Damals, in der guten alten Zeit, wo Spinner noch ihren Wahnsinn in den eigenen vier Wänden – oder denen einer Nervenheilanstalt – ausleben mussten, gingen Sie einfach in eine Bäckerei, eine Bank oder zu einem Versicherungsfuzzi, wenn Sie Ihr Auto versichern wollten. Oder einen Kredit haben wollten. Das geht heute nicht mehr so ganz einfach, wenn Sie die falsche Haltung haben.
Vorbei. Aus. Heute schreibt eine Finanzberatende als Overlay auf ihrer Homepage:
„Wir stehen für Respekt, Vielfalt, Demokratie und die uneingeschränkte Achtung der Menschenrechte. Wir distanzieren uns ausdrücklich von menschenfeindlichen, extremistischen und demokratiefeindlichen Ideologien. Dazu zählen unter anderem Positionen und Organisationen wie die AfD sowie vergleichbare Gruppierungen. Wir behalten uns vor, Personen nicht zu betreuen oder zu beraten, wenn ihr Verhalten, ihre Kommunikation oder ihre politischen Überzeugungen unseren Grundwerten widersprechen.“
Damit Sie gleich wissen, worauf Sie sich da einlassen. Sie Wurm.
Die Gründerin jener Seite, locker und gut im Strickjäckchen wie an einem kühlen Herbsttag gekleidet (zum Klischee fehlt noch die Katze und die Tasse Malventee), präsentiert sich gleich zu Beginn mit der Eigenvorstellung: „Die Gründerin ist aktiver Teil der LGBTQ+ Gemeinde, seitdem sie weiß, dass sie Frauen liebt. Sie hat sich früh privat engagiert und später neben ihrem Studium Menschen beim Coming Out begleitet.“ Ja, so kann man das ausdrücken. Das Firmenemblem ist natürlich die runde „LGBTQ+“-Fahne, damit jeder weiß: Hier geht’s divers zur Sache. Außer, Sie sind so ein AfD-Faschist.
„Firmenpolitik“ einmal ganz anders interpretiert
Gekommen bin ich auf die Seite durch den Hinweis einen Kunden, den sein Versicherungsbüro rausgeschmissen hat, weil er der und den vielfältigen und selbstverständlich queeren Finanzmenschen dort zu rechts war. Da darf er dort keine hochwertigen oder nicht so hochwertigen Finanzdienstleistungen erwerben. Er dürfte nicht allein sein, denn jenes sympathische kleine Versicherungsbüro, dessen Namen ich aus rechtlichen Gründen nicht nennen will, gehört zu der Initiative „Wirtschaft widerspricht“ mit dem Slogan „Werte vor Umsatz“. Der Gründer dieser Initiative – oder vielmehr die Gründerin – ist zufällig die gleiche Dame, die auch ihr bunt-tolerantes Versicherungsbüro betreibt. Nicht DIE wollen Ihnen was verkaufen – SIE müssen sich als Kunde da bewerben. So rum wird ein Schuh draus! Denn „Gegen Rechtsextremismus. Für Menschenwürde und Demokratie“ ist hier nicht nur gelebte Einfalt, sondern auch eine Entscheidung, wen man als demokratisch und undemokratisch betrachtet. „Firmenpolitik“ einmal ganz anders interpretiert.
Die Initiative der Guten will „Ein Orientierungszeichen, an dem Konsument:innen im Alltag erkennen, welche Unternehmen die AfD ablehnen und nachvollziehbar für Menschenwürde, Demokratie und ein diskriminierungsfreies Miteinander einstehen. Ein sichtbares Zeichen an Tür, Website und Ladentheke – getragen von transparenten Kriterien und einem fairen Prüfprozess“ setzen. Das sind die Eingangsvoraussetzungen, sowohl für Sie als Kunde, aber auch für Sie als Firmeninhaber der „Verkauft nicht an AfD-Wähler“-Initiative, bei der eher ein Hund in der Metzgerei frei herumlaufen darf, als dass Sie als heterosexueller Faschist dort bedient werden. Die vollständige Liste der lesbisch-schwul-bisexuell-transgender-queer-intersexuell-asexuell-ally-Buden, die mit Ihnen als Nazi-Drecksack nichts zu tun haben wollen und die lieber ihre Haltung und ihre sexuellen Vorlieben statt ihrer Ware verkaufen, finden Sie hier.
Neugierig geworden? Damit Sie als „Uschis Blumenladen“ oder „Bäckerei Müller“ bei dieser völlig unfaschistischen und voll in echt demokratischen Organisation mitmachen können, müssen Sie allerdings ein paar Kriterien erfüllen:
(1) Die AfD klar ablehnen und keine geschäftlichen Kontakte zu AfD-nahen Strukturen pflegen; bestehende Geschäftsbeziehungen werden – sofern relevant – bewusst beendet. Mögliche Nachweise: zum Beispiel Selbsterklärung, interne Richtlinie zur Auftragsannahme, dokumentierte Beendigung relevanter Geschäftsbeziehungen.
(2) Ein öffentlich sichtbares Werte- und Haltungsstatement führen – mit klarem Bekenntnis zu Menschenwürde, Demokratie und Diskriminierungsfreiheit und klarer Distanz zu menschenfeindlichen Ideologien. Mögliche Nachweise: zum Beispiel Statement auf Website oder Aushang, Verhaltenskodex, Hausordnung oder AGB-Klausel, Mitgliedschaft in demokratischen Bündnissen (schätzungsweise dürfen Sie aber zur linksextremistischen Antifa oder zur Hamas gehören).
(3) Einen respektvollen Umgang mit Mitarbeitenden, Kund:innen und Partner:innen nachweisbar leben und die eigene Haltung sichtbar und nachvollziehbar dokumentieren. Mögliche Nachweise: zum Beispiel Feedback- und Beschwerdeweg, Schulungen, dokumentierte Beispiele gelebter Praxis („Werte vor Umsatz“).
Sie haben dann drei Möglichkeiten, anzukreuzen:
„Erfüllt“ (zum Beispiel laufen Sie auf dem CSD mit oder haben eine vollverschleierte transsexuelle Muslima ohne Aufenthaltserlaubnis am Tresen stehen oder der örtliche Darkroom ist Ihr Wohnzimmer).
„Teilweise erfüllt“ (Sie lassen Männer in die Damentoilette, wenn die von sich sagen, sie seien selbst eine Dame oder Sie behandeln zwar ihre Mitarbeiter gut, schlagen aber den Ehepartnernden).
„Noch offen“ (Sie schlagen zwar den Ehepartnernden, aber nur, wenn er/sie/es es auch verdient hat).
Wer sich nicht offen und permanent zu seinem Kink bekennt – leider verloren, Schätzelein
Doch halt: Haben Sie nicht alle drei Kriterien mit wenigstens „teilweise erfüllt“ beantwortet, dann dürfen Sie da nicht mitmachen bei der wichtigen diskriminierungsfreien Initiative, sondern müssen weiterhin AfD-Wählende und anderen menschlichen Abschaum bedienen. Und Sie müssen Ihren Panzerkampfwagen IV woanders versichern. Beruhigend: „Kriterium 3 wird der Größe des Unternehmens entsprechend gewürdigt – von einem Ein-Personen-Betrieb erwarten wir keine vielfältige Belegschaft.“ Das ist nett. Es wäre mir jetzt auch schwergefallen, mich jeden Tag anders zu verkleiden. Wenn ich bei dem Komödienstadl da mitmachen wollte.
Das Leben ist schließlich ein diskriminierungsfreier Ponyhof, bei dem nicht zählt, wer Du bist, sondern welche Haltung Du zu LGBTQ+-Themen hast. Wenigstens Bisexualität sollte es wahrscheinlich trotzdem schon sein! In der Praxis könnte das dann so aussehen:
„Ein teilnehmendes Unternehmen wird von zwei offen schwulen, miteinander verheirateten Geschäftsführern geleitet, beschäftigt Mitarbeitende aus verschiedenen Ländern und arbeitet für eine multikulturelle Kundschaft – Kund:innen ohne deutschen Pass, Kund:innen unterschiedlicher sexueller Orientierung, trans Personen und weitere Menschen aus marginalisierten Gruppen. Entscheidend ist nicht das Bekenntnis, sondern dass es im Alltag sichtbar wird.“ Wer sich nicht offen und permanent zu seinem Kink bekennt – leider verloren, Schätzelein.
Ich persönlich kann allerdings bestätigen, dass es mich in den letzten 40 Jahren noch nie interessiert hat, ob meine „Kund:innen“ einen deutschen Pass haben oder wie sie sexuell orientiert sind (in jungen Jahren bekam ich allerdings einst das eine oder andere Angebot im Vertrieb), denn ein Euro ist ein Euro, und ob mein Kunde sich als Plüschtier identifiziert, aus Ghana kommt, oder AfD oder sogar FDP wählt, interessiert mich als Geschäftsführer einen Scheißdreck und geht mich auch nichts an. Ich bin ein schlechter Mensch. Ich habe Menschen aller Hautfarben, Orientierungen und Nationalitäten ausgebildet, wie wahrscheinlich jeder Selbstständige schon, ganz ohne blöde Fragen zu stellen oder „auszugrenzen“. Aber ich bin ja auch alt und habe mehr Tage hinter als vor mir. Andere Zeit. Aber nie – NIE – im Leben wäre es mir in den Sinn gekommen, einer Randgruppe mit Symbolen und Fahnen in den Arsch zu kriechen, um ein paar Euro Umsatz zu machen.
Heute kann ich von mir ebenfalls sagen: „Finanzberatung ist ein Vertrauensverhältnis. Vorverurteilungen oder unsensible Fragen zum Lebensentwurf haben dort nichts zu suchen. Trotzdem machen viele Mitglieder der LGBTQ+-Community bei der Finanzberatung genau diese Erfahrung. Unser Büro berät diskriminierungsfrei und professionell.“ Na klar. Denn wer kennt es nicht, dass der*die Banker*in bei der Darlehensgenehmigung nach der sexuellen Ausrichtung fragt und ein „Lesbisch? Unsinn! Sie wurden ja nur noch nicht richtig durchgenommen“ hintendran setzt. Kennt ens ja.
Geld stinkt und hat jetzt eine Farbe.
(Weitere Zu-Buntheiten des Autors unter www.politticker.de)
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„The Dark Side of the Mittelschicht“ von Thilo Schneider, Achgut Edition 2020, hier bestellbar.


KGE ihre Goldschätzchen, die sich am Drogenhandel dumm und dämlich verdienen, wedeln einen schon mit Geldbatzen entgegen, mir passiert, kaum hier und schon Großverdiener, während der deutsche Michel 3 mal den Cent umdrehen muss, trotz Arbeit und Pflichtgefühl. Niemand kontrolliert, aus welchen krummen Geschäften sie auf wundersame Weise, ob auch auf kriminelle Weise sie das Geld haben, während die deutsche Kartoffel alles belegen muss, bis auf Politiker, da gilt die Schonzeit auch. Ich wollte damals meine Gedanken zur Nationalökonomie zu Papier bringen, aber irgendwann hat es mich nicht mehr interessiert .Eine Dienstleistungsgesellschaft kann auf Dauer nicht überleben, weil die Wertschöpfung fehlt, dabei meine ich nicht die Abzocke über ein pervertiertes Finanzsystem. Wenn Politiker noch nicht mal fähig sind, die Versorgungswirtschaft im eigenen Land aufrecht zu erhalten, dann müssen sie schon etwas aus der Welt Ver rückt sein, wenn sie sich aufspielen wollen als Globalplayer und Uschi nicht vergessen für die Merz auf unsere Kosten Schulden einbrockt. Wir sind nicht wie in der DDR Bürger 2. sondern jetzt schon Bürger letzter Klasse, für KGE ihre Goldstückchen. Es ist unser Geld, was dank Politiker überall verplempert wird und diesen politischen Größenwahn soll der kleine Bürger auch noch bezahlen. Wenn die durchgeknallten keine normalen Kunden haben wollen, mögen sie doch das Schild raushängen„ deutsche Straßenköter draußen bleiben“, aber dann auch begründen müssen mit welchen Krediten und Geld sie arbeiten und warum sie die Wert schaffenden diskriminieren. .
Eine kundenorientierte Unternehmerin beeindruckte mich durch eine Wort-Neuschöpfung:
A(fD)rschlochkunden, phonetisch: Afdrschlochkunden, gegendert: Afdrschlochkund*innen.
Die Wortfindung „Arschlochkunden“ ist schon Mal ein sehr guter Hinweis auf die Kundenorientierung des Unternehmens.
Die Aktion „Werte vor Umsatz“ ist in der Tat sehr hilfreich, wenn man sich seine Geschäftspartner genau aussuchen möchte.
Ich halte die Liste der Unternehmen mit Haltung in Evidenz.
Nun denn. Ich würde mich auch nie mit jemanden einlassen, der seine queere Einstellung wie eine Monstranz vor sich her trägt. Ganz einfach. Und das auch nicht erst seit heute.
Hoffentlich sind solche Schwachköpfe (die damit ihrem Geschäft eher schaden, aber es sei ihnen von Herzen gegönnt) dann auch konsequent, wenn sie z.B. einen Unfall haben und der Notarzt kommt; ich hoffe doch sehr, dass sie dann auch fragen, ob der Arzt AfD „oder ähnliche Organisationen“ wählt und bei Bejahung der Frage eine (evtl. lebensrettende) Behandlung verweigern!- Im übrigen erinnert mich das an die Aussage des Intendanten des Berliner Friedrichstadtpalastes, der vor einigen Jahren sagte, er wolle keine AfD- Wähler als Besucher haben. Ich habe mich schon damals gefragt, ob man bereits beim Kartenkauf einen Gesinnungsfragebogen ausfüllen muss (natürlich wahrheitsgetreu, ansonsten eine Straftat)… Auch habe ich bisher noch niemanden gesehen, der ein Branding auf der Stirn hatte (oder eine Tätowierung unterm Arm, aber jetzt verwechsle ich wohl etwas), an dem man sein Wahlverhalten sofort erkennen kann. „Deutsche! Kauft nicht bei Jud…ääh, AfD- Sympathisanten!“
Es gilt schließlich immer noch Vertragsfreiheit. Und natürlich kann sich jeder Unternehmer auf das Marktsegment der schwerst Gestörten konzentrieren. Nur ist diese Gruppe kleiner als es die öffentliche Wahrnehmung zeigt und außerdem in der Regel eher unterdurchschnittlich solvent.
Und um so mehr Unternehmen sich öffentlich und selbsttätig auf die Durchgeknalltenliste setzen (und sich damit selbst auslisten), umso einfacher machen sie mir das Leben.
Immerhin hat sie zwei Firmen unter der gleichen Adresse zu laufen. Ist Okay, dass sie sich ihre Klientel aussucht. In Deutschland herrscht unternehmerische Freiheit.
Dinge gibt’s, die gibt’s gar nicht. Aber dank Herrn Schneiders Vorarbeit bin auch ich sensibilisiert. Sollte ich jemals in den Genuss eines Vermögensberaters kommen müssen (was bei einem Blick auf meinen Kontostand doch eher irrelevant erscheint), werde ich genau hinsehen, ebenso beim Bankberater. Ehe ich mein Verlangen nach einem Kredit äußere, werde ich fragen: Wählen Sie AfD? Verneint er, verlange ich sofort einen anderen Sachbearbeiter. Wird dieser Wunsch nicht gewährt, verlasse ich wutschnaubend und ohne Kreditzusage die Bank. Noch schlimmer beim Bäcker oder Metzger meines Vertrauens. Da steht plötzlich ein VerkäuferHICKSin hinter der Theke und schwärmt mir vom letzten CSD vor. Und angesichts meines irritierten Blicks und der hochgezogenen rechten Augenbraue gibt es weder ein Brötchen noch ein Stück Leberwurst!