Entsprechend radikal klingt die Rhetorik. Von Totalausforschung ist die Rede, der „United Stasi of America“, dem Griff nach der digitalen Weltherrschaft, ja gar vom „Cyber-Faschismus“. Denn was wäre eine Antifa ohne einen Fa? Plötzlich ist Snowden nicht mehr nur Whistleblower, sondern ein Widerstandskämpfer in den Fußstapfen von Carl von Ossietzky, dem Herausgeber der „Weltbühne“, den die Nazis ins KZ gesteckt hatten. Auch in diesem Narrativ sind die Deutschen in die Rolle der Opfer geschlüpft. Die logische Konsequenz aus dem „Nie wieder!“ wäre die kritische Frage nach der Arbeit der eigenen Geheimdienste. Halten die sich – etwa in Pakistan oder Afghanistan – an Recht und Gesetz? Achten sie überall die Menschenrechte, den Datenschutz und die Privatsphäre? Doch das interessiert keinen.
http://www.tagesspiegel.de/meinung/deutsche-geschichte-und-spionage-snowden-fa-und-antifa/9022270.html