Peter Grimm / 20.12.2016 / 14:32 / 9 / Seite ausdrucken

„Willkommen, liebe Mörder“

Irgendwann musste der Tag kommen, an dem ein islamistischer Anschlag in Deutschland im Sinne der Planer „erfolgreich“ ist, also möglichst viele Menschenleben auslöscht, um dem Islam in einem Land der Ungläubigen den nötigen, aus Angst und Schrecken gespeisten „Respekt“ zu verschaffen.

Jetzt sind mindestens zwölf Menschen tot, ermordet. „Opfer des Islamismus“ müsste man sie nennen, bliebe man den sonst in Deutschland üblichen Opfer-Zuordnungen treu. Aber vermutlich werden wir auch nach dem Mordanschlag vor unserer Haustür wieder hören, dass es erste Bürgerpflicht sei, sich vor dem bösen Generalverdacht zu hüten, denn das alles habe weder mit „dem Islam“ noch mit „den Flüchtlingen“ zu tun. Und natürlich sind wir wieder zur Wachsamkeit aufgerufen. Nicht so sehr gegenüber der mörderischen Ideologie, die den Kampfgeist der allermeisten Terroristen und Attentäter dieser Zeit nährt, sondern dagegen, dass „die Falschen“ jetzt Zusammenhänge mit stärkerer Islam-Präsenz und unkontrollierter Masseneinwanderung herstellen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagt nun: „Ich weiß, dass es für uns alle besonders schwer zu ertragen wäre, wenn sich bestätigen würde, dass ein Mensch diese Tat begangen hat, der in Deutschland um Schutz und Asyl gebeten hat. Dies wäre besonders widerwärtig. Gegenüber den vielen, vielen Deutschen, die tagtäglich in der Flüchtlingshilfe engagiert sind und gegenüber den vielen Menschen, die unseren Schutz tatsächlich brauchen und die sich um Integration in unser Land bemühen.“

Aber schwer erträglich ist zunächst eine Regierungschefin, die zu unkontrollierter Zuwanderung einlud, die Migrantenströme auslöste, deren schiere Masse die Unterscheidung von Verfolgten und Verfolgern unmöglich machte und die trotzdem auch angesichts der ersten Toten nicht einmal dazu bereit ist, ihren Fehler einzugestehen, sondern sich allenfalls in halbherzigem Umsteuern versucht.

Wenigstens die Schönrednerei beenden

Gerade die „vielen Menschen, die unseren Schutz tatsächlich brauchen“, müssen von anderen Zuwanderern unterschieden und vor ihren ebenfalls ins Land drängenden Verfolgern geschützt werden. Es ist keine Fremdenfeindlichkeit, sondern verantwortungsbewusstes Handeln, wenn man eine freie Gesellschaft an den Grenzen ihres Gemeinwesens vor jenen zu schützen versucht, die diese Freiheit bekämpfen und alle Menschen erklärtermaßen mit Gewalt ihrer Ideologie unterwerfen wollen.

Vielleicht sind diese zwölf Toten den Verantwortungsträgern endlich Anlass, wenigstens die Schönrednerei zu beenden. „Wir sind in einem Kriegszustand, obwohl das einige Leute, die immer nur das Gute sehen, nicht sehen möchten“, sagt der saarländische Innenminister Klaus Bouillon (CDU). Eine Einsicht gewiss, aus der sich aber auch falsche Schlüsse ziehen lassen. Denn als nächstes wäre es im „Kriegszustand“ wichtig, den Gegner möglichst genau und zielgerichtet zu bestimmen, statt den Generalverdacht vermeintlich gerecht über die Gesamtbevölkerung zu verteilen.

Womit schließt man einen solchen Kommentar? Vielleicht mit dem Lied „Willkommen, liebe Mörder“ von Heinz Rudolf Kunze.

Hier ein Auszug:

Willkommen liebe Mörder
fühlt euch wie zuhause

bedient euch macht es euch bequem
kurze Atempause
nichts nehmen wir euch übel
Empörung nicht die Spur
ihr habt halt eine andere
Umbringekultur

 Jeder sieht es kommen
die Bedrohung steigen

jeder ist beklommen
keiner will es zeigen
laßt uns das vertuschen
nicht darüber reden
alle gegen alle
jeder gegen jeden...

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Peter Grimms Blog Sichtplatz hier und hier.

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M. Pietzner / 21.12.2016

Liebe/r U.L.Kramer Der Leserbrief spricht mir so sehr aus dem Herzen. Alle Beiträge hier auf der Achse machen das, allerdings bin ich verzweifelt wenn ich mich im Alltag umsehe….Alle stecken den Kopf in den Sand….WAS können wir Sehenden tun?

Brigitte Mittelsdorf / 20.12.2016

Mord.Vergewaltigungen.Totschlag. Sogenannter Amok - sind diese “besonders widerwärtigen Taten” nicht mittlerweile an der Tagesordnung? Weiß Frau Merkel davon nichts? Hat sie sich jemals bei einer Familie, deren Angehörige in diesem Willkommensjahr zu Schaden oder gar zu Tode kamen, entschuldigt?  Wird sie die Familie des polnischen LKW-Fahrers anrufen? Aber vermutlich genügt es ihr, den roten gegen den schwarzen Hosenanzug zu tauschen und Beileid vom Blatt abzulesen. Diese Frau ist wie ein Eisberg (der Eisberg möge mir den Vergleich verzeihen): glatt und kalt. Das Tröstliche ist - Eisberge schmelzen irgendwann ...

Alexander Schaumburg / 20.12.2016

Kunze legt Wert auf die Feststellung, dass sich sein Lied nicht auf Migranten bezieht, sondern auf Nazis.

Manfred Wetzel / 20.12.2016

Der Täter von Berlin ist noch nicht zweifelsfrei ermittelt. Nehmen wir daher den Mörder von Maria L. als leuchtendes Beispiel. In seiner Heimat war er zu keiner wertschöpfenden Tätigkeit zu gebrauchen, die Transländer waren froh als er endlich weg war und in der BRD wurde er bejubelt. Wie besoffen wurde auf den falschen Bahnhöfen Hurra gerufen. Besoffener Hurrajubel hebt kurzzeitig die Stimmung. Langfristig ist er immer mit Not und Pein verbunden.

Franz Reinartz / 20.12.2016

Sehr geehrter Herr Grimme, werte Leserinnen und Leser, ich befürchte leider, dass der Elefant zu lange unbehelligt im Raum gelassen wurde, bis man ihn benennen konnte. Gerade höre ich aus dem Nebenraum die Live-Berichterstattung von n-tv, wie sich die Religionsvertreter und “ihre” Trauergäste in der Gedächtniskirche versammeln. In einer Stadt mit 61 % Religionsloser (so die Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland - fowid.de) scheint mir das nur noch bigott. Ich bin darüber zornig. Mit freundlichen Grüßen

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