Claudio Casula / 19.05.2011 / 11:32 / 0 / Seite ausdrucken

Wie wäre es mit Teppichboden und leiser Musik?

Joachim Kersten, “Experte für Jugendgewalt”, erklärt im Interview mit dem Hamburger Abendblatt, warum junge Menschen in der Öffentlichkeit auf andere einprügeln.

Warum gerade an U- und S-Bahnhöfen?

Kersten: Es liegt an der Architektiur. Die U-Bahn-Prügeleien sind ein typisch deutsches Problem. Die Verkehrsbetriebe müssen etwas unternehmen, dass dieser Raum von Jugendlichen als Errungenschaft wahrgenommen wird und nicht als verachtungswürdig.

Schon klar. Wer seinen Zufallsopfern mit Stiefeln gegen den Schädel tritt, verachtet in Wirklichkeit den Bahnhof. Darauf muss man erstmal kommen. Schuld sind dieser Logik zufolge die Verkehrsbetriebe oder eigentlich, verfolgt man die Kausalkette zurück, die Architekten, die diese grässlichen, zur Aggression geradezu einladenden U-Bahnhöfe entworfen haben. Mit der richtigen Einstellung lässt sich so für alles eine Erklärung finden. Verüben Terroristen in Pakistan den hundertzwanzigsten Bombenanschlag mit Dutzenden Toten, ist die Tötung von bin Laden ursächlich. Treten zwei Jugendliche Dominik Brunner tot, dann weil er sich ihnen partout entgegenstellen wollte. Ersatzweise war das schwache Herz schuld. Oder der fiese Bahnsteig, man weiß es nicht.

Schießen palästinensische Polizisten trotz Oslo-Abkommen auf Israelis, dann weil die Hasmonäer vor 2000 Jahren einen Tunnel in Tempelbergnähe bauten. Und steuern Atta & Spießgesellen zwei Passagierflugzeuge ins World Trade Center, dann sterben 3000 Menschen, weil diese vermaledeiten Türme so riesig waren. Es fällt langsam auf: wieder die Architekten! Höchste Zeit, sie den üblichen Verdächtigengruppen zuzuordnen, denen grundsätzlich nichts verziehen wird: Energiekonzerne, Banken, Pharmariesen, konservative Parteien – da sitzen die Schuldigen. Immer. Und deswegen sind alle vermeintlichen Täter, vom jugendlichen Schläger bis zum Sprengstoffgürtelträger, eigentlich nicht für ihr Tun verantwortlich, rein und unschuldig wie Neugeborene. Sie steigen als nette Burschen in den U-Bahnschacht hinab und kommen als Schläger wieder heraus. Die Architektur, wissen Sie.

Wie, wissen Sie nicht? Sie sind kein Therapeutist? Ach, stimmt – Sie sind achgut-Leser! Die gehören natürlich auch auf die Liste der usual suspects, und zwar ganz nach oben, schon wegen des Alphabets. Noch vor den Architekten.

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