Gunnar Heinsohn / 14.01.2020 / 09:17 / Foto: Pixabay / 49 / Seite ausdrucken

Wirtschaftskriege: Vom Segen des Klauens (2)

Japans Weg nach ganz oben scheitert in den 1990er Jahren nicht an mangelndem Erfindungsgeist. Der imponiert ungebrochen. 2017 startet Hitachi das globale Projekt Society 5.0: „Das Durchdringen jeder ökonomischen Branche und jeder öffentlichen Institution und Infrastruktur mit den Innovationen der vierten industriellen Revolution (zum Beispiel Internet of Things, Big Data, Künstliche Intelligenz [KI], Roboter) erzeugt die Gesellschaft der Zukunft, in der permanent nicht nur neue Dienstleistungen, sondern auch neue Werte entstehen. [...] Das ist Society 5.0, eine super-smarte Gesellschaft. Japan wird dabei vor der übrigen Welt die Führung übernehmen.“

Das klingt vollmundig. Doch wer diese Zielsetzung als bloße Propaganda abtut, mag etwa nach Kopenhagen schauen. Dort entsteht – über die Daten-Verzahnung von Stadtverwaltung, Verkehrsanlagen und Zulieferindustrie – ein roboterisiertes Metro-System. Es gehört in die höchste Kategorie der Grade-of-Automation 4/GoA4. Es kommt verständlicherweise nicht aus Dänemark selbst, das mit weniger als sechs Millionen Einwohnern dafür keine ausreichende industrielle Basis aufweist. Es kommt aber auch nicht aus dem direkt benachbarten Deutschland mit einschlägigen Firmen à la Siemens oder Bombardier, sondern – einschließlich der fahrerlosen Triebwagen – von Hitachi, das mit der Universität von Tokio das Laboratory Society 5.0 betreibt.

Gleichwohl kommen Kopenhagen beziehungsweise Europa mit einer derart integrierten Technologie zu spät. Bei einem der größten Minenkonzerne der Erde läuft in Australien ein ausgedehntes Schienensystem mit 170 Lokomotiven schon seit Juli 2018 fahrerlos unter Rio Tinto AutoHaul Train Control. Doch auch dieses System stammt keineswegs aus einem australischen Laboratorium. Es ist wiederum Hitachi, das Rio Tinto zum Weltführer bei automatisierten Industriebahnen macht. Dabei haben sich die Japaner fürs engere Europageschäft Italiens bestes Fachunternehmen, Ansaldo Energia aus Genua, hinzugekauft. Für die Firma ist das ein Glücksfall, weil ihre Zukunft allein aus italienischem Nachwuchs nicht mehr gesichert werden kann. Mit nur noch 42 mathematisch Begabten unter 1.000 Kindern (322 in Japan), ist man hinter die Türkei (47) zurückgefallen (TIMSS 2015).

Gründungspersönlichkeiten fehlen keineswegs

Es stimmt schon, dass Japan beim Bau großer Passagierflugzeuge den Europäern und Nordamerikanern nicht gewachsen ist, obwohl die Mitsubishi MR J70 das Blatt wenden könnte. Immerhin aber behauptet man bei zweistrahligen Businessjets mit der „Honda HA 420“ momentan die Weltspitze.

Selbst bei einer so trivialen, aber milliardenfach eingesetzten Technologie wie dem Reißverschluss kommen die einzig relevanten Innovationen von Japans YKK und nicht aus dem Ursprungsland USA, obwohl seine Herstellung ganz überwiegend in der chinesischen Sechsmillionen-Stadt Qiaotou erfolgt, die auch als Knopf-Metropole die Körper der Welt erobern konnte.

Auch Gründerpersönlichkeiten fehlen im vergreisenden Japan keineswegs. Sollte man die global imponierendsten Perspektiv-Unternehmer benennen, käme man an Masayoshi Son (*1957) wohl kaum vorbei. Der Japaner koreanischer Abstammung hat mit seinen Gewinnen aus der chinesischen Firma „Alibaba“ das Unternehmen „SoftBank“ aufgebaut, die unter anderem mit ARM aus dem englischen Cambridge die wichtigste Firma für Chipdesign seit 2016 im Portefeuille hat. Mit Tadashi Yanai steht hinter Fast Retailing mit Uniqlo, der größten Bekleidungsfirma Asiens und der aktuellen Nummer drei weltweit, ebenfalls ein Japaner.

Eine aufregende Erkenntnis und kühne Forschertat

Es ist vor allem Japans geringer Anteil von nur noch 1,6 Prozent an der Weltbevölkerung (2019), der es daran hindert, dem 21. Jahrhundert seinen Stempel noch stärker aufzudrücken als mit Robotern und automatischen Untergrundbahnen. Dieser demografische Befund bleibt in den Prognosen der 1980er Jahre unterbelichtet. Auch deshalb wird momentan nicht zureichend erfasst, was ein demografisch elfmal stärkeres Japan ein China also einmal erreichen könnte. Auch für dieses Land werden ja ununterbrochen Parallelen zum vermeintlichen japanischen Scheitern gezogen.

Die Gründe für den Erfindergeist, der das alternde Japan in der technologischen Weltspitze hält, werden von den Analytikern bis heute übergangen. Man hat im 20. Jahrhundert die Demografie des Landes überschätzt, seine kognitiven Stärken dafür unterschätzt. Und doch gibt es einen kleinen, aber folgenreichen Befund mitten aus der Zeit einstiger Japan-Besessenheit. Am 20. Mai 1982 erscheint in Nature, der angesehensten naturwissenschaftlichen Zeitschrift, ein Aufsatz von Richard Lynn mit dem Titel: „IQ in Japan and the United States shows a growing disparity“.

Ein Dreivierteljahrhundert nach Tsushima erfährt die Welt, dass Japaner einen Durchschnitts-IQ von rund 105 aufweisen, Briten (und ihre Übersee-Verwandten) sich aber weiterhin mit ihrem Greenwich-IQ von 100 begnügen müssen. Eine aufregende Erkenntnis und kühne Forschertat wird da mitgeteilt. Heiner Rindermann bestätigt 2018 diesen Befund mit einer japanischen Cognitive Ability (ein breiteres und neutraleres Maß als der IQ) von CA104. Die 2018er Ergebnisse der inneramerikanischen Tests für den Zugang zur Universität (SAT) haben im Fach Mathematik „Asians“ mit 635 Punkten vor „Whites“ mit 557 und „Hispanics“ (die am schnellsten wachsende Bevölkerungsgruppe) mit 489 Punkten.

Kostbare, wenn auch kaum gehörte Lehre

Pierre Bourdieu, Star-Soziologe aus Frankreich, hatte noch 1978 die gesamte Intelligenzforschung als rassistisch verdammt, weil die „herrschende Klasse“ das IQ-Konzept lediglich für die Rechtfertigung ihrer Privilegien benutze (siehe seine Schrift „Racisme de l’intelligence“ von 1978).

Vier Jahre später bescheinigt Lynn, also ein Mitglied des bis ins 20. Jahrhundert global dominanten britischen Empire, den in der Tat rassistisch als Gooks oder Yellows diskriminierten Ostasiaten kognitive Überlegenheit. Und doch hört die westliche Überheblichkeit nicht auf. Denn nur aufgrund tiefsitzender Geringschätzung kann man anschließend vom Aufstieg der Koreaner und Chinesen überrascht werden.

Richard Lynn erteilt den weißen Rassisten eine kostbare, wenn auch kaum gehörte Lehre: Nationen, die im Rennen bleiben wollen, sind nicht nur moralisch im Unrecht, sondern begehen zugleich eine Torheit, wenn sie Hochqualifizierte aufgrund von Pigmentierung, Augenstellung oder Nasenform außer Landes jagen, ermorden oder an der Grenze zurückweisen. Niemals zuvor war die Nachfrage nach Talenten größer als heute, und sie wird morgen noch weit höher liegen, was die bereits für 2020 fehlenden 40 Millionen Hochqualifizierten unmissverständlich deutlich machen. Wer in diesem Umfeld Leistungssenker bevorzugt, weil an ihnen „Haarstruktur und Götterwelt“ bevorzugt werden, stiftet Schaden, weil seine Helferkapazitäten schwinden, während die Hilfsbedürftigen im eigenen Land ihren Bevölkerungsanteil erhöhen.

Ausgeprägter Kompetenzismus

Zumutungen an Migranten, vor Grenzübertritt erst einmal das religiöse Bekenntnis oder gar ihr Äußeres zu modifizieren, landen mit Lynn im historischen Abseits. Wer sich durch die Examina gebüffelt hat, überwindet Grenzen. Das Paradebeispiel liefert Singapur. Mit aktuell nur 0,83 Kindern pro Frauenleben wäre der Stadtstaat ohne Einwanderung zum Aussterben verurteilt. Realiter aber steigt die Bevölkerung zwischen 1968 und 2019 von gut 2 auf knapp 6 Millionen. 44 Prozent der Einwohner sind Einwanderer oder ausländische Beschäftigte. Ihre Kompetenz von CA106 ist für Migranten die höchste weltweit. Selbst die Einheimischen Singapurs schaffen nur CA105, was für sie allerdings ebenfalls die Weltspitze markiert.

Natürlich werden Bewerber auch abgelehnt. Das geschieht aber nicht, weil sie „braun“, „schwarz“ oder „weiß“ sind, sondern weil sie nicht zum Qualifikationsprofil passen. Gegen Rassismusvorwürfe verteidigt man sich deshalb vehement. Einen ausgeprägten Kompetenzismus, der für eine zu drei Vierteln aus Chinesen bestehende Bevölkerung sorgt, kann man dennoch nicht in Abrede stellen. Gleichwohl, ein Viertel der Bevölkerung ist nicht chinesisch. Das entspricht in etwa dem Bevölkerungsanteil von knapp 24 Prozent in der Bundesrepublik, der nicht in Deutschland geboren ist.

Bekanntlich verfolgt Berlin – wie zuvor bereits Bonn und durchgehend etwa auch Paris – eine ganz andere Einwanderungspolitik. Man denkt nicht an die Zukunft der tendenziell „ewigen“ Nation, sondern an aktuell verwendbare Arbeitskräfte für ausgesuchte, aber keineswegs unsterbliche Firmen. Die Unternehmen werden nach Ausreizung ihrer Profitabilität abgewickelt, müssen aber nicht für die zurückbleibenden Arbeitskräfte und ihre menschenwürdige Versorgung aufkommen. Deren Kosten belasten die gesamte Nation. Der aber fallen die Zahlungen zunehmend schwerer. Denn sie hat beispielsweise bei den Altdeutschen ja keinen Singapur-CA von 105, sondern von 100 und bei den Migranten nicht 106, sondern lediglich 92.

Angst vor der Beschäftigung mit Intelligenz

Nun ist nicht leicht zu beweisen, dass die immer stärkere Öffnung der Kompetenzschere zwischen Ostasien und der europäiden Welt auch die unterschiedliche Entwicklungsdynamik bestimmt. Doch zwischen 1980 und 2019 springt Singapurs Pro-Kopf- Einkommen von seinerzeit ärmlichen 5.000 auf 63.000 US-Dollar, in Deutschland aber geht es lediglich von damals sehr passablen 11.000 auf 50.000 und beim Berliner Zukunftspartner Frankreich (CA 98/9269) sogar von seinerzeit üppigen 13.000 auf nur 43.000. Natürlich ist der Vergleich mit einer Stadt wie Singapur, die zugleich Bankenzentrum ist, mit Flächenstaaten nur begrenzt aussagefähig. Doch 1980 liegt diese Stadt noch tief auch unter den nicht-urbanen Regionen des EU-Führungsduos, während sie heute weit über ihnen rangiert.

Dass die Qualifikation der Bürger den wichtigsten Rohstoff der meisten Nationen bildet, ist eine Binsenweisheit und gern deklamierte Politparole. Aber wohl niemand hat besser verstanden als Lee Kuan Yew (1923–2015), Singapurs hoch kontroverser Langzeit-Premier (1959–1990), dass dann auch die Steigerung der nationalen Kompetenz das höchste Staatsziel sein muss. „Seine Vision, schrieb Henry Kissinger‚ „zielte auf einen Staat, der nicht einfach überleben, sondern sich durch Exzellenz durchsetzen würde. Überlegene Intelligenz, Disziplin und Einfallsreichtum würden Ressourcen ersetzen.“ Mir ist kein deutscher oder europäischer Politiker bekannt, der bereit gewesen wäre, sich mit solchen Prioritäten Ärger einzuhandeln. Steigerung des Sozialprodukts mag noch angehen, seine kognitiven Voraussetzungen aber bleiben tabu.

Da spielt die Angst vor der Beschäftigung mit Intelligenz eine Rolle. Ein kanadischer Einwanderungspolitiker hat mich in meinen 1980er Toronto-Jahren damit gefrotzelt, dass die Deutschen dauernd Grundsatzdebatten darüber anzetteln, ob Intelligenz angeboren oder erworben sei. Wer dann das Ungefällige vertrete, werde sozial vernichtet, auch wenn er ein gescheiter Mensch sei. Wer das allgemein Geglaubte von sich gebe, werde Minister, auch wenn er meschugge sei.

Ihm hingegen sei die Frage völlig gleichgültig, solange Intelligenz mitbringe, wer über Kanadas Grenze wolle. Niemand müsse dabei Dokumente mit lückenlosen Nachweisen vorlegen, dass seine Intelligenz von staatlichen Kindergärtnerinnen, keinesfalls aber von den Eltern stamme. Man nehme jeden, der oder die aus welchen Gründen auch immer gescheit sei. Man wisse schließlich aus Erfahrung, dass Könner und Kluge ihre Kompetenz im Normalfall weiterreichen, und es sei einem schnurz, wie sie das bewerkstelligen.

Brütet Deutschland eine neue „Wunderwaffe“ aus?

Das ist angelsächsischer Pragmatismus. Deutschland aber hat eine genozidale Diktatur hinter sich, in der „Intellektualismus“ und „theoretische Intelligenz“ als jüdisch verfolgt und ausgelöscht wurden. Man musste damals mit Dokumenten nachweisen, solche Qualitäten nicht im Ahnenverzeichnis zu haben. Germanen sollten zäh wie Leder oder hart wie Kruppstahl agieren und sich ansonsten auf eine „praktische Intelligenz“ beschränken. Entsprechend zäh verläuft nach wie vor die Befreiung von dieser intellektuellen Zwangsjacke – in einer bizarren, wiewohl ungewollten Treue zu jener furchtbaren Tradition – nicht nur in Deutschland, sondern in großen Teilen der europäischen Welt.

Das zusammen mit Deutschland 1945 niedergeworfene Japan denkt anders. Obwohl es demografisch schrumpft, werden 2017 nur 20 (zwanzig!) Asylanten akzeptiert. Man will nur Leute aufnehmen, die das eigene Leistungsniveau nicht absenken. Gerade die jedoch werden überall knapper. Kleinstaaten wie die Schweiz oder Singapur mögen den Immigrationsweg gehen. Aber für eine 125-Millionen-Nation wird das schwierig. Man weiß aber sehr gut, dass unqualifizierte Jugendliche aus der Dritten Welt die in Rente gehenden eigenen Könner nicht zu ersetzen vermögen.

Ich bin von japanischen Zeitungen und Wirtschaftsmagazinen befragt worden, ob Deutschland mit dem massiven Einlassen ebensolcher Neubürger eine neue „Wunderwaffe“ ausbrüte, mit der es die ökonomische Konkurrenz in die Knie zwingen wolle. Man hatte tatsächlich zunächst ein hinterhältiges Manöver vermutet und sich erst durch Nachweise über Deutschlands irreversibles Bildungsfiasko beruhigen lassen. Dass 2018 zu den 1.000 Umsatz-Topfirmen weltweit 146 japanische, aber nur 44 deutsche – etwa gleich viel wie in Südkorea, Frankreich oder Großbritannien – gehören, brauchte sie dann nicht mehr überraschen.

Die EU ahnt nichts von Japans Überlegenheit

Weil Europäer ihre kognitive Kompetenz verringern, während Japan die ihrige verteidigt, wird sein Vorsprung automatisch größer. Das erleichtert und verstetigt die Weltführerschaft bei Robotern nebst zugehöriger Künstlicher Intelligenz. Unter den 20 Privatfirmen mit den meisten AI-Patenten kommen 2018 eine aus Korea, je zwei aus Deutschland und China, drei aus den USA, aber zwölf aus Japan. Sich ganz auf die eigenen klugen Köpfe zu verlassen, erweist sich als ungemein smarter Schachzug. Hingegen verringern die meisten westlichen Konkurrenten die für diese Zukunftsbranche unverzichtbare Kompetenz und werden deshalb wohl niemals wieder eine ernsthafte Konkurrenz.

Der eigene Kognitionsverlust wird im Westen bis heute kaum zum Thema. So beschreibt eine Untersuchung von „BNP Parisbas“ aus dem Frühjahr 2019 eine „Japanisation“ der EU ausdrücklich als Schreckgespenst. Man nimmt die vergangenen dreißig Jahre Japans (1989–2019) als Folie für die eigene Zukunft, betrachtet aber nur finanzielle und quantitativ-demografische Faktoren. Warum die EU heute schon technologisch hinter dem Inselstaat rangiert, wird nicht einmal gefragt. Kognitive Differenzen bleiben vollkommen ausgeblendet. Man ahnt nichts von der speziellen Überlegenheit derer, mit denen man sich ganz unbekümmert vergleicht.

Bei der eigenen Zukunftsorientierung operiert Tokio ähnlich wie Singapur. Der Stadtstaat wirbt Chinesen an. Japan tut das auch und beherbergt mit einer Dreiviertelmillion mehr als dreimal so viele Chinesen wie Deutschland. Zentral aber zielt man auf die Stärkung Ostasiens als geopolitischen Raum. Man hat sehr genau registriert, dass man 2017 bei PCT-Patenten den bis dahin globalen zweiten Rang (nach den USA) mit der Differenz von rund 700 Patenten an China verloren hat. 2018 weitet sich der Rückstand auf schon 3.700 Patente. Noch im Oktober 2018 unterschreibt Premierminister Shinzo Abe in Peking rund fünfzig Verträge zu wirtschaftlichen Kooperationen.

Erfolgreiches japanisch-chinesisches Duo

Toyota als modernste Autoschmiede der Welt ergänzt bei Batterien die Partnerschaft mit der heimischen Panasonic (Weltführer bis 2017 und Versorger von Tesla) mit der neuen Nummer eins CATL aus China. Man ist kompetent genug, um sich – bei 6,6 Prozent des Weltprodukts – mit der elfmal stärkeren, im Durchschnittsalter zehn Jahre jüngeren und bei der Kompetenz ähnlich hohen Gruppe ökonomisch zu verflechten. Unterhalb der Kulisse von Anschuldigungen, halbgaren Entschuldigungen und sonstigem Theaterdonner wird – superb dargestellt in Ezra Vogels China and Japan – immer effektiver kooperiert. Gemeinsam kann das japanisch-chinesische Duo für das 21. Jahrhundert erfolgreich in Angriff nehmen, was Japan allein im 20. Jahrhundert misslingen musste.

Bei der gegenseitigen investiven Verflechtung bilden China und Japan heute schon die größte finanzielle Partnerschaft der Menschheit. Es kann ihrem Fortkommen nur nützen, dass im Westen unverstanden bleibt, wie sehr Japans Alleinaufstieg an mangelnder Menschenzahl, nicht aber an mangelnder Kompetenz gescheitert ist. „Keine Angst vor Chinas Stärke“, posaunt im Frühjahr 2019 eine führende deutsche Tageszeitung. Es werde dem Giganten nicht besser ergehen als Japan, das doch auch zu unrecht gefürchtet worden sei. Dabei wird wiederum nicht gefragt, was denn in Japan der Faktor dafür war, für den man es überhaupt als Bedrohung empfinden konnte. Zu China unterbleibt solches Fragen ebenfalls. Dasselbe gilt für zwei kleinere Mitglieder – Korea und Taiwan – der ostasiatischen High-Tech-Allianz. Was haben sie gemeinsam mit Japan und China?

Den ersten Teil dieses Beitrages finden Sie hier.

Dies ist ein Auszug aus „Wettkampf um die Klugen“ von Gunnar Heinsohn, 2019, Zürich: Orell Füssli Verlag, hier bestellbar.

Foto: Pixabay

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Thomas Schmidt / 14.01.2020

Was ist für den Author eine Nation? Eine Hazienda, auf der eine elitäre Farmer Familie ihren Viehbestand optimiert (das Vieh sind wir, das Volk), wobei das Vieh dabei eigentlich austauschbar ist, hauptsächlich es bringt die erforderlichen Eigenschaften mit um den Ertrag der Farm zu verbessern? Oder ist eine Nation eine Volksgemeinschaft mit einem eigenen Territorium, bei der ein ungeschriebener Gesellschaftsvertrag zwischen den Klassen sowie zwischen den Generationen besteht, mit dem Zweck genau diesem Volk und seinen Nachkommen die bestmöglichen Lebensbedingungen zu verschaffen, alle gemeinsam?

Martin Wessner / 14.01.2020

Die Deutschen müssen als mündiges Volk entscheiden, was sie wollen. A) Den Rohstoff mit dem Namen “kompetenter Mensch” aus dem Ausland wie eine Ware importieren oder B)  Den Rohstoff mit dem Namen “kompetenter Mensch” nachhaltig und regenerativ auf dem eigenen regionalen Acker mittels der Kraft der Lenden selbst (er)zeugen Entscheidet euch!

A. Nöhren / 14.01.2020

Ja, unser Bildungssystem. Das Problem beginnt schon mit den Lehrern (meist Lehrerinnen). Wenn ich mich im Bekanntenkreis und in der Nachbarschaft umschaue, dann sind es nie die Cleversten, die den Beruf Lehrer/Lehrerin ergreifen, für ein Lehramtsstudium reicht es allemal. Wen ich Abiturienten/innen sehe, brauche ich gar nicht nachzufragen, wer von ihnen ein Lehramtsstudium beginnen will, man sieht das diesen Personen schon direkt an. Ich bin oft entsetzt, wenn ich sehe, welche junge Leute den Lehrerberuf ergreifen wollen und werden und denke dabei: „Mein Gott, und so etwas wird auf unsere Kinder losgelassen!“

Josef Pöllmann / 14.01.2020

In meiner Tätigkeit als Lokaljournalist bin ich häufig an Schulen unterwegs. Zu beobachten ist, dass unser Landkreischef am Ende jedes Schuljahres mehr Einserabsolventen ehren kann. Obwohl das auf den ersten Blick erfreulich ist zeigt sich auf den zweiten Blick dass die Ursache das faktische Absenken des Niveaus an den Schulen ist. Dass das tatsächlich so ist bestätigen Lehrkräfte und Schulleiter allerdings nur hinter vorgehaltener Hand. Der Grund für diese Entwicklung ist die Strategie “Kein Kind darf verloren gehen”. Das ist zwar ehrenwert, führt aber dazu dass leistungsbereite Jugendliche nicht mehr gefordert werden. Warum sollten sie sich anstrengen wenn sie auch so durchkommen. Sich anzustrengen wird eben nicht belohnt. Auch wenn das nicht in erster Linie mit der Intelligenz der jungen Leute zu tun hat wird dadurch das vorhandene Potential nicht ausgeschöpft. Intelligenz verkümmert auf diese Weise. Schlimm wäre es gewesen hätte Markus Söder nicht in letzter Sekunde die Reißleine gezogen und das beabsichtigte einheitliche Abitur platzen lassen. Wäre das durchgegangen hätten wir alljährlich noch mehr Einserschüler geehrt… Ein zweites Problem gilt es zu bekämpfen: Viele der genannten Einserabsolventen widmen sich Studienfächern zu die später wenig zum volkswirtschaftlichen Fortkommen beitragen. Man sehe sich nur die große Zahl Lehrstühle an den Universitäten an und die Themen mit denen die sich beschäftigen. Es mag ja schön sein altägyptische Sprachen zu erlernen. Es stellt sich nur die Frage wozu…

Thomas Brox / 14.01.2020

Mich würde interessieren, ob ein Zusammenhang zwischen den Fähigkeiten der ostasiatischen Ländern und ihrer marktwirtschaftlichen (respektive anti-etatistischen) Ausrichtung besteht. Wie hoch ist der prozentuale Abgriff des Staatssektors am echten Bruttoinlandsprodukt (also ohne staatliche Bürokratiekosten) in diesen Ländern verglichen mit den etatistischen EU Ländern? Was ergibt der entsprechende Vergleich bezüglich des prozentualen Anteils des Sozialsystems am echten Bruttosozialprodukt (in Deutschland ungefähr 1/3)? Ich habe den starken Verdacht, dass sich die Bürger der High-Performer auch deswegen so stark anstrengen, weil sich Leistung lohnt und Faulheit, Dummheit und asoziales Verhalten richtig weh tut. Eine gut organisierte Gesellschaft bringt Moral und Kompetenz hervor, und nicht umgekehrt.

Martin Wessner / 14.01.2020

@Martin Lederer Die Hauptgrund dafür, dass “dieses Gefühl” in unserer Gesellschaft auf geradezu pawlowsche Art immer wieder “getriggert” werden kann, muss man in dem pathologischen Schuldkomplex der Deutschen suchen, der wiederum die kolaterale Folge der unbewältigten Nazizeit und des 2.Weltkriegs ist. Die “größte Verbrechernation der Welt” möchte sich rehabilitieren, indem sie sich zur Buße für ihre historischen Schandtaten in einem selbstkasteienden Akt zur “größten Samariternation der Welt” wandeln möchte, um so die ersehnte Vergebung ihrer Sünden zu erreichen, ABER vorallem AUCH wieder das Ansehen und die Achtung der Welt zu erlangen und zu genießen. Man will nicht mehr schuldbewusst gebückt sondern wieder selbstbewusst und aufrecht ob seiner guten Taten (!!!) durch die Welt wandeln können. Sprich: Man will wieder WER SEIN!!! Man will endlich wieder STOLZ darauf sein können, ein Deutscher zu sein! Dieses menschliche Bedürfnis haben sehr wohl auch jene Bundesbürger, die sich weltanschaulich als ‘Links” verorten. Und diese Anerkennung will man erreichen, indem man das Klima, den Euro, die Europäische Union, die Flüchtlinge, den afrikanischen Kontinent, ach was, indem Deutschland gleich am Besten die ganze große Welt rettet, um allen Menschen auf diesen Planeten zu zeigen, wie toll doch (schon immer) das deutsche Wesen war und ist.

Gerhard Hotz / 14.01.2020

Ich habe soeben diverse Länderrankings zu den Themen Innovation, Wettbewerbsfähigkeit, BIP und Talente abgefragt und gesehen, dass es das im Artikel hochgelobte Japan nirgendwo in die Top 10 schafft. Gemäss Herrn Heinsohn müsste Japan doch bei all diesen Rankings obenaus schwingen. Tut es aber nicht. Sind nun alle diese Rankings Schrott oder missachtet Herr Heinsohn wesentliche Fakten, die seine These von der Ueberlegenheit Ostasiens schwächen würden?

Wolfgang Nirada / 14.01.2020

Was denn - nur 20 Asylanten in einem Jahr? Waren das dann wenigstens irgendwelche religiöse Irre die zu “schweren staatsgefährdenden Gewalttaten” (sprich Mord Terror Verstümmelung an möglichst vielen unschuldigen MENSCHEN vom Baby bis zum Greis) fähig sind?? Ich bin zutiefst davon überzeugt dass Asien (Zentralasien ohne den orientalischen Scherbenhaufen) DER Erdteil der Zukunft ist. Aus vielen Gründen. Europa dagegen wird das nächste Afghanistan… Aus einem Grund…

Martin Lederer / 14.01.2020

@Rainer Möller / 14.01.2020 “Wir müssen unbedingt ganz oben bleiben, sonst ... ja was genau sonst?”: Naja in der heutigen Zeit, ist eben ein neues großes Spiel um die Macht weltweit ausgerufen. Nicht nur wirtschaftlich, auch politisch und am Ende militärisch. Und wer sich militärisch nicht verteidigen kann, kann irgendwann vielleicht einfach erobert werden und was dann? Ja dann sagen die Eroberer, welche Regeln hier gelten. Und um ein starkes Militär zu haben, sind sicherlich junge Männer sehr hilfreich, aber eben auch genügend Geld, um das zu finanzieren und technologisches Wissen, um die besten und effektivsten Waffen zu bauen. Letzten Endes entscheidet immer das Militär, wer das Sagen hat und wer gehorchen muss. Die USA haben den 1. und 2. Weltkrieg nicht gewonnen, weil sie die “besseren Ideen” hatten, sondern weil sie dank deutlich überlegener Wirtschaft das stärkere Militär hatten. Aus dem gleichen Grund haben sie auch den Kalten Krieg gewonnen.

Martin Lederer / 14.01.2020

Weil Sie Singapur erwähnen: Singapur ist ganz sicher keine westliche Demokratie. Man könnte es wohlwollend als “gelenkte Demokratie” oder als “rationale Diktatur” bezeichnen. Und das ist für diesen Stadtstaat auch vermutlich nötig, damit nicht verschiedene Konflikte und “Spaltungen” hoch kommen. Allgemein würde ich für Südostasien sagen, dass auf lange Sicht ein Konflikt zwischen den verschiedenen Ethnien droht. Ganz besonders zwischen der jeweils einheimischen Bevölkerung und den Chinesen im Land. Und wie dieser Konflikt ausgeht, hängt vor allem vom chinesischen Mutterland ab. Bleibt dieses so geeint und stark wie heute oder wird sogar noch stärker und sollten sich die Amerikaner als Schutzmacht zurückziehen, ist eine Ausdehnung Chinas bis nach Australien denkbar. Das chinesische Siedlungsgebiet dehnt sich seit über 2.000 Jahren laufend aus. Derzeit wird Tibet und Xinjiang bevölkerungsmäßig “erobert”. Das kann irgendwann auch mit den Gebieten Südostasiens passieren. Sollte China in einen inneren Bürgerkrieg zerfallen (was in der chinesischen Geschichte auch schon öfters vorkam), könnte es zur Vertreibung der Chinesen aus verschiedenen südostasiatischen Staaten kommen. Um es kurz zu machen: Menschen sind nicht so blind und so weltoffen, dass ihnen Hautfarbe, Religion, Kultur egal sind und sie alle anderen immer nur als “Menschen” betrachten. Es ist nicht nur die Wirtschaft, die zählt.

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