Von Martin Toden.
Der Gastautor ist ein Kind der Boomer-Jahre und hat in den frühen 1980ern seine Wehrpflicht absolviert. Wir stellen heute zwei ganz unterschiedliche Sichtweisen zur Diskussion.
„Du sollst nicht springen, du Wichser!“ – mit dieser liebevollen Zurechtweisung quittierte unser Fahrlehrer Feldwebel Samuel unsere ersten Versuche, das Krad Hercules 125K über kleine Erdhügel auf dem Schulungsgelände ein winziges Stückchen weit hüpfen zu lassen. Gerne fügte er eine offene Rechte hinzu: Die mit dem Krad-Handschuh geschützte Hand klatschte gegen den Helm. Heute wäre so ein Erlebnis sicher ein Fall für die Knetgummitherapie – wir lachten darüber. Mit dem dicken Samuel zusammen, der ein guter Kerl war – wenn auch ziemlich ungehobelt.
Am 4. Juli 1983 bezog ich mit meinen 7 Kameraden (von denen ich nur noch die Nachnamen weiß – bis auf Günther, außer mir einzige Abiturient im Zug) die Stube 126 in der Scharnhorst-Kaserne in Northeim. Wir gehörten zum Panzergrenadierbataillon 12 in Osterode im Harz, und unser Brigadekommandeur war Oberst Hanno Graf von Kielmansegg, Sohn des bekannten Generals Johann Adolf Graf von Kielmansegg.
Volles Programm
Wir bekamen die volle Dröhnung: 3 Monate PzGren-Grundausbildung, dann 6 Wochen MKF (Militärkraftfahrer)-Fahrschule. Auch wenn viele über die damals in Teilen recht beschauliche Bundeswehr die Nase rümpften und den „Gammeldienst“ beklagten – das war bei uns alles andere als ein Zuckerschlecken. Danach 9 Monate in der Stammeinheit, die ich mehr auf dem „Hobel“ saß als auf Stube und ständig mit den Kolonnen der Panzerbrigade 3 unterwegs war. Das Lager Siebensteinhäuser auf dem Truppenübungsplatz Bergen-Hohne war in dieser Zeit mein zweites Schlafzimmer, und ich kannte jedes Wildschwein beim Vornamen.
Kamen wir nach tagelangem Manöver wieder in die Kaserne zurück, fielen wir Kradmelder schlammbedeckt von unseren Hobeln, während sich beim Leo die Kommandantenluke öffnete und Kamerad Benedikt, im tadellosen, trockenen und sauberen Panzerkombi meiner ansichtig werdend, säuerlich kommentierte: „Alter, du siehst ja scheiße aus!“
Die Erlebnisse dieser 15 Monate bewegten mich endgültig dazu, Zeitsoldat werden zu wollen, womöglich später Berufssoldat. Mit dem Gedanken gespielt hatte ich schon während meiner letzten Jahre in der Oberstufe. Ich war bei Weitem nicht der Einzige. Warum waren junge Männer in nicht geringer Anzahl bereit und willens, den soldatischen Eid abzulegen, der ihnen doch abverlangte, im Fall des Falles die Freiheit des deutschen Volkes mit ihrem Leben zu verteidigen?
Der Wert der Freiheit
Meine Generation war wohl die erste, die von sich behaupten konnte, vollumfänglich in absolutem Frieden, Freiheit, Sicherheit, Gesundheit und Wohlstand aufgewachsen zu sein. Und wir waren auch die erste Generation, die beigebracht bekam, dass diese paradiesischen Zustände keine Selbstverständlichkeit waren. In meiner Schule wurde uns der Wert der Freiheit im Geschichtsunterricht (und in anderen Fächern nicht minder) nachhaltig beigebracht. Das lag vor allem auch an vielen grandiosen Lehrern, die das Ideal der Freiheit aus ihrer eigenen Lebensgeschichte ableiteten und uns weitergaben. Über diese wichtige Grundlage bei der Vermittlung von historischem Wissen und ihre Auswirkung auf die Gestaltung unseres schulischen Umfelds wurde sogar ein Buch geschrieben.
Für mich (und viele meiner Altersgenossen) war es darum im Grunde selbstverständlich, dass wir unserem Land, unserem Volk und unserem Staat etwas zurückgeben wollten, konnten – ja: mussten. Wir hatten dazu das Glück, dass unsere Vorgänger-Generation – Eltern, Lehrer, Ausbilder, Vorgesetzte – aus einer Zeit stammten, in der man noch wirklich hart beißen können musste. Wenn das Abendbrot bei uns daheim mal wieder etwas trocken geworden war und ich mich beschwerte, das Brot sei hart, antwortete mein Vater: „Altes Brot ist nicht hart. Kein Brot ist hart.“ Sowas prägt.
Dienstgeil am G3
Und darum lag ich nun Anfang Juli 1983 mit Günther und den anderen sechs auf dem Exerzierplatz im Halbkreis, den Stiefelbeutel über dem Kopf, und versuchte unter den lauten Anweisungen eines missgelaunten Unteroffiziers, das Sturmgewehr G3 blind zu zerlegen und wieder zusammenzusetzen. Ich hatte offenbar eine gewisse Affinität zu Waffen (was daran gelegen haben mag, dass mein Vater Jäger war und ich mich mit Schusswaffen schon das eine oder andere Mal befasst hatte), und ich war immer der Erste, der „seine“ Knarre fertig und funktionsüberprüft vorweisen konnte. Das brachte mir den Spitznamen „Kamerad Dienstgeil“ ein und war für mich eine gewisse Auszeichnung. Die eher handfesten Kameraden auf Stube 126 fanden dafür dann auch Anerkennung, was bei einem Abiturienten schon was bedeutete. „Mein“ G3 war übrigens Baujahr 1963 und damit ein Jahr älter als ich.
Die „Grundi“ bei den Grenadieren bot ansonsten alles, was man an Geschichten vom „Bund“ so kennt. Saufereien auf der Stube, Schlägereien im Mannschaftsheim, Anschisse vor der angetretenen Kompanie, Ehrenrunden um den Ex-Platz und viele Liegestütze. Sehr viele.
Freibad, Pluto und das Mannheim
Wenn es auf unseren Standortübungsplatz ging (liebevoll „Pluto“ genannt), dann geschah das immer im Laufschritt, und zwar in vollem Gepäck. Das Fiese an der Sache war, dass wir nicht nur 1,5 km bergauf (über 100 Höhenmeter) laufen, sondern auch jedes Mal am Freibad vorbei rödeln mussten – unter dem aufmunternden Gejohle der weiblichen Dorfjugend. Das war ein echter Antrieb für uns, da wir natürlich nach Dienstschluss sofort wieder dorthin liefen – in Badehose, 300 Meter. Außerhalb der Badesaison war dann unser Mannschaftsheim („Mannheim“) der Ort der Wahl. Das Bier war billig, die Pommes lecker und die Bedienung die Tochter vom Spieß (für den einen oder anderen Kameraden eine Entdeckung mit dienstlichen Konsequenzen). Unser Leben war grandios.
Aus Pflicht wird die Kür – und der Ernst
Wie erwähnt, waren meine 15 Monate ein letzter Stein im Bauwerk meiner Berufswahl – ich wurde Soldat. Für mich war der Dienst eine Mischung aus Dank, Stolz und Identität. Ich zeugte Kinder, Birne war Kanzler, und ein Cowboy saß im Weißen Haus. Als am 9. November 1989 die Mauer fiel, war ich junger Leutnant, zufällig gerade diensthabender Kampfbesatzungsführer und hatte Schicht. In den Stunden vor der Öffnung der Mauer an der Bösebrücke hatte sich die militärische Bereitschaftsstufe Stück für Stück verschärft und in der Stunde des Mauerfalls saß ich mit meiner Crew in höchster Alarmbereitschaft im Feuerleitstand, und im Bunker zählte der Crew Chief seine nuklear bestückten Raketen. Uns ging die Düse 1 zu 1.000.
Die Angelegenheit verlief bekanntlich friedlich. Als wir aus dem Alarmstatus entlassen wurden und die ersten Bilder im Fernsehen die ausgelassenen Szenen an der Bornholmer Straße zeigten, habe ich zum ersten Mal altgediente Oberstabsfeldwebel heulen sehen. Wir schickten den KaEff (Kraftfahrer) zu Tankstelle, Bier holen. Spätestens zu dieser Stunde wusste ich, dass meine Entscheidung, Soldat zu werden, die richtige gewesen war.
Identifikation mit dem Größeren
Das war im Grunde das ganze Geheimnis: Wir wussten, was auf dem Spiel stand, und das, was dort womöglich hätte untergehen können, bedeutete uns viel. Unsere Heimat, unser Zuhause. Unser Land, Familien, Freunde. Unsere Freiheit. Dinge, die größer und wichtiger waren als wir selbst.
Wenn sich heute jemand fragt, warum die Wiedererlangung der Wehrfähigkeit unserer gebeutelten Bundeswehr womöglich etwas schwieriger werden könnte, als Herr Pistorius sich das so vorstellt, der findet im historischen Vergleich die Antwort. Womit soll sich Malte-Torben Wurstfrisur identifizieren? Woher soll Rosmarin-Leander Jammerlapp wissen, was Freiheit ist? Wie soll Laura-Sophie Problempony erahnen, dass es eigentlich nicht die Aufgabe der Bundeswehr ist, vielfältig, tolerant, bunt und fair zu sein?
Ende nach 40 Jahren
Das Land, in dem wir leben, ist nicht mehr das Deutschland, für das ich einst den Eid schwor. (Das zu sagen, ist heute schon fast ein Fall von „unterhalb der Strafbarkeitsgrenze“ angesiedeltem Hass und Hetze.) Wer will sich noch für unsere siechende Heimat den Arsch aufreißen? Wer sieht noch so etwas wie Heimatgefühl, Traditionsempfinden und Wertekanon in der polit-medialen Kakophonie des woken Wahnsinns?
Für mich endete die innere Identifikation mit meinem ehemals so geliebten Beruf am 7. Juli 2023, exakt 40 Jahre nach meinem Dienstantritt bei den Grenadieren. Mit schönem Gruß an den IBuK.
Lesen Sie heute zum gleichen Thema: Kein Pflichtsterben für diesen Staat
Martin Toden (60) ist studierter Personalentwickler, Reserveoffizier der Bundeswehr und blickt auf 40 Jahre zivile und militärische Führungserfahrung zurück. Er schreibt hier unter Pseudonym.
Nachtrag zu Überschrift: „Wir wollten unserem Staat etwas zurückgeben“. Erkenne den Fehler! Es war nicht euer Staat, ihr seid allenfalls Zwangsweise dem Staat unterworfen gewesen, ohne je einen Aufnahmeantrag für diesen Sklavenclub gestellt zu haben. Im übrigen ist das eine hohle Phrase oder eine Geistesverwirrung, wenn jemand behauptet, er wolle dem Staat etwas zurückgeben. Wofür? Weil man mitmachen durfte/ungefragt musste? Und was zurückgeben? Sein Leben? Man kann nur was „zurück“-geben, was man zuvor erhalten hat. Leben, Gesundheit und Lebenszeit hat „der Staat“ aber nicht „gegeben“, also kann man es ihm auch nicht „zurückgeben“. Man sieht, hier liegt ein semantischer Trick vor, im Interesse von Leuten, welchen anderen das Leben, die Gesundheit oder nur Zeit stehlen wolle, was empirisch beim Militär immer der Fall war.
Zum letzten Absatz: Alt(gedient)e Ossis kennen diese LMAA-Einstellung aus der DDR 1.0. Das diese nun wieder aktuell ist, sagt alles über das wiedervereinigte Deutschland, das sich unter Merkel und vielen sozialistischen (insbesondere West-) Konsorten zu einer DDR 2.0 gewandelt hat. Wie lange wird der Sozialismus dieses Mal durchhalten?
„Wurstfrisur“ ist ebenso verstörend und diskriminierend wie das N-Wort, das Z-Wort und H-Wort. Darum in Zukunft bitte nur noch „W-Wort“ sagen, sonst fühlen sich Rosmarin-Leander Jammerlapp und Laura-Sophie Problempony unwohl und fangen an zu weinen.
Nicht für „die da oben“. Nicht für Leute, die dieses Land konsequent zugrunde richten – schon ganz ohne Feindkontakt. Nicht für diese woken und inkompetenten, überwiegend „ungedienten“ Hobbystrategen. Nicht für Leute, die patholigische Angst vor Atomkraftwerken haben, aber gewissen- und hirnlos Atomwaffen einsetzen würden. Ich kann mir nichts ERNIEDRIGENDERES vorstellen, als für solche Menschen in einen Krieg zu ziehen. Sklaverei der übelsten Sorte. Kriege werden aufhören, wenn Menschen aufgeklärt und selbstbestimmt sind und sich nicht länger für Fremdinteressen und überwertige Ideen einspannen und verheizen lassen.
Nicht für das, was „die da oben“ aus diesem Land gemacht haben. WOFÜR genau sollte ich mein Leben aufs Spiel setzen? Für ein angehendes Shithole, dysfunktionial und autoritär, krankend an links-grüner Ideologie? Für die pervertierte „Freiheit“ auf dem Cover eines Buches einer im Stasi- und Mauerschützenstaat sozialisierten Exkanzlerin?
Im Übrigen dem Autor herzlichen Glückwunsch zur Karriere bei der Bundeswehr. Kann man anschließend so schön in Pfadfindererinnerungen schwelgen. Wenn man nicht erwachsen werden will und sich nicht im Zivilleben bewähren kann oder will, sich aber gerne in eine Hierarchie Gleichgesinnter einordnet, sicher der ideale Job. Das homoerotische Erlebnis, sich von einem stumpfen Barraskopf liebevoll beschimpfen zu lassen. Das 3D-Kribbeln, dass es mal „ernst werden“ könnte. Aber dann sitzt man doch nur sinnfrei in irgendeinem Schützengraben auf irgendeinem Truppenübungsplatz herum und wartet darauf, dass kein Feind kommt…
Dergleichen „Erlebnissberichte“ und Romantisierungen des Militärdienstes kenne ich, für mich lässt das aber einige Fragen offen.
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Mein Vater ist 1942 als Siebzehnjähriger mit dem frischen Not-Abitur in der Tasche in den Krieg gezogen – Not-Abitur, um noch die Freiheit zu haben, selbst über die Waffengattung zu entscheiden. Das war damals aus der Sicht meiner Familie existenziell, denn die war davon überzeugt, dass das deutsche Heer in Russland in einem Desaster und Blutbad untergehen würde. Was dann auch so kam.
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Und mein Vater hat das zweifelhafte Glück, dann später von zerrissenen Leibern und abgetrennten Körperteilen berichten zu können und auf der Flucht auf dem Balkan, zu Fuß von Griechenland aus, dann noch für Jahre in die Gefangenschaft zu gehen. Aus der man wiederum auch nur sich zu Fuß und unter Lebensgefahr irgendwann nach Österreich durchschlagen konnte.
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Daher, und auch aus den Erzählungen eines Bruders meines Vaters, der das zweifelhafte Vergnügen hatte 1945 mit 15 Jahren und einem alten Karabiner auf dem Fahrrad den vorrückenden Alliierten entgegen geschickt wurde, zusammen mit anderen ahnungslosen jungen Männern, um dort auf Amerikaner zu schießen. Meinen Onkel, rettete einzig ein platter Reifen davor, mit etlichen anderen Jugendlichen in den Tod zu gehen.
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Und meine Mutter, einige Jahre jünger als mein Vater, hatte das Vergnügen, auf Babygrösse zusammengebrannte Leichen in den Straßen Hannovers nach Luftangriffen sehen zu müssen und wesentliche Teile ihrer Jugend unter Todesangst im Luftschutzkeller zu verbringen.
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Und das war gewiss nicht deswegen, weil der böse Russe Deutschland angegriffen hatte!
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Ich habe deswegen Zivildienst an einer Schule für geistig behinderte Kinder gemacht und ich kann nur sagen: niemals würde ich diese Entscheidung anders treffen!
Ich gebe zu, dass ich zuerst bei dem Bild mit der auf den absoluten Fernschuss ausgerichteten Waffe und der Überschrift „Wir wollten unserem Staat etwas zurückgeben“ völlig andere Assoziationen hatte. Ich dachte an „Wie du mir, so ich Dir!“. Dann gewann langsam das Erstaunen die Oberhand, warum es denn im Bild keine AK47 ist. Doch dann steigerte sich das Erstaunen, als ich den Text mir vorlesen ließ. Dazu hatte ich gar keinen Zugang. Bis „Alter, du siehst ja scheiße aus!“ erkannte ich gewisse Parallelen, aber dann ging es komplett in die falsche Richtung. Hieß denn der Kamerad Benedikt mit vor oder Zunamen so. Weil nur der Günther einen Vornamen hatte. Aber dann bei den weinenden Unteroffizieren, die vorher noch an den Nuklearknöpfen gespielt hatten, verließ mich die Fähigkeit der Vorstellung und eine Art Vorsehung nahm Gestalt an. Daher also! Die hatten vor den erwachten Ossis noch mehr Angst, als Mielke!! Und auch das Vertrauen in Gorbatschow war nur gespielt. Und um die vollgeschissene Unterwäsche zu kompensieren, haben die dann geglaubt, sie hätten den kalten Krieg gewonnen, und daraus ihre einzigartige Überlegenheit gestrickt. Nein, jetzt wo ich es begreife, lehne ich es umso entschiedener ab! Danke, dass Ihr mir endlich diese späte Einsicht gegönnt habt. Es nützt uns beiden nun nichts mehr. Der Karren steht bis zum Hals in der Sch…! Die dienstgeilen Ost-Unteroffiziere waren schon ein Graus, und ich weiß es genau, weil ich den Lehrgang in der Strafkompanie gemacht hatte. Aber die dienstgeilen West-Uffze, nee. Die glauben vielleicht noch, sie hätten dem Land und dem Volk einen Dienst geleistet. Wahnsinn! Gleich und Gleich gesellt sich gern! Tant qu’y aura des militaires, soit ton fils, et soit le mien,
Il n‚ pourra y avoir sur terre, pas grande chose de bien…
On t‘ tuera pour te faire taire, par derrière comme un chien…
Et tout ça pour rien ! Et tout ça pour rien !…
Ja, auch dich haben sie schon genauso belogen, so wie sie es mit uns heute immer noch tun.
1975, 11. Klasse der Erweiterten Oberschule, außer Schule und Hotel Mama noch nichts vom Leben gesehen, jung und naiv, ließ ich mich anlässlich meiner Musterung überreden, mich an der Militärmedizinischen Sektion der Ernst-Moritz-Arndt-Universität für die Offizierslaufbahn und ein Medizinstudium zu bewerben – zum Erstaunen meiner Lehrer und Entsetzen meines Vaters. Aus heutiger Sicht zu meinem riesengroßen Glück hatte ich mich am Vorabend der Sportprüfung derart besoffen, dass ich mit Pauken und Trompeten durchfiel. Spätestens als ein Genosse Oberst mich im Vorstellungsgespräch darüber belehrte, was ich als junger Sozialist alles zu denken, zu sagen und zu tun hätte, wurde mir klar, dass ich mich im falschen Verein beworben hatte, und zu meiner großen Erleichterung bescheinigte mir der Genosse Oberst dann auch, für die angestrebte Laufbahn „nicht geeignet“ zu sein. Dank meiner Trotzreaktion: „Jetzt erst recht!“, wurde allerdings mein bis dahin noch recht vager Berufswunsch gefestigt, Arzt werden zu wollen, und so hatte dieser Fehlschlag sein Gutes. Zu Hause klopfte mir Vater auf die Schulter: „Siehste, nun braucht Dich kein Lehrer mehr zuzutexten, Berufssoldat zu werden, die wollten Dich ja gar nicht in der Armee!“