Dushan Wegner, Gastautor / 04.01.2020 / 12:00 / Foto: Pixabay / 51 / Seite ausdrucken

Windkraft ist Gewalt

Macht Liebe, nicht Krieg – make love, not war! Das war ein Slogan der amerikanischen Hippies, als sie gegen den Vietnamkrieg protestierten. Mit "love" meinten sie wohl beides, freie Liebe und tatsächliche Liebe unter Menschen, also das Gegenteil und Gegenstück eines tödlichen Krieges in der Ferne.

In seiner Reagan-Biographie notiert Dinesh D’Souza, was Ronald Reagan (damals Gouverneur von Kalifornien) über die Protestierenden und ihre Botschaft "make love not war" schnippisch kommentierte: "Die Leute sehen aus, als könnten sie weder noch."

Hat "make love not war" am Ende gewonnen, als der Krieg dann endlich 1975 vorbei war? Nun, das amerikanische Selbstbewusstsein war angeschlagen – die Watergate-Affäre half nicht (1972–1974, siehe Wikipedia). Kein Land hält es endlos aus, und schon gar nicht ein demokratisches, wenn Söhne aufbrechen und Leichen wiederkommen.

"Make love not war" – ein naiver Slogan? Fragen wir andersherum: Wer würde denn bestreiten, dass ein liebevolles Miteinander dem aufreibenden Kampf vorzuziehen ist? Okay, diese rhetorische Frage könnte ein Fehler gewesen sein: Wer etwa im Krisengebiet aufwuchs, und nichts als Kampf kennt, oder wessen Seele von einer Ideologie befallen ist, der könnte sich tatsächlich mehr nach Kampf und Eroberung als nach Liebe zu sehnen scheinen. Lassen Sie mich neu formulieren: Ich wage die "mutige" Meinung, dass ein liebevolles Miteinander dem Kampf vorzuziehen sei. Wenn gekämpft werden muss, muss eben gekämpft werden, doch nicht zu kämpfen, ist stets besser (was wahrlich nicht alle so sehen). 

Der Nebel des Krieges

Ich habe diesen Text früh am Morgen des 3.1.2020 zu schreiben begonnen. Durch die digitalen Medien brummt die aufgeregte Meldung, dass die USA in Bagdad den iranischen Generalmajor und Kommandeur der al-Quds-Einheit, Qassem Soleimani, getötet haben (siehe etwa faz.net, 3.1.2020). In der öffentlichen Debatte bilden sich die Meinungsfronten schnell – und ziemlich genau so, wie man es erwarten würde. Die USA sind, trotz aller Bemühungen der "woken" Debattenpolizei, noch immer ein freies Land, in dem jeder Mensch nach seinem Gusto leben kann, und sie stehen (wieder) glaubwürdig zu Israel.

Im Iran können Frauen für Jahre im Gefängnis verschwinden, wenn sie das Kopftuch ablegen, auf Homosexualität oder Abkehr vom Islam steht die Todesstrafe, und man möchte Israel "von der Oberfläche der Erde vertilgen". Wir müssen nicht lange rätseln, wie die Sympathien vieler deutscher Linken verteilt sein werden. In der TAZ lesen wir vom "Rachedurst" des US-Präsidenten (taz.de, 4.1.2020). Bei der WELT lesen wir dagegen: "Eins sollte klar sein: Die Welt ist ein besserer Ort ohne Qassem Soleimani" (welt.de, 3.1.2020). Ich selbst mache mir in solchen Situationen stets bewusst, dass ein guter Teil dessen, was wir sehen, der "Nebel des Krieges" ist (englisch „fog of war“, siehe auch Wikipedia) – ich muss aber gewiss nicht betonen, wie mein Herz schlägt. (Für Hintergrund-Info siehe auch apollo-news.net, 3.1.2010: „‚Irans gefährlichster General‘ auf Trumps Befehl getötet – Iran kündigt schwere Rache an.“)

Dieser Text aber, selbst wenn er mit einem Protest-Motto aus der Zeit des Vietnamkriegs beginnt und aktuell eine militärische Maßnahme der USA erwähnt, handelt nicht vom buchstäblichen Krieg. – Der Krieg soll uns als Metapher dienen, als Sprachbild.

„Prämie für Windradnähe“

Die Nachrichten des vergangenen Jahres waren geprägt von rasend wütenden Kampagnen und Aktionen, die vorgaben, die Umwelt retten zu wollen. Greta Thunberg wurde berühmt für Aussagen wie "Ich will, dass ihr meine Panik spürt". Das Projekt "Fridays for Future" wollte, "wie Greta", freitags unentschuldigt beim Unterricht fehlen, bis die Politiker ihre "Forderungen" hinsichtlich CO2 etc. erfüllten; anders gesagt: "FFF" versuchten die Politik zu erpressen, indem sie androhten, ansonsten der eigenen Bildung zu schaden. Die Bewegung "Extinction Rebellion" fiel durch aggressive Eingriffe ins öffentliche Leben auf, bewusst darauf zielend, festgenommen zu werden (siehe etwa huffingtonpost.com, 7.8.2019); es wurde stiller um diese aggressive Gruppe, nachdem ihr Mit-Gründer Roger Hallam in einem Interview "schwierige" Aussagen zum Holocaust traf (siehe etwa zeit.de, 20.11.2019).

Es ist 2020. Unter dem Vorwand der Klimarettung wird der Krieg gegen Land und Bürger weitergeführt. Die neueste Idee aus einer der Regierungsparteien ist eine "Prämie für Windradnähe" (welt.de, 2.1.2020). Damit solle die "Akzeptanz von Windrädern" erhöht werden. Warum will man die "Akzeptanz" erhöhen? Weil es wohl zu wenig davon gibt, offensichtlich.

Denken wir es einmal drei Schritte weit zu Ende: Die Leute, die sich Windkraftanlagen wünschen, leben in der Stadt und begegnen der Natur wochenlang nur als bunte Bildchen auf den Etiketten ihrer Bio-Produkte oder als gedruckte Großfotos hinter den Chefpopulisten des Grünen-Parteitags (siehe etwa spiegel.de, 15.11.2019). Marketing und Propaganda haben sie gelehrt, Windkraft für moralisch gut zu halten. Schon Kinder werden in den Schulen darauf gedrillt, das Bild von Windkraftanlagen mit Umweltschutz und dem ethisch Guten zu verbinden.

Nur, und da liegt der Tofu im Pfeffer, das Konzept von "Natur", das diese Leute im Geist tragen und anwenden, ist eher theoretisch. (Übrigens: Im Buch „Talking Points" beschreibe ich die frühe Zeit der Öko-Empörungs-Kampagnen, als sich Millionen von Empörten über das Töten von Seerobben für Pelzherstellung empörten und mit ihr viele Inuit-Familien in Armut stürzten – das Bild von der "Robbenernte" war aber rein theoretisch; natürlich aber waren die allerwenigsten der Empörten jemals in Alaska gewesen, um sich selbst ein Bild zu machen.)

Windkraftanlagen machen die Seele kaputt

Windkraftanlagen greifen in die Natur ein, ökologisch wie auch optisch. Der Mensch hat sich über Jahrmillionen darauf entwickelt, den Horizont schön zu finden. Wir brauchen Wiesen, Bäume und Felder, zumindest gelegentlich, für unsere Seele. Windkraftanlagen machen das Land zur Industrielandschaft.

Menschen, die in der Nähe von Windkraftanlagen wohnen, berichten von quälenden Geräuschen und Vibrationen. Das anschwellende Surren, wenn sich einer der riesigen Rotoren nähert, wieder und wieder und wieder. Endlos. Erbarmungslos. Schlaflosigkeit. Übelkeit. Migräne, sogar Fieber – und wer es nicht kennt, der lacht darüber. Es ist ungerecht – so ungerecht! Hat denn der Mensch nicht das Recht, vom Staat davor beschützt zu werden? Was ist das für ein Staat, der seinen Bürgern so etwas antut? Die Guten und Grünen in den Städten, denen ist es egal, wenn Menschen leiden. Die Guten lachen über das Landvolk, das unter dem grünen Unrecht leidet. Wer schützt die Anständigen vor den Guten? Wer schützt die Menschen vor der Haltung?

Mit Windkraftanlagen wird jeder Blick aus dem Fenster zum Blick in eine bedrohliche Industrielandschaft. Wer Windkraftanlagen vor seinem Fenster und am Horizont stehen hat, der verliert den Blick in die Natur, die wir alle so für unsere Seele brauchen.

Windkraftanlagen machen die Seele kaputt. Natürlich wehren sich Menschen gegen Windkraftanlagen vor dem Haus! Wer will schon sein Leben in der Natur, dem schönsten Flecken der Welt, eintauschen gegen ein Leben in einem Kraftwerk? Wer will seine Kinder im Schatten von drohend hohem, rotierendem Sondermüll aufwachsen sehen? Der deutsche Staatsfunk nennt Windenergie "Die sanfte Gewalt" (deutschewelle.de, 5.4.2011), doch ich nehme einfach mal an, dass der Journalist nicht unter den Stahlmonstern leiden muss.

Die Kindheit ist eine andere, wenn die Kinder vorm Spielen im Garten erst einmal die toten, zerfetzten Greifvögel aus dem Sandkasten sammeln müssen. Das Leben ist ein anderes, wenn du keinen Horizont mehr kennst, nur noch rotierenden Stahl, tonnenschwer.

Ein Angebot, das man nicht ablehnen kann

Natur zu sehen macht glücklich. Der Horizont ist gut für die Seele. Niemand will seine Natur und den Blick darauf freiwillig zerstören lassen, und das ist, wo die Idee des "Windbürgergeldes" perfide wird. Erst wird dem Bürger im Namen vermeintlicher Moral ein Großteil seines Geldes abgenommen – und die Armen und sozial Schwachen auf dem Land bekommen dann "angeboten", etwas davon zurück zu bekommen, wenn sie dafür Lebensqualität aufgeben, wenn sie sich damit abfinden, nie wieder einen Natur-Horizont zu sehen, wenn ihre Kinder im Schatten von Tonnen rotierenden Stahls aufwachsen sollen – bis sie fliehen, auch, weil sie es nicht ertragen, in einem Freiluft-Kraftwerk zu leben. Und wenn die finanzielle Hintenrum-Erpressung nicht wirkt, will man auch den Klageweg erschweren. Ein Angebot, das man nicht ablehnen kann, das kennt man sonst eher von der Mafia.

Windkraft ist Gewalt. Das ist, warum Menschen sich wehren! Eine ethisch zu rechtfertigende Politik würde versuchen, die Menschen vor Windkraftanlagen zu schützen. Es raubt mir den Atem, wie offen unmoralisch man heute im Namen der Moral sein kann.

Im Namen vermeintlicher Ökologie wird heute ein Krieg gegen das Land geführt. Linke, die in ihren eigenen Angelegenheiten hyper-empfindlich sind, haben nicht einmal den Hauch von Skrupeln, dem Land seine Horizonte zu rauben und drohende, rotierende Metallmonster den Menschen vors Haus zu stellen.

Neue Slogans braucht das Land!

Jedes Mal, wenn ich eine Windkraftanlage am Horizont auch gar in der Nähe sehe, empfinde ich das als Stich ins Herz. Leute, die Natur nur von den Fotos ihrer bedruckten Partei-Broschüren kennen, zerstören den Blick auf die Natur.

"Make love not war", protestierten sie damals, wir haben (zum Glück) keinen Krieg (Merkel wollte damals mit in den Irak, wenn ich mich richtig erinnere, heute erinnert sie sich da anders dran – zum Glück war Schröder damals Kanzler). Wir protestieren immerhin gegen die Zerstörung unseres Landes, unserer Natur und unserer Horizonte. Die Zerstörung von Natur und des Blickes in die Natur im Namen des Naturschutzes ist ein Geschäft.

Ich probiere mal etwas aus: "Schützt Natur, nicht Geschäftemacher", oder: "Windkraft? Nein Danke!" (Randnotiz: Frankreich baut derzeit 5 neue Kernkraftwerke, siehe spiegel.de, 3.1.2020. Wir ahnen doch alle, wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, dass die Zukunft weiterhin der Kernenergie gehört, siehe etwa Schellenbergers TED-Talk – ob "die Zukunft" aber in Deutschland stattfindet, das ist eine andere Frage…)

Etwas länger, aber deutlich: "Ich nehme euch nicht die Smartphones weg, nehmt mir nicht meine Natur weg". Vielleicht frech: "Make Love, not Vogelhäcksler!" Oder, kurz, kompakt und deutlich: Windkraft ist Gewalt.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst auf dushanwegner.com.

Dushan Wegner (geb. 1974 in Tschechien, Mag. Philosophie 2008 in Köln) pendelt als Publizist zwischen Berlin, Bayern und den Kanaren. In seinem Buch „Relevante Strukturen“ erklärt Wegner, wie er ethische Vorhersagen trifft und warum Glück immer Ordnung braucht.

Foto: Pixabay

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Direktüberweisung
Leserpost

netiquette:

Dr. M. von Rehmstack / 04.01.2020

Zur Zeit werden 71%  des Stroms CO2 frei erzeugt davon 56 % durch Windkraft, nur 13% durch Kohle, 10% durch Kernkraft, der Strompreis lag um 8 Uhr bei 0,07 c7 kWh, Östereich importiert 30%  seines Stromes aus Deutschland zu diesen Spottpreisen, (Quelle: electricityMap.org) die Differenz zum Garantiepreis der Windmüller zahlt der Stromkunde, jedes Jahr pro Haushalt 250/ Euro, insgesamt 25 Milliarden/a über die EEG Umlage; die Windmüller bekommen auch Geld, wenn sie ihre Anlagen bei Überangebot abschalten, dh mit jeder zusätzlichen WKA steigt die EEG Umlage. Aber wir müssen weiter auf 100% alternaive, noch mehr WKA, die Leute bestechen oder erpressen nach SPD Vorstellung, aber was ist wenn der Wind einschläft, dann nützt die doppelte Menge an installierter WKA Leistung nichts, es die verbotene Multiplikation mit Null. Will man aber keinen Blackout riskieren, müssen konventionelle Kraftwerke im unproduktiven Leerlauf weiterlaufen,  wie die Turbinen des ehemaligen Atomkraftwerks Biblis, die angetrieben !!! werden, um die Netzstabilität aufrecht zu erhalten. Es ist die “Energiewende ins Nichts” wie Prof. Sinns Vortrag unzweifelthaft darlegt. Wann ist dieser Irrsinn zu Ende?

HaJo Wolf / 04.01.2020

Tja, leider befinden wir uns seit Beginn der Merkel-Diktatur, spätestens aber seit 2015 in einem Krieg: Regierung und linksgrüne Gutmenschen gegen den Rest der deutschen Bevölkerung. Die Waffen sind ungleich verteilt: Das Volk hat keine, außer nutzlosen Wahlen, Regierung und Gutmenschen verbieten, schreiben vor, diffamieren, zerstören vorsätzlich, lügen, betrügen und bekämpfen alle, die nicht ihrer Meinung sind und holen Hunderttausende kulturell und ethisch-moralisch völlig inkompatible hasserfüllte Sozialschmarotzer ins Land. Ob das noch gewaltfrei zu lösen ist, wage ich inzwischen zu bezweifeln, lasse mich aber gern eines Besseren belehren.

Ilse Pilifka / 04.01.2020

Sehr geehrter Herr Wegner, auch ich empfinde diese Windmonster als Bedrohung und wüßte gerne, ob es eine Initiative dagegen gibt. Die Mitgliedschaft bei Greenpeace und Bund Naturschutz habe ich auch aus etlichen anderen Gründen längst gekündigt, aber das reicht ja nicht.

Eugen Müsch / 04.01.2020

@ Axel Berger, das geht mir genauso. Da kann ich Ihnen Urlaub an der polnischen Ostseeküste empfehlen. Landschaftliche Weiten ohne Verspargelung. Besonders hart getroffen war ich als man vor dem Nationalpark Darß offshore Windanlagen baute. Die Bebauung war mit dem Versprechen verbunden man würde diese von Land aus nicht sehen.  Leider würden wir wie so oft belogen. Für mich ist der Nordstrand bei Prerow Zingst damit kaputt.

Rudhart M. H. / 04.01.2020

Eine kleine Anmerkung bei prinzipiellem Beifall, aber es sind eben keine Stahlmonster , denn den Stahl könnte man ja recyceln , nun in ein paar Jahren wir in Europa nicht mehr , aber die Chinesen zumindest , die werden noch Schrott ein- schmelzen können. Das größere Problem sind die Flügel, denn die sind aus einem Glasfaser-, oder Kohlestofffaser- , resp. Kevlar-Kunststoff-Gemisch und das ist Sondermüll, weil nirgends wiederverwendbar, auch feinst vermahlen nicht ! Dazu kommt das Fundament aus bestem Beton, denn es ist durchaus üblich, daß in unseren Breiten Stürme mit mehr als 120 km/h auftreten . Die Windlast eines solchen Ungetüms ist beträchtlich und wenn man weiß , daß der Widerstand mit dem Quadrat der Geschwindigkeit wächst , dann weiß man , daß man ein entsprechendes Fundament vorsehen muß, welches diese Kräfte dauerhaft aufnehmen kann. Nun wird das alles vielen Grünen , wissenschaftsfernen Phantasten*Innen , die von Kobolden umgeben im Batteriespeicher des Netzes wohnen, nicht viel sagen. Schließlich haben die ja beizeiten MINT abgewählt und nun außer Geschwurbel und Gequatsche weiter nix in ihren hohlen Birnen. Sie schreiben nach Gehör und rechnen nach Gefühl. Aber der Anteil CO² , der in den Drehrohröfen für die Herstellung des Zements nunmal erzeugt werden muß ,Zement, der für die Betonfundamente gebraucht wird , ist so groß , daß der kleine Dynamo , der vom Wind angetrieben wird, sehr lange drehen muß , bis daß dies überhaupt erst ausgeglichen ist. Von einer Einsparung kann bis zu diesem Moment gar keine Rede sein. Wenn man nun die Aufwendungen für den Rückbau berücksichtigen würde , dann wüßte man, daß die ganze Rechnung summa summarum für die Katz oder für den Schrubber ist ! Aber wer will schon rechnen , wenn man glauben kann, soll, muß !

Uwe Heinz / 04.01.2020

Oooooh jaaaa, ich kann mich auch noch daran erinnern, daß Frau Merkel die Botschaft in die USA sandte, es seien nicht alle Deutschen der Meinung des Bundeskanzlers Schröder, man solle sich aus dem Irakkrieg heraushalten!!! Und wenn es nach ihr ginge, dann wäre Deutschland dabei - zum Glück war sie damals nur Oppositionsführer! Ich rechne es Schröder hoch an, damals nein gesagt zu haben.

Oliver M Haynold / 04.01.2020

Ich bin mir nicht sicher, ob es wirklich konstruktiv ist, den Duktus einer Jutta v. Ditfurth zu übernehmen. Mit dem Begriff der Gewalt sollte man vorsichtig sein. Eine Gesellschaft, in der alle Strom wollen und ohne ziemlich aufgeschmissen wären, die sich aber in zwei Lager spaltet, die jeweils bestimmte Kraftwerkstypen als “Gewalt” des anderen Lagers betrachten, scheint mir keine gute Perspektive zu sein. Wohin soll das führen? Entweder man nimmt die eigenen Worte ernst und fühlt sich dann wie der extremere Teil der Kernkraftgegner zu als Notwehr verstandener Gegengewalt berechtigt. Dann hat man vielleicht wieder die unsäglichen Diskussionen der frühen Grünen, wie man jetzt zu “Gewalt gegen Sachen” und “Gewalt gegen Personen” steht, auch ob Polizisten dabei dann als Sachen oder als Personen zu verstehen seien, usw. Das kann doch kein vernünftiger Mensch wollen. Oder aber man verständigt sich darauf, dass die hysterischen Wortmeldungen beider Seiten vielleicht doch nicht ganz ernstzunehmen sind, verzichtet dann glücklicherweise auf tatsächliche Gewalt, könnte aber dann vielleicht auch die Sprache wieder etwas mäßigen. Sagen wir doch lieber, dass die Bereitstellung der erheblichen Energiemengen, auf die kaum jemand in unserer Gesellschaft wirklich verzichten will, mit erheblichen negativen Externalitäten behaftet ist, und reden wir darüber, wie man die kosteneffektiv einigermaßen gering halten kann.

Sabine Schönfelder / 04.01.2020

Ich empfinde bei dem Anblick von Windkraftanlagen genau wie Sie, Herr Wegner. Dennoch ist es ein rein emotionales Argument. Ein sehr guter alter Freund von mir hat sich im laufe unserer langen Freundschaft völlig in die grüne Ecke bewegt (was echt weh tut, wenn man so konträre politische Ansichten entwickelte, obgleich ich um seine Güte, sein gutes Herz, seine Hilfsbereitschaft weiß) und er LIEBT den Anblick von Windrädern und schaut auch täglich mit Wohlwollen aus seinem Fenster auf sie. Zu meiner eigenen Erklärung assoziiere ich dann DIE Autofahrer im täglichen Straßenverkehr, die neben mir an einer Ampel in einer vor Lautstärke vibrierenden Karre sitzen, zum Rhythmus einer desaströsen Lärmbelästigung. Für den sich im Auto befindlichen Zuhörer ist dieses Gewummer sicherlich eine Art von Musik, entspannend oder anregend, aber sicherlich positiv. Das „Kriegsempfinden“ entwickelt sich hier eindeutig nur meinerseits. Die gefühlsinduzierte, subjektive Bewertung der Ästhetik einer Windindustrieanlage in der Natur ist auch in keinster Weise ausschlaggebend für die schwachsinnige Energiepolitik grüner Spinner. Alle Argumente dieser bereits gescheiterten Energiewende wurden hier schon in epischer Breite erörtert. Es ist natürlich extrem bitter bei der Zerstörung unserer Natur zuschauen zu müssen…..

Ulrich Horst / 04.01.2020

Statt der reflexartigen Dekarbonisierung und dem angstvollem Atomausstieg sollten man lieber mal über die klimatischen Folgen der Windernte nachdenken. Da steckt die Klimaaktivität ja schon im Wort. Unbedacht wird da dem bekanntlich Kühle spendenden Wind megawattweise Energie entzogen. Tiefs aus dem Norden können sich nicht mehr ungehindert über die Ost- und Nordsee richtung Festland bewegen. Es heißt doch so schön, der Flügelschlag eines Schmetterlings könne schon das Wetter beeinflussen. Sorry, aber was tun dann tausende von dreiflügligen Windrädern? Persönlich habe ich aber gar nichts gegen wärmeres Wetter. Deswegen folgende Idee: man könnte die sinnlosen Windräder schon sinnvoll nutzen. Im mororischen Betrieb, und zwar um die kalte Luft aus dem Norden zurückzublasen und warme Luft aus dem Süden anzusaugen. Äh kurz rechnen…ja, wenn alle Windräder 10.000 U/min dabei machten, würde die Temperatur in D um 2° steigen. Somit wäre das 2° Ziel erreicht. Überdies könnte man die Wärme dorthin blasen, wo sie gerade gebraucht wird. Das nenne ich mal aktive Klimapolitik.

Ilona Grimm / 04.01.2020

@Bernhard Freiling: Beide Daumen hoch für Ihren Kommentar. Ihre Vergleiche sind sehr plastisch und absolut treffend; es ist EINSEITIGE Gewalt, die vom Staat ausgeht, der uns eigentlich vor Gewalt schützen sollte. Auf den Kanonenschlag, der Michel und Micheline aus dem Fernsehsessel haut, hoffe ich auch.  (Eigentlich warte ich auf die Faust Gottes…)

Weitere anzeigen Leserbrief schreiben:

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
Dushan Wegner, Gastautor / 18.05.2020 / 17:00 / 37

„Polizist macht Demonstrant sprachlos“ – warum der Jubel?

Wenn ein Zeitgenosse mich fragte, welcher jüdische Witz mein liebster sei, so könnte der Witz, den ich nennen werde, je nach Tageszeit und genereller Stimmung,…/ mehr

Dushan Wegner, Gastautor / 03.05.2020 / 15:00 / 68

Lasst euch nicht zum Affen machen!

In unserem Zoo, da marschiert der Pfau – man stelle es sich vor! – mitten auf dem Weg. Wenn dem Pfau danach ist, dann spreizt er…/ mehr

Dushan Wegner, Gastautor / 02.01.2020 / 11:00 / 72

Die 2010er Schlüsselszene: Merkel wirft angewidert die Flagge weg

Die Zeit eilt auf ihre eigene Weise, und wer sich Kinder zulegt, der kennt es, dass sich manche (nicht alle!) Tage ziehen und doch die…/ mehr

Dushan Wegner, Gastautor / 28.10.2019 / 14:33 / 39

Mit der CDU schlafen gehen, mit der SED aufwachen. 

Wer sich je eine Decke mit einem andern Menschen teilte, der kennt ihn, den Krieg um eben diese Decke. Wie zugeneigt Sie Ihrem Deckengenossen auch…/ mehr

Dushan Wegner, Gastautor / 16.10.2019 / 16:30 / 18

Auf dem Insolvenzkarussell

Ich hatte kein Kettcar. Die reichen Kinder in den Einfamilienhäusern zwei Straßen weiter, die hatten Kettcars, und am Wochenende fuhren sie bei uns auf dem…/ mehr

Dushan Wegner, Gastautor / 14.10.2019 / 16:00 / 22

Katzenbabies, Kinder und andere Haustiere

Auf welche Bilder stoßen Sie im Internet lieber – Fotos fremder Babies oder Fotos fremder Kätzchen? Seien wir ehrlich – die meisten von uns werden…/ mehr

Dushan Wegner, Gastautor / 07.10.2019 / 06:23 / 66

Europas Fundament bebt

In der vergangenen Woche brach in Mexiko der bekannte Vulkan Popocatépetl aus (bei abc.es, 5.10.2019 gibt es Video; die Wikipedia-Seite listet vergangene Aktivität). Die Anwohner haben sich bereits daran gewöhnt, dass…/ mehr

Dushan Wegner, Gastautor / 04.10.2019 / 14:00 / 22

Deutschlands Einheit und die neue Mauer

Stellen wir uns eine Familie vor, und in dieser Familie herrscht Streit. Einige der Verantwortungsträger haben großen Mist gebaut, das Dach ist löchrig, die Tür…/ mehr

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com