Rainer Grell / 22.07.2019 / 16:00 / 7 / Seite ausdrucken

„Wir sind Eure Töchter, nicht Eure Ehre!”

Diesen programmatischen Titel, der gleichzeitig wie ein Verzweiflungsschrei klingt, gab die Frauenrechtlerin Serap Çileli ihrer 1999 erschienenen Autobiographie. Ihre Eltern lebten seit Ende der 1960er Jahre in Deutschland, blieben aber völlig in ihren türkisch-orthodoxen Wertevorstellungen gefangen. Die Tochter, 1966 geboren und seit ihrem achten Lebensjahr mit ihren fünf Geschwistern bei ihren Eltern in Deutschland, schildert ihren Leidensweg über Zwangsverlobung, einen Selbstmordversuch, Zwangsverheiratung in der Türkei, über Scheidung und schließlich Flucht aus dem Elternhaus, um der erneuten Zwangsverheiratung und den Morddrohungen des Vaters zu entgehen. Serap Çileli weiß also aus eigener leidvoller Erfahrung, worum es geht, wenn junge türkische Frauen, aber auch andere muslimische Migrantinnen sich hilfesuchend an sie wenden.

1998 ergreift sie die Initiative zur Gründung des Vereins „peri“ (die gute Fee). „Die hauptsächliche Zielgruppe der Arbeit von Serap Çileli waren und sind hier lebende Türkinnen, die unter den Folgen patriarchalischen Rollenverständnisses und traditioneller Gesellschaftsstrukturen sowie deren Auswirkungen (z.B. Zwangsverheiratung, Demütigungen und Gewalterfahrungen in und außerhalb der eigenen Familie) litten und bei ihr aktive Hilfe suchten und fanden.“

„Wichtiger Schritt“

Ich wurde auf Serap Çileli aufmerksam, als sie den von mir entwickelten und von den Medien als „Muslim-Test“ disqualifizierten Gesprächsleitfaden für die baden-württembergischen Einbürgerungsbehörden in der Pforzheimer Zeitung vom 11. Januar 2006 mit folgenden Worten kommentierte: „Ich halte den Gesprächsleitfaden für einen wichtigen Schritt dahin, dass in Deutschland endlich eine Integrationspolitik betrieben wird, mit der man schon vor 50 Jahren hätte beginnen sollen.“ Seitdem ist unser Kontakt nie abgerissen.

Mit besonderer Freude und Genugtuung habe ich die verschiedenen Ehrungen zur Kenntnis genommen, die ihr im Laufe der Zeit zuteil wurden. Die jüngste Auszeichnung für sie und peri e.V. erfolgte im Juni 2019 durch Zonta International. Dabei handelt es sich um einen internationalen Service Club berufstätiger Frauen in verantwortungsvollen Positionen, die sich dafür einsetzen, die Lebenssituation von Frauen in rechtlicher, politischer, wirtschaftlicher, beruflicher und gesundheitlicher Hinsicht zu verbessern (Wikipedia).

Im Zuge der Verleihung des „Centennial Anniversary Award for Excellent Person/Organization“ wurden Serap Çileli und peri e.V. zu der „‘65th Zonta International Convention‘ in Chicago, USA, vom 4. Juli bis 8. Juli 2020 eingeladen, um den Verein ‘peri e.V. Verein für Menschenrechte und Integration‘, seine Aufgaben, Projekte und Ziele vorzustellen und ihn mit den international tätigen NGOs (Regierungsunabhängige Organisationen) zusammenzuführen.“

Für meine persönliche Gratulation bedankte sich Frau Çileli mit den Worten „Danke für die Worte der Unterstützung und Ermutigung, es gibt mir Kraft und Hoffnung weiterzumachen.“

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Leserpost

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Hans-Peter Dollhopf / 22.07.2019

“Ich halte den Gesprächsleitfaden für einen wichtigen Schritt dahin, dass in Deutschland endlich eine Integrationspolitik betrieben wird, mit der man schon vor 50 Jahren hätte beginnen sollen.” Aber Deutschland ging und geht, betreut von falschen Ratgebern wie dem “Gewalt der Ehre”-Autor Werner Schiffauer, den Weg der Integration islamischer Werte. Schiffauers Arbeit bildete die theoretische Grundlage der verkehrten Integrationspolitik und führte schließlich auch zum indirekten Schulterschluss des ZdJ mit der Muslimbruderschaft und damit zur Denunziation zivilisatorischer Ansprüche Biodeutschlands, denn ja, auch der türkische Präsident Erdogan und seine Partei AKP sind Anhänger der Muslimbruderschaft. Und deren Fangemeinde in Deutschland steht laut demoskopischer Umfragen Gewehr bei Fuß. Auch nachdem die Türkei einseitig die Allianz mit Israel gekündigt hat, entsteht einfach keine natürliche Allianz zwischen Deutschen und Juden. Im Gegenteil, es wurde der Analytiker Sarrazin auf einem jüdischen Top-10-Scheiterhaufen verbrannt und Chaim Noll auf einem von der Friedrich-Ebert-Stiftung. Ist das noch zu fassen? Und kommt jetzt gleich der Rolf Menzen aus seinem Loch gekrochen und will mich auch anzünden?

Frank Holdergrün / 22.07.2019

Vielen Dank für diese Information, ich kannte Serap Çileli nicht. Leider ist sie wie Sabatina James nur ein Einzelfall, nicht in der Lage, die verstockten Herzen der Deutschen so aufzuwecken, wie es notwendig wäre. Viel zu viele schauen in diesem Zusammenhang weg, sie hören nichts und wollen schon gar nichts wissen. Wenn man das Thema anschneidet, ist man Nazi, ein unerträglicher Zustand. Das religiöse Wissen der Mehrheit in unserem Land wird durch die multibunte Erziehungskultur verhüllt. Mädchen mit Kopftuch, die boxen, werden deswegen sogar ins Aktuelle Sportstudio eingeladen.

Christian Feider / 22.07.2019

irgendwie schon “lustig”,waehrend unsere Hormongetriebenen Emanzen sich die Büstenhalter verbrannten,weil Sie einengten, wurde jahrelang das für Alle “Geschlechtsgenossinnen” sichtbare ignoriert…. irgendwann schlägt Verweigerung eben zurück und heute haben wir verwöhnte junge “Pashas”,die über die Fussgängerzonen wandeln,als waere HIER die Türkei. ich spreche das aus,weil ich aus erster Hand seit den 80ern in Migrantenvierteln der deutschen Grosstädte,sowie später in Ländern des nahen und mittleren Ostens gearbeitet habe… TUT DOCH NICHT SO,als waere das alles eine Überraschung! es gab in den 80ern noch Tatorte,da wurde klar über Ehrenmorde berichtet :) heute waere das antiislamischer “Rassismus”,diesen einfach Fakt nur an zu sprechen und wer nach GB und S blickt,bekommt das kalte Grausen

Nico Schmidt / 22.07.2019

Sehr geehrter Herr Grell, lesen Sie eigentlich die WELT oder MTV? Da wird gerade in diesem Augenblick gelobt, dass die meisten Migranten ein enormes Demokratieverständnis mitbringen oder das acht von zehn Migranten Arbeit haben. Die Erfolgsmeldungen reißen nicht ab, da will ich doch kein Spielverderber sein. MFG Nico Schmidt

Dragan Isakovic / 22.07.2019

Jeder Muslim und alle Deutschen mit Migrationshintergrund und Kontakt zu Ethnien, welche mit dem Islam in engeren Kontakt stehen/standen, wissen, wie es um die Frauenrechte in islamischen Ländern steht. Ein Zustand, der war schon vor 100 Jahren so, der war vor 50 Jahren so, der ist heute noch so. Die islamisch-patriarchalischen Strukturen sind nicht nur intakt, sie breiten sich seit den 80/90er Jahren sogar wieder aus. Es ist begrüßenswert, wenn sich Serap Çileli darum bemüht, eine liberalere Kultur zu schaffen und in Deutschland dazu auch Bücher veröffentlicht, aufzuklären versucht. Dazu ist unglaublich viel Kraft nötig, die Bedrohung ist eine Konkrete, der Bruch mit der Familie usw. Was ich nicht verstehe, sind die Deutschen und ihre politischen Eliten, die so tun, als sei die Welt ganz anders und die Frauen in Deutschland ohne Not der vom islamischen und/oder dem tribalistischen Patriarchat ausgehenden Gewalt ausliefern. Die Opfer sind wohl völlig egal. Da ist überhaupt kein Sinn erkennbar, wenn sich führende Politiker mit fundamentalistischen oder orthodoxen Islamverbänden besprechen, keine analytische Intelligenz, ja nicht mal einfachstes Wissen, welches zu erlangen das Lesen eines Buches oder eine Individualreise in die entsprechenden Staaten ausreichte. Und alle, auch die meisten Bürger, tun so, als sei die offizielle Berichterstattung wahr und das Verhalten von Menschen hätte nichts mit ihrer Kultur und ihrer Religion zu tun. Rational ist das schon lange nicht mehr zu verstehen.

Emmanuel Precht / 22.07.2019

Es ist schon eine seltsame Kultur, wenn die Ehre der Männer zwischen im Schritt der Frauen sitzt. Wohlan…

Rainer Niersberger / 22.07.2019

Meine Anerkennung. Möge ihr Erfolg und eigenes Wohlergehen beschieden sein, schreibt ein „ alter weißer Mann“, und er dürfte damit nicht der einzige sein. Wenig bis keine Unterstützung dürfte sie hingegen von ihren „weißen“ Geschlechtsgenossinnen, zumindest den pseudoelitären Links/ Grünen, erfahren. Die „ gendern „ lieber und retten die Welt, vor allem aber die „ edlen Wilden“.

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