Hashtags erzählen keine Geschichte, sie erklären nichts. Hashtags sind Verkürzungen und zugleich Scheiterhaufen, auf die jeder sein Hölzchen werfen darf, solange es nur gut brennt. Hashtags betreiben die Fastfoodisierung der politischen Debatte. Denn differenzieren kann man nicht, wenn man nur brennende Holzscheite wirft. Der Hashtag „Wirsindmehr“, der als Abwehrzauber vermeintlicher „Hetzjagden“ in Chemnitz benutzt wurde und in einem Gratiskonzert gipfelte, bei dem man „für einen guten Zweck“ den Mord an Dennis H. instrumentalisierte, ist der perfekte Anlass, kurz innezuhalten und zu schauen, ob wir uns wirklich in eine gute Richtung bewegen.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass niemand unter den Konzertbesuchern auf die Idee kam, sich Gedanken über die tiefere Bedeutung dieses „Wir sind mehr“ zu machen. Doch dieser Satz, der etwas ausführlicher ja heißen will „Wir sind mehr als ihr, deshalb sagen wir, wo es lang geht, was richtig und was falsch ist“ grenzt aus und zieht eine scharfe Linie zwischen „Uns“ und „Denen“. Hier findet eine Exkommunikation von Meinung statt – und zwar durch ausgerechnet jene Menschen, die sich mit großer Vehemenz gegen Ausgrenzung, Diskriminierung oder Rassismen gefühlter oder tatsächlicher Art einsetzen. „Wirsindmehr“ ist das hashtag-gewordene Mehrheitsprinzip, nicht Ausdruck von Demokratie oder deren Verteidigung, wie behauptet wird, sondern Ausdruck von Gruppendynamik und Schwarmverhalten.
„Wirsindmehr“ ist ein Prinzip, mit dem man alles rechtfertigen könnte, wenn eine Mehrheit es befindet. Mit „Wirsindmehr“ lässt sich auch ein Anspruch von einer Milliarde afrikanischer Globalisierungsverlierer auf Leistungen des deutschen Sozialstaats gegenüber 80 Millionen Deutschen begründen. Erdogan wandelte die demokratisch verfasste Türkei mit „Wirsindmehr“ in ein autokratisches System um. Demokratie geht sicher anders.
Freiheit und Recht unterliegen nicht dem Mehrheitsprinzip
Demokratie bedeutet, dass keine Mehrheit sich an den verbrieften Rechten aller vergreift, auch nicht an den Rechten derer, die sich nicht zur Mehrheit rechnen. Dieses Prinzip gerät vollkommen aus dem Blick der Öffentlichkeit und der Politik. „Wirsindmehr“ ist, was im Kopf des Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein vorgeht, wenn er laut über Koalitionen mit den Linken nachdenkt. Richtig ist für ihn, was ihm eine Mehrheit und damit den Machterhalt sichert, politische Prinzipien zählen da nicht.
Unter der Losung „Wirsindmehr“ gäbe es in Familien mit drei Kindern zum Mittag nur noch Gummibärchen und Limonade, es lassen sich unter diesem Slogan aber auch Bücherverbrennungen rechtfertigen, Autoren erpressen, Kreditrückzahlungen einstellen, Enteignungen vornehmen oder Gedanken verbieten. Vielleicht wäre genau jetzt der Zeitpunkt gekommen, ernsthaft darüber nachzudenken, ob man das Prinzip der Freiheit und des Rechts wirklich dem Mehrheitsprinzip opfern sollte. Denn wenn in 50 oder 100 Jahren unter der „Wirsindmehr“-Fahne die Einführung der Scharia in Deutschland gefordert werden sollte, ließe sich die Intention eines Hashtags aus dem Jahr 2018 nicht mehr ändern.
Dieser Beitrag erschien zuerst auf Roger Letschs Blog Unbesorgt.

«Ich bin mir ziemlich sicher, dass niemand unter den Konzertbesuchern auf die Idee kam, sich Gedanken über die tiefere Bedeutung dieses „Wir sind mehr“ zu machen» Dieser Gedanke ging mir gestern ebenfalls durch den Kopf, als ich auf einem Foto auf Focus online das »Mehr« in Partylaune und ein Mädchen im FCK NZS T-shirt Crowd surfend sah. Hashtags haben mittlerweile dieselbe Wirkung auf mich, wie die Arschgeweihe der 90iger Jahre.Ob sie allerdings ,wie letztere, einmal zu peinlichen Jugendsünden auch nicht weniger Erwachsener werden, bleibt abzuwarten.
Wie sagte Friedrich Schiller schon ganz treffend: "Was bedeutet Mehrheit, wo doch der Verstand nur bei wenigen zugegen ist." Dieses gillt heutzutage noch viel mehr als damals.
Wir sind mehr ist zudem alternativlos (und damit ungeahnt nah an dem Politikverständnis von Merkel und ihren Groupies), denn wenn die Masse zählt, ist das Argument bedeutungslos; letztlich geht es um Verdrängung - und das wird ja auch absichtsvoll praktiziert. Natürlich ist es absolut kindisch mit Gesang auf die Probleme in Deutschland zu reagieren. Das ist wie Stricken für den Frieden; nur nicht so auffällig dämlich, weil ein Konzert mehr Unterhaltungswert besitzt. Doch dadurch geht die Kriminalität nicht zurück, sinken die Mieten nicht, wird kein Geld für die Infrastruktur frei, hat der Arzt keinen Termin oder wird das Sozialsystem geschützt. Auch die Schüler werden nicht klüger - im Gegenteil, jedenfalls dann, wenn so helle Köpfe wie Campino und Co. antreten.
Da die Dummen immer und überall in der Mehrheit sind, ist die Demokratie eine üble Angelegenheit. Aber leider gibt es nichts Besseres.
Zu "WirSindMehr" möchte ich anmerken, dass die derzeit im mainstream kolportierte Zahl von 65 000 Besuchern beim Cola-für-lau-event in Chemnitz offenbar - wen würde das eigentlich wirklich überraschen - ein fake ist. Einen guten Artikel dazu gibt es in dem blog von Michael Klonovsky.
Genau auf den Punkt gebracht. Bei diesen Entwicklungen dauert es keine 50 bis 100 Jahre mehr. Wie hat sich das Land allein in den 3 letzten Jahren verändert, aber nicht zum Positiven. Denke dabei an Heinrich Heine; "Denk' ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht,...."
Solange die Wirsindmehr-Aktivisten ihre Infos über den Islam aus nahezu ahnungslosen apologetischen Schriften ziehen (etwa des Inhalts, dass im Islam meist die Zeit für die Frau arbeitet und sie, sofern sie erwachsene Söhne hat, einen allgemein anerkannten Anspruch auf die Zuneigung der Söhne und die Unterwürfigkeit der Schwiegertöchter genießt, nachdem sie nur 40 bis 50 Jahre lang ein fürchterliches Leben führen musste), solange die üblichen Irrtümer über den Islam in Politikermeinungen hineinkommen ("Antisemitismus ist unislamisch" sprach unser erleuchteter Antisemitismusbeauftragter Felix Klein) und solange Thilo Sarrazin als phobster aller islamophoben "Rassisten" gilt, weil er zu denselben Schlüssen kommt wie die gern für inkompetent erklärten muslimischen Islamkritiker, solange kommt auch die zivilierteste, rein verbale Gegenwehr gegen den Islam und die Linken nur als phob an. Für Linke ist der Islam identisch mit Döner, Kopftüchern und Schleiern als "emanzipativen Superideen" und Sonnenuntergängen in der Wüste. Ein Blick auf die geschichtliche und gegenwärtige Rolle des Islam ist da nicht zu erwarten. Islamische Fatwen zur Frage der Sklaverei erklären sie nicht für inhuman und verboten, sondern nur für "gegenwärtig nicht praktizierbar". Glauben Sie, das interessiert unsere Kulturbewegten, die ihre eigene Freiheit für selbstverständlich halten? Kriege zw. islamischen Ländern laufen seit dem frühen Mittelalter so ab, dass mindestens eine Seite die andere für "abtrünnig" erklärt. Das erlaubt dann jede sadistische Scheußlichkeit und die Sklavenjagd im großen Stil. Am schlimmsten betroffen war das subsaharische Afrika, aber auch die Belastung für Indien war extrem. Die dt. Aktivisten "gegen rechts" und für ein schwerstpatriarchales, tribalistisches, exzessiv antisemitisches, gegenwärtig christenverfolgendes, sklavenhalterisches und totalitäres System, das als "links" gilt, wollen die unschönen Tatsachen nicht sehen, also gibt es die Tatsachen nicht.