Wenn zur Erklärung von Katastrophen der Hinweis auf Dummheit der Akteure ausreicht, braucht es keine Verschwörungstheorien. „Die Feigen und Kleinmütigen sind weder im Himmel noch in der Hölle willkommen, sondern müssen in einer Vorhölle nackt umherlaufen“, so Dante Alighieri. Es fehlt nur noch das Kind, das ausruft: „Der Kaiser ist ja nackt!“, um das politische Kartenhaus einstürzen zu lassen.
Die „Zahlen steigen“, der Tierarzt vom RKI prophezeit 100.000 Tote zum Weihnachtsfeste. Den Apokalyptikern „laufen die Intensivstationen voll“, nachdem ihnen die Intensivbetten samt Personal davongelaufen sind. Die Halbwertszeit des Ablaufs politischer Heilsankündigungen und Freiheitsversprechen auf Basis des „Pikses“ ist kleiner als die Druckzeit ihrer Jubelperserzeitungen. Bald steht der Kaiser splitternackt da.
Noch wähnen sich die Impf-Gutgläubigen voll kognitiver Dissonanz in Sicherheit, indem sie den ungeimpften Sündenböcken die Schuld für das komplette Impfversagen in die Schuhe schieben. Und schon haben sich „Wissenschaftler“ gefunden, die wissenschaftlich beweisen, dass es zwischen Zustimmung zur Regierungspolitik und Corona-Inzidenz eine indirekte Proportionalität gibt. So kann der gute Untertan gleichzeitig die Impf-Unfolgsamen und die Regierungskritiker, Querdenker, Verschwörungstheoretiker und Schwurbler hassen.
Der ganze verbale Hasswerkzeugkasten
Wer wurde in dieser Krise nicht schon alles zum Sündenbock ernannt, zum Schuldigen am Versagen der Verantwortlichen? Erst waren es chinesische Touristen, die von Angst-Irren mit Sagrotanflaschen auf offener Straße besprüht wurden. Dann waren es die „Apres-Ski-Wütigen“ aus Ischgl, denen der Tod unserer Oma egal war. Ein paar Monate später waren es die nach Deutschland vom Heimaturlaub zurückkehrenden Gastarbeiter. Sogar Einzelpersonen schafften es auf die Schuldzuweisungs-Titelblätter, eine „verantwortungslos partywütige US-Soldatin“ steckte angeblich eine ganze Stadt an. Dann gerieten die „vergnügungssüchtigen Jugendlichen“ ins Visier der Sündenbock-Schützen. Und jetzt sind es halt die „Ungeimpften“, auf die voller Hass geblickt wird.
Doch halt, ihr Geimpften, schon morgen könntet ihr die nächsten Sündenböcke sein, weil es die „Geboosterten“ so sehen. Dann wird es heißen, die Hospitäler seien voller Geimpfter, weil es so viele unsolidarische „Boosterverweigerer“ gibt, die ihre eigene Gesundheit über das Allgemeinwohl stellen. Später werden die „doppelt Geboosterten“ auf die „Geboosterten“ mit dem Schuldzuweisungsfinger zeigen. Wird dann bald die Impfabo-Armbinde zum Zeichen der Unschuld an der eingebildeten Misere ernannt?
Wen interessierte schon der mangelnde Wahrheitsgehalt der Anschuldigungen, wenn sie doch den Politikern zur Ablenkung so willkommen waren? Damit keiner sich an die gebrochenen Worte erinnern möge, wurde der ganze verbale Hasswerkzeugkasten ausgepackt. Unsolidarische Egoisten war noch das Mindeste, was Medien und Politik den Ungeimpften anhingen. Von der politisch-medialen Bühne schmähten die größten Versager Ungeimpfte als Terroristen, Idioten und Schädlinge.
Sie verloren erst jeden Anstand, dann jede Scham. Kein Freiheitsversprechen, keine Impfzwang-Ablehnung, kein Schutzversprechen gilt mehr. Es gilt nur noch, die Gesellschaft möglichst tief zu spalten, um die eigene Unfähigkeit zu kaschieren.
Das Schauspiel der Demütigung der vermeintlichen Schuldigen
Die Spaltung der Gesellschaft ist nicht auf Dummheit zurückzuführen. So dumm sind die Akteure nicht, dass sie nicht darum wüssten. Es nützt ihnen, wenn der Hass der Geimpften auf die Ungeimpften Familien, Freundschaften, die Gesellschaft zerreißt. Unverdrossen säen sie Wind.
Die Scharfmacher sind aber zu dumm, die möglichen Folgen dieses Risses zu überblicken. Sie glauben, dass „teile und herrsche“ unbegrenzt funktioniert. Deshalb packen sie die Folterwerkzeuge für die Sündenböcke ohne jede Hemmung aus, wohl wissend, dass ein Teil der Bevölkerung und die Medien sich an dem Schauspiel der Demütigung der vermeintlichen Schuldigen ergötzen.
Soziale Ausgrenzung, Wegsperren, Ausbeuten, Verächtlichmachen, Zwangsimpfen – „es muss wehtun“, sagen sie ganz offen. Und mancher Pöbel klatscht Beifall dazu, ohne zu merken, dass er der Nächste sein wird, der dran ist. Denn Dantes Vorhölle wartet schon morgen auf diejenigen, die heute über das Elend der Geächteten frohlocken.
Nicht überall werden die staatlichen Übergriffe klaglos hingenommen. Guadeloupe ist im Generalstreik, Macron sendet das Militär. In den Hauptstädten Paris, Amsterdam, Brüssel, Rom und Wien demonstrieren Abertausende gegen die maßlosen Zwangsmaßnahmen.
Besorgniserregend ist, dass an den Rändern dieser friedlichen Demonstrationen eine Gewalt heranwächst, mit der die Windsäer nicht gerechnet haben. Sie kommt aus Ecken, die bisher unter ihrem politischen Schutz standen und daher von den Medien nicht thematisiert und von der Politik nicht wirksam eingehegt werden.
Wir sitzen auf einem Pulverfass
Wer hätte sich vorstellen können, dass die deutsche Polizei 2020 im Angesicht des Reichstages mit Wasserwerfern gegen friedlich demonstrierende Bürger vorgeht? Wer hätte sich die Bilder ausmalen können, dass – schon vor zwei Jahren in Paris – auf den Champs-Elysees Barrikaden brennen und die Gendarmen Demonstranten mit Gummikugeln die Augen ausschießen und mit Granaten Menschen vor dem französischen Parlamentsgebäude die Gliedmaßen abreißen? Wer hätte sich vorstellen können, dass in Rotterdam – im friedlichen Holland – die Polizei auf randalierende Demonstranten schießt und sieben verletzt?
Wir sitzen auf einem Pulverfass, und die Corona-Scharfmacher spielen mit Zündhölzern. Sie sagen: „Es muss wehtun“ und unterschätzen, dass sie damit Millionen Bürgern wehtun. Coronakrise, Inflation, Energiekrise – das alles türmt sich auf den Schultern derselben Menschen. Und es tut weh.
Es tut den Familien weh, es tut den Kindern weh. Druck erzeugt Zorn. Die Wut wächst und stößt auf den gesäten Hass der anderen Seite. Wenn es nicht die Corona-Wut ist, wird es die materielle Verelendung sein. Oder ein Blackout bringt aus heiterem Himmel unsere Zivilisation ins Wanken. Dazu das unkalkulierbare Verhalten einer unberechenbaren „Jugend- und Partyszene“.
Nicht jeder von den Betroffenen weiß seine Wut auf friedliche Weise auszudrücken. Zumal die Menschen lernen, dass friedliche Demonstrationen totgeschwiegen und weggelächelt werden. Macron nahm seine ausbeuterische Politik erst zurück, nachdem es wochenlang Gewalt auf den Straßen gegeben hat.
Wie lange bleibt es noch friedlich? Die Windsäer fangen an, ihren selbst gesäten Sturm zu ernten.
Beitragsbild: CiberprofeCC BY 3.0 via Wikimedia Commons

Sehr geehrter Herr Haferburg,
ist es denn in Ihrer Wahlheimat Frankreich besser? Soweit man von hier aus sehen kann, nein. Das ist doppelt enttäuschend, denn der Merkel-Politik habe ich schon längere Zeit Schlechtes zugetraut. Und Paris …. das war doch immer Freiheit und Individualismus.
Und die Schweiz, so dachte ich, wird Vernunft und Augenmaß bewahren, wenn auch die umliegenden Länder dem Totalitarismus verfallen.
Jetzt liest man hier Überschriften wie „Wieviel Unfreiheit braucht die Freiheit?“ oder „Wie viel Demokratie verträgt die Schweiz?“.
Das bedeutet: Man sieht die Demokratie mit ihren in den 50ern und 60ern erkämpften Freiheitsrechten für ungeeignet, man würde wohl sagen „nicht zukunftsfähig“. Denkbare Modelle sind vielleicht das Politbüro unter Vorsitz der Dauerkanzlerin? Oder gleich ein vom WEF Davos bestimmtes Direktorium?
Es ist deprimierend. Ich weiss nicht mehr, wo man unbeeinträchtigt leben kann. Wissen Sie es?
Freundliche´Grüsse
Bevor die Deutschen eine Revolution vom Zaun brechen, fällt Weihnachten und Neujahr auf einen Tag. Das wissen die Politiker auch und fühlen sich daher sehr sicher.
Es wäre schon längst Zeit für eine Revolution gewesen, wenn ich erinnern darf: die ständigen Rechtsbrüche des Merkelregimes seit 2008. Und was war? Die Deutschen Schlafschafe fröhnten ihrer Lieblingsbeschäftigung: schlafen.
Eine friedliche Revolution in Coronazeiten wäre doch so einfach: Niemand trägt mehr nirgendwo eine Maske; niemand läßt sich mehr impfen. Was wollen die Politker dann machen? Alle in den Knast stecken?
Aber daß genau dies nicht passiert, spricht für die Richtigkeit meiner Vermutung, daß Weihnachten und Neujahr eher auf einen Tag fällt, als daß die Deutschen sich zu einer selbst friedlichen Revolution entschlössen.
Bevor in Deutschland etwas passiert, kommt die COSTAPO ( Coronastaatspolizei ) zum Zuge, die haben seit März 2020 uns gezeigt, wie sie zum Volk stehen.
Ach was. Haferburg sollte Heinsohn lesen. Nichts wird in Deutschland passieren.
Uns kann nur noch ein gravierender Einschnitt retten. Nein, ich wünsche mir wirklich keinen Blackout für dieses Land, aber bevor das Vierte bzw. das Grüne Reich sich entfaltet kommt es mir inzwischen wie das kleinere Übel vor. Schrecklich wird die Zukunft, so oder so.
Lieber Herr Haferburg, das könnte die Tragik des politischen Wandels werden. In Deutschland steht hinter den Demonstranten das Ideal des friedlichen Protestes von 89. Doch dieser wird heute verlacht. Die Politik macht aus den Bürgern die Karikatur ihrer Abschaffung. Dennoch wird in Deutschland die Friedfertigkeit so lange bestehen, wie die Bewegung wächst. Doch es gibt eine Ungleichzeitigkeit unterschiedlicher Protestkulturen in Europa. Und die Verhöhnung der Bürgerlichen Massen durch eine außer Rand und Band geratenes Neofeudalistisches Globalestablishment (das von seiner Provinzialtät nicht weiß), wird in die Unbeherrschbarkeit münden. So oder so.
Ich hoffe, daß es bald auch in Berlin so richtig kracht. Wenn keine Argumente mehr zählen, hilft nur noch Gewalt (leider); aber eine andere Sprache als Gewalt versteht in dieser Zeit das Establishment nicht.