Da ich auch zu den lebensälteren Mitbürgern gehöre, interessiere ich mich für eine Aktion, die sich ein paar Wohlmeinende für uns Senioren ausgedacht haben. Überall in Deutschland gibt es jetzt Kurse, in denen ältere Menschen den Umgang mit Fahrkartenautomaten lernen. Ich weiß nicht, ob es nach erfolgreichem Kursabschluss das Fahrkartenautomatenabitur gibt. Oder einen Doktor fahr.? Aber ich meine, die Automaten und die Senioren hätten eine solche Würdigung verdient.
Schließlich gibt es nichts Unergründlicheres als einen deutschen Fahrkartenautomaten. Auch ich stehe meistens ratlos davor, hin- und hergerissen zwischen der Fülle bunter Fahrzonen, Zielvarianten und all den Einmal-, Mehrfach-, Monats-, Studenten-, Hartz-Vier-, Migrationshintergrund- und Kleinkind-unter-zwanzig-Pfund-Karten. Und dann sag ich mir: Hätte ich bloß wieder das Auto genommen. Zum Glück meldet sich gelegentlich ein kundiger Helfer mit Rat und Tat zur Stelle. Da freue ich mich und frage mich: Macht der das als Hobby? Ist er ehrenamtlich tätig? Handelt es sich vielleicht um eine 400-Euro-Kraft? Ist er beleidigt, wenn ich ihm ein Trinkgeld gebe?
Wie auch immer: Der Fahrkartenschalter ist eine Problemzone. Zur Lösung des Problems gibt es meines Erachtens zwei Wege. Der eine ist das erwähnte Fahrkartenschalterabitur für Alte und andere, die ratlos vor den Geräten stehen. Der andere Weg wäre der, die Fahrkartentarife so einfach zu gestalten, dass sich auch schlichte Menschen in der zweiten Lebenshälfte wie ich trauen, eine Karte zu ziehen, ohne fürchten zu müssen, dann im Zug wegen falscher Kalkulation, und damit wegen Schwarzfahrens verhaftet und zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt zu werden.
Bei diesem zweiten Weg handelt es sich natürlich um reine Theorie. Jedermann weiß, dass es dem deutschen Wesen und ganz besonders dem deutschen Behördenwesen schlechterdings unmöglich ist, auch nur irgend etwas simpel zu gestalten und allgemeinverständlich darzustellen. Deutsch sein heißt nun mal kompliziert sein. Wir können alles, außer einfach.
Darum will ich nichts Unmögliches verlangen und brav mein Fahrkartenschalterabitur machen. Vielleicht berechtigt es mich ja zum Belegen weiterführender Kurse. Ich würde zum Beispiel gerne auch ein Studium des Einkommenssteuerformularausfüllens wagen, auch wenn mein Steuerberater meint, daran seien schon Jüngere und Bessere gescheitert. Aber ich kann ja nicht auf Kirchhofs undeutsch einfache Bierdeckelsteuer warten. Da könnte ich ja genauso gut auf einen Fahrkartenschalter warten, den ich verstehen kann.