Das ist ja mal eine originelle Idee. Bernard-Henri Lévy plädiert in einem Interview für die Selbstauflösung und Neugründung der französischen Sozialisten. Er konstatiert den Niedergang der sozialistischen Bewegung in Frankreich und liefert plausibel (und unangenehm vertraut) klingende Gründe: ein tief verwurzelter Antiliberalismus etwa, oder eine Antipathie gegen Amerika. Diesen unschönen Ballast könnte man qua Neuerfindung über Bord werfen.
Vieles von Lévys Grundidee lässt sich auf die Lage der kriselnden deutschen Sozialdemokratie übertragen. Viele Menschen dürften vor allem aus einem diffusen Traditionsgefühl heraus Mitglied der SPD sein oder die Partei zumindest wählen, obwohl ihnen die Thesen anderer Parteien eigentlich mehr zusagen. Leidtragende dürften nicht zuletzt Linke und FDP sein. Beide teilen ja ein ärgerliches Los: das „ich würde ja gern“-Schicksal. Viele Wähler würden sich gern zu ihnen bekennen, bleiben aber aus einem diffusen Traditionalismus heraus Sozen.
Das liegt nicht zuletzt auch am Personal von Linken und Liberalen. Guido Westerwelle flößt den Deutschen einfach kein Vertrauen ein. Und der Gysi-Lafontaine-Kombo haftet etwas von Grund auf Unseriöses an, weshalb sie gerade soliden Sozialdemokraten zynisch, unernsthaft und daher nicht wählbar erscheint. Sie bleiben daher bei der guten alten Tante SPD.
Aber: Ist diese Beharrungskraft eigentlich gut? Sollten Menschen nicht die Parteien wählen, deren programmatische Aussagen ihnen am nächsten sind? Ich finde schon. Und daher ist der Vorschlag des französischen Großphilosophen gar nicht so abwegig. Wenn sich die SPD neu erfände, würde sie zwar als kleinere Partei ihr Comeback feiern, aber auch einen Selbstreinigungsprozess durchlaufen. Reine Gewohnheitswähler würden von den Zwängen der Tradition befreit. Sie hätten nun die Freiheit, die Partei zu wählen, die sie eigentlich schon immer wählen wollten.
Aber irgendwie sagt mir mein Bauchgefühl, dass die SPD-Spitze diese Idee nicht so gut findet.