch hier wieder “Wir Japaner sind Schuld.” Und der Witz ist, in der Deutschland springen viele Menschen auf diese Art von Artikeln an und glauben das wirklich. Der grundsätzliche Unterschied ist welcher Teil vom Menschen angesprochen wird: Die “Mildtätigkeit”, die “Empathie”, “das Gewissen” (wie verlogen das auch immer sein mag). Oder eben die Nüchternheit (im Gutmenschensprech auch “Kälte” genannt), Probleme neutral zu lösen. Das Verblüffende ist, dass in Deutschland laufend dieses “Gefühl” angesprochen wird und das auch klappt. Und in Japan oder anderen Ländern das nicht so klappt. Die springen nicht darauf an. Es wäre einmal interessant, das soziologisch zu untersuchen, wieso das bei uns so ist. Natürlich wird dieses “Gefühl” vom Christentum massivst gefördert. Aber auch hier das Witzige: Die Deutschen glaubten noch nie so wenig ans Christentum wie heute.

Dieter Kief / 14.01.2020

Rainer Möller - ja, die ethnische Homogenität in Japan und der hohe IQ - beides hat was mit der Geschichte des rohstoffarmen Japan und mit seiner Kultur und mit der Frage zu tun, wer sich dort wie gut fortpflanzte. Helmut Schmidt hat das sehr beeindruckt, der hat derlei auch öffentlich gesagt, ohne dass ihm die TAZ oder die Antifa oder die FR oder der nett-verpeilte Durs Grünbein in die Quere gekommen wären; heute ist dagegen in der Welt ein Artikel von Meinhardt Miegel der selbst die Unterscheidung Zuzug hie und qualifizierter Zuzug da ausblendet und einfach noch mehr Zuzug verlangt! Die Deutschen, auch die Deutschen Eliten, stehen immer noch unter der Knute, nicht zu “selektieren”, wie mir scheint. Da könnten Leute wie der Herr Noll auch noch ein bisschen deutlicher werden - ich meine, einfach festzustellen, dass die Regulierung des Zuzugs nach Qualifikation mit Adolfen nix zu tun hat! - Und klar haben Sie recht, es herrscht hier zweierlei Maß, denn selbstredend wird derlei hierzulande vornehm mit Schweigen übergangen, wenn es in Israel passiert.  Dass auch Gunnar Heinsohn hier eher defensiv argumentiert, ist nicht richtig, das stimmt, aber wer weiß, vielleicht sogar notwendig - und deshalb klug!?

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