Henryk M. Broder / 06.03.2007 / 23:54 / 0 / Seite ausdrucken

Willkommen in Palästina

Frank Wedekind, 1864-1918, Mitbegründer des “Simplicissmus”, schrieb zur Palästina-Reise des deutschen Kaisers Wilhelm II im Jahre 1898 ein Spottgedicht, das ihm ein Verfahren wegen “Majestätsbeleidigung” und sechs Monate Festungshaft einbrachte. Über 1oo Jahre später hat das Gedicht noch immer nichts von seinem Biß und Charme verloren, obwohl es inzwischen nur Bischöfe sind, die nach und durch Palästina reisen und “Ghettos” besichtigen, die sie an die Behandlung der Juden im Dritten Reich erinnern.

Frank Wedekind: Im Heiligen Land

Der König David steigt aus seinem Grabe,
Greift nach der Harfe, schlägt die Augen ein
Und preist den Herrn, dass er die Ehre habe,
Dem Herrn der Völker einen Psalm zu weihn.
Wie einst zu Abisags von Sunem Tagen
Hört wieder man ihn wild die Saiten schlagen,
Indes sein hehres Preis- und Siegeslied
Wie Sturmesbrausen nach dem Meere zieht.

Willkommen, Fürst, in meines Landes Grenzen,
Willkommen mit dem holden Ehgemahl,
Mit Geistlichkeit, Lakaien, Exzellenzen
Und Polizeibeamten ohne Zahl.
Es freuen rings sich die historschen Orte
Seit vielen Wochen schon auf deine Worte,
Und es vergrößert ihre Sehnsuchtspein
Der heiße Wunsch fotografiert zu sein.

Ist denn nicht deine Herrschaft auch so weise,
Daß du dein Land getrost verlassen kannst?
Nicht jeder Herrscher wagt sich auf die Reise
Ins alte Kanaan. Du aber fandst,
Du seist zu Hause momentan entbehrlich;
Der Augenblick ist völlig ungefährlich.
Und wer sein Land so klug wie du regiert,
Weiß immer schon im voraus, was passiert.

Es wird die rote Internationale,
Die einst so wild und ungebärdig war,
Versöhnen sich beim sanften Liebesmahle
Mit der Agrarier sanftgemuten Schar.
Frankreich wird seinen Dreyfus froh empfangen,
Als wär auch er zum Heiligen Land gegangen.
In Peking wird kein Kaiser mehr vermisst,
Und Ruhe hält sogar der Anarchist.

So sei uns denn noch einmal hoch willkommen
Und laß dir unsere tiefste Ehrfurcht weihn,
Der du die Schmach vom heiligen Land genommen,
Von dir bisher noch nicht besucht zu sein.
Mit Stolz erfüllst du Millionen Christen;
Wie wird von nun an Golgatha sich brüsten,
Das einst vernahm das letzte Wort vom Kreuz
Und heute nun das erste deinerseits.

Der Menschheit Durst nach Taten lässt sich stillen,
Doch nach Bewundrung ist ihr Durst enorm
Der du ihr beide Dürste zu erfüllen
Vermagst, sei´s in der Tropenuniform,
sei es in Seemannstracht, im Purpurkleide,
Im Rokoko-Kostüm aus starrer Seide,
Sei es im Jagdrock oder Sportgewand,
Willkommen, teurer Fürst, im Heiligen Land!

Ganz anders dagegen der Offene Brief, den Leo Sucharewicz an die Teilnehmer der bischöflichen Pilger-Reise ins Heilige Land geschrieben hat:

Exzellenzen,
ein Elternmörder steht vor Gericht - und bittet um Milde, weil er Waise ist.
Palästinenser bomben und morden seit fast einhundert Jahren, entführen
Flugzeuge, trainieren die RAF, erpressen ganze Länder mit Terror,  erziehen
ihre Kinder zu Selbstmördern, zetteln Bürgerkriege an, versuchen Umstürze
im Libanon und Jordanien – und beklagen ebenso larmoyant wie lautstark
ihre Lebensbedingungen.

Seit den Nazis hat die Welt keine vergleichbare Propagandamaschinerie wie
die der Palästinenser erlebt. Die Nazis haben eine halbe Welt zerstört – und
haben es propagandistisch zumindest im inneren geschafft,  ihr Morden als
Notwehr darzustellen. Die Palästinenser zünden Bomben in israelischen
Bussen und überfallen israelische Schulen – und verbreiten mit historischer
Dreistigkeit ihr Bild als Opfer.

Palästinensische Arbeiter erstechen wieder und wieder heimtückisch ihre
israelischen Arbeitgeber – und klagen lautstark und überrascht über den
Verlust ihrer Arbeitsplätze in Israel.

Palästinensische Terroristen dringen wieder und wieder nach Israel ein um
mörderische Attentate durchzuführen – und rufen die Welt zu Hilfe gegen
den israelischen Schutzzaun.

Palästinensische Frauen täuschen Schwangerschaften vor, um Bomben zu
transportieren – und beklagen Kontrollen am Checkpoint medienwirksam
als Schikane.

Die PLO hat ein Vermögen von 4 Milliarden Dollar angehäuft,  ihr Führer
Arafat bereicherte sich mit 900 Millionen Dollar, statt Lebensmittel kaufen
die Palästinenser für Unsummen Waffen, Munition und Sprengstoff -  und
weinen vor laufenden Kameras über ihren niedrigen Lebensstandard.

Wie viel Weihrauch braucht man, um diese Zusammenhänge zu vernebeln?
Wie hartnäckig muss man wegsehen, um die täglichen Raketenüberfälle
aus Gaza nicht zu bemerken?

Einseitigkeit ist kein Dämon,  von dem man besessen wird, sondern ein
Zweck. Die Westbank mit dem Warschauer Ghetto zu vergleichen ist von
kosmischer Perfidie. Und dies war keine Pilger-Reise sondern ein PR-Trip. 

Auch als Bischöfe haben Sie in einer Demokratie das Recht auf politische
Unglaubwürdigkeit. Dieses Recht haben sie exzessiv genutzt.
Auf ihre schamvolle Entschuldigung in 500 Jahren verzichte ich im voraus.

Hochachtungsvoll
Dipl.sc.pol. Leo Sucharewicz
ILI - I Like Israel e.V.
Vorstand

Wer das vielleicht als ein wenig übertrieben oder zu hart empfindet,  sollte dies hier lesen: Einen Bericht der “katholischen nachrichten kreuz.net” über den “jüdischen Rassismus” und “Ein neues Auschwitz in Ramallah”. Mit einem herzlichen “Gott vergelts!” an die deutschen Bischöfe, die es so bestimmt nicht gemeint haben. Oder vielleicht doch?

http://www.kreuz.net/print-article.4819.html

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