Zuweilen steht im Kleingedruckten das Wesentliche. Das ist bei manchen Verträgen so und auch in Gesetzestexten. Trotzdem wundert man sich, warum Journalisten der „Welt am Sonntag“ erst jetzt ein Passus im Referentenentwurf für eine Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) aufgefallen ist, der offenbar einen Paradigmenwechsel im behördlichen Umgang mit den sogenannten Ökoenergien darstellen könnte und Klagen gegen umwelt- und landschaftszerstörende Windparks noch schwieriger machen würde als bisher. Die Bundesregierung plant nämlich, die Nutzung erneuerbarer Energien für die Stromerzeugung zu einer Frage des öffentlichen Interesses und der öffentlichen Sicherheit zu erklären.
Ein Treppenwitz der Geschichte, wie das Windkraft-kritische Bündnis Vernunftkraft feststellt, weil die extrem unzuverlässigen, volatilen Wind- und Sonnenkraftwerke, im Gegenteil, eine zunehmende Bedrohung der nationalen Sicherheit darstellen, zu der ganz wesentlich die Energiesicherheit zählt. Und die nimmt mit jedem weiteren Windrad und jedem weiteren Solarkollektor, der ans Netz geht und mit jedem Atom- und Kohlekraftwerk, das vom Netz genommen wird (darunter das nagelneue, hocheffiziente Kohlekraftwerk Moorburg in Hamburg) kontinuierlich ab.
Dass ein großflächiger Blackout mit unübersehbaren wirtschaftlichen und sozialen Folgen bislang verhindert werden konnte, ist eher dem Zufall zu verdanken als planvollem staatlichen Handeln. Gerade jetzt im Herbst geht die Erzeugung von „grüner“ Energie an vielen Tagen wieder einmal gegen Null, woran auch eine weiter wachsende Zahl von Wind- und Solarparks nichts ändern würde.
Nach dem unseligen Investitionsbeschleunigungsgesetz, mit dem unter anderem gerichtliche Verfahrenswege auch für „Öko“-Kraftwerke drastisch verkürzt werden sollen, ist die EEG-Novelle ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zur „totalen Klimawende“, zur angestrebten „Dekarbonisierung“ und damit zur schleichenden Deindustrialisierung Deutschlands.
Grundlage weitreichender staatlicher Eingriffe
Dass die Erneuerbaren-Lobby jubelt, ist verständlich: „Diese Einstufung von EE kann auf vielen Ebenen, bei Abwägungsentscheidungen von Behörden und Gerichten sehr positive Auswirkungen haben und ist eine klare und positive Ansage der Politik“, schreibt der Wirtschaftsverband Windkraftwerke in einer Stellungnahme zu dem Gesetzentwurf. Aus Sicht von Experten ist die Entscheidung, die Ökoenergie mit staatsrechtlichen Weihen auszustatten, „von enormer Tragweite. Die „Welt am Sonntag“ zitiert einen Energierechts-Experten, der von einem „energiepolitischen Wendepunkt“ spricht. Der Verweis auf „öffentliche Sicherheit“ dürfte im Streitfall um den Bau etwa von Windkraftanlagen andere Interessen grundsätzlich ausstechen. Die neue Norm drohe zur Grundlage weitreichender staatlicher Eingriffe zu werden.
Der Windlobby ist dies aber noch nicht genug. „Die bloße Festschreibung des öffentlichen Interesses und der öffentlichen Sicherheit im EEG reicht jedoch nicht aus, um den Ausbau voranzubringen und die bestehenden Genehmigungshemmnisse zu überwinden. Vielmehr muss im Sinne der Rechtssicherheit sichergestellt werden, dass sich die getroffenen Festschreibungen auch in den einzelnen Fachgesetzen widerspiegeln und tatsächlich Anwendung finden“, schreibt der Wirtschaftsverband Windkraftwerke. Damit ist unter anderem eine Anpassung des Bundesnaturschutzgesetzes gemeint, das schon durch die Aushöhlung des Tötungsverbotes bei geschützten Vogelarten zunehmend Windkraft-kompatibel gemacht wurde.
Ob einer rein „privatwirtschaftlichen Nutzung ,erneuerbarer Energien‘ zur Stromerzeugung aus rein politischem Interesse ein „öffentliches Interesses“ zugeschrieben werden kann, ist rechtlich zumindest umstritten. „Mit eine solchen fehlerhaften gesetzlichen Regelung würde der Willkür im Genehmigungsverfahren „Tür und Tor geöffnet“, schreibt der Jurist Prof. Martin Gellermann in einem von der Naturschutzinitiative (NI) in Auftrag gegebenen Rechtsgutachten. „Abgesehen davon würde auch eine solche Regelung aus naheliegenden Gründen einer verfassungsrechtlichen Prüfung nicht standhalten und dadurch das ganze „EEG 2021“ grundsätzlich infrage stellen.“
Abermals reine Symbolpolitik
Nun könnte man meinen, dass nichts so heiß gegessen, wie es gekocht werde. Doch die diversen Gesetzesanpassungen werden ihre Wirkung in der Gesamtheit wohl nicht verfehlen. Rechtlich würde eine Aufwertung der erneuerbaren Energieträger zum Gegenstand öffentlicher Sicherheit in künftigen Genehmigungsverfahren nach Meinung eines Experten zwar keine Rolle spielen, doch könnte sich die eine oder andere Genehmigungsbehörde in Gestalt der Landratsämter geneigt sehen, gewissermaßen aus moralischen Gründen eine Entscheidung pro Windkraft oder Solarpark zu fällen. Und vor Gericht wäre dieser Aspekt zumindest im Eilverfahren des "vorläufigen Rechtsschutzes" (Anordnung eines Baustopps) ein weiteres Gewicht, dass eine Abwägungsentscheidung weiter zugunsten der Wind- und Solarprojektierer und Investoren ausfallen lassen könnte.
Die Bundesregierung ist offenbar wild entschlossen, den Bau insbesondere von Windkraftwerken massiv anzukurbeln, um die selbst gesetzten "Klimaziele" zu erreichen und lässt sich in verantwortungsloser Weise treiben von sich zunehmend radikalisierenden Klima- und Umweltschützern wie der FFF-Bewegung oder der mit Gedanken eines Ökoterrorismus spielenden Gruppe „Extinction Rebellion. Wobei auch der der neuerliche Versuch seitens der Bundesregierung, der längst gescheiterten Energiewende noch einmal Leben einzuhauchen, nur grüne Symbolpolitik ist. Eine Verdoppelung der Zahl der Windkraftwerke an Land von heute rund 30 000 auf 65 000, was von Experten als unterste Grenze für eine Energiezukunft mit 100 Prozent "Ökostrom" angesehen wird, dürfte angesichts der massiven Proteste der Betroffenen auf dem Land politisch kaum durchsetzbar sein.
Wobei auch viel höhere Zahlen im Raum stehen, jeweils abhängig von den Strombedarfsprognosen mit und ohne umfassende Sektorkoppelung (also der Umstellung auch von Wärme und Mobilität auf Wind- und Sonnenstrom) und der Art und Weise, wie man gedenkt, das Speicherproblem zu lösen – Power-to-Gas und/oder Wasserstoffwirtschaft mit Rückverstromung sind mit hohen Umwandlungsverlusten verbunden, die durch eine noch höhere installierte Nennleistung ausgeglichen werden müssten.
Wenn jetzt vielleicht an vielen Orten doch wieder neue Rotoren aus den schon fast zu Tode geschundenen heimatlichen Landschaften emporwachsen, kann dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch mit noch so vielen Windrädern und Solarparks eine sichere, bezahlbare und ökologisch verträgliche Energieversorgung nicht zu realisieren ist.
Politische Mehrheiten für eine Umkehr sind nicht in Sicht, im Gegenteil. Da bleibt leider nur die Hoffnung auf einen umfassenden Blackout, je früher, desto besser.
Dieser Beitrag erschien zuerst auf dem Umwelt-Watchblog des VLAB (Verein für Landschaftspflege und Artenschutz).
Beitragsbild: EinKonstanzer CC BY-SA 3.0 via Wikimedia

Könnte mal eine Interessengemeinschaft, z.B. das VLAB, beim Verfassungsgericht oder auch gerne vor dem Europäischen Gerichtshof klagen? Da finden sich doch, sollte es eine Geldfrage sein, Spender dafür - ich beteilige mich gerne und wenn es nur dazu führte, diese grauenvolle und umweltzerstörende, sinnlose Entwicklung bekannter zu machen.
Ein weiteres Netto Steuerzahler Ausplünderungsgesetz. Da werden die Windräder subventioniert, die den subventionierten E-Autos (meist Zweit- oder Drittwagen) den Strom liefern, in denen Menschen sitzen die Produkte aus subventioniertem Bioanbau konsumieren und in einem subventioniertem Zeitungsverlag, alternativ als subventionierter Lehrender für Geschwätzwissenschaften arbeiten. Welcher Volkswirtschaftler kann mir erklären, warum so etwas mittelfristig funktionieren sollte? Im Mittelalter griffen an dieser Stelle die Bauern zu Mistgabeln und Fackeln. Waren die schlauer oder war bei denen noch 2 und 2 gleich vier und nicht 22.
@Rudolf George: aber Greta würde uns dafür loben und lieben!
Ein zu befürchtender Blackout, von dem man nie genau weiß, wie lange er dauert, und auf den die meisten Menschen mit Sicherheit nicht vorbereitet sind, weil sie sich das gar nicht vorstellen können, werden garantiert die ganzen Sprechblasen der letzten Monate über Gemeinschaftsgefühl und Solidarität in Corona-Zeiten, über die "Neuentdeckung der Werte", über Kreativität in der Not etc.etc. pp innerhalb eines Tages, , vielleicht auch zwei, völlig vergessen sein, und jeder kämpft nur noch für sich, seine Familie und vielleicht noch Freunde und Nachbarn, aber bestimmt nicht für das "Große" und "Ganze", das von der Politik und den MSM völlig vor die Wand gefahren wird. Die Hauptlast werden wieder die Bürger tragen, die Verantwortlichen werden weder Fehler eingestehen noch Verantwortung übernehmen, so ist es seit einigen Jahren guter Brauch in Deutschland.
@Richard Rosenhain: Natürlich ist es nur dem großen Einsatz der Leitwarten zu verdanken, dass es noch zu keinem Blackout kam. Das meint der Autor auch gar nicht. Mit Zufall ist eher die Tatsache gemeint, dass es bisher noch nicht zu Wetter- und Gemengelagen gekommen ist, bei denen Windstille, Nebellage und Kälte über mehrere Tage zusammenkommen. Diese gar nicht seltene Lage bedeutet nämlich, dass Wind und Sonne praktisch Null liefern, die Nachbarn, z.B. Frankreich, ihren Strom zu 100% selbst benötigen, die Speicheranlagen leergelaufen sind und der Stromverbrauch sogar steigt. Das wird zuerst mit Teil-Lastabwürfen beginnen, die sich dann zu einem Blackout hochschaukeln. Und da können auch die honorigen Ingenieure nichts mehr machen. Das Einzige, was dann bleibt, ist, den Schlamassel so schnell es geht zu beheben, aber zuvor wird es leider viele Tote und materielle Schäden geben. Die Regierenden, die eigentlich dazu da sind, Schaden vom Volk abzuwenden, marschieren also sehenden Auges in ein hochwahrscheinliches Katastrophenszenario hinein, insbesondere nach dem Sprengen der letzten KKWs und Kohlekraftwerke. Zusätzlich kann ein trockenes Jahr die Stromproduktion der Wasser- und Biomassekraftwerke bis in den Winter hinein minimieren. Ein gigantischer Wahnsinn!
@Karl Neumann: das Beste daran wäre, "wir wären Co2 neutral"
Windkraft ist nicht tot. Sie wird ja genutztm Sie ist nur unsagbar dumm. Dabei ist es unerheblich was dummer ist: der Versuch eine zuverlässige Energieversorgung zu gewährleisten oder die Idee die Dimger seien umweltfreundlich