Peter Grimm / 06.06.2016 / 12:30 / 9 / Seite ausdrucken

“Wir beanspruchen Deutschland für uns”

Was will ein Mann mit Migrationshintergrund mit folgendem Tweet erreichen? “Wir sind hier, werden immer mehr und beanspruchen Deutschland für uns. Ob du willst oder nicht.” Diese Worte wirken doch wie gemacht für das Schüren von Ängsten vor der Zuwanderung und eignen sich mithin bestens für rechte Propaganda. Hat der Autor hier aus Naivität eine solche Steilvorlage geliefert? Kaum zu glauben, denn dort steht als Urheber der Name Hasnain Kazim. Als Spiegel-Korrespondent in der Türkei machte er kürzlich erst ehrenhafte Schlagzeilen, weil ihm das Erdogan-Regime wegen seiner kritischen Berichterstattung die Verlängerung der Akkreditierung verweigerte, woraufhin er die Türkei verlassen musste.

Der gebürtige Oldenburger hat indisch-pakistanische Eltern und ist ein versierter Journalist, auch Träger einiger Journalistenpreise. Man kann davon ausgehen, dass Kazim weiß, was er schreibt. Und dieser Mann soll wirklich eine solch dumme Aussage in die Welt geschickt haben? Im Netz kursieren Bilder dieses Tweets, oft mit nicht gerade kuscheligen Kommentaren versehen. Kann es vielleicht sein, dass diese Provokation Kazim einfach untergeschoben wurde, um Stimmung zu machen?

Eigentlich erwarte ich, dass das so ist. Ein Journalist, der in der Türkei Erdogan die Stirn bietet, kann doch daheim nicht so engstirnig und verbohrt sein, um mit solchen Sprüchen zu provozieren und die Polarisierung zu schüren. Und dass er, selbst doch eigentlich Deutscher, von der Verdrängung der Autochthonen träumt, mag ich nicht glauben. Also schaue ich mir Kazims Twitter-Seite an. Und siehe da: Das obige Zitat kann ich nicht entdecken, nur wieder als Foto in Tweets von anderen. Gelöscht haben soll Kazim dieses Gezwitscher, schreiben sie. Er selbst kommentiert das nicht.

Gut, wenn jemand einen blöden Spruch wieder zurücknimmt, will ich nicht nachtragend sein. Ich hätte ja nur gern gewusst, ob der nun wirklich von ihm war. Indirekt beantwortet Kazim die Frage leider dann doch mit diesem Tweet: “AfD-Vize Gauland sagt: ‘Heute sind wir tolerant, morgen fremd im eigenen Land. "Meine Antwort: Gewöhn dich dran, Alter!”

Die Hardliner in der AfD sollten sich für solche Kampfansagen öfter mal bedanken. Oder haben sie sich an die unfreiwillige Wahlkampfhilfe dieser Art mittlerweile schon gewöhnt? Interessant ist ja außerdem, dass sich die überregionalen Medien zwar beinahe in Echtzeit an jeder kleinen Äußerung von AfD-Granden zu Problemen der Zuwanderung oder zum Islam abarbeiten, während sich an den antisemitischen Auslassungen eines Wolfgang Gedeon, AfD-Abgeordneter in Baden-Württemberg, wochenlang kaum ein deutscher Journalist gestört hat. (Siehe hier vor mehr als fünf Wochen). Andere Medien haben sich dieser Geschichte gerade jetzt erst verhalten angenommen.

Zuerst erschienen auf Peter Grimms Blog Sichtplatz hier.

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Leserpost (9)
Roland Schmiermund / 07.06.2016

Es gibt keinen Wahrheitsmangel an Alexander Gaulands Äußerung, nur ignorante Personen unter den Zuhörern, die den Tatsachen nicht ins Auge blicken wollen oder können. Die missratene Politik der letzten 30 bis 40 Jahre fliegt uns halt langsam um die Ohren. Der Punkt ist sicher nun erreicht, dass die einheimische Bevölkerung diese Extreme nicht mehr dulden wird. Also machen wir uns da keine Hoffnung auf ein “weiter so”. Das wird es nicht mehr geben. Ob es da eine AfD oder eine Pegida gibt, ist hier nicht mehr relevant. Der Zorn in der Bevölkerung ist durch Missstände hervorgerufen wurden, die die Berufspolitik verursachten haben. Der wird sich erst legen, wenn die Missstände beseitigt wurden.

Burkhard Minack / 07.06.2016

Diese Sprüche haben sich meine Kinder bereits Ende der 90er Jahre auf dem Schulhof oder im Berliner Schwimmbad anhören müssen, einhergehend mit Bedrohungen und Belästigungen. Die Versuche sich friedlich zu wehren wurden damals bereits mit der verbalen Nazikeule durch deutsche Bessermenschen sanktioniert. Da half irgendwann nur noch Wegziehen, raus aus der Stadt. Heute dringt Kazims “Erkenntnis” der an Fahrt aufnehmenden Entwicklung langsam aber sicher auch in die letzten gutbürgerlichen Wohlfühlzonen vor. Es ist zu spät und in vielen Gegenden Berlins, Hamburgs (siehe auch http://achgut.com/artikel/ein_hamburg_tipp_fuer_angela_merkels_naechsten_besuch )Duisburgs usw. usf. nicht mehr Fiktion sondern (teils lange schon…) Realität, die wir geduldet, befördert und alimentiert haben. Unsere Konsequenz? Meine erwachsenen Kinder haben eine fundierte Ausbilung und bilden sich sprachlich weiter.

Jörg Haller / 07.06.2016

Die AfD hat schon vor Monaten mit Gedeon gesprochen und ihn verwarnt. Jetzt hat er ein Ausschlussverfahren am Hals. Als Journalist sollte man das zumindest mal recherchiert haben. Was mich nervt ist die Stimmungsmache gegen die AfD und deren angebliche Nationalsozialisierung. Wenn die NPD schreibt morgen ist guten Wetter und dann die Sonne scheint, so ist das Wetter rechtsradikal… Hitler und Goebbels waren keine Rechten. Sie waren Sozialisten und vom Islam begeistert wie unser Mainstream… Vgl.  Bücher von Götz Aly. Gauland hat in vielen Dingen sehr recht. Ab 17 Uhr in Hannover bekommst du bei C&A nur noch ausländische Sprachen zu hören. Gehen Sie mal mit offenen Augen durch unsere Innenstädte…  Und vergleichen Sie mit Gaulands Aussagen. Diese Denke muss zudem geäußert werden. Viele Menschen denken so. Das muss ans Licht und es muss eine Diskussion darüber geben. Mit dieser Art der Einwanderung aus muslimischen Ländern kann es jedenfalls so nicht weiter gehen.

Dirk Ahlbrecht / 06.06.2016

Glauben Sie ernsthaft, lieber Herr Grimm, dass die zukünftige Mehrheit im Lande, die in ihren Herkunftsländern bspw. weder in der Lage ist ohne fremde Hilfe die eigenen Ölvorräte zu fördern noch sonstwie sinnvolle Beiträge zur Menschheitsentwicklung beigetragen hat, diese offenkundige Unterlegenheit nicht mittels Destruktivismus den dann schrumpfenden Bevölkerungsteil des Landes wird spüren lassen? Ist es um ihre Menschenkenntnis wirklich so schlecht bestellt?

Martin Wessner / 06.06.2016

Aus menschlicher Perspektive kann ich Herrn Hasnain Kazim verstehen. Wer sich gewiss des Öfteren von Biodeutschen vor’s Schienenbein treten lassen musste, weil er nicht so aussieht, wie Thorben, Maximilian oder Nils, bei dem staut sich das Bedürfnis auf, Rache zu üben und verbal zurückzubolzen. Nur ist so etwas, wie man so schön sagt, brandgefährlich, da sich jetzt all jene “kritischen Migrantenfreunde”, die schon immer die Paranoia hatten, dass “die Ausländer” mittel- und langfristig Deutschland übernehmen(wollen), nun bestätigt sehen und sagen: “Bitte! Da seht ihr’s ja, wir haben’s doch gewusst!” Und viele der Altbundesbürger, die bis Dato noch wohlwollend, wohlmeinend und arglos waren, werden nach so einem merkwürdigen Bekenntnis anschließend auch anfangen sich vor den Konsequenzen der gegenwärtigen demographischen Entwicklung Deutschlands zu fürchten. Würde indes ein deutscher Einwanderer in Frankreich, in den Niederlanden oder in Großbritannien twittern, dass er diese Länder für sich und andere Mitbürger mit teutonischen Migrationshintergrund beansprucht, er würde garantiert nicht nur ein, tja, ein desinteressiertes Axelzucken, wie aktuell in diesem Fall ernten. Das ist mal gewiss!

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