Wolfgang Zoubek, Gastautor / 29.05.2019 / 15:00 / Foto: Pixabay / 5 / Seite ausdrucken

Wie Japan mit US-Präsident Trump umgeht

Von Wolfgang Zoubek.

ウォルフガング ツオウベク

Am vergangenen Wochenende kam Donald Trump am frühen Abend am Flughafen Haneda an. Danach begleitete ein großer Konvoi die Präsidentenlimousine über gesperrte Straßen ins Zentrum von Tokio. 25 000 Polizisten bot die japanische Seite für die Sicherheit Trumps auf. Alle Zugänge wurden bewacht, Schließfächer auf Bahnhofen gesperrt und Mülleimer abgedeckt, damit keine Bomben deponiert werden konnten. Wie viele Sicherheitsleute der Staatsgast mitbrachte, wurde nicht kolportiert.

Proteste gegen Trump gab es keine, und es warteten sogar nicht wenige Leute am Flughafen, um die Air Force One landen zu sehen. Der Präsident begab sich gleich nach der Ankunft in die amerikanische Botschaft, wo ihm noch am selben Abend japanische Wirtschaftsführer ihre Aufwartung machten. Neben Sicherheitsfragen sollte es bei diesem Staatsbesuch um Wirtschaftsfragen gehen. 

Trumps Besuch in Japan hatte aber vor allem symbolische Bedeutung. Er war der erste Staatsgast in der neuen Reiwa-Ära und daher auch der erste, der vom neuen Kaiser empfangen wurde. Diese Symbolik war den Japanern wichtig, um die enge Freundschaft zwischen Japan und den USA zu betonen.

Sonntag Vormittag spielte Premierminister Abe mit Trump Golf und am Nachmittag besuchte er mit Trump das Sumō-Turnier, das an diesem Tag zu Ende ging. Zu Clintons und Bushs Zeiten gab es einige amerikanische Sumō-Ringer, die aus Hawai stammten, von denen ist aber keiner mehr aktiv. Derzeit dominieren Ringer aus der Mongolei, doch bei diesem Turnier gewann der Japaner Asanoyama. Es war sein erster Turniersieg, und Trump war der erste amerikanische Präsident, der ein Sumō-Turnier besuchte. Er betrat den Ring und berreichte dem Sieger persönlich den neu gestifteten Präsidenten-Pokal. Die Sicherheitsmaßnahmen in der Sumō-Halle waren aus dem Anlass strenger als auf einem Flughafen. 

Im Robatayaki-Restaurant

Am Abend besuchten Abe und Trump samt Gattinnen ein Robatayaki-Restaurant. Dort werden direkt vor den Gästen die Speisen auf Holzkohle gegrillt, meist Seefrüchte und Gemüse. Die Zubereitungsmethode stammt aus Nordost-Japan und wurde hauptsächlich von Fischern gepflegt, außerhalb Japans ist sie wenig bekannt. 

Am Montag begann der offizielle Teil der Visite, angesagt war am Vormittag ein Empfang beim Kaiser. Danach gab es ein Arbeitsgespräch beim Premierminister. Dabei sprach Trump die unausgeglichene Handelsbilanz zwischen Japan und den USA an, legte aber auch Wert darauf, im Konflikt mit dem Iran Japan auf seiner Seite zu wissen. Am Abend gab es dann ein Staatsbankett, dessen Eröffnung sogar live im Fernsehen übertragen wurde. Das alles ähnelte einer Hofberichterstattung. Anders als in westlichen Medien war man nicht auf der Suche nach Fettnäpfchen, in die Trump getreten wäre. Zum Beispiel mokierte sich die BBC darüber, dass Trump, Abe und Gemahlinnen in der Sumō-Halle auf breiten Polstersesseln Platz genommen hätten, während alle übrigen Besucher, wie es beim Sumōüblich ist, in traditioneller Weise am Boden sitzen mussten.

Es war für Japan wichtig, bei diesem Staatsbesuch eine gute Atmosphäre aufzubauen. Die japanische Politik braucht einen guten Draht in die USA, egal wer dort Präsident ist. Man ist auf den amerikanischen Rückhalt vor allem gegenüber China angewiesen, um nicht so erpressbar wie andere Nachbarstaaten Chinas zu sein. Der Konflikt um die Senkaku-Inseln verschwand zwar zuletzt aus den Schlagzeilen, doch die Chinesen provozieren immer noch gern, indem sie Schiffe in das umstrittene Gebiet schicken. 

Auch in wirtschaftlicher Hinsicht sind die USA für Japan wichtig. Seit Trump aus TPP (Trans-Pazifik Partnership) ausstieg, dümpelt das Projekt unter Beteiligung der restlichen Mitgliedsstaaten, darunter Kanada, Australien, Malaysien und Mexiko nur noch dahin. Es hat an Bedeutung und damit auch an Priorität verloren. Der Vertrag ist immer noch nicht ratizifiert. In Japan scheinen nicht alle darüber traurig zu sein. Die Autoindustrie hatte sich Vorteile versprochen, doch die stark abgeschottete Landwirtschaft fürchtete Einbußen. Bei dem Handelsvertrag, den Trump nun mit Japan im Auge hat, und der im August abgeschlossen werden soll, geht es um dieselben Probleme.

Man kennt die Tricks der Cinesen

Die japanischen Medien berichten gewöhnlich distanziert über Trump. Bei allen Themen, die auch Japan betreffen, bemüht man sich um objektive Beurteilungen. Derzeit wird der Handelskonflikt und Zollstreit zwischen China und den USA genau beobachtet. Mit der Behauptung, China wäre der Garant des Freihandels, der gegen Trump verteidigt werden müsste, würde man sich in Japan nur lächerlich machen. Schließlich kennt man die Tricks mit den joint ventures und den chinesischen Ideenklau schon länger. Aber auch die Kontakte Trumps zu dem nordkoreanischen Führer Kim wurden aufmerksam verfolgt. Abgesehen von Kims Raketen, sind die japanischen Entführungsopfer ein Dauerthema. Vor rund vierzig Jahren wurde ungefähr ein Dutzend Japaner auf mysteriöse Weise nach Nordkorea entführt. 2004 konnten einige zurückkehren, doch die übrigen sollen sich immer noch dort befinden.

Zu sonstigen Themen in Bezug auf Trump berichten japanischen Medien ähnlich wie die deutschen, nur weniger gehässig. Meistens wird der Spin von den amerikanischen Quellen übernommen. Das begann schon bei den Berichten über den Wahlkampf, sodass auch in Japan kein Mensch glaubte, Trump könnte die Wahl gewinnen. Japanische Politiker hielten sich dabei aber strikt heraus, keiner lehnte sich mit Äußerungen aus dem Fenster, dass etwa Hillary Clinton als Präsidentin wünschenswerter wäre als Trump. Und nach Trumps Wahlsieg nahm Premierminister Abe als einer der ersten ausländischen Politiker Kontakt zu ihm auf, und es kam auch bald zu einem persönlichen Treffen.

Vom Mueller-Report wegen Trumps angeblicher Russland-Connection war in der Folge auch in Japan die Rede, und das Impeachment-Verfahren stand auch laut japanischen Journalisten immer unmittelbar bevor. Das zweite Thema war die Flüchtlingskarawane, die durch Mexiko auf die amerikanische Grenze zuströmte. Auch hier wurde der Spin übernommen, dass sich Trump nicht so anstellen und die paar armen Teufel reinlassen sollte.

Dabei ist es nicht so, dass es zwischen Japan und den USA keine Konflikte gäbe. Vor allem die amerikanische Truppenpräsenz in Japan verursacht Probleme. Als Okinawa 1972 an Japan zurückgegeben wurde, musste die Politik versprechen, dass die US-Stützpunkte unangetastet bleiben. Die japanische Regierung hat keinen Einfluss darauf, was dort geschieht, zum Beispiel ob Atomwaffen gelagert werden. In der Bevölkerung gab und gibt es zwar Protest dagegen, doch außer dem Ex-Premier Hatoyama schloss sich nie ein überregionaler Politiker den Protesten an. Da sich Hatoyama 2010 – damals noch gegen Obama – mit seinen Forderungen nicht durchsetzen konnte, musste er zurücktreten. So ein Schicksal will sich Abe ersparen, deshalb sprach er gegenüber Trump das Thema geflissentlich nicht an.

Am Dienstag, den 28. Mai, wurde bei einem Truppenbesuch auf einem japanischen Kampfschiff in Yokosuka von Abe und Trump vor 500 japanischen und amerikanischen Soldaten das enge Bündnis zwischen beiden Staaten betont. Dabei ist gerade der US-Stützpunkt in Yokosuka bekannt dafür, dass die Amerikaner dort heimlich Atomwaffen an Land schaffen. Japanische Politiker schließen davor die Augen, und wenn doch Fragen dazu in der Öffentlichkeit gestellt werden, reden sie sich meist darauf aus, dass das Sache der Amerikaner sei.

Der letzte Tag des Trumpbesuchs wurde von einem Amoklauf in Kawasaki überschattet. Ein 51jähriger Japaner lief am Morgen mit zwei Küchenmessern in Händen durch eine Straße, tötete wahllos zuerst einen 39jährigen Diplomaten und stürzte sich dann auf eine Gruppe von Schulkindern, die an einer Bushaltestelle wartete. Dort starb ein 11jähriges Mädchen und weitere 16 Opfer wurden verletzt. Als der Bus kam, flüchtete der Täter und richtete sich einige Meter weiter durch einen Stich in den Hals selbst.

Über den Mörder und sein Motiv wurde bisher nichts näheres bekannt. Obwohl Japan normalerweise ein sicheres Land ist, kommt es hin und wieder zu solchen Attacken. Leute, die mit sich selbst nicht zurande kommen, rasten aus und verletzen oder töten völlig Unbeteiligte. Trump äußerte bei seinem Abschied sein Beileid für die Opfer.

Foto: Pixabay

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Direktüberweisung
Leserpost

netiquette:

Sabine Schönfelder / 29.05.2019

Wie angenehm, keine gespielte Empörung, kein tourettöses Trumpbashing, einfach nur ein gastfreundlicher ehrenvoller Empfang eines amerikanischen Präsidenten, der in freundlicher Ehrerbietung erscheint, um eine Freundschaft zwischen zwei Völkern zu festigen, die beiden, durch geschäftliche Verflechtungen ihren Nationen, zum Vorteil gereichen wollen. Es gibt noch Vernunft und Überlegung auf dieser Welt! Gott schütze Donald Trump und Japan vor weiteren Katastrophen.

Wolfgang Kaufmann / 29.05.2019

Deutschland erinnert an einen Haufen pubertierende Rotznasen, die mit der größten Selbstverständlichkeit ihre Füße unter Vaters Tisch stecken und ihre Unterwäsche in Mutters Waschmaschine, während sie lautstark gegen die Eltern rebellieren. Seit 1968 erleben wir Antiamerikanismus in Dauerschleife, aber er scheint heute populärer denn je. Wir lassen uns von ihnen beschützen, vernachlässigen unsere Verpflichtungen und beschimpfen sie auch noch. Wenn uns das mal nicht auf die Füße fällt.

Frank Dom / 29.05.2019

Klingt so, als ob die Medien in Japan noch annähernd seriös wären. Beneidenswert. Und auch Danke für den Bericht.

Gerhard Hotz / 29.05.2019

Ruhig, freundlich und gelassen präsentiert sich Japan auch dem erstaunten westlichen Touristen. Es ist sehr wohltuend, dort unterwegs zu sein. Die europäische Hysterie fehlt vollkommen und man vermisst sie keine Sekunde.

Jörg Themlitz / 29.05.2019

Danke für die vielen Informationen.

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
Wolfgang Zoubek, Gastautor / 21.05.2020 / 16:00 / 8

Japan ohne Shutdown auf Erholungskurs

Letzte Woche wurde der Ausnahmezustand in Japan für die meisten Präfekturen wieder aufgehoben. Er gilt nur noch in Tokyo und Osaka, samt umliegenden Präfekturen, sowie…/ mehr

Wolfgang Zoubek, Gastautor / 02.01.2020 / 13:00 / 9

Die rätselhafte Flucht des Carlos Ghosn

Etwas mehr als ein Jahr nach seiner spektakulären Verhaftung und einen Monat nach dem Papstbesuch in Japan ist das eingetreten, was schon seit längerem zu…/ mehr

Wolfgang Zoubek, Gastautor / 17.12.2019 / 14:00 / 19

Wie China und Japan die deutsche Bahn abhängen

Der Transrapid von Siemens konnte sich bekanntlich in Deutschland nicht durchsetzen, obwohl er bei vorausschauender Politik einen wichtigen Beitrag zur Verlagerung des Personenverkehrs auf die…/ mehr

Wolfgang Zoubek, Gastautor / 06.10.2019 / 10:00 / 2

Theaterolympiade in Japan

Haben Sie schon einmal von der Theaterolympiade gehört? - Nein? - Macht nichts. Die Unkenntnis teilen Sie mit den meisten Leuten in Japan, obwohl dort…/ mehr

Wolfgang Zoubek, Gastautor / 22.07.2019 / 11:00 / 3

Wahlen in Japan: Wo Grüne keine Chance haben

Am 21. Juli fanden die Wahlen zum japanischen Oberhaus statt. Wahlkämpfe verlaufen in Japan meist unspektakulär und enden selten mit großen Überraschungen. War es diesmal…/ mehr

Wolfgang Zoubek, Gastautor / 30.06.2019 / 13:00 / 11

G20-Parallelgesellschaft in Osaka

Von ウォルフガング ツオウベク. Derzeit herrscht in Japan Regenzeit, und der G20-Gipfel stand in Gefahr, von einem Taifun verweht zu werden. Tatsächlich war von den starken…/ mehr

Wolfgang Zoubek, Gastautor / 23.06.2019 / 15:30 / 19

Wie eine ARTE-Doku Japaner zu Rassisten macht

ウォルフガング ツオウベク Kürzlich lief auf ARTE eine Reportage mit dem Titel „Japan: Die Freunde des Diktators Kim Jong-un“. Wer sich davon eine objektive Darstellung des Lebens…/ mehr

Wolfgang Zoubek, Gastautor / 19.05.2019 / 15:00 / 12

Die Japaner und das Gendern

Von Wolfgang Zoubek. ウォルフガング ツオウベク Die japanische Sprache kennt keine Artikel und kein grammatikalisches Geschlecht, sie lässt sich daher nicht gendern. Es gibt keine Berufsbezeichnung, aus…/ mehr

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com