René Zeyer, Gastautor / 27.06.2020 / 06:16 / Foto: aeroprints / 32 / Seite ausdrucken

Wirecard: Ein Überflieger im freien Fall senkrecht nach unten

Ich kann mich den meisten deutschen Analysten und Anlageberatern nur anschließen. Die Aktie von Wirecard ist ein strong buy. Sie ist zeitweise noch ganze 2,50 Euro wert, da kann’s doch nur nach oben gehen. Vor einer Woche kostete sie noch über 100 Euro. Vor knapp zwei Jahren setzte sie sogar zum Sprung auf 200 Euro an, sie schaffte es immerhin auf 192.

Man will sich gar nicht vorstellen, was Insider verdient haben, die zum Beispiel Mittwoch letzter Woche gehebelte Leerverkäufe machten. Auslieferung heute, Preis 100 Euro pro Stück, die der Wettpartner hinlegen muss.

Während noch bis Mitte letzter Woche der gesammelte Sachverstand der deutschen Analysten und Wirtschaftsjournalisten nur dazu ausreichte, ein paar leichte „Turbulenzen“ um den Jahresabschluss 2019 zu diagnostizieren, war die Kacke schon längst am Dampfen.

Das kann man nicht feiner ausdrücken, denn ein solches Generalversagen gab es seit der Finanzkrise eins wohl nicht mehr bei einer DAX-Firma. Noch am Mittwoch vergangener Woche wurden die letzten Strukis auf die Rampe geschoben, bei denen Wirecard im Topf lag. Alleine in der Schweiz werden 278 dieser Wettscheine gehandelt. Meist sind das sogenannte Barrier Reverse Convertibles.

Bankerslang für eine einfache Wette. Sinkt eine im Mix enthaltene Aktie unter einen bestimmten Wert, eben die Barriere, dann bekommt der Inhaber eines solchen Wettscheins nicht sein Geld, sondern die Aktie ausgeliefert. Bei 152 dieser Strukis ist Wirecard ein Basiswert, und natürlich wurde die Barriere krachend gerissen.

Das Porto für das Verschicken der Aktie...

Es ist allerdings sehr die Frage, ob diese Aktien überhaupt noch verteilt werden. Wirecard will Insolvenzantrag stellen, der vornehme Ausdruck für: Wir sind pleite. Da könnte es durchaus sein, dass das Porto für das Verschicken der Aktie mehr kostet als die Aktie selbst. Und eigentlich dient sie ja höchstens dazu, als trauriges Mahnmal ins Klo genagelt zu werden.

Lassen wir Milde walten gegenüber all den Pfeifen, die großartiges Potenzial in Wirecard sahen, sich den Kurs durchaus wieder auf 200 Euro vorstellen konnten. Die Wirecard zur großen deutschen Hoffnung hinaufjubelten, bei IT, E-Commerce und Zahlungsverkehr nicht völlig von den USA oder China abgetrocknet zu werden. Die ganzen Deppen haben inzwischen rote Ohren. In die sagen nämlich ihre Kunden Unfeines, wenn die sich erst kürzlich Wirecard-Aktien oder Derivate aufschwatzen ließen.

Die Verkäufer konnten allerdings auch einige gute Argumente ins Feld führen. Zweistellige jährliche Umsatz- und Gewinnsteigerungen. Als DAX-Konzern in der Oberliga deutscher Firmen. In der Person von Markus Braun hatte Wirecard einen Chef, der durchaus in der Liga eines Bill Gates mitspielen könnte, einfach ein Riesentyp, erfolgreich bis zum Abwinken, unglaublich, wie locker der einen Milliardenkonzern in die Stratosphäre schießt. Immer wieder überrascht er mit neuen Geschäftsfeldern, zuletzt eine Kooperation mit dem chinesischen Online-Handelsriesen Alibaba.

Lassen wir da einmal die Luft raus und fragen uns ganz banal: Wie konnte das passieren? Was? Zunächst: Es gibt wohl keinen vergleichbaren Fall in der deutschen Nachkriegsgeschichte, dass ein DAX-Konzern ganze vier Mal den angekündigten Geschäftsbericht fürs letzte Jahr verschob. Ohne dass sich jemand ernsthaft gefragt hätte, wo das Problem liegt.

Aber selbst das stimmt nicht  ganz. Im deutschen Sprachraum stellte sich niemand ernsthaft diese Frage. Die Financial Times (FT) hatte schon Anfang letztes Jahr damit begonnen, immer größere Fragezeichen hinter die Bilanz, die Gewinne, überhaupt das Geschäftsgebaren von Wirecard zu setzen. Wenn das nicht einfach ignoriert wurde, glaubte man gerne dem Gegenangriff von Braun. Der beließ es nicht dabei, die Analysen von FT als völlig falsch zu dementieren. Er ging sogar zum Gegenangriff über und bezichtigte die Autoren, mit ihren Artikeln den Kurs von Wirecard zu manipulieren und via Strohmänner an ihrem Vorwissen, wann der nächste kritische Artikel erscheint, zu profitieren.

Eine Nebelgranate vom Feinsten

Das ist wohl der tödlichste Vorwurf, den man einem seriösen Finanzblatt machen kann. Damit lenkte Wirecard geschickt vom Inhalt der Kritik ab. Das war eine Nebelgranate vom Feinsten. Eine zweite zündete Braun, indem er die große Prüffirma KPMG beauftragte, die Bücher von Wirecard auf Unregelmäßigkeiten zu untersuchen. Ende April lieferte KPMG, selbstverständlich war das Ergebnis nicht im geringsten davon beeinflusst, dass Wirecard beauftragt und bezahlt hatte.

Das ist ja auf diesem Gebiet immer so. KPMG kam zum überraschenden Ergebnis, dass es, bedingt durch das gigantische Wachstum, ein paar strukturelle Probleme gebe, aber die Bücher, die seien völlig in Ordnung. Auf diesen Bericht bezog sich Braun noch Mittwoch letzter Woche, einen Tag, bevor Wirecard bekannt gab, dass man gerne sachdienliche Hinweise entgegennehme, wo schon wieder rund 2 Milliarden Euro abgeblieben seien.

Das letzte Mal sollen sie auf Escrow-Konten bei zwei philippinischen Banken gesehen worden sein. Lassen wir beiseite, dass die deutsche Übersetzung Treuhandkonto die Sache nicht ganz trifft. Nun wird die Chose aber einen Moment lang sehr exotisch.

Denn die BDO, Abkürzung für Banco de Oro, Goldbank, insistiert, dass sie schon am 9. Juni darüber informierte, dass sie keinerlei Geschäftsbeziehung mit Wirecard unterhalte. Darüber habe sie auch EY (Ernst & Young), die Buchprüfer von Wirecard, in Kenntnis gesetzt. Die Mitteilung von Wirecard, dass es da möglicherweise ein Problem geben könnte, erfolgte aber erst fast 10 Tage später.

Damit nicht genug: Am 20. Juni doppelte die philippinische Zentralbank nach, dass sie bestätigen könne, dass keine solchen Gelder in den Finanzmarkt überwiesen worden seien. Offenbar handelte es sich bei der gegenteiligen Bestätigung um eine Fälschung durch einen Mitarbeiter von BDO, der deswegen bereits entlassen und unter Anklage gestellt worden war.

Das Feuer im Dach noch irgendwie löschen

Hier erhebt sich schon mal die durchaus kitzlige Frage, wieso Wirecard-Chef Braun noch tagelang für Vertrauen in seine Firma warb, mit der Untersuchung von KPMG wedelte, während er doch gewusst haben sollte, dass E&Y auch den nächsten Termin für die Veröffentlichung des Geschäftsberichts 2019 nicht halten wird.

Es könnte allerdings sein, das haben Hasardeure mit einem eisernen Nervenkostüm so an sich, dass Braun noch auf Rettung in letzter Minute hoffte. Dafür spricht, dass sein Kumpel in der Geschäftsleitung, Jan Marsalek, zwar als erstes Opfer gefeuert wurde, dann aber schnurstracks auf die Philippinen reiste. Wohl um zu schauen, ob man das Feuer im Dach noch irgendwie löschen kann.

Gleichzeitig mit seinem Rücktritt trennte sich Braun dann noch von einem größeren Teil seiner Wirecard-Aktien. Da die damals noch etwas wert waren, strich er immerhin 140 Millionen Euro ein. Ist zwar nicht die Welt für einen ehemaligen Milliardär, aber besser als nichts.

Aber in all diesen Zusammenhängen können sich die Verantwortlichen bei Wirecard zumindest auf ein paar peinliche Fragen gefasst machen. Das gilt natürlich auch für den Buchprüfer KPMG und für EY. Denn EY testierte, ohne zu murren, die vorangehenden Jahresberichte bis und mit 2018. Selbst bei einem so rasanten Waschstum ist es aber eher unwahrscheinlich, dass erst im Verlauf von 2019 diese zwei Milliarden Euro auf den Philippinen herbeigeschummelt wurden.

Die nächsten Fragen müssen sich die Banken gefallen lassen, die Wirecard auf diese Sicherheit hin eine Kreditlimite von dem Vernehmen nach 1,75 Milliarden Euro einräumten, die die Firma zu 75 Prozent bezogen haben soll. Insgesamt 15 Banken knabbern zurzeit an den Fingernägeln. Sie versuchten eine Woche lang hektisch, Wirecard noch irgendwie über Wasser zu halten. Aber mit dem Insolvenzantrag ist das vom Tisch.

Was machten eigentlich die Aufsichtsbehörden die ganze Zeit?

Nun dürfen die federführenden Banken ABN Amro, Commerzbank, ING und LBW (Landesbank Baden-Württemberg), also eigentlich die üblichen Verdächtigen, sich fragen, ob sie einen Totalverlust ausbuchen müssen oder ob sie noch irgend etwas Werthaltiges zusammenkratzen können.

Die Wirtschaftsjournaille und die Verkäufer in den Diensten von Banken müssen sich keine Fragen gefallen lassen, die sind sowieso beratungsresistent. Aber eine Institution gibt es dann doch, die sich mehr als peinliche Fragen anhören muss: Was machten eigentlich die Aufsichtsbehörden die ganze Zeit? Zum Beispiel die BaFin?

Da wollen wir ihrem Präsidenten Hufeld nicht widersprechen: Was seine Behörde sich geleistet habe, sei ein komplettes Desaster, meinte er zerknirscht. Wir fragen vielleicht anders. Die BaFin beschäftigt rund 2.500 Beamte, davon fast 1.200 im „höheren Dienst“. Wir sprechen hier also ehrfurchtsvoll von der höchsten Umlaufbahn, die ein deutscher Beamter erreichen kann. Oberräte, leitende Direktoren, Ministerialdirigenten oder gar Staatssekretäre tummeln sich hier. Natürlich ausgestattet mit leistungsunabhängigem Einkommen und einer Rundumversorgung im Alter.

Nur etwas fehlt all diesen Sesselfurzern: Verantwortungsbewusstsein. Denn eines ist beim deutschen Beamten so sicher wie das Wort „Mahlzeit“ am Mittag: Verantwortung, gar Haftung für Handlungen oder für das Unterlassen? Niemals. Aber eigentlich müssten sich alle sogenannten Wirtschaftskenner an der eigenen Nase nehmen.

Zunächst müssen wir aber die BaFin vom Vorwurf teilweise entlasten, sie habe schlicht und einfach geschnarcht. Nachdem die FT Anfang letztes Jahr auf merkwürdige Bilanzierungsformen bei Wirecard hinwies, verbot die BaFin für zwei Monate den Leerverkauf von Wirecard-Aktien. Um angeblich Spekulanten die Möglichkeit zu nehmen, auf fallende Kurse zu wetten. Das war seit der Finanzkrise 2008 immerhin das erste Mal, dass die BAFin zu diesem Instrument griff. Und überhaupt das erste Mal, dass sie es nur für die Aktie einer einzigen Firma anwendete.

Unglaublich hohe Marge von Wirecard

Nun gut, im Nachhinein ist man immer schlauer, aber das konnte ja wirklich keiner vorhersehen. Ach ja? Das Schweizer „Cash“ erinnert richtig daran, dass schon sehr früh ein Blogger auf der Plattform „Wallstreet Online“ einen kritischen Kommentar zu den Bilanzpraktiken von Wirecard postete. Er bemängelte vor allem die fehlende Transparenz beim Reporting, es sei nicht klar, woher große Teile des Konzernumsatzes oder der Rendite kämen. Diese Vorwürfe begleiteten Wirecard die ganzen Jahre über, bis FT dann ganz massiv darauf hinwies.

Diese erste, aus heutiger Sicht geradezu hellseherische Kritik stammt – aus dem Jahr 2008. Insbesondere die unglaublich hohe Marge von Wirecard, weit über dem Niveau von Mitbewerbern, machte den Blogger misstrauisch. Was geschah daraufhin? Fast nichts.

Außer, dass die Kriminalpolizei vor der Türe des Bloggers stand und ihn der Marktmanipulation beschuldigte. Offensichtlich auf Betreiben von Wirecard selbst. Es gibt noch einen geradezu absurd-komischen Aspekt zu berichten. Denn der Vorwurf von Wirecard traf zu. Aber bei Funktionären ausgerechnet der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Die gingen nach der Lektüre dieses kritischen Posts short mit Wirecard-Aktien und warfen der Firma zudem öffentlich „irreführende Jahresabschlüsse“ vor.

Das war dann tatsächlich Marktmanipulation; die Beteiligten landeten im Knast, und Wirecard konnte natürlich triumphieren: Wenn selbst die SdK zu solchen Mitteln greift, dann sind doch wohl alle Vorwürfe entweder aus der Luft gegriffen oder geschehen aus niederen Beweggründen. Diese Nummer versuchte Wirecard dann auch bei der FT. Aber da ging’s dann schief.

Sollte sich tatsächlich herausstellen, dass Wirecard die Existenz von zwei Milliarden Euro in höchster Not hat hinfälschen lassen, muss zudem vermutet werden, dass das ganze Geschäfts- und Ertragsmodell nicht erst 2019 unter Wasser geriet. Sondern sich schon seit 2008 dort befand. Ohne dass das irgend jemand in Deutschland merkte. Das Beispiel zeigt wieder einmal: Reputationsmanagement ist alles.

Wer behauptet, er könne 1.000 Euro mit alchemistischen Zauberformeln in 2.000 verwandeln, aber dazu brauche er Ruhe und Abgeschiedenheit, muss länger suchen, bis er einen Dummen gefunden hat. Aber wie bei Madoff in den USA, bei Behring in der Schweiz und nun offenbar bei Wirecard in Deutschland: Wenn’s um Multimillionen geht, dann auch um Milliarden, da setzt so ziemlich alles aus.

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Leserpost

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Andreas Rühl / 27.06.2020

Was ist der wahre Grund fuer all das? Gier? Vielleicht. Aber weitaus mehr der Wunsch, Rendite zu erzielen, die nicht von der Inflation aufgefressen wird. Das scheint nur noch am Aktienmarkt moeglich. Also fließen die Gelder dorthin. Dass die Vergangenheit von wirecard eher im Pornomilieu angesiedelt war, wurde verdrängt. Glücksspiel auch. Aber auf das Blatt setzte man doch auch! Das Schäbigste überhaupt ist jetzt, dass die Zocker ihre Verluste einklagen wollen. Es gab jede Menge Phantasie im Markt. Und eure jede Phantasie kommt ab und an der Fall in die Realität. Ich sage nicht, daß man nicht spielen darf. Aber dann muss man den Verlust auch ertragen. Das geheule ist widerwärtig.

Rupert Reiger / 27.06.2020

Die IT-TIMES, Unternehmens- und Technologienachrichten für Professionals, Mai 2015: „Wirecard versus Google, Apple und PayPal im Mobile- und Online-Payment Boom: Wirecard profitiert aktuell vom weltweiten Boom im Bereich Online-Zahlungsabwicklung und Mobile Bezahldienste. Damit tummelt sich das Unternehmen allerdings auch in einem Haifischbecken, das von Großkalibern wie Apple und Google sowie PayPal (Anmerkung: und dem chinesischen Alibaba) besetzt ist.“ Dazu gerade jetzt 27.06.2020: „Entwicklungsminister Müller will Corona-Krisengewinner besteuern.“ Da soll er doch mit Wirecard anfangen. ... Man lacht sich kaputt! Oder sagen wir mal so: Europa hat nix !!! Vielleicht lassen Apple und Google und PayPal sowie Alibaba die kleine Halbinsel an Asien dran namens Europa auch einfach links liegen, dann kann man in der EU nochmals von vorne anfangen, dann kann man sie besteuern.

Max Schmidt / 27.06.2020

Was ich mich frage; Wer ist eigentlich verantwortlich für die Aufhebung des Shortselling-Verbotes für Wirecard-Aktien vor geraumer Zeit? Da ist mit Sicherheit Korruption bis in die höchsten Kreise von BaFin, Deutscher Börse, Commerzbank, Deutscher Bank und div. Anderer im Spiel. Bei einem bestehenden Shortselling Verbot hätten die Shortseller nicht mehr als 1 Milliarde Euro in der letzten Woche abgreifen können. Korrekt wäre, wenn einem massiven Verkaufsangebot keine ausreichenden Käufer gegenüber stehen, Aktie sofort vom Handel zurückziehen und ein sofortiges Delisting aus dem DAX einplanen, Die Deutsche Börse ist scheinbar nur noch ein Zocker-Casino für Insider. Meine Lehre - Keine deutschen Aktien mehr. Aber ein Paar Milliarden sind ja gegen die Corona-Hilfen nur Peanuts. STUPID GERMAN MONEY.

Rupert Reiger / 27.06.2020

ES SIND IMMER DIE GROßEN ZYKLEN oder Schumpeters creative destruction oder warum es keine Schreibmaschinenfirmen mehr gibt: Deutschland sieht die Digitalisierung seine alten Technologien mit der Digitalisierung als Zulieferer; es wird jedoch umgekehrt sein: Die alten Technologien werden Zulieferer der Algorithmen-Firmen !!! Im Gegensatz zu Asien und den USA hat Deutschland den Mega-Innovationszyklus Software verpasst. Der Zyklus Software wird alles durchdringen, weltweit und schneller kommen als die industrielle Revolution des 18./19. Jahrhunderts und folgende (Elektrizität/Auto, Computer). Unter den 10 wertvollsten Firmen der Welt sind 6 Softwarefirmen, nur noch ein deutsches Unternehmen ist unter den Top 100: SAP auf Platz 58, Toyota als einziger Autohersteller auf Platz 42. Firmen wie Google und Apple, die an Mobilitätskonzepten arbeiten, könnten Autofirmen von dem Geld kaufen, das sie cash rumliegen haben! Warum machen sie es nicht? Weil die Blechbieger zweitrangig sind. Ihnen verbleibt die Rolle von Zulieferern. Alles was uns maximal verbleibt ist, diese Softwarefirmen zu besteuern: Entwicklungsminister Müller will Corona-Krisengewinner besteuern. Oder man hat Forderungen wie „Zuckerberg muss endlich seine Algorithmen offenlegen“, ja und alle anderen ihre Patente verschenken. Es ist allerdings auch eine reale Gefahr, dass uns die SW-Firmen einfach links liegen lassen. Betriebssysteme, Algorithmen, Blockchain (JPMorgan startet globales Blockchain-Investitionsnetzwerk), KI sind das komplizierteste und das erste mal dominieren Mathematik und theoretische Informatik in ihrer reinen Form einen business cycle. Über Algorithmen heißt es, sie sind entweder uninteressant oder exponentiell komplex.  So schwer sie zu schaffen sind (als wichtigste Ressource!!), so leicht sind sie zu produzieren: Es nennt sich „copy“. So wird der Innovationszyklus Software unser Leben weltweit und schnell durchdringen. Deutschland ist zweitrangig. Das asiatische Jahrhundert hat begonnen.

Gunnar Holler / 27.06.2020

Und wieder ein paar Anmerkungen von mir. 1) Effektive Aktienurkunden von Wirecard gibt es nicht. Mit Porto (per Post) verschicken und an die Klowand nageln ist nicht möglich. 2) Die Kombination Deutsche Nachkriegsgeschichte und DAX-Werte ist etwas schief, denn den DAX gibt es erst seit 1988. 3) Es haben sich sogar sehr viele Leute gefragt, was bei Wirecard los ist. Die Firma war bei der Gesprächsthemen-Aktivität in deutschen Börsenforen seit langem weit oben. 4) Der Anteilsverkauf von Braun war wohl ein Zwangsverkauf aus einem vorherigen Aktienkauf auf Kredit. Der Erlös deckt nicht annähernd die Anschaffungskosten, soweit mein Kenntnisstand von neulich. 5) Zu den bisherigen Kommentaren: “Millionen-Trilliarden” ist etwas sinnfrei, oder rechnet der Mensch mit Rubeln? Es “entstehen” keine neuen DAX-Werte, die rücken aus dem MDAX/TecDax nach. Wirecard ist um Größenordnungen kleiner als Lehman. Wirecard hat mit den Ökomärchen der letzten Zeit (Diesel, Fleisch) NULL zu tun. Schließlich: die zur Schau gestellte Schadenfreude und der Neid einiger Kommentare sagt einiges über die Schreiber aus.

Alexander Seiffert / 27.06.2020

Ich denke bei Wirecard (WDI) kam Zweierlei zusammen: Hohe kriminelle Energie (1) und das finanzielle Analphabetentum der Deutschen. WDI 2006 per seltenem Reverse-IPO an die Börse, im selben Jahr als das UIGEA WDI die Geschäftsgrundlage entriss, da klar war, dass das Abwickeln von Zahlungsströmen im Bereich des Online Glücksspiels in und aus den Staaten illegal würde. Es dauerte bis 2011 bis die letzten Konten solcher Anbieter gepfändet wurden und Verurteilungen ausgesprochen wurden. Die WDI Führung (welche erst letzte Woche abtrat), entschied sich 2011 statt einzugestehen, dass die Konten weg sind und man dazu über Jahre US-Gesetze brach, die Bilanzen zu frisieren. Dazu passt, dass die fehlenden 2 mrd. in etwa den ausgewiesenen Nettoeinnahmen seit 2011 entsprechen. Was uns zum Analphabetentum führt: EY wird nicht nur das Testat für 2018 Zurück ziehen müssen. Sondern vermutlich jedes. Die Klagewelle wird groß und für Anleger erfolgsversprechender, als zu hoffen aus der WDI Insolvenzmasse noch etwas heraus zu klagen. Interne WDI-Chats sprachen in Abstimmungen vor Bilanzierungen davon, die EY-Prüfer mal wieder zu „brainwashen“. Wenn die EY sich schon brainwashen lässt, meint irgendwer der Personalstock, der sich in den Behörden tummelt sei besser?! Wir sind das Land, in welchem sich die Lehrergewerkschaft GEW seit Jahrzehnten erfolgreich dagegen wehrt, Wirtschafts- und Finanzwissen vermitteln zu müssen. Solch Systemversagen wie bei WDI fällt nicht vom Himmel. (1) Organisierter Betrug benötigte Mittäter in anderen Ländern und Firmen. Nicht nur der deutsche Blogger wurde 2008 massiv eingeschüchtert durch Zuhilfenahme der Staatsgewalt. Fast noch Filmreifer ist die Geschichte Matthew Earls, dem Braun vermutlich Osteuropäer auf den Hals hetzte, die ihn über Jahre behelligten und auch mal nachts an der Haustür „klopften“.

Uta Buhr / 27.06.2020

Merkelland ist abgebrannt. Und dies nicht erst seit gestern. Dass in einer Bananenrepublik die Korruption blüht und dem Betrug Tür und Tor weit geöffnet sind - nicht nur “Flüchtlingen” aus aller Herren Länder - ist eine Binse. Ein auch einer Laiin wie mir verständlicher Artikel, den ich voller Interesse gelesen habe.  Danke, Herr Zeyer. Man darf gespannt sein, welches Unternehmen demnächst baden geht. Ich gestehe, dass mich der sich täglich beschleunigende Abstieg dieses einst stabilen Landes mit grimmiger Genugtuung erfüllt. Jeder, der die Augen und Ohren nicht über Jahre vor den Fakten verschlossen hielt, war seit Langem Zeuge des Niedergangs. An alle Schlafmützen, von denen es auch in meinem Bekanntenkreis eine erkleckliche Zahl gibt: Ihr werdet euch noch wundern, denn der Abstieg wird nicht vor eurer Haustür halt machen. Waren das nicht die vorletzten Worte dieser Frau mit den lila Haaren, die in der DDR neben Erich eine so große verhängnisvolle Rolle spielte? Sich selbst erfüllende Prophezeiungen sind halt kein Ammenmärchen.

Sabine Schönfelder / 27.06.2020

Auch bei den Foristen herrscht wieder die übliche bürgerliche oder „Sozen-angehauchte“ Schadenfreude über DIE ´gierigen Reichenˋ. Der Mensch ist einfach dumm. Gier herrscht in allen „Besoldungsklassen“.  Schamlose Gier und Neid. Der „kleine Mann“ hat oft nicht die Möglichkeit Geld auf hohem Niveau zu schöpfen, und agiert trotzdem in seinem Wirkungskreis mit der gleichen Sucht nach MEHR, ganz genau wie der Gutbetuchte. Gerade Sozen, gerade die Kinder der DDR, unsere heutigen östlichen und westlichen Linken, haben Ihr Riesenvermögen heimlich investiert, versteckt, um Macht und Einfluß zurückzugewinnen und dieses Geld wurde NICHT verdient im herkömmlichen Sinne, sondern verbrecherisch generiert. Hinter jedem riesigen Vermögen steckt ein Verbrechen oder zumindest eine große soziale Ungerechtigkeit. Aber hier wird geschwiegen. Soros, ein Wohltäter, Gates ein Impfpapst und die Linken? Direkt im Fahrwasser der Global Player. BaFin, Aufsichtsräte, sämtliche Kontrollinstanzen agieren völlig willkürlich, DAS IST DAS PROBLEM, insbesondere seit die Politik planwirtschaftlich eingreift und Geld druckt WIE DOOF. ALLES ist möglich. Die Gesetze der freien Marktwirtschaft werden gerade transformiert. Trump, als Gegenspieler, in Grund und Boden diffamiert. Warum darüber aufregen, Herr Zeyer? Es war lange vorher bekannt, daß Wirecard nicht regelkonform arbeitet. Warum jetzt so verwundert? Wenn sich Planwirtschaft wieder etabliert , gibt es auch wieder straffe Regeln. Das kennen Sie doch noch, aus der Tätärää. „Reputationsmanagement ist alles.“- Propaganda ist ALLES.- kennen wir auch, aus der tätärä, können aber auch andere.

Hans Kloss / 27.06.2020

Nicht alles kann man prüfen und E&Y haben auch der Bilanz für das Geschäftsjahr 2019 das Testat verweigert. Das ganze ist natürlich ein Skandal. Es ist aber auch wahr dass deutscher Beamtentum nur begrenzt zu etwas fähig ist, also außer zu klatschen und vlt ab und zu zu den illegalen Steuer-CD Einkäufen im Ausland oder zu GEZ Antreiben.  Drehhofer schickt auch manchmal seine Beamte um Reichsbürger zu jagen. Früher habe ich gedacht, die seien Spinner und Verrückte. Jetzt erscheinen mir sie als die einzige Denkende auf dem Titanic. Mindestens merken sie dass etwas nicht stimmt und schnell sich nährende weiße Berg doch keine Fata Morgana ist. Das ist aber nur ein Symptom der Zeiten in denen man eigen Meinung nur dann ausspricht wenn man sicher ist keine Schaden an sich zu ziehen und das auch nur in Sache die nicht zu nah an die gewaltigen Themen der Gegenwart kommen: also Architekten aus dem Maghreb, Spontangynäkolgen aus den Nordafrika, heilige globale Menschen gemachte Klimakatastrophe, Körperteile die nur soziale Konstrukte sind usw. Eine Gesellschaft die nicht in der Lage ist die Sprache zu nutzen um Probleme bei den Namen zu nennen geht irgendwann kaputt weil die die lebenswichtige Rückkopplung abgeschafft wurde. Das heiß heutzutage: Redefreiheit befreit nicht von den Konsequenzen. Kein Wunder dass keine was sagt. Konnte ev. falsch sein. Nur nebenbei - wären das nicht Shortseller hätten die Herrschaften den Spaß noch länger haben können.

Christian Wimmer / 27.06.2020

@ Günther Wirst: “Man muss aber Deutschland zugute halten, dass kein Land dieser Welt nach so vielen Merkel-Jahren gut dastehen würde. Was man Deutschland, seinen wahlberechtigten Bürgern und natürlich der CDU, vorwerfen muss: die Ostdeutsche nicht schon nach kurzer Zeit aus dem Amt gejagt zu haben.” Alles richtig, nur: Die Dame erfreut sich derzeit wieder höchsten Zustimmungswerten - zumindest wenn man den Meinungsforschungsinstituten Glauben schnenken will. Und sie hat in Wahlen nie ihre Mehrheit verloren, ganz egal, was vorher geunkt und prognostiziert wurde. Die Deutschen scheinen sich in ihr wiederzufinden. Insofern: Geliefert wie bestellt.

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