Vera Lengsfeld / 11.03.2024 / 16:00 / Foto: J. Patrick Fischer / 20 / Seite ausdrucken

Wie rettet man eine Demokratie?

Warum lässt die schweigende Mehrheit zu, dass unter dem Schlachtruf, die Demokratie und das Grundgesetz zu verteidigen, beides ausgehöhlt wird? Was man ganz einfach tun kann, steht hier. Ein Aufruf.

Politikverdrossenheit war gestern, heute überwiegt außerhalb der woken Blase eine regelrechte Politikverachtung. Nicht zu Unrecht, denn noch nie hat eine demokratisch gewählte Regierung das Volk, den Souverän, dessen Vertreter sie ist, so ignoriert, ja verachtet. Der Publizist Alexander Wendt spricht in seinem jüngsten Buch schon im Titel von einer „Verachtung nach unten“ und analysiert, wie die selbsternannte Moralelite die Grundlagen des westlichen Erfolgsmodells, die Bürgergesellschaft, zerstört. 

Sie sind schon weit gekommen, mit ihrem Vorhaben. Wendt spricht davon, dass diejenigen, die unsere Gesellschaft und unsere Lebensweise noch am Laufen halten, unsichtbar gemacht werden. Sie kommen im öffentlichen Diskurs nicht mehr vor. Es gehören aber immer zwei dazu: diejenigen, die unsichtbar machen und diejenigen, die sich unsichtbar machen lassen. Das Ganze funktioniert nur, weil es zu wenig Widerstand dagegen gibt, an den Rand geschoben zu werden. Was ist aus dem mündigen Bürger geworden, was aus der Erkenntnis, dass die Demokratie nur so gut ist wie die Demokraten, die sie gestalten?

Warum lässt die schweigende Mehrheit zu, dass unter dem Schlachtruf, die Demokratie und das Grundgesetz zu verteidigen, beides ausgehöhlt wird? Das sogenannte Demokratiefördergesetz, das die Regierung durch den Bundestag bringen will, ist gemäß einer Analyse des Wissenschaftlichen Dienstes desselben Bundestages nicht verfassungsgemäß. Was fehlt, ist der Aufschrei gegen diesen Angriff auf unsere Grundrechte. 

Das sogenannte Gleichstellungsgesetz verpflichtet uns sogar bei Strafe zur Lüge, indem es verfügt, dass wir einen biologischen Mann nicht Mann nennen dürfen, wenn er gerade erklärt, Frau zu sein. Und im nächsten Jahr wäre es strafbar, ihn Frau zu nennen, wenn er sich per Eintrag auf dem Standesamt wieder zum Mann erklärt. 

Dieses Gesetz ermöglicht es, verunsicherten vierzehnjährigen Mädchen die Brüste zu amputieren, um eine Angleichung an das angeblich gewünschte männliche Geschlecht zu vollziehen, und die Eltern sind machtlos dagegen. Zwar ist in England eine Klinik, die solche „Geschlechtsumwandlungen“ exekutierte, bankrott gegangen wegen der Klagen von verzweifelten Opfern dieses Wahns, aber in Deutschland soll jetzt richtig losgehen, was außer in England auch in Skandinavien schon gescheitert ist.

Die Lethargie überwinden!

Warum gibt es so wenig Widerstand? Man kann ja doch nichts tun? Falsch! In den Jahren 1989/1990 ist eine bis an die Zähne atomar bewaffnete Macht zusammengebrochen, weil ihr massenhaft die Legitimation entzogen wurde. Heute muss man dafür nicht einmal mehr unter der Gefahr, zusammengeschossen zu werden, auf die Straße gehen. Heute genügt es, zu Hause zu sitzen, sich ein Formular auszudrucken, auszufüllen, einen Spaziergang zum nächsten Bürgerbüro zu machen, sich seine Unterschrift beglaubigen zu lassen und das Formular abzuschicken. Der materielle Einsatz beträgt 0,85 Cent für eine Briefmarke. Rechnet man das Papier und den Briefumschlag dazu, ist man mit weniger als einem Euro dabei.

Die im Juni stattfindenden Europawahlen könnten zu einer machtvollen Demonstration werden, wie wenig die herrschenden Politiker legitimiert sind. Das Besondere an dieser Wahl ist, dass sie ohne das Parteienprivileg stattfindet. Es können freie Bürgerlisten zur Wahl antreten. Eine solche Liste braucht bundesweit lediglich 4.000 Unterstützer, um antreten zu können.

Was ist mit euch los, Leute? Am 18. März müssen die Unterschriften bei der Bundeswahlleiterin vorliegen. Es sind also noch zehn Tage Zeit, die Lethargie abzuschütteln. Die Unterstützung einer Bürgerliste greift übrigens einer Wahlentscheidung im Juni nicht vor – sie bereichert lediglich das politische Angebot und ist ein deutliches Signal an die Machthaber.

Hier geht’s zur Anleitung, was man tun muss

 

Vera Lengsfeldgeboren 1952 in Thüringen, ist eine Politikerin und Publizistin. Sie war Bürgerrechtlerin und Mitglied der ersten frei gewählten Volkskammer der DDR. Von 1990 bis 2005 war sie Mitglied des Deutschen Bundestages zunächst bis 1996 für Bündnis 90/Die Grünen, ab 1996 für die CDU. Seitdem betätigt sie sich als freischaffende Autorin. 2008 wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt.

Foto: J. Patrick Fischer CC BY 3.0 via Wikimedia Commons

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Leserpost

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W. Renner / 11.03.2024

Formular ausfüllen ist ja die Kernkompetenz der Kartoffeln. Nur blöderweise hat noch keine Revolution durch Formulare ausfüllen statt gefunden. Mit Steine schmeissen sind da einige Vertreter der „Demokratieverteidigung“ deutlich weiter gekommen.

Elizabeth Bennett / 11.03.2024

Die Große Deformation wird solange weiterbetrieben, wie wir das zulassen. Sobald sich die Leute, die realisieren, was hier abgeht, selbstbewusst wehren, sobald sie ausstrahlen, dass sie vor diesem Mobbing, diesen Lügen, diesen Schweinereien, dieser sich selbst vervielfältigenden organisierten Niedertracht, dieser psychologischen Schreckensherrschaft der grünen, roten und schwarzen „Pädagogen“ keine Angst haben, so schnell hört das auf. Toxische Machtausübung endet, sobald der Unterdrückte dem Unterdrücker seine Machtgrundlage - Angst und Unterwerfung - entzieht . Konformismus und lammfromme Schafsgeduld, sich erst eine Wartemarke zu nehmen und sich dann ordnungsgemäß in Impfgatten anzustellen - mit der Mentalität wird das nichts. Ein (guter) Schwab (Charles) ließ sein Lebensmotto einst auf seinen Grabstein schreiben, und das ist ein guter Rat an alle: von jedem Menschen könne man lernen. Na, dann versuchen wir doch mal gemeinsam zu überlegen, was man sich Nützliches von den massenhaft Nunsindsiehaltdas abschauen könnte, die man uns geschenkt hat.

Wolfgang Richter / 11.03.2024

@ Günther Oberwahrenbrock - “Außerdem ist nicht der Sozialismus verstorben, sondern die BRD wurde unbemerkt von denen übernommen.”—Ein sehr schöner Beleg dafür ist, daß die Kohorten von IMs und Agenten der Stasi in den westdeutschen Parlamenten und Behörden, die dort für das “Friedenswerk des Sozialismus” aktiv spionierten u unterminierten nach der sog. Wende idR unbehellig blieben. Auch hier kam 1990 zusammen, was sich als zusammen gehörig fühlte. Nach einer kurzen Neuorientierung konnten selbige wundersam im Sinne ihrer Ideologie weiter werkeln, so daß Deutschland heute dort steht, wo es ist. So habe ich aus einer der wenigen Dokus zum Thema von damals noch “echten Journalisten” von etwa Mitte der 1990er noch eine Filmszene in Erinnerung, als man vor der mehr hochpreisigen “Hütte” eines inzwischen pensionierten Behördenleiters der Bundespolizei (vormals Bundesgrenzschutz) stand u. ein Interview anfragte zu seiner vormaligen Zuarbeit für die Stasi. Der wurde nicht nur juristisch nicht belangt, sondern dürfte Besitzstand und Pension behalten haben. Erinnerlich ist mir nur der Soze Karl Wienand, der mal juristisch belangt wurde, aber auch nur, weil er penetrant immer wieder auffiel und “geldgeil” war. Und wem dann noch die Geschichte der heute bundesweit alles infiltrierenden sog. “Grünen Partei” bekannt ist, in der sämtliche in diversen kommunistischen Grüppchen , von der DDR alimentiert, nach und nach aufgegangen sind, bis hin, daß diese “Figuren” Ministerämter bekleideten, von Fischer bis Trittin, BW-Kretschmann nicht zu vergessen, der weiß doch, wohin uns diese “Reise” mit welchen Wurzeln warum getragen hat. Auch das will von den Wohlstandsbürgern, den Genrationen “Z” bis “Schneeflocke” doch niemand ernsthaft wissen. Dann müßte man a) darum wissen (wollen),  b) bei Google wissen, wonach man fragen muß, c) liefe Gefahr, Unangenehmes zu erfahren, was die Work-Life-Balance unangenehm trifft u das bei den schon jetzt nicht ausreichend vorhandenen Therapieplätzen.

Wolfgang Richter / 11.03.2024

“Das Ganze funktioniert nur, weil es zu wenig Widerstand dagegen gibt, an den Rand geschoben zu werden.”—Das Konglomerat aus sich selbst als “etablierte Parteien” darstellenden Politvertretern u den alles überwuchernden Mainstreammedien hat die Meinungshoheit an sich gerissen und es gar geschafft, mit ihren Aufrufen zum “Gesichtzeigen für Demokratie und Anstand” die immer noch aktiven (europaweiten)  “Bauernproteste” aus der Wahrnehmung der Mehrheit im Lande zu verdrängen. U alle anderen werden als “rechtslastige Paria” an den Rand der Gesellschaft geschimpft, der nicht “satisfaktionsfähig” ist. Hat als Generalprobe bereits bei “Corona” wunderbar funktioniert, mit den vorher schon mal die Gesellschaft spaltenden Gauck, FrankWalther, Gabriel etc. als Gallionsfiguren der selbst ernannten Übermoralisten. U mir geht dieses “Land” als vom rechten Rand her Popcorn schmatzender nur noch Beobachter so ziemlich am “Arsch vorbei”. Sie wollen alleine spielen, sollen sie doch. Heute steht das Land am Abgrund, morgen sind sie schon einen Schritt weiter. Sehr schön dazu heute in den Medien in Nieders. die gestiegenen Zahlen der Kriminalstatistik, gepaart mit der stolzen Verkündung einer höheren Aufklärungsquote u dem Eingeständnis der relativ zu hohen Migrantenbeteiligung bei den (aufgeklärten) Taten, was halt quasi evolutionsbedingt hinzunehmen ist. Ich warte immer noch auf den Spaßmoment, wenn die aktuell dem Regierendenaufruf folgenden Bevölkerer von Straßen und Plätzen dem immer größer werdenden Teil der islamisch gläubigen Bevölkerung klar machen, daß selbige die Regenbogenfahnen u dafür stehenden 67 + x Geschlechter zu akzeptieren haben. U wenn hier demnächst der Strom zumindest regional schon mal ausfallen sollte, auch noch die letzten Arbeitsplätze ins östliche Ausland / nach Asien verlagert sind, möchte ich sehen, wie die politischen Rechenkünstler die zwangsweise steigenden Sozialausgaben, die jetzt schon für “Rüstung der Ukraine” zusammengestrichen sind, zu bewältig

Karl Loberan / 11.03.2024

@G.Oberwahrenbrock Immer wieder erhebend, wenn der Altparteien währende Westdeutsche den Widerstand gegen das DDR Regime herunterspielt. Ja, der Ostblock war pleite. Aber die Kalaschnikows funktionierten hervorragend. Es kam nur deshalb nicht zu einem Blutbad, weil der Russe es nicht wollte. Hätte Gorbatschow sein Okay gegeben oder auch nur weggesehen, hätten sich die DDR Kommunisten nicht so einfach ergeben. Die Einheiten standen bereit, es existierten Listen zur Verhaftung, Lager und Blutreserven standen bereit. All das wussten die Bürger und sind trotzdem auf die Straßen gegangen. Was haben die Westdeutschen bisher getan? Abgesehen vom Meckern in den Foren der Alternativmedien und Verächtlichmachung der Ostdeutschen?

Wilfried Cremer / 11.03.2024

Teil 3: Außerdem ist er genauso dünn wie Goebbels.

Karl Vogel / 11.03.2024

Es geht noch einfacher: Die Alternative wählen.

Volker Kleinophorst / 11.03.2024

Ich spekulier mal: Gehirngewaschen, Dumm, feige und natürlich bis zum Brain-Fog geimpft und geboostert.

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