Lange verortete ich mich im Lager der Links-Grünen. Bis die Irritationen immer zahlreicher wurden. Mit dem Glühbirnen-Verbot fing es an.
Von Martina Binnig.
Die längste Zeit meines Erwachsenen-Lebens hätte ich mich als links-grün bezeichnet. Ich glaubte fest an den sauren Regen und das Waldsterben, wählte die Grünen, las die ZEIT und spendete an Greenpeace. Natürlich fand ich auch soziale Gerechtigkeit wichtig und hielt die EU für eine vorbildliche Einrichtung. Es war klar für mich, was die richtige Seite ist, und ich war mit mir im Reinen. Dann jedoch erschütterte ein Ereignis nach dem anderen mein politisches Weltbild im Kern. Drei regelrechte Erweckungsmomente waren für mich das Glühbirnen-Verbot, der Ukraine-Konflikt und der Türkei-Deal.
Zum ersten Mal merkte ich, dass etwas nicht stimmte, als ab 2009 die herkömmlichen Glühbirnen sukzessive von der EU verboten und durch Energiesparlampen ersetzt wurden: Nicht nur, dass letztere quecksilberhaltig waren und als Sondermüll entsorgt werden mussten, sondern sie verbreiteten auch unangenehm scheußliches Licht. Mir dämmerte, dass ihre Einführung reine Lobby-Politik war und ökologische Gründe nur vorgeschoben wurden. Aus Trotz kaufte ich ein Konvolut an herkömmlichen Glühbirnen, von dem ich heute noch zehre.
Meine Skepsis war zwar jetzt geweckt, doch ich beschäftigte mich lieber mit dem Schönen im Leben, vor allem mit der Musik. Dann kam der Ukraine-Konflikt 2014. Ich versuchte zu verstehen, was passierte, und stellte fest, dass die vorherrschende mediale Berichterstattung in eng erstarrten Bahnen verlief. Denn ich begann, mich über die Tagesnachrichten hinaus zu informieren, indem ich gezielt las und Interviews anhörte. Nicht, dass ich wirklich verstanden hätte, was vor sich ging, aber mir wurde klar, dass das Meinungsspektrum gerade unter ausgewiesenen Fachleuten viel heterogener war, als es in den Mainstream-Medien abgebildet wurde.
Danach ging es Schlag auf Schlag. Im Herbst 2015 wunderte ich mich darüber, dass ich vor allem junge Männer sah, die aus den Krisengebieten des Nahen Ostens nach Deutschland gekommen waren, und nur selten Frauen und Kinder. Als Kölnerin bekam ich natürlich auch die Übergriffe in der Silvesternacht sofort mit und war über die verzögerte mediale Berichterstattung irritiert. Geradezu sprachlos machte mich, dass Feministinnen und dezidiert linke Journalisten das Leid der Frauen kleinredeten, während sie das problematische, durch entsprechende Sozialisation erworbene Frauenbild der Täter nicht thematisierten.
Mit der Skepsis wuchs die Neugier
Im März 2016 stolperte ich über ein Interview mit dem Merkel-Berater Gerald Knaus vom Thinktank ESI (Europäische Stabilitätsinitiative), der mit nur mühsam unterdrücktem Stolz das gerade abgeschlossene Türkei-Abkommen für sich in Anspruch nahm, da er es unter dem Titel „Merkel-Plan“ formuliert habe. Und tatsächlich fand ich wenige Mausklicks später besagtes Dokument auf der Internetseite der ESI, das dort schon ab dem 4. Oktober 2015 zum Download bereitstand und nahezu identisch mit dem Türkei-Deal vom 18. März 2016 war. Moment mal: Hatte Merkel nicht gesagt, dieser Plan sei von türkischer Seite vorgeschlagen worden? Hatte sie. Das war also unverblümt gelogen. Eigentlich ein Skandal, und ich erwartete ein entsprechendes Rauschen im Blätterwald. Doch ich vernahm nur dröhnendes Schweigen.
Nun war es um mich geschehen: Meine Skepsis wuchs, aber auch meine Neugier. Ich wollte und konnte mich nicht mehr mit eindimensionalen medialen Sichtweisen abspeisen lassen und verbrachte immer mehr Zeit damit, mich aus möglichst seriösen Quellen umfassend zu informieren. Mittlerweile hatte ich mich auch vorsichtig an die beiden Blogs „Achse des Guten“ und „Tichys Einblick“ herangewagt, über die es in meinem links-grünen Umfeld immer hieß, sie seien rechts – was zunächst eine abschreckende Wirkung auf mich hatte. Doch zu meiner Überraschung konnte ich keinerlei anstößiges Gedankengut in ihnen entdecken. Im Gegenteil: Die meisten Beiträge fand ich sachlich und informativ, manche auch amüsant – und vor allem boten sie mir aufschlussreiche Primärquellen wie etwa 2018 Hintergrundinformationen zum „Hase du bleibst hier“-Video oder den vollständigen Text des UN-Migrationspakts.
Heute, im August 2021, komme ich aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus. Selbst dem Gutgläubigsten müsste doch auffallen, dass sich die dauerhafte Einschränkung von Grundrechten nicht mehr rein medizinisch begründen lässt. Besonders die derzeitige Impf-Propaganda sprengt jeden Rahmen der Verhältnismäßigkeit. Läuft das, was wir gerade erleben, womöglich auf die Einführung eines digitalen Impfpasses hinaus, an den sich nach Belieben weitere Daten koppeln ließen? Geht es letztlich um die Etablierung von digitalen Identitäten und Kontrollwerkzeugen? Das Sozialkreditsystem nach chinesischem Vorbild lässt grüßen. Dann allerdings dürfte das dringlichste Gebot der Stunde lauten: Widersetze dich unter allen Umständen dem digitalen Impfpass!
Martina Binnig lebt in Köln und arbeitet als Musikerin, Musikpädagogin und Musikwissenschaftlerin. Außerdem war sie als freie Journalistin tätig, darunter fünfzehn Jahre lang für die Neue Osnabrücker Zeitung.
Beitragsbild: Pixabay

fünfzehn Jahre lang für die Neue Osnabrücker Zeitung tätig………………………………….linker gehts schon fast nicht mehr……..@Heinz Thomas-ich stimme ihnen voll und ganz zu .
„ Hübsche Geschichte. Aber mir sind die Menschen lieber, die beizeiten ihren Verstand bemüht haben. Denn einige dieser Spätzünder richten auf dem Weg bis zur Erkenntnis schon reichlich – und oft nicht rückgängig zu machenden – Schaden an. “
Bei dem Lebenslauf muss „uns Annalena“ schier blass werden. Wohlan…
Ja, Frau Binnig, selber denken birgt natürlich gewisse Risiken – und jetzt haben Sie den Salat. Denn der von Ihnen eingeschlagene Weg ist mitunter ziemlich mühsam und unbequem, allerdings, nach meiner Lebenserfahrung, der einzig lohnende und gelegentlich sogar befriedigende. Meinen Glückwunsch zur „Wegfindung“. @Heinz Thomas: Den Verstand bemühen können auch kleine Kinder schon. Sie wollen doch wohl nicht sagen, dass Sie seit Beginn Ihrer Denkfähigkeit keine Fehler gemacht haben? Sie wussten schon immer, wer und was rechts und links ist – und vor allem , wie sich ein momentaner Zustand über die nächsten Jahrzehnte entwickeln wird? Phänomenal…
Ich bin schon ein paar Jahre vor Ihnen auf die „schiefen Bahn“ geraten. Meine „Erweckungserlebnisse“ waren etwa die Mord-Fatwa Khomeinis gegen Salman Rushdie, der „Karikaturenstreit“ oder der immer weiter um sich greifende islamistische Terrorismus – allesamt Ereignisse, auf die der politische und gesellschaftliche Mainstream zunehmend keine adäquaten Antworten finden konnte – außer gebetsmühlenhaften Nullsätzen wie „Islam ist Frieden!“ (und sonst gar nichts?) Können Sie sich vorstellen, dass das PEN-Zentrum und die bedeutendsten Schriftsteller des Landes sich heuer, 2021, noch einmal so entschlossen hinter den mit dem Tod bedrohten Rushdie stellen würden, der einige harmlose Sätze in einem mehrere hundert Seiten langen Werk geschrieben hatte? Eben – ich auch nicht! „The times, they are a-changing.“
Mir ist es ähnlich gegangen, allerdings sind mir schon um 2000 2 Unstimmigkeiten aufgefallen. 1. Der Nato-Krieg gegen Jugoslawien 1999 wurde als „humanitäre Intervention“ mit der Absicht verkauft, einen drohenden Völkermord zu verhindern. Kurz nach dem Krieg stellte ein Team französischer Gerichtsmediziner nach monatelangen Untersuchungen serbischer und kosovarischer Friedhöfe sowie Massengräber (in denen meist Gefechtstote lagen) fest: „Kriegsverbrechen ja, Völkermord nein“, und damit war der Angriffskrieg gegen die bösen Serben nicht mehr legitim. Kriegsverbrechen in 1 Bürgerkrieg wären ein innerjugoslawisches Problem gewesen, kein „humanitärer Auftrag“ für die Nato. Wenn später serbische Täter in Den Haag angeklagt wurden, hatte ich ein mieses Gefühl: sie waren sicher nicht unschuldig, aber ihre Ankläger doch auch nicht. Die dt. öffentliche Meinung stand diesen Tatsachen teils mit Fakes über einen Doch-Genocid, teils gleichgültig gegenüber. 2. Im Jahr 2000 verlangte Schröder nach einem Anschlag auf eine Synagoge einen „Aufstand der Anständigen“. Der Schlachtruf war sowieso idiotisch, denn aufstehen kann man nur gegen Machthaber, und die rechte Szene war und ist gefährlich, aber mit Sicherheit stellte und stellt sie nicht die Machthaber in D. Dann kam heraus, dass im betreffenden Fall 2 arabische „junge Männer“ den Anschlag begangen hatten. Das änderte nichts am losbrechenden „Kampf gegen Rechts“, der so verlogen blieb wie er angefangen hatte. Bis heute lässt der „Kampf gegen Rechts“ muslimische Rechtsextreme völlig aus, sogar die Grauen Wölfe, die sich an ein mehr europäisches als islamisches Muster faschistischer Bewegungen halten. Es waren diese Beobachtungen, die mich schleichend den grün-linken Dogmen entfremdeten. Dass ich überhaupt nur die gefällig buntlackierte Außenschicht der grün-linken Ideologie gekannt hatte, fiel mir viel später auf.
„Wer sich mit Politik befasst, beschmutzt sich die Hände“, sagte mein Vater zu mir, als ich mich, 23jährig, aufstellen ließ. Es hat fast 12 Jahre gedauert, bis mir schlecht wurde. -Allerdings ist das eine gehörige Lernerfahrung fürs ganze Leben. Es sollte öfters probiert werden, dann erkennt man seine Pappenheimer frühzeitig.
Es dürfte gar nicht so einfach sein, sich in Köln, wo Goebbels Nachfahren ihre Propaganda lustig verbreiten, davon frei zu schwimmen. Im Dom und beim Karneval haben sich alle lieb, und „es ist noch allemal gut gegangen“. Und was ist schlimm daran, wenn einem auf der Domplatte ins Höschen gegriffen wird?