Rainer Bonhorst / 07.12.2013 / 22:18 / 2 / Seite ausdrucken

Wir Ex-Exportweltmeister

Deutschland macht sich als Exportweltmeister (nach China) immer mehr Feinde. Das kann so nicht weiter gehen. Aber wie kann man den extremen deutschen Außenhandelsüberschuss abbauen?

Weiter an den Symptomen herumzudoktern bringt nichts. Will man das Übel an der Wurzel packen, gibt es nur eines: Wir müssen uns endlich dazu durchringen, deutlich schlechtere Produkte auf den Weltmarkt zu werfen. „Made in Germany“ muss wieder das werden, was es in den Geburtsjahren dieses Begriffs war: ein Symbol für billige Ramschware. Erreichen die deutschen Hersteller dieses Ziel, werden sie über kurz oder lang nicht mehr dem Vorwurf ausgesetzt sein, mit extremen Exportüberschüssen die Weltwirtschaft zu gefährden.

Wie erreicht man dieses Ziel? Machen wir es den Briten nach. Die waren im 19. Jahrhundert Marktführer und Exportweltmeister. Das „Made in Germany“ wurde damals eingeführt, um die hochwertigen englischen Industrieprodukte vor den windigen deutschen Imitaten durch Kennzeichnung zu schützen. Trotzdem ist es England gelungen, sich von dieser problematischen Position nahezu komplett zu verabschieden.

Die Briten haben dies in einer Doppelstrategie erreicht. Sie haben einerseits konsequent die Qualität ihrer Industrieprodukte reduziert. Und gleichzeitig haben sie die Philosophie ihrer Nationalökonomen in die Tat umgesetzt. Diese lautet: Westliche Hochlohnländer haben mit Industrieprodukten gegen den billigen Rest der Welt keine Chance. Die Zukunft gehört dem Dienstleistungssektor. Folglich hat man das Geldverdienen weitgehend den Finanzexperten der Londoner City überlassen. Die London Boys schreiten seither Seit’ an Seit’, und mit ihnen zieht die neue Zeit.

Deutschland hat es bisher versäumt, diesen Weg der Entindustrialisierung zu gehen und sieht sich folgerichtig dem Vorwurf der unkameradschaftlichen Exporttreiberei ausgesetzt. Der Hang deutscher Ingenieure zum Perfektionismus ist nur schwer zu unterdrücken. Und der diplomatische Wert, der darin besteht, der Welt schlechte Produkte zu liefern, ist dem deutschen Ingenieur einfach nicht zu vermitteln. Er sieht sich bestätigt, wenn seine Produkte nachgefragt werden und übersieht völlig die negative politische und gesamtökonomische Wirkung seiner Qualitätsbesessenheit.

Und das in einer Zeit, in der die Umsätze auf dem Finanzsektor die der Industrie weltweit ohnehin um ein Vielfaches übertreffen. Das moderne Wirtschaftsleben stellt uns längst vor die Frage, warum man sich überhaupt noch mit der Herstellung von Geräten herumschlägt, wo man seine Energien doch viel lukrativer in Schattenbanken ausleben kann. Früher oder später werden wir allein aus Rentabilitätsgründen jegliche Produktion einstellen und ausschließlich vom Geldkreislauf leben müssen.

Noch verweigern wir uns diesem Idealziel. Ja selbst vom Zwischenziel, schlechte und unverkäufliche Produkte herzustellen, will man hierzulande noch nichts wissen. Deutschland ist dabei, den Anschluss an eine Zukunft zu verlieren, in der jeder an der Börse reich wird und sich nichts dafür kaufen kann.   

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Leserpost

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Stefan Wehmeier / 10.12.2013

We’re a ship without a storm, the cold without the warm Light inside the darkness that it needs We’re a laugh without a tear, the hope without the fear We are coming – HOME! DIO (The Last In Line) Das “Licht in der Dunkelheit” ist das deutsche Volk in der “Europäischen Währungsunion”, über deren Sinn und Unsinn schon viel geschrieben wurde, aber noch nichts über den eigentlichen Zweck, den sie zu erfüllen hat, bevor sie demnächst wieder aufgelöst wird: der Bundesrepublik Deutschland die echte Soziale Marktwirtschaft ermöglichen! Die Eigendynamik der Entwicklung wird erkennbar, wenn man die grundlegendste zwischenmenschliche Beziehung, das Geld, versteht. Das heutige, gänzlich unreflektiert aus der Antike übernommene und seit jeher fehlerhafte Geld (Zinsgeld mit parasitärer Wertaufbewahrungsfunktion) führt zu einer zwangsläufigen Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz, sowohl innerhalb der Nationalstaaten als auch zwischen den Staaten. Mit dem Ersatz der vorherigen Landeswährungen durch den Euro und damit auch der Eliminierung freier Wechselkurse wurde die Zinsumverteilung zwischen den europäischen Staaten soweit erhöht, dass die wirtschaftlich schwächsten in die Zinssklaverei und an den Rand des Staatsbankrotts getrieben wurden, während vor allem die deutsche Volkswirtschaft davon profitierte. Die unbewussten und eigentlich irrationalen Handlungen der europäischen Politiker, die zu dieser Situation geführt haben, erweisen sich im Nachhinein als überaus vorteilhaft für die schnellstmögliche Durchsetzung der Globalen Sozialen Marktwirtschaft, die allerdings nicht mehr von der “hohen Politik”, sondern vom arbeitenden Volk initiiert wird. Sobald die globale Liquiditätsfalle evident wird (voraussichtlich im Frühjahr 2014), werden überall auf der Welt immer mehr Geldersparnisse aus der langfristigen Anlage abgezogen und sowohl auf Girokonten als auch in Bargeld liquide gehalten, während ein Teil dieser internationalen Ersparnisse zum letzten “sicheren Hafen” fließt, d. h. nach Deutschland. Die deutsche Volkswirtschaft wird sich also noch für eine gewisse Zeit über Wasser halten können, während im Rest der Welt immer mehr Massenentlassungen zu fortschreitendem Zerfall der öffentlichen Ordnung führen und in einigen Ländern bereits “The Mob Rules”. Nicht die Vernunft, sondern Angst – in der es zumindest in Deutschland noch möglich ist, den eigenen Kopf etwas anzustrengen statt fremde Köpfe einzuschlagen – wird die Masse des deutschen Volkes zu der einen Erkenntnis bringen: Wenn auch bei uns das Geld nicht mehr umläuft, verlieren wir alles, also brauchen wir eine konstruktive Geldumlaufsicherung! Alles Weitere ergibt sich von selbst:

Holger Chavez / 08.12.2013

Wenn es im Gegenzug für deutsche Produkte vorläufig nichts zu kaufen gibt - warum kaufen die Deutschen, warum kauft die Bundesbank nicht so lange Gold ? Effekt:  Die Handelsbilanz ist weniger schwarz Gold, auch wenn es im Preis schwankt,  ist sicher wertbeständiger als eine unerfüllbare Forderung an z.B.Griechenland. Es ist auch wertbeständiger, als eine importierte Weintraube oder ein importierter Renault. Nach herrschender Lesart ist Gold ein Rohstoff. Wenn wir diesen Rohstoff im Gegenzug für Werkzeugmaschinen und Daimler einführen, kann doch niemand etwas dagegen haben. Anstatt imer höhere, “unfaire” Kredite an das Ausland zu vergeben. Die Fragen über einen Austritt aus dem Euro können wir uns dann schenken.

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