Manfred Knake, Gastautor / 22.11.2019 / 10:00 / Foto: Wolfgang Roehl / 16 / Seite ausdrucken

Windkraftpleiten: Das Geschachere geht weiter

Von Manfred Knake.

Die angekündigten Entlassungen des Windanlagenherstellers Enercon aus Aurich, der auch in Magdeburg produziert, brachten es an den Tag: Unsere Volksvertreter reagierten erstaunlich schnell und traten eine Lawine aus Solidaritätsbekundungen los. Dadurch wurde wieder einmal deutlich, dass CDU, SPD, Grüne und Linke sich überwiegend als Sprachrohre oder gar Marionetten der Windenergiewirtschaft aufführten. Ausnahmen findet man bei der FDP und der AfD.

Besonders Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Umweltminister Olaf Lies (SPD) ignorieren den Lärmterror der vielen tausend Windkraftanlagen im Land, der den Anlieger das Leben zur Hölle machen kann. Diese sozialen Demokraten, unterstützt von weiten Teilen der regionalen oder lokalen Presse (hier ein Beispiel aus der Emder Zeitung vom 9. Nov. 2019: „Enercon-Entlassungen: Ein bigottes Land“, erklärten, das Land Niedersachsen werde sich nicht an eine Abstandsregelung von 1.000 Metern zur Wohnbebauung halten.

Einen entsprechenden Gesetzentwurf von Bundeswirtschaftsminister Altmaier über eine 1.000-Meter-Abstands-Grenze werde man durch die vorgesehene Öffnungsklausel in Niedersachsen nicht übernehmen. Begründung: Diese 1.000-Meter-Regelung werde kaum noch Raum für weitere Windkraftstandorte lassen, die „Klimaziele“ seien in Gefahr. Für wen also machen diese Landespolitiker eigentlich noch „soziale“ Politik? Der 1.000-Meter-Abstand wird zur magischen Zahl. Sogar der windkraftkritische Verband „Vernunftkraft e.V.“, der tausende in Bürgerinitiativen organisierte Anlieger vertritt, äußerte sich in gebückter Pressemitteilung vom 14. November 2019 so:

" [...] 1.000 m als Mindestmaß vorzugeben, ist ein sehr kleiner Schritt in die richtige Richtung. Sofern diese Maßnahme den Windkraftausbau verlangsamt, mag dies für die Branche und ihre Fürsprecher alarmierend sein. Für die Lebensqualität, für die Vitalität des Wirtschaftsstandorts, die Versorgungssicherheit und vor allem für die Natur in Deutschland wäre dies eine sehr gute Nachricht! [...]"  

Nun geht es mit dem Geschachere weiter

Nein, 1.000 Meter Abstand sind keine gute Nachricht. Durch die Höhe der neuen Windkraftanlagengeneration von weit mehr als 200 Metern sind auch 1.000 Meter Abstand kein wirksamer Schutz vor optischer Bedrängung und vor allem gegen den gesundheitsschädlichen tieffrequenten Dauerschall. In früheren Verlautbarungen war „Vernunftkraft e.V.“ schon wesentlich deutlicher und forderte die Umsetzung der bayerischen Regelung der 10-fachen Höhe (10-H-Regelung) einer Windkraftanlage als Abstand zur Wohnbebauung. Der 1. Vorsitzende des Vereins Vernunftkraft e.V., Nikolai Ziegler, ist höherer Beamter im Bundeswirtschaftsministerium. Bisher hatte Vernunftkraft stets „Abbau statt Aufbau“ gefordert und auf die plan- und wirkungslose „Energiewende“ verwiesen.

Nach den politischen Ankündigungen, „Genehmigungshemmnisse“ abzubauen (sprich Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes) und die Planungen für die Windkraftindustrie zu beschleunigen, geht es nun mit dem Geschachere weiter, ab wie vielen bewohnten Häusern eine Abstandregelung überhaupt gelten soll. Derzeit sollen es fünf Häuser sein. In Ostfriesland mussten bereits durch den Windkraftanlagenbau – immer gegen den heftigen, aber vergeblichen Protest der Anlieger – die „Wohnnutzung aufgegeben werden

Enercons Geschäftsführer Hans-Dieter Kettwig verkündete bei einem Krisentreffen in der Niedersächsischen Staatskanzlei am 13. November 2019 zur geplanten Entlassung von 3.000 Mitarbeitern an den Standorten Aurich und Magdeburg: „Die Messe ist gelesen“. Enercon werde sich auf das Auslandsgeschäft konzentrieren. Jahrelang wurde Enercon von der Politik hofiert, die Firma erhielt Fördergelder zur Ansiedlung der Betriebe in Aurich und Magdeburg und Millionenbeträge für „Pilotprojekte“.

Unübersichtliche Firmenstruktur, auch mit Briefkastenfirmen

Das Geschäftsmodell konnte nur durch die Zwangsabgabe für alle Stromkunden aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz florieren, die den Windkraft-Projektierern satte und garantierte Gewinne lieferte, die Lizenz zum Gelddrucken. Seit 2017 muss sich das Unternehmen noch mehr am Markt behaupten. Seit dem gilt ein kompliziertes Ausschreibungsverfahren, bei dem für immisionsschutzrechtlich genehmigte Windkraftstandorte von den Projektierern Gebote bei der Bundesnetzagentur abgegeben werden müssen. Die günstigsten Anbieter erhalten den Zuschlag. Enercon-Anlagen zählen zum Premium-Segment und sind teuer.

Seit langem ist Enercon in der Kritik wegen des Umgangs mit den Mitarbeitern, von „Angst“, „Druck“ und „Einschüchterungen“ ist die Rede. Enercons verzweigte und unübersichtliche Firmenstruktur, auch mit Briefkastenfirmen, war 2018 Gegenstand einer Recherche des Norddeutschen Rundfunks.

Enercons Gründer und Windkraftpionier Aloys Wobben hat indes mit dem Niedergang seiner Firma nichts mehr zu tun, er lebt seit einigen Jahren in einem Pflegeheim. Seine Firmenanteile wurden an die Aloys-Wobben-Stiftung übertragen. Seine Neffe Simon Wobben zog sich überraschend im Juli 2019 als gleichberechtigter Geschäftsführer aus dem Unternehmen zurück.

 

Manfred Knake betreibt den Blog Wattenrat Ostfrieslandwo die „Wattenpresse“ veröffentlicht wird. Der „Wattenrat“ ist ein lockerer Zusammenschluss verbandsunabhängiger Naturschützer aus der Küstenregion Ostfrieslands, der aus der „Konferenz der Natur- und Umweltschutzverbände“ (gegründet 1979) hervorgegangen ist.                                                             

Foto: Wolfgang Roehl

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Sabine Lotus / 22.11.2019

3000…na Aurich wird sich freuen. Der nächste Ostfriesische Zeitarbeitskahlschlag nach VW Emden. Wer zahlt dort eigentlich noch die massenhaft entstehenden, wohlig doppelt gedämmten Eigenheime ab? Ist noch so viel Erbschaft übrig?

Jörg Themlitz / 22.11.2019

Warum werden die Windräder nicht dort hingestellt, wo die meisten Befürworter wohnen? z. B.: Englische Garten München, Stadtpark Hannover, Nordpark Magdeburg, Tiergarten Berlin,  Die Bewohner dort sind sicherlich sogar mit 100 Metern Abstand einverstanden. Der Erzeuger wäre gleich neben dem Verbraucher. geringe Leitungsverluste, Im Berliner Tiergarten könnten dann Svenja Schulze und Peter Altmaier beim morgendlichen joggen, die geschrederten Vögel einsammeln. Deren Anblick den Touris und Drogendealern nicht zugemutet werden kann. Das wäre eine win, win, win ,win, win, win Situation.

Wilfried Cremer / 22.11.2019

Nach bestehenden Gesetzen müssten all die Funkparteientäter wegen Raub und Unterschlagung in den Knast verfrachtet werden. Ohne Heizung, dafür zwangsberieselt mit den alten Sendungen in Endlosschleife.

U. Unger / 22.11.2019

Bevor die Energiewende stattgefunden hat, das mögliche Aus weiterer hochsubventionierter Technologie. Wie schon bei der Deutschen Solarindustrie verpuffen einige zig Millionen direkter Subventionen. Dazu die Ausbildungskosten von Technikern und Ingenieuren, sowie Forschungsgeldern und Spitzenleistungen an Hochschulen. 2015 war Enercon von Betriebsspionage heimgesucht. An Miarbeitern und Produktqualität, hat es dann mal wieder nicht gelegen. Das Scheitern fällt mal wieder auf Fehleinschätzungen der Politik zurück, die ein von marktwirtschaftlichen Gedanken befreites Biotop mit hohem Aufwand gegen die mitunter diebische Konkurrenz des Auslandes geschmiedet hat. Bin belustigt über die Aussage des Herrn Kettwig. Wie soll das gehen? Auslandsgeschäft bedeutet hohe Transportkosten, die ohne Mengenabsatz im Nahbereich in keiner Form quer subventioniert werden können. Herr Knake, als einer der Minderheit in Ostfriesland, die auch dieses Strohfeuer des Wirtschaftswunders früh erkannt haben, hat recht. Solarindustrie, Windindustrie, demnächst Elektroautos, fast ein halbes Jahrhundert fortgesetzter elementarer Unvernunft. Zusätzlich freuen sich Firmen in den USA und China über kostenlose Ingenieurleistungen. Bravo! Deutschland rettet die Welt! Vorbildlich und nachhaltig. Aber der Stadt Aurich bleibt ja ein schönes Informationszentrum, als Keimzelle für ein weiteres Industriemuseum. Für die aktivsten Grünen und Gewerkschaftler dürften so 30- 80 Arbeitsplätze verbleiben, die die Zeit bis zur Rente überbrücken helfen. Wenn wir nicht bald wieder zur wirtschaftlichen Vernunft der 80ger zurückkehren, droht dem Land die Pleite. Marktführer, Kostenführer, Technologieführer…., the rest is history.

Peter Holschke / 22.11.2019

Wahnsinnsrepublik. Es sollte jedem 10-Jährigen einleuchten, dass diese Branche nicht nachhaltig ist, denn einen unbegrenzten Ausbau kann es nicht geben und schon gar nicht, solange die Dinger schnell gebaut werden, als sie kaputt gehen. Eine solche Unnützindustrie hat naturgemäß eine Halbwertszeit und könnte nur durch eine weltweite Expansion länger am Leben bleiben. Genau das war auch das Problem von Hilters-Wirtschaftspolitik. Aber die anderen hatte einfach die größeren Armeen. Totalitäre Systeme erkennt man einfach an der Tatsache, dass sie das Gegenteil von dem machen, was sie propagieren. Windkraft soll dem Umweltschutz dienen? Dazu werden Wälder angeholzt, Vögel und Insekten geraspelt und die Umwelt verschandelt? Alles klar.

Claudius Pappe / 22.11.2019

Um läppischen 3000 Arbeitnehmer in der Windindustrie wird so ein Gedöns gemacht. Über die Hunderttausende mit den gutbezahlten Jobs die in der Automobilindustrie demnächst ihre Arbeit verlieren, kräht kein Hahn nach. Den zehntausenden Jobs, die in der alten Energiewirtschaft (Kern-, Braunkohle- und Steinkohlekraftwerke schon weggefallen, sind, heult kein Journalist und Politiker hinterher. Was sind das nur für geistig arme Politiker und Medienleute ! 3000 Jobs in der Windindustrie, die eh vom Steuerzahler subventioniert wurden………...

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