Wolfgang Röhl / 19.01.2018 / 06:25 / Foto: Pixabay / 17 / Seite ausdrucken

Wie Paypal mich zu einem besseren Menschen machte

Kürzlich hat mich mein aufmerksamer Bezahlkumpel in letzter Minute vor einer Missetat bewahrt. Ich war dabei, ein schlimmes Produkt im Internet zu ordern, als folgende Ansage auf dem Schirm aufpoppte:

Wichtiger Hinweis zur Zahlungsart PayPal! Es befindet sich mindestens ein Artikel im Warenkorb, der gegen die allgemeinen Richtlinien von Paypal verstößt und leider nicht über diese Zahlungsart bezahlt werden kann.

Um welches No-go es sich handelte, war klar. Es lag ja nur ein einziger Artikel im Warenkorb. Doch warum wollte PayPal, mitgegründet vom Elektroautogott Elon Musk, mir diesen Kauf verunmöglichen? Ich arbeitete mich zu den Nutzungsrichtlinien des Bezahldienstes vor und erfuhr: Mittels PayPal darf man unter anderem weder Drogen (worunter auch Zigaretten fallen) noch Obszönes oder Geklautes handeln, Hass und Gewalt nicht fördern und auch keine Transaktionen vornehmen, die mit „Munition, Schusswaffen, Teilen von Schusswaffen oder Zubehör zu tun haben“.

Da also lag die Maus im Pfeffer! Bei dem Gerät, das ich im  Internet ausgeguckt hatte, handelte es sich um ein quasi kriegswaffentaugliches Teil, nämlich die „Original Kieferle W2 Wühlmausselbstschussfalle“ zum stolzen Preis von 34 Euro.

Sie wird in die Gänge des im Grunde liebenswerten, leider auch Schaden stiftenden Nagers geschoben. Dessen Erdarbeiten lösen die Zündung einer 9mm-Platzpatrone aus. Die kräftige Druckwelle exterminiert den mit schwacher Lunge ausgestatteten Wühler – so jedenfalls die Werbung – ruckartig und leidensfrei. Der Kadaver wird in den Gang zurückgeschleudert und damit praktischerweise erdbestattet. Klingt etwas aufwändig, ist aber für einen Versorger freilaufender Haustiere (in meinem Fall Katzen) unabdingbar. Giftköder oder Schlagfallen auf einem Katzen-Turf, das geht gar nicht.

Nun sind nach meinem Kenntnisstand die Arvicolinae nicht so selten wie der Rote Milan. Dennoch, PayPal blockte. Hatte die Große Wühlmaus, immerhin Vegetarier*in, dank grüner Fürsprache es inzwischen geschafft, auf die Rote Liste zu gelangen? Ich schlug nach bei Wikipedia und diversen Gartenratgebern wie ulmer.de, fand aber keinen Hinweis auf einen gesetzlichen Schonstatus. Vielmehr wird das putzige Kleintier von sogenannten Experten unisono als „Gartenplage“ geschmäht. Was bei tierethisch etwas wackelig aufgestellten Charakteren wie mir die Verfolgungshemmung deutlich reduziert.

Morgenrot ist angebrochen

Zum Glück gibt es verantwortungsbewusste Institutionen wie PayPal, welche Menschen davor bewahren, Hass und Gewalt gegen Andersaussehende zu verüben. Burgen der digitalen Achtsamkeit, wo offenbar beim Triggerwort „Schuss“ in Verbindung mit einem Lebewesen automatisch rote Lampen angehen. Für dieses Nudging hin zum politisch korrekten Pfad bin ich dankbar. Ungefähr so dankbar wie Winston Smith dem O’Brian am Schluss von „Nineteen Eighty-Four“ war.

Die Sache ist zivilgesellschaftlich ausbaufähig. Künftig sollte die GLS-Bank mit ihren wahrhaft fabelhaften sozial-ökologischen Angeboten (Windrad auf dem Firmendach) nicht mehr erlauben, dass ihre Kunden per Internet glyphosathaltige Unkrautvernichtungsmittel bestellen oder andere Autos als E-Mobile kaufen. Die Deutsche Bank, großzügige Förderin feinster Kunst & Kultur, sollte es nicht mehr durchgehen lassen, dass über ihren Bezahldienst paydirekt rassistische Hetzschriften wie die eines Thilo Sarrazin erworben werden. Die Ethik Bank (macht unter anderem null Geschäfte mit Frackern, Kohleförderern, Genveränderern und Pornografen) müsste sicherstellen, dass ihre Kunden mit der Master Card der Bank sich keinesfalls zum Beispiel DVDs von „Fifty Shades of Grey“ kommen lassen.

Und bei Amazon payments sollten sie nicht nur dieses Machwerk  auf die schwarze Bezahlliste setzten. Sondern die Geldtransfers für sämtliche Pamphlete blockieren, welche Klimaleugner und andere Weltzerstörer ermutigen könnten. Schließlich betreibt Amazon auch jede Menge zukunftsweisende Wind- und Solarfarmen, worauf Jeff Bezos stolz wie Bolle ist.

Mit den Feinheiten der Zahlungsblockaden könnte man die Amadeu Antonio Stiftung beauftragen, deren Leiterin sich überwachungstechnisch hinreichend qualifiziert hat. Ja, er kann wahr werden, unser Traum von einem besseren Planeten. Morgenrot ist angebrochen. Kappen wir den Ewiggestrigen einfach die Geldleitungen! Benötigt wird eine Handvoll mutiger Moralpioniere, dann zieht der Rest der Bezahlfunktionäre bald nach. Die Öffis, „Zeit“ und „Spiegel online“ stehen featuremäßig bei Fuß.

Am Ende werden auch „Garten-Nazis" (Reinhard Mey) und Wühlmäuse sich endlich versöhnen. No borders!

Foto: Creative Commons CC0 Pixabay

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Leserpost (17)
Andreas Rochow / 19.01.2018

Schon lange vor Paypal und Amazon haben sich mächtige Distributoren wie Bertelsmann und Thalia staatsmännisch darangemacht, Autoren zum “Staatsfeind” zu erklären und ihre Werke vom Einzelhandel auszuschließen und auf Bestsellerlisten unsichtbar zu machen. Sie haben damit demonstriertert, dass der deutsche/europäische Rechtsstaat auf Zensur nicht verzichten muss; es werden sich immer Figuren finden, die bereitwillig, ja lustvoll und unter dem Jubel des linken Boulevards, diese Drecksarbeit verrichten. Inzwischen ist das Zensieren/Ächten/Sperren ein lukratives Geschäft geworden, das unter dem Bertelsmann-Dach rd. 1.200 Geringverdienern Lohn und Brot gibt. Es nimmt Formen an, die nicht mehr zu übersehen sind. Wenn in dieser Situation die Kommentare in Netzwerken und Blogs gezähmt und langweilig werden, wird der Zensurstaat das als Zustimmung und “Einsicht in die Notwendigkeit” deuten. Ebenso darf die Maulwurfsfalle auf keinen Fall in die Hände von Unbefugten gelangen; der Maulwurf ist so zu unrecht zum Symbol der neuen Zensoren geworden. WWF hilf!

Bärbel Schneider / 19.01.2018

Ihr Vorschlag wird bereits umgesetzt. Martin Sellner, dem Chef der Identitären Österreichs,  wurden bereits mehrere Konten gekündigt. Nachzulesen in einem E-Mail-Austausch Sellners mit Kubitschek. Wir wissen ja auch aus Atwoods “Report der Magd” (wo die Frauen nicht mehr auf ihre Konten zugreifen konnten), wie gut man damit Menschen in die Abhängigkeit bringen kann. Mal sehen, wann noch mehr “Rechte” (also alle Nichtlinken) an die Reihe kommen.

Wolf-Dieter Schmidt / 19.01.2018

Warum zur Hölle benötigt man einen Bezahldienst wie PayPal? Ja, richtig! Es gibt tatsächlich da und dort mal einen Artikel, den man nur damit kaufen kann. Aber deshalb gleich zu PayPal rennen und sich anmelden? Also ich teile dem Verkäufer mit, dass er auf das Geschäft verzichten muss, wenn er eine Bezahlung mit der guten alten Hausbank verweigert und suche nach Alternativen. Bei PayPal anmelden? NEVER! Bei Sofortüberweisung anmelden? NEVER! Entweder gibt es Vorauskasse oder Bezahlung auf Rechnung oder das Geschäft macht ein anderer.

Stefan Zorn / 19.01.2018

Ich ringe nach Luft…

Tom Hess / 19.01.2018

Mein Großvater, geboren 1914, war (Baumschul)-Gärtner aus absoluter Leidenschaft heraus und bewirtschaftete noch mit knapp 90 einen 2.000 qm großen Garten alleine, zu dem er täglich drei Kilometer mit dem Rad fuhr (ab 85 schob er es). Mein Großvater wurde in meiner Familie nicht nur ob des ausgezeichneten Gemüses ohne Gift und der vielen tollen Blumen, für Zwetschgen, Erdbeeren, Birnen, Himbeeren usw. gelobt. Nein, es schlummerte auch eine ganz besondere Eigenschaft in ihm: er fing wirklich jede Wühlmaus. Er wusste immer, welchen Gang die Wühlmaus nutzen würde und er zwang sie mit Wasser an exakt diesen Ausgang mit Falle. Wenn ich jetzt lese, was Ihnen mit PayPal passiert ist, verstehe ich das. Vielleicht war er deshalb so ein begnadeter Wühlmausfänger, weil er blöderweise in die Nazizeit hineingeboren wurde. Er war zwar nur ein einfacher Landser in der Wehrmacht, aber es muss wohl auch in diesem Fall mit dem Urbösen des Deutschen zu tun haben, dass er ein so guter Wühlmausfänger war. Ironie off.

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