Kürzlich bekam ich eine E-Mail von Wikipedia-Gründer Jimmy Wales mit folgendem Wortlaut:
„Mit Ihren sechs Spenden seit 15. November 2012 haben Sie ermöglicht, dass Wikipedia für Sie und Millionen anderer Menschen da ist.
Lieber Herr Müller-Ullrich,
heute brauchen wir wieder Ihre Hilfe. Sie sind für uns sehr wichtig, denn seit 15. November 2012 haben Sie insgesamt xxx Euro für Wikipedia gespendet…“
Darauf meine Antwort:
Lieber Herr Wales,
die Mutter des französischen Schriftstellers Michel Tournier lebte in Freiburg im Breisgau. Als ein Buchhändler ihr eine neue Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden (Wikipedia gab es noch nicht) verkaufen wollte, lehnte sie ab, eine Subskription zu zeichnen, weil sie erst lesen wollte, was im Band 22 über ihren Sohn stände.
Das mag, um es mit den Worten eines deutschen Wikipedia-Autors namens Blubbdidupp zu sagen, „reine Wichtigtuerei“ sein, aber ich finde, dass es okay ist, wenn man kein Geld für etwas geben will, das einem zuwiderläuft. Sie finden das sicherlich auch, und damit komme ich zu den Schwierigkeiten, die ich mit Wikipedia habe und die mich davon abhalten, dieses Jahr wieder für Wikipedia zu spenden.
Sie haben sicherlich davon gehört, dass Wikipedias Reputation in letzter Zeit durch politische Agitation gelitten hat. Sie selbst machen ja keinen Hehl daraus, Donald Trumps Absetzung zu wünschen, eine für Sie als Graue Eminenz der digitalen Lexikographie doch ziemlich fragwürdige Haltung. Nicht, dass Sie keine Privatmeinung haben dürften, aber Ihre politische Einseitigkeit führt dazu, dass sich viele Wikipedia-Mitarbeiter ermutigt fühlen, den Lexikonartikeln den Stempel ihrer Privatmeinungen aufzudrücken.
Und zwar, seien wir ehrlich, einen linken Stempel.
Ich selbst habe jedenfalls folgende Erfahrung gemacht: Als ich vor zwei Jahren aus dem deutschen P.E.N. Zentrum austrat, nahm ich eine entsprechende Änderung meines Wikipedia-Eintrags vor und fügte auch gleich meine Begründung hinzu: „Ende 2017 trat er aus Protest gegen die Diffamierung politisch rechtsstehender Autoren aus dem deutschen PEN aus.“ Dieser Satz stach besagtem Blubbdidupp ins Auge, und er löschte ihn mit dem Kommentar: „Die angebliche "Diffamierung" ist nicht belegt, der Austritt hat keinerlei Presse-Echo hervorgerufen und ist enzyklopädisch daher nicht relevant. Reine Wichtigtuerei.“
Daß die „angebliche“ Diffamierung nicht belegt worden sei, ist eine nachweisbar falsche Behauptung. Die Belege stehen in diesem Artikel: www.achgut.com/artikel/warum_ich_aus_dem_deutschen_pen_austrat – und dieser Link wurde von dem Benutzer Rex250 als Quelle in die Versionsgeschichte meines Wikipedia-Eintrags aufgenommen. Blubbdidupp kannte den Achse-Artikel also sehr wohl. Bleibt noch der Vorwurf der enzyklopädischen Irrelevanz. Ein politisch motivierter Austritt aus dem PEN soll also irrelevant sein, wohingegen die Aufnahme in diesen Club für Wikipedia allemal erwähnenswert ist? Und dies vor dem Hintergrund der aktuellen gesellschaftlichen Mega-Kontroverse um Meinungsfreiheit, die ja der Auslöser für meinen Austritt war? Jene Meinungsfreiheit, die zu verteidigen das höchste Ziel des PEN ist und die er inzwischen selbst mit Füßen tritt.
Es ist klar, dass Herr oder Frau Blubbdidupp mich und meine Haltung geringschätzt – „reine Wichtigtuerei“. Im Frühjahr dieses Jahres habe ich versucht, meine Erwähnung des PEN-Austritts wieder in den Wikipedia-Text einzuarbeiten und darauf hingewiesen, dass es unlogisch ist, die Mitgliedschaft bei dieser Organisation für enzyklopädisch relevant zu halten, die Beendigung der Mitgliedschaft jedoch nicht. Genau zehn Minuten später wurde meine Textänderung von einem Wikipedia-Administrator verworfen. Dagegen kommt man als Betroffener nicht an. Dagegen gibt es überhaupt kein Mittel, lieber Herr Wales.
Und solange das so ist, werde ich für ein Projekt, das in vieler Hinsicht lobenswert und nützlich ist, das mich aber offensichtlich irgendeiner Gegenseite zurechnet, kein Geld mehr geben.
Beitragsbild: Creative Commons CC0 Pixabay

Witzigerweise war es ausgerechnet Wikipedia das mich merken ließ, daß unsere Gesellschaft von Kommunisten unterwandert wird und diese damals durch Geschichtsverdrehung und tendenziöse Artikel versuchten, die Haltung der Bevölkerung in eine ihnen günstige Richtung zu verschieben. Zu dieser Zeit las ich regelmäßig die Artikel in Wikipedia während ich in der Mittagspause mein Brötchen mümmelte. Langsam stellte ich fest, daß aus vielen historischen Artikeln die Verbrechen des Kommunismus weitestgehend herausgestrichen worden waren oder nur noch in einem Nebensatz Erwähnung fanden. Zudem gab es plötzlich endlose Artikel mit Lobhudeleien über marxistisch-leninistische Theorien in denen komplett unerwähnt blieb, daß alle diese 'genialen' Theorien in der realen Historie in allen betroffenen Ländern krachend gescheitert sind. Ein stalinistischer Einflußagent in den USA der 40er Jahre war plötzlich ein Befreier der unterdrückten US-Arbeiterschaft und von den Medien ignorierte Konferenzen erzkommunistischer Vereinigungen wurden zu weltweit beachteten Events hochgejubelt. In einem Diskussionsbeitrag tadelte ein anderer Autor den Verfasser eines Artikels, der Genosse möge zumindest versuchen, so etwas wie Objektivität in dem Artikel durchscheinen zu lassen, seine Wortwahl sei den Verlautbarungen des ZK der SED zu ähnlich, so daß man merken würde, woher der Beitrag kommt. Und tatsächlich, klickte man sich durch die Pseudonyme der Autoren prangte einem bei einigen plötzlich das große Logo der Neo-SED entgegen. Von da an wußte ich, wo der Hase in unserem Land langlaufen wird und was die vermeintlich besiegten kommunistischen Funktionäre vorhatten!
Ich habe WiKi früher oft genutzt bis ich vor einigen Monaten den Begriff "Klimaskeptiker" aufgerufen hatte. Ich war erschrocken über die "Definition" und vor allem der Ton der da mitschwang. Klimaskeptiker = Klimaleugner = Vollidioten die keine Ahnung haben und auch nicht zu den Wissenden gehören wollen, mitthin Außenseiter unserer Gesellschaft. Seit dem bin ich vorsichtig geworden gerade was die relevanten Themen von heute angeht. Selbst historische Tatsachen werden "gelinkst" also passend gemacht aus der Sicht der Linken. Wenn man sich dann die Historie eines Beitrags anschaut, was da reingestellt, berichtigt oder gar gleich ganz gelöscht wird und zwar in Windeseile innerhalb weniger Minuten läßt mich den Verdacht haben, daß da Admins sitzen die nur auf bestimmte Begriffe fixiert sind. Wahrscheinlich läuft bei denen ein Algorythmus der sofort meldet wenn an dem entsprechenden Begriff etwas geändert wurde und sofort wird reagiert. WiKi ist okay wenn es um das Liebesleben der Waldameisen im Vorharz geht ansonsten ist Vorsicht geboten und man sollte sich bei Diskusionen nicht auf WiKi berufen, das könnte peinlich enden.
@Burkhard Müller-Ullrich: Der Stand der Recherche wird am Besten auf folgenden Seite zeitaktuell und detailliert beschrieben: Die Dunkle Seite der Wikipedia, 2015 Geschichten aus Wikihausen, wikihausen.de
Ich selbst habe an der Wikipedia viele Jahre mitgearbeitet, aber seit meine Korrekturen von Behauptungen der Mitautoren durch Tatsachen immer wieder eliminiert wurden, habe ich innerlich gekündigt. Ich beschränke mich mittlerweile nur noch auf die Korrektur von peinlichsten Rechtschreibfehlern oder chaotischer Kommasetzung, was selbst vor der Einführung der schulischen vier Tage Woche schon fast kriminell war. Aber durch eben diese wird das auch nicht mehr nötig sein in Zukunft, denn was bald an Schulabgängern zu erwarten ist, mag man sich gar nicht vorzustellen. Gretar Seih danck !!!
Meine Antwort an Wikimedias Bitte um weitere Spenden ist zwar nicht annähernd so geschliffen ausgefallen, wie Ihre, deutlich aber dennoch. Jahrelang habe ich Wikipedia durch Spenden und Fördermitgliedschaft unterstützt, weil ich für alles bezahle, was ich gern nutze. Damit ist aber seit August d.J. Schluss, weil ich den immer weiter um sich greifenden grün-linken Totalitarismus der Informationsindustrie nicht mehr aushalten kann. Da ich meistens konsequent bin, wenn es um Grundsätzliches geht, nutze ich Wikipedia nun nur äußerst selten. Und ich stelle fest, dass man mitunter zwar etwas länger suchen muss, die gewünschte Information in der Regel aber trotzdem findet.
" Nicht verzweifeln. Auch darüber nicht, daß du nicht verzweifelst." ( Franz Kafka ) Bleiben Sie dran Herr Müller-Ullrich
Das ist eine interessante Konstante: linkes Agitieren geht mit wissenschaftlich Hochwertigem gerne Hand in Hand: oft erschienen die besten chemischen Fachbücher (... allein das "Organikum"...) in einem VEB. War für Westler durchaus nützlich: die kurze Passage über den Sieg des Sozialismus überspringen, schon ging es mit exzellenter Fachliteratur weiter :-) ... und genau so muss man auch die Bolschewikipedia nutzen. Schlimm ist nur, dass Schüler mit nichts anderem als dieser Quelle arbeiten und solches Differenzieren noch gar nicht beherrschen können. Und mittlerweile glaube ich: GENAU DAFÜR existiert dieses Politwerk.