Peter Bereit, Gastautor / 16.08.2016 / 08:27 / Foto: Tim Maxeiner / 14 / Seite ausdrucken

Wir geben gern!

Von Peter Bereit.

Es sind nicht immer die großen politischen Probleme, die uns bewegen, sondern auch und oft die kleinen Dinge des Alltags. Einige dieser „kleinen Dinge“ können jedoch ein bezeichnendes Licht auf ein Land und seine Politik werfen. So auch jenes, über welches ich mir eine kurze Geschichte nicht ersparen mag.

Die Erkenntnis, dass sich in Deutschland im Verlaufe der Jahrzehnte eine regelrechte Sozialindustrie entwickelt hat, ist wahrlich nicht neu. Einerseits ist es beruhigend zu wissen, dass die sozial Schwächsten an die Hand genommen werden, um ihnen ein menschenwürdiges Dasein zu ermöglichen, andererseits drängt sich immer mehr die Frage auf, wer die unzähligen Milliarden, die dazu nötig sind, eigentlich herbeischaffen soll.

Um einen kleinen uneigennützigen Beitrag für die Bedürftigen dieser Stadt zu leisten, hatte ich mich entschlossen, eine nicht mehr benötigte Doppel-Schlafcouch dem gemeinnützigen Verband HILFE mit HERZ e.V. in Berlin anzubieten. Nach Erhalt eines Digitalfotos stimmte man zu, sich das Möbel anzusehen und hiernach über eine Mitnahme zu entscheiden.

Nun hatte ich angesichts des Zustandes der Couch keine Bedenken, dass hier etwas schiefgehen könnte. Das Teil war kaum benutzt, unbeschädigt und entstammte einem gepflegten Haushalt ohne Rauch, Tiere und Vandalen. Doch weit gefehlt. Der anreisende Mitarbeiter von HELFEN MIT HERZ warf einen Blick auf das Möbelstück und stellte eine Eindellung an der Schaumpolsterung fest, die ich selbst noch nie bemerkt hatte. “Die können wir nicht mitnehmen. Die können wir keinem anbieten.“ 

Ich war sprachlos. Hatte dieser Vertreter eines gemeinnützigen Vereins tatsächlich gerade gesagt, „die können wir niemandem anbieten“? Ich erinnerte mich an das Internet-Portal von HELFEN MIT HERZ und die darin ausgewiesenen Zielgruppen. Sozial Schwache, anderweitig Bedürftige, Zuwanderer, Flüchtlinge. Hatte ich etwas übersehen und suchte man dort lediglich Spender, die einen Scheck für nagelneue Möbel ausstellen? Meine Mutter pflegte immer zu sagen: „Einem geschenkten Gaul guckt man nicht ins Maul.“ Lang ist das her, und es ging ja auch nicht um einen alten nicht mehr reitfähigen Klepper, sondern um ein Schlafmöbel, das noch viele Jahre hätte gute Dienste leisten können

Wenn es schon keine einheimischen Bedürftigen gab, denen man meine Couch zumuten wollte, weshalb war es dann aber unschicklich oder gar unmöglich, sie  einem erschöpften und mittellosen Flüchtling aus dem Irak, Afghanistan, Pakistan oder Zentralafrika anzubieten?

Dem Mitarbeiter war kein Vorwurf zu machen. Es schien ihm geradezu peinlich zu sein, die Mitnahme abzulehnen und so fiel der Satz: „Deutschland ist noch nicht arm genug, ich kann leider nichts machen.“ Sprach´s und machte sich wieder von Dannen. Zum Glück war ich extra einen ganzen Tag zu Hause geblieben, da sich der Verein von 09.00 Uhr – 15.00 Uhr angekündigt hatte und schlappe 15 Minuten vor Ablauf des Ultimatums endlich eintraf.

Irgendwie verstand ich die Welt nicht mehr. Hatten wir in Deutschland wirklich eine Million Flüchtlinge aufgenommen und waren die bereits so weit, dass sie sich mit Gebrauchtwaren nicht mehr zufriedengaben? Ich glaube das nicht. Die anfänglich erwähnte Sozialindustrie ist es, die ein beispielloses Anspruchsdenken entwickelt hat und selbiges verantwortungslos auf die Neuankömmlinge überträgt. Man ist es gewöhnt, dass die leergeschleckten Töpfe sofort wieder aufgefüllt werden, ohne dass jemand danach fragt, wer die Mittel hierfür aufbringen mudd.

Es ist keineswegs zynisch, wenn ich danach frage, ob einige der Flüchtlinge überhaupt wissen, was eine Couch ist? Wo oder worauf haben sie vielleicht im Heimatland gelegen? In Kabul oder anderswo wären vermutlich Straßenkämpfe ausgebrochen, hätte ich das Teil auf die Straße gestellt und als Geschenk deklariert.

Ohne jede Überlegung werden in diesem Lande nicht nur die Wertvorstellungen der Deutschen ruiniert, sondern die der Hinzukommenden bereits im Ansatz. Nichts hat hier einen Wert. Alles ist im Überfluss vorhanden, dessen Quelle nie versiegt. So die Annahme derer, die öffentliche Gelder in kollektiver Verantwortungslosigkeit zum Fenster hinauswerfen.

Meine Spendenbereitschaft wird sich künftig in Grenzen halten. Vielleicht melde ich mich noch einmal bei HELFEN MIT HERZ, aber bestimmt erst dann, wenn ich eine MIELE Waschmaschine oder einen Anzug von GUCCI, natürlich ungebraucht und ungetragen, zu verschenken habe.

Bis dahin können einheimische Bedürftige und Flüchtlinge sicher sein, dass ihnen eine Couch mit kleiner Eindellung nicht zugemutet wird. Wäre ja auch unmenschlich und mit den Wertvorstellungen einer pervertierten Sozialindustrie nicht vereinbar.

Foto: Tim Maxeiner

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Victor Laslo / 17.08.2016

Nun , ich hatte einen Wohnzimmerschrank in Altdeutsc ( Eiche) und eine Couchgarnitur massive Eiche, ehemals 9000 DM vor Jahren angeboten. So gut wie keine Gebrauchsspuren. Wir riefen auch so eine caritative Einrichtung an. Es bestand kein Interesse. Wir waren sprachlos…...mit Spenden, außer für Tiere sind wir durch.

Klaus Klinner / 17.08.2016

Ich kann dies gut nachvollziehen, auch und vor allem die Rolle der “vedienenden Sozialindustrie” in dieser Konstellation ist zu beleuchten. Ein anderes Beispiel: Wir haben auf unserem Grundstück viele alte, gut tragende Obstbäume, reiner “Bioanbau”. Da die Kinder aus dem Haus sind haben wir naturgemäß jährlich zentnerweise Obst über. Mehrfach habe ich den regionalen “Tafeln” angeboten ihren Kunden den Vorschlag zu machen das Obst selbst und kostenfrei zu ernten. Die Antwort: “Nein, das machen wir nicht und unsere Berechtigten wollen dies auch nicht”. Ich könne ja das Obst ernten, bei der Tafel abgeben und man würde es - ‘gnädigerweise’ - weiterverteilen. So erhält man sich natürlich auch Abhängigkeiten und kann sich edel fühlen, wenn man die Bedürftigen versorgt. Ähnlich ist die Situation bei der Integration. Ich bin mir sicher, dass eine geglückte Integration immer ein aktiver Prozess des Ankommenden und nicht Ergebnis einer passiv empfangenen Leistung durch die Sozialindustrie sein muss. Aber wo kämen wir denn hin, wenn sich die Migranten plötzlich selbst kümmern würden.

JF Lupus / 17.08.2016

Als meine Mutter verstarb hatte ich einen Haushalt auf zu lösen, dessen Möbel wegen der exorbitanten mütterlichen Pflege durchweg als neuwertig gelten konnten, auch, wenn sie teilweise schon viele Jahre alt waren. Keiner (!) dieser “sozialen” Hilfevereine wollte diese Möbel haben. Auskunft stets: die Bedürftigen haben Anspruch auf neue Möbel. (Natürlich von den Steuergelder, die Leute wie Sie und ich aufbringen). Ich musste schließlich noch einen “Entrümpler” bezahlen. Ich ärgere mich inzwischen über jeden Steuercent, den ich zahlen muss - 99 von 100 Cent werden vergeudet und verschleudert.

Heinz Hirse / 16.08.2016

Ich wollte mal gut erhaltene Bücher an die lokale Stadtbücherei verschenken. Kein Interesse. Ich habe sie dann im Altpapier entsorgt. Bei Kleiderspenden werden manchmal gut erhaltene Sachen zu Putzlappen verarbeitet (habe ich selber erlebt). Alles nix mehr wert. Die dekadente Wohlstandsgesellschaft schafft sich ab. Leider werde ich davon auch selber betroffen sein, aber hoffentlich schaffen es meine Kinder noch rechtzeitig, sich ins Ausland abzusetzen.

Caroline Neufert / 16.08.2016

mir ist was ganz ähnliches passiert - hatte mich entschlossen, einen MUF (minderjähriger unbegleiteter Flüchtling) aufzunehmen, um ihm so schnell wie möglich eine Existenz (Ausbildung, Studium) aufzubauen. Die Formalitäten unglaublich - ich musste detailliert nachweisen, dass ich keine Krankheiten habe, nicht der Flüchtling (nebenbei wurde mir von Sozialarbeitern erzählt, was alles für Krankheiten in den Heimen auftreten, was nicht in die Öffentlichkeit kommt) und dann, nach einem dreiviertel Jahr wurde mir mitgeteilt, dass es keinen Jugendlichen gibt, der “freiwillig” in Familien wohnen möchte, sie wollen lieber im Heim bleiben, nur ein des Schreibens und Lesens unkundiger Afghane hatte zaghaftes Interesse geäußert, was sich dann im Gespräch mit Übersetzer und diversen Sozialarbeitern auf lockeren Besuch zum “gemeinsamen Kochen” beschränkte ... Unglaublich, Stories über Flüchtlinge und Sozialarbeiter kann man da erzählen ...

Jacke Berger / 16.08.2016

Herr Bereits, sind Sie aber unverschämt! Wie können Sie überhaupt wagen einen eingedellten, alten Couch den Flüchtlingen anzubieten!? Probieren Sie das nächste mal auch nicht wenn Sie Miele oder Gucci verschenken wollen! Melden Sie sich erst bei Helfer Mit Herz wenn Sie Ihr Haus oder ihren BMW verschenken möchten. Aber bitte nicht älter, als 4 Jahre! Sie haben wohl von richtigen WILLKOMMENSKULTUR nichts verstanden!

Kai Walter / 16.08.2016

Tut mir leid, aber an den Vereinen liegt das am allerwenigsten. Ich hab mal in Österreich für so einen Verein im “Transport” gearbeitet, will heißen , wir haben verwertbare Möbel geholt und geliefert. Das Anspruchsdenken der Kunden aus fremden Landen mag man nicht glauben.  Verstehen Sie bitte die Vereinsmitarbeiter, man würde sich nur das Lager vollstellen und so ein Stück schließlich doch entsorgen müssen. Oft genug erlebt.

thom baranowsky / 16.08.2016

sozialindustrie? money for nothing! der artikel steht exemplarisch für die gesamtheit der sozialindustrie und ihres überlebensmottos: money for nothing, und much more money for less than nothing! seit jahren wohne ich am mehringplatz in kreuzberg und musste mit ansehen wie man über 9 millionen an die sozialindustrie aka vetternwirtschaft verpulvert hat. in dieser zeit hat sich hier nichts verbessert aber alles verschlechtert. ethnisch/religiöse gruppen wurden dermaßen gepampert, das man sich als deutscher inzwischen hier anhören muss, man solle sich hier verpi..en, der mehringplatz gehöre den moslems! die sozialindustrie ist finanzieller selbstzweck der sozialvereine, hat die aufgabe den hier lebenden ethnien ein durch nichts gerechtfertigtes übersteigertes selbstbewusstein und anspruchsdenken einzuimpfen und nach dem alten aber wirksamen motto “teile und herrsche” die verschiedenen gruppen gegeneinander aufzuhetzen. letztes beispiel der links-grünen bezirkspolitiker: im innenhof eines hochhauskomplexes mit mehreren hundert anwohnern wurde bis spät in der nacht vom quartiersmanagment und anderen sozialindustriellen ein lautstarkes fastenbrechenfest bis tief in die nacht gefeiert. die nicht muslimischen anwohner durften houllebeq´s unterwerfung 1 zu 1 erleben. vermuteterweise dürfte die anzahl der afd-wähler in dieser nacht deutlich angewachsen sein. weiters kann sich unsere unfähige politik mit der standardausrede quartiersmangament doch rühmen etwas schminke auf das hässliche gesicht der marktkonformen demokratie und der marktinteressen (alle migranten sind auch verbraucher / konsumenten!) aufgetragen zu haben. da wäre doch so eine kostenlose couch, so ein kostenloser kleiderschrank oder kostenlose deutschkurse genau so kontraproduktiv wie gezielte einwanderung von menschen die wir hier auch brauchen können, oder massenhafter günstiger wohnraum. so wird mit ungezielter masseneinwanderung noch mehr druck auf die unteren sozialen schichten ausgeübt, die sich wegen arbeitsplätzen, günstigem wohnraum und anderen sozialen errungenschaften bald gegenseitig die gurgel durchschneiden werden. der merkelsche satz: wir schaffen das! müsste eigentlich heissen: die sozial abgehängten verkraften auch noch das! wenn die gudste sich da mal nicht täuscht!  

Jeddediah M Schmitz / 16.08.2016

Menschen mit wenig Geld, die sich über so eine Couch freuen, gibt es viele. Ich mache das aber nur noch über Bekanntschaftskontakte. Vereine mit putzigen Namen, wie der von Ihnen beschriebene, scheinen eher dem angenehmen Freizeitvertreib von Damen der gehobenen Schicht zu dienen. Da müssen schon angesagte Opfer her, abgestürzte Alkoholiker und dergleichen kommen da natürlich nicht infrage, igitt.  Caritas und ähnlichen gebe ich auch nichts mehr, seit mir klargeworden ist, was für eine gigantische Industrie auf Kosten der Bevölkerung das ist.

Jens Richter / 16.08.2016

Ja, wir haben genau das erlebt. 1996, Hannover. Bevor wir nach England emigrierten, wollten wir unser gesamtes Mobiliar an die Armen und Bedürftigen verschenken. Es lief genauso ab wie im Artikel beschrieben. Wir mussten schon aus Zeitgründen alles auf unsere Kosten entsorgen lassen. Nie wieder. Alles wird entweder verkauft, bzw. “fast” verschenkt oder gegen Abholung an Second Hand-Läden richtig verschenkt. Wirklich Arme gibt’s wohl nur noch im Märchen.

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