Wie groß ist Kadyrows Kampfkraft wirklich?

Seit Beginn des Ukrainekrieges wird auf russischer Seite vor allem zwei Formationen eine überdurchschnittlich große Kampfkraft zugeschrieben – der Gruppe Wagner und den Tschetschenen. Mehr noch als Prigoschins Söldnern eilt den Truppen Ramsan Kadyrows der Ruf als todesverachtende Krieger voraus. Aber was steckt dahinter?

Am 26. Februar 2022 kam es im Zentrum von Grosny zu einem Ereignis, das die ukrainische Führung in Angst und Schrecken versetzen sollte. Vor zwölftausend bis an die Zähne bewaffneten Kämpfern gab der tschetschenische Staatschef Ramsan Kadyrow die vollständige Einsatzbereitschaft seiner Elitetruppen bekannt. In einer pathetischen Rede verlautbarte er, es dürstete die Tschetschenen danach, Putins Befehl zu erfüllen und die Ukraine militärisch niederzuwerfen. 

An Wolodymyr Selenskij gerichtet, drohte er mit sichtlicher Süffisanz: „Ruf den Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, an und bitte ihn um Verzeihung! Tu das zur Rettung der Ukraine und um ihres Volkes willen. Akzeptiere alle Bedingungen, die Russland stellt! Das wird der beste Schritt für Dich sein, um Dein Gesicht zu wahren.“

Nachdem Kadyrow Wladimir Putin als Oberbefehlshaber der Streitkräfte mit dem vollmundigen Versprechen „Egal wo – wir werden an jedem Ort der Welt die Einsatzziele unseres Präsidenten erfüllen!“ abermals seine bedingungslose Loyalität versichert hatte, wandte er sich sogleich seinen Soldaten zu: „Ich bin stolz auf Euch, ich liebe Euch – nicht wie Mitarbeiter, sondern wie Brüder und Freunde!“ Als er daraufhin lautstark die Slogans „Achmat“ und „Allahu Akbar“ skandierte, schlugen ihm die tosenden Wogen von Schreien aus zwölftausend Kehlen entgegen. In diesem Moment wechselte die Kameraperspektive auf eine Drohne, die das Spektakel aus der Luft filmte. 

In dieser Perspektive bot sich dem Zuschauer ein infernaler Anblick. Tausende schwarz gekleidete, maskierte Kämpfer mit modernster Ausrüstung schworen einander auf ihre Abreise an die Front ein – fest entschlossen, den Willen ihres Herren zu exekutieren, der einst öffentlich gesagt hatte, er würde sterben für Wladimir Putin. Mit den Ereignissen des 26. Februar 2022 also war der Mythos der Tschetschenen als eigenständige Formation in den Reihen der russischen Armee geboren. Die medienwirksam inszenierte Darbietung militärischer Stärke würde ihre Wirkung nicht verfehlen. So sollte der unheilverkündende Gedanke an ein baldiges Kommen der Tschetschenen in der Folgezeit zu einem elementaren Instrument der psychologischen Kriegsführung des Kremls werden.

Speerspitze des Heeres?

Egal, ob der Vormarsch auf Kiew oder der Kampf um Mariupol: Bis heute sind tschetschenische Einheiten an praktischen allen Brennpunkten der Front in Erscheinung getreten. Dabei zeigen sie sich als fromme Muslime, die für Russland einen Heiligen Krieg gegen die gottlosen Teufel in Kiew führen. Dass das Selbstverständnis der Tschetschenen als islamische Gotteskrieger bereits 250 Jahre alt ist und sich zudem immer auf den Kampf gegen den übergriffigen russländischen Zentralstaat bezogen hat, scheint dabei keine allzu große Rolle zu spielen.

Nahezu täglich erschienen Videos im Netz, die Kadyrows Truppen bei der heldenhaften Erfüllung ihrer Pflichten zeigten. Dass sie dabei tatsächlich die ihnen zugeschriebene Rolle als Speerspitze des Heeres erfüllen, ist allerdings fraglich. Fest steht lediglich, dass Grosny bemüht ist, ihren Ruf als unerschrockene Avantgarde des Kremls mit allen Mitteln zu festigen. So erklärte Ramsan Kadyrow im Oktober 2022, drei seiner minderjährigen Söhne in die Ukraine zu schicken. Wenig später kehrten sie nach Grosny zurück, wo sie mit ukrainischen Kriegsgefangen stolz vor den Kameras posierten. 

Dass die Tschetschenen bei den Völkern der ehemaligen Sowjetunion Ängste auslösen, ist eine Tatsache. Hierzu muss man wissen: In der Geschichte Russlands spielt Tschetschenien eine unikale Rolle. Wie kein anderes Volk, das die Zaren im Zuge der Errichtung ihres Imperiums bekämpften, haben die Tschetschenen sämtliche Versuche, sie unter die russische Oberherrschaft zu zwingen, stets mit großer Vehemenz beantwortet. Das Streben, die eigene Unabhängigkeit zu verteidigen, zieht sich dabei wie ein roter Faden durch die tschetschenische Geschichte und hat eine jahrhundertelange Kontinuität gebildet. 

Seit mehr als 250 Jahren tobt ein Konflikt, der mit wenigen Unterbrechungen bis ins frühe 21. Jahrhundert reicht und in Europa vor allem durch die postsowjetischen Tschetschenienkriege wahrgenommen worden ist. Die verheerende Kraft dieser Auseinandersetzung entspringt dem russischen Streben nach kolonialer Expansion. Als dieses im Nordkaukasus auf den Freiheitsdrang der muslimischen Bergstämme traf, war die Geschichte eines jahrhundertelangen Konflikts vorgezeichnet, der vor allem die Tschetschenen immense Verluste gekostet hat. 

Propagandistische Inszenierungen?

Im ersten Tschetschenienkrieg, der am 31. Dezember 1994 begann und seine Ursprünge in soeben skizzierter Historie hat, gelang es den Tschetschenen jedoch, den Russen eine verheerende Niederlage zu bescheren. Als sie Grosny im Sommer 1996 handstreichartig zurückeroberten, war Jelzins „Operation zur Wiederherstellung der konstitutionellen Ordnung“ gescheitert. Die Generalität hatte keine Antwort auf die geschickt agierende tschetschenische Guerilla gefunden und musste Frieden schließen. 

Zuvor war sie lediglich dazu fähig gewesen, alle größeren Orte der Republik dem Erdboden gleichzumachen. Die schier unerschöpfliche Kampfkraft der Tschetschenen ließ sich nicht brechen, weil sie sich aus ihrem primordialen Freiheitsdrang speiste. Wieder einmal waren die Tschetschenen ihrem Ruf als unbeugsame islamische Krieger gerecht geworden. Eine bekannte Losung, die man seit 1995 vielfach auf den Ruinen von Grosny lesen konnte, lautete: „Es ist besser, stehend zu sterben, als auf den Knien zu leben!“ Die auf dieser Unbeugsamkeit rekurrierende Reputation und die von ihr ausgelösten Ängste versucht der Kreml seinen Zwecken dienstbar zu machen. Dahinter steht der Versuch, die Moral des Gegners schon vor Beginn des Kampfes zu brechen. 

Hierbei handelt es sich um einen psychologischen Effekt, den man zuletzt 2014 in Syrien und dem Irak beobachten konnte. Vielfach traten die Gegner des IS trotz numerischer Überlegenheit und besserer Ausbildung sowie überlegener Ausrüstung schon im Voraus die Flucht an. Zu groß war ihre Furcht, den selbsternannten Gotteskriegern in die Hände zu fallen, die für ihre schrankenlose Grausamkeit bekannt waren. Bei den Tschetschenen, die aufseiten Russlands in der Ukraine kämpfen, soll es nach gemäß den Vorstellungen des Kremls genauso sein. Was aber verbirgt sich hinter der Monstrosität, die Grosny seit dem 26. Februar 2022 so prominent in seinen propagandistischen Inszenierungen zur Geltung bringt? Ein näherer Blick auf die Materie zeigt, dass zwischen Mythos und Realität mitunter ganze Welten liegen.

Entgegen den offiziösen Meldungen sollen bei Kriegsbeginn zunächst nur dreieinhalbtausend Soldaten tschetschenischer Herkunft aus Russland in die Ukraine entsandt worden sein. Man darf jedoch annehmen, dass wohl auch diese Zahl noch zu hoch gegriffen sein dürfte und dass zunächst lediglich 2.000 Kämpfer zum Einsatz kamen. Diese Zahl kann man relativ genau aus dem Personalbestand von Nationalgarde und tschetschenischen Bodentruppen ableiten. Ihre Angehörigen lassen sich folgenden tschetschenischen Formationen zuordnen: dem 141. motorisierten Spezialregiment und dem nach Achmat Hadschi Kadyrow benannten Polizeisonderregiment. Dabei handelt es sich um Einheiten, die sich bereits lange vor dem 26. Februar in Stellung gebracht hatten und zu den regulären Invasionstruppen gehörten. 

Kämpfer für Russland von der russischen Terrorliste?

Dazu, dass die „schwarzen Zwölftausend“ bei Kriegsbeginn noch nicht in der Ukraine operierten, passt auch eine Meldung des ukrainischen Generalstabs vom 27. Februar 2022, wonach man eine große Kolonne tschetschenischer Spezialeinheiten zerstört hatte. Diese hatten sich in der Nähe von Gostomel versammelt, um von hier aus an den Kämpfen um den dortigen Militärflughafen teilzunehmen. Dass unter ihnen Soldaten gewesen sein könnten, die einen Tag zuvor in Grosny gestanden hatten, ist praktisch unmöglich. Kurz nach dem Schlag bei Gostomel gab Kiew bekannt, dass Generalmajor Magomed Tuschajew, der Kommandeur von Kadyrows 141. motorisiertem Schützenregiment, im Kampf gefallen sei. 

Am 28. Februar 2022 veröffentlichte Kadyrow als Reaktion darauf eine Telegrammbotschaft, worin er die Taktik der russischen Armee in der Ukraine als zu langsam kritisierte und ein deutlich rigoroseres Vorgehen forderte. Zwei Tage später verlangte er, unverzüglich zu großen Angriffsoperationen überzugehen und räumte den Tod von sechs tschetschenischen Kämpfern ein. Dieser Moment ist aus folgendem Grunde bemerkenswert: Indem Kadyrow den Kriegsverlauf in den sozialen Netzwerken kommentierte und aus seiner Kritik militärische Forderungen ableitete, begann sein Wandel zu einem der schärfsten Propagandisten des Kremls. Mit immer schrilleren Tönen peitschte Kadyrow den russischen Generalstab nun voran und machte vor allem mit der Forderung eines Nuklearschlags von sich reden.

Früh zeichnete sich ab, dass der Kreml den elitären Charakter der Tschetschenen betonte, indem er sie für besondere Operationen einsetzte. Am 3. März 2022 berichtete die New York Times, dass eine Gruppe tschetschenischer Kommandoeinheiten nach Kiew geschickt worden sei, um den Präsidenten Selenskyj zu liquidieren. Der Stoßtrupp wurde jedoch neutralisiert, nachdem die ukrainischen Sicherheitskräfte einen Hinweis aus den Reihen des föderalen Sicherheitsdienstes erhalten hatten. Wie sich später herausstellte, waren Tschetschenen u.a. an den Kämpfen in Lubjanka, Gostomel und Borodjanka in der Region Kiew beteiligt. Augenzeugen berichteten ferner, tschetschenische Truppen in Bucha gesehen zu haben. In diesem Zusammenhang ist die Ermordung von mindestens einem Zivilisten dokumentiert.

Etwas Licht ins Dunkel brachte der militärische Nachrichtendienst der Ukraine im Mai 2022, als er eine Liste mit 2.425 tschetschenischen Freiwilligen veröffentlichte, von denen die Hälfte allerdings nicht aus Tschetschenien, sondern aus anderen Regionen Russlands stammte. Unter ihnen waren 14 Personen, die in verschiedenen Jahren auf der Terroristenliste der russischen Behörden gestanden hatten. Fünf von ihnen blieben auf der Liste, als sie in den Krieg geschickt wurden. 

Defizite in der Kampfkraft

Kurioserweise befanden sich unter den Freiwilligen zwei frühere Anhänger der tschetschenischen Kommandeure Schamil Bassajew und Ruslan Gelajew, die bis heute als Ikonen des antirussischen Widerstands verehrt werden. Am 31. Mai 2022 wurde schließlich der Tod von Oberstleutnant Zaur Dimajew gemeldet, der der stellvertretende Kommandeur des 4. Spezialbataillons der Polizei gewesen war.

Obwohl die Datenlage über tschetschenische Kämpfer bis heute äußerst dürftig ist und Informationen über ihre Verluste bestenfalls stark gefiltert an die Öffentlichkeit gelangen, sind sich ukrainische und westliche Experten einig, dass die tatsächliche Kampfkraft von Kadyrows Truppen weit hinter den Erwartungen zurückbleibt. Für sie steht fest, dass tschetschenische Verbände hauptsächlich als Truppen der sog. zweiten Reihe eingesetzt wurden. Demnach dringen sie grundsätzlich erst dann in ein Kampfgebiet vor, nachdem russische Truppen dieses bereits besetzt haben. 

Lange schon hatten die vielfach in dem sozialen Netzwerk „Tiktok“ veröffentlichten Videos den Verdacht geweckt, lediglich gestellte Szenen zu zeigen. Aus diesem Grund verspottete das ukrainische Militär die Tschetschenen bereits wenige Wochen nach Beginn des Krieges als „Werbetruppe“. Belegt ist auch, dass tschetschenische Formationen als Eskorte in eroberten Gebieten eingesetzt werden und den Auftrag haben, reguläre russische Truppen am Rückzug zu hindern. Bis heute liegen zahlreiche Berichte über tschetschenische Einheiten vor, die verwundete russische Soldaten und vermeintliche Deserteure hingerichtet haben. Darüber hinaus soll es mitunter zu schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen wie Vergewaltigungen gekommen sein. Mehrfach schon sind Abschiedsbriefe russischer Soldaten aufgetaucht, die sich infolgedessen das Leben nahmen. Bestätigt hat der Kreml solche Fälle allerdings nicht. 

Dass tschetschenische Truppen offenbar erhebliche Defizite in der Kampfkraft aufweisen, könnte maßgeblich damit zusammenhängen, dass sie vor dem Krieg nicht als festgefügte Einheiten trainiert, sondern in verschiedenen republikanischen Polizeikräften gedient haben. Für einen Kriegseinsatz, bei dem es nötig ist, sich in größere Formationen einzufügen, sind sie demnach nicht ausgebildet. Dass der russische Generalstab tschetschenische Truppen also schont, ist daher wenig überraschend. Anstatt sie an vorderster Front einzusetzen, sollen sie besser in zweiter Reihe wirken. Gegenüber der russländischen Öffentlichkeit zählt dazu auch die Inszenierung als humanitäre Wohltäter. 

Nicht die höchste Soldaten-Sterblichkeit

Auf verschiedenen Videos ist zu sehen, wie tschetschenische Soldaten Zivilisten aus Notsituationen retten oder ihnen Nahrungsmittel übergeben. Andererseits werden tschetschenische Formationen für brutale Repressionen gegen die Zivilbevölkerung an der Heimatfront sowie für die Erstellung verschiedener inszenierter Videos unter Beteiligung der örtlichen Bevölkerung verantwortlich gemacht. Am 28. Juli 2022 wurde im Internet ein Video veröffentlicht, das zeigt, wie ein russischer Soldat einen gefesselten ukrainischen Kriegsgefangenen kastriert und tötet. Zwar ist der Täter kein ethnischer Tschetschene, wurde aber als Angehöriger des von Ramsan Kadyrow aufgestellten Verbands „Achmat“ identifiziert. 

Insgesamt ist es kaum möglich, verlässliche Angaben über die tatsächliche Truppenstärke tschetschenischer Einheiten in der Ukraine zu machen. Wie viele der zwölftausend Kämpfer, die Kadyrow am 26. Februar 2022 in Grosny präsentierte, tatsächlich in die Ukraine gereist sind, ist völlig unklar. Anhand der verfügbaren Daten lässt sich lediglich feststellen, dass Tschetschenien jedenfalls nicht zu den Gebieten Russlands mit der höchsten Sterblichkeit von Soldaten gehört. Am 21. Oktober 2022 waren demnach vor allem die Region Krasnodar (332), Dagestan (321), Burjatien (305) und die Oblast Wolgograd (230) betroffen. Die Sterblichkeitsrate tschetschenischer Soldaten betrug lediglich 7,1 Prozent. Der Vergleichswert für die Republik Burjatien lag bei 28,4 Prozent. 

Aus diesem Grund ist man darauf angewiesen, sich auf die offiziösen Kundmachungen tschetschenischer Funktionäre zu verlassen, wenn es darum geht, die Truppenstärke ihrer Verbände zu beziffern. Am 12. September 2022 erklärte Ramsan Kadyrow, dass auf seine Anweisung hin erneut republikanische Einheiten zum Kampf in die Ukraine gekommen seien. In diesem Zusammenhang veröffentlichte er ein Video, worin der umstrittene Duma-Abgeordnete Adam Delimchanow in Begleitung tschetschenischer Soldaten verlautbart, dass 10.000 (!) Kämpfer in der Region Cherson, Saporischschja und der Volksrepublik Donezk operieren würden. Nach Angaben von Kadyrow sind diese Einheiten in die Ukraine zurückgekehrt, nachdem ihnen Urlaub gewährt worden war.

Diese Nachricht erfolgte jedoch nicht im luftleeren Raum, sondern erklang just in dem Moment, da das ukrainische Militär erfolgreich ihre Gegenoffensive im Raum Charkiw vorgetragen hatte. Das ukrainische Oberkommando und die Menschenrechtsorganisation „Vayfond“ wiesen darauf hin, dass tschetschenische Bataillone möglicherweise nicht in großem Umfang auf freiwilliger Basis gebildet werden. Demnach könnten die republikanischen Behörden Personen mit Vorstrafen oder unter Androhung von Strafverfahren zwingen, in den Krieg zu ziehen.

Einsatz von religuösem Personal

Am 21. Januar 2023 meldete der ukrainische Nachrichtendienst „RBK – Ukraina“ unter Berufung auf die Seite des Zentrums für nationalen Widerstand, tschetschenische Einheiten würden sich immer stärker im Donbass festsetzen. In einer dazu veröffentlichten Meldung heißt es: „Am Vortag erklärte ein Anführer tschetschenischen Söldner, dass mehr als 300 Kadis (islamische Scharia-Richter) und Imame gegenwärtig eine Ausbildung absolvieren, um später in die Ukraine zu reisen.“

Nach Ansicht von RBK könnte der Einsatz von religiösem Personal in den Reihen tschetschenischer Gruppen darauf hindeuten, dass Kadyrow seinen Streitkräften die Hauptfunktion der Staatsführung in den besetzten Gebieten übertragen will. Die sogenannten „Richter“ könnten sowohl Deserteure bekämpfen, als auch Plünderungen durch tschetschenische Kämpfer „legalisieren“.

Zuvor wurde berichtet, Kadyrows zunehmender Einfluss im Donbass werde von einer großen Anzahl seiner Elitetruppen begünstigt, die sich in ihrer überwältigenden Mehrheit im Hintergrund befinde und über unbegrenzte Macht in der Region verfüge. Demnach plünderten sie die Region aktiv aus, nehmen Ausrüstung aus Fabriken mit und bringen verschiedene Wertgegenstände wie Schmuck nach Tschetschenien. Hinzu komme, dass nahezu permanent Delegationen aus Tschetschenien in Donezk anwesend seien und die die Erfüllung ihrer Pflichten gegenüber Kadyrow durch den Gauleiter der Region überwachten.

Was auch immer sich hinter all diesen Aktivitäten verbergen mag, und ungeachtet der Tatsache, dass die Truppen Ramsan Kadyrows offenbar nicht an vorderster Front kämpfen, wird man sagen können, dass sie auch in Zukunft eine Schlüsselrolle für die Durchsetzung der Interessen Moskaus in der Ukraine spielen werden. Schon heute zeichnet sich ab, dass sich daraus ein handfester Konflikt mit der Gruppe Wagner entwickeln könnte. Für Moskau stellt dies eine überaus günstige Entwicklung dar. Miteinander um Macht und Einfluss stehende Formationen dürften dem Kreml nach der langen Phase militärischer Rückschläge durchaus gelegen kommen.

Foto: Kremlin.ru CC BY 4.0 via Wikimedia Commons

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Leo Hohensee / 23.01.2023

Teil 1/2 Bei allem Kriegsgeheul und Schuldgeschwafel – Schluss mit diesem Krieg! Schluss mit Töten und Zerstören!! Ich habe schon mehrfach auf Beiträge ernst zu nehmender Kenner hingewiesen und solch unsinnige Hinweise bekommen, meine Quellen sein Hinweise auf Schwurbler oder so. Herr Giesemann empfahl mir ein One-Way-Fahrkarte nach Russland. Daher jetzt hier ein Hinweis der überzeugen muss: * General a.D. Harald Kujat, war u. a. Generalinspekteur der Bundeswehr und Vorsitzender des Nato-Militärausschusses und damit höchster Militär der NATO. Er war Vorsitzender des Nato-Russland-Rates sowie des Euro-Atlantischen-Partnerschaftsrates der Generalstabschefs. Er sagte aktuell der schweizer Zeitung „Zeitgeschehen im Fokus“: -„…..„Die Ukraine kämpft um ihre Freiheit, um ihre Souveränität und um die territoriale Integrität des Landes. Aber die beiden Hauptakteure in diesem Krieg sind Russland und die USA. Die Ukraine kämpft auch für die geopolitischen Interessen der USA. Denn deren erklärtes Ziel ist es, Russland politisch, wirtschaftlich und militärisch so weit zu schwächen, dass sie sich dem geopolitischen Rivalen zuwenden können, der als einziger in der Lage ist, ihre Vormachtstellung als Weltmacht zu gefährden: China.“ – weiter in Teil 2

Leo Hohensee / 23.01.2023

Teil 2/2. - Russlands Hauptziel sei es, zu verhindern, dass der geopolitische Rivale USA eine strategische Überlegenheit gewinnt, die Russlands Sicherheit gefährdet. Je länger der Krieg dauert, desto größer werde das Risiko einer Ausweitung oder Eskalation. Kujat sagt auch: „ ….. „Der Ukrainekrieg ist nicht nur eine militärische Auseinandersetzung; er ist auch ein Wirtschafts- und ein Informationskrieg. In diesem Informationskrieg kann man zu einem Kriegsteilnehmer werden, wenn man sich Informationen und Argumente zu eigen macht, die man weder verifizieren noch aufgrund eigener Kompetenz beurteilen kann. (…)  Besonders ärgerlich finde ich, dass die deutschen Sicherheitsinteressen und die Gefahren für unser Land durch eine Ausweitung und Eskalation des Krieges so wenig beachtet werden.“ Kujat stellt sein Interview unter den Titel – „«Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt, die abgebrochenen Verhandlungen wieder aufzunehmen»“ Zitate und nachzulesen in genannter Zeitung u bei Norbert Häring.

H.Reichmuth / 23.01.2023

@ Chr. Kühn: Eine meiner Quellen ist “The new atlas” von Brian Berletic, auf Youtube zu finden. Er stützt sich auf westliches und ukrainisches Material ab - und äussert seine Gedanken dazu. Wer Englisch beherrscht, ist gut bedient. Seit zwei, drei Monaten weist er ihn seinen Beiträgen daraufhin, dass dem Westen das passiert, was er seit 6 Monaten Russland andichtet - es gehen dem Westen die Waffen aus. Die Sowjetbestände der NATO-Staaten sind aufgebraucht (trotz der glänzenden Siege der Ukrainer…). Nun werden noch T-72er aus Marokko angeliefert und man will sogar Verträge mit ex-sozialistischen Staaten in Lateinamerika abschliessen, weil diese noch sowjetisches Material haben… der Grund ist naheliegend: Man kann nicht einen “Abrams” oder einen “Leopard” innert zweier Wochen beherrschen. Und selbst wenn doch: Man muss auch im Gefecht koordiniert seinen Panzer sinnvoll einsetzen. Das ist nicht gegeben und erfordert so viel Zeit, wie es die Ukraine nicht mehr hat (meine Prognose für den russischen Sieg: Sommer 2023 - ausser die NATO startet einen Dritten Weltkrieg). Dass die US-Amerikaner nun “Leoparde” kämpfen sehen wollen, hat mit Marketingüberlegungen zu tun: Der “Abrams” bleibt als letzte Reserve, die “Leoparde” sollen an die Front. Natürlich werden diese massenhaft vernichtet werden (die Türken haben da ihre Erfahrungen mit kurdischen Partisanen OHNE Luftunterstützung…), was deutsche Rüstungsgüter schlecht aussehen lässt - und die Käufer von US-amerikanischen Produkten - NACH dem Krieg und VOR dem Einsatz von “Abrams” in der Ukraine - überzeugen soll. Die Behauptung, dass es logistisch schwierig sei, “Abrams” nach Europa zu verfrachten ist im Grunde genommen eine Bankrotterklärung der NATO - es würde bedeuten, dass die Russen innerhalb von 4 Wochen Europa einkassieren könnten und die “Abrams” immer noch irgendwo im Atlantik wären. Aber diesen Schnitzer bemerkt das MSM-erweichte Hirn nicht…

Leo Hohensee / 23.01.2023

Herr Osthold, es wird wohl so sein, dass die Verhältnisse vor Ort auch konfus sind. Sie berichten aber ebenfalls konfus. Statt wenigstens einen ein wenig kenntnisreichen Überblick zu geben, zeichnen Sie zuerst einmal das Bild einer unerhört und großen verbrecherischen Kriegspartei. Dann ist doch alles von irgendwelchen Führern erlogen und aufgebauscht, aber Kriegsverbrechen mit Vergewaltigung, Mord und Kastration gehören laut Ihrer Berichterstattung aber dann doch zum Geschäft der “wenigen” Tschetschenen. Diese, so berichten Sie, töteten sogar die eigenen russischen Soldaten wenn diese verwundet sind oder desertieren. - Was ist denn mit den Asow-Bataillonen auf ukrainischer Seite?——Hört auf mit dem ganze Kriegsgerassel !!! KEINE einzige Waffe mehr an die Ukraine .... Waffen erzeugen Tote und Unglück !! Sie zerstören nur. Sie sind da zum Töten, nichts anderes. /// Ich werde noch einen weiteren Beitrag dazu hier einstellen. Thema Harald Kujat «Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt, die abgebrochenen Verhandlungen wieder aufzunehmen»

H.Reichmuth / 23.01.2023

@ Wolf Hagen: Vielleicht ist es Ihnen entgangen, dass die NATO oder Unterabteilungen davon (F, GB) den Krieg in Afghanistan, im Irak, in Syrien oder in Libyen verloren haben. Gegen Muselmanen. Der Grund, wieso ich mittlerweile Putinist bin, ist die Dummheit des Westens. Wir haben gegen Zwerge verloren - und nun führen wir Krieg gegen Russland. Sollte sich die NATO bis April, Mai entschliessen, in die Ukraine einzumarschieren, bin ich tiefenentspannt: Die Russen werden die NATO vernichten. Wer gegen Bergbauern mit AK-47 keine Chance hat, sollte nicht einmal im Traum an einen Krieg gegen Russland denken. Aber wie dröhnte Herbert Grönemeyer vor 30 Jahren: “Kinder an die Macht!” Sein Traum ist wahr geworden, der Westen wird von präpubertären Rackern regiert. Ein Problem könnte sein, dass wir - der Wertewesten - die nukleare Option wählen werden. Der Sieg der Russen bis Mitte/Ende Jahr wird den sehr schnellen Niedergang des Westens einleiten. Wir haben die letzten 20 Jahre nicht ein einziges Problem (Schulden/Inflation, demografischer Wandel/Fachkräftemangel, Deindustrialisierung, kaputte Infrastruktur, miese Schulen, ungeregelte und unsystematische Migration) angepackt - das alles wird nach dem Ukrainekrieg aufbrechen. Die nun hohen Energiepreise und der Diebstahl russischen Vermögens ist von der nicht-westlichen Welt sehr wohl wahrgenommen worden und diese wird sich entsprechend verhalten. Wir sind so etwas von erledigt…

Albert Schultheis / 23.01.2023

Werter Herr Osthold, es ist ja durchaus bewundernswert, wie Sie sich auf der Seite unseres Kriegsgegners kundig gemacht haben, aber wäre es nicht mindestens genauso wichtig, einmal die Kriegsgründe und vor allem die Kriegsziele auf unserer Seite einmal etwas zu beleuchten? Bisher habe ich - und ich vermute, Sie genauso wenig - kaum Kenntnis von irgendwelchen definierten Kriegszielen der USA und uns, als ihre willfährigen Vasallen. Vielleicht hilft uns ja der gute Zbigniew Brzezisnki etwas weiter in dieser Hinsicht: ““Given (Russia’s) size and diversity, a decentralized political system and free-market economics would be most likely to unleash the creative potential of the Russian people and Russia’s vast natural resources. A loosely confederated Russia — composed of a European Russia, a Siberian Republic, and a Far Eastern Republic — would also find it easier to cultivate closer economic relations with its neighbors. Each of the confederated entitles would be able to tap its local creative potential, stifled for centuries by Moscow’s heavy bureaucratic hand. In turn, a decentralized Russia would be less susceptible to imperial mobilization.” (Zbigniew Brzezinski, “A Geostrategy for Eurasia”, Foreign Affairs, 1997) Man befindet also offenbar in den USA das Land des Gegners, Russland, als einfach zu groß, um es auf einen Biss verschlucken zu können, deshalb muss Russland in kleiner Häppchen zerlegt werden. Ein geradezu genialer Vorschlag des US-Vordenkers für alle Schweinereien der jüngsten Geschichte, Zbigniew Brzezisnki . Ich könnte mir sogar vorstellen, dass ein Hitler wie der Putin Pläne hegt, die USA in verdaulichere Teile zu zerlegen, das fände ich persönlich durchaus interessant. ZB so: Florida zu Kuba, Texas und New Mexico zu Mexico, Alaska wieder zu Russland - als Pufferzone, die Nordstaaten zu Canada und Neu England wieder zu Alt England. Der Rest wäre dann die USA, wie sie für sich selber und die Welt halbwegs erträglich wären.

Bernhard Piosczyk / 23.01.2023

Man hört ganz wenig von Blackwater und anderen westlichen Söldner NGO’s. Die sind schon alle dort.

Karsten Dörre / 23.01.2023

Kleine Privatarmeen-Analyse. Dass diese eher nur für kurzfristige Sondereinsätze einsetzbar sind, ist keine Neuigkeit. Im mittlerweile kriegstaumelnden Russland dürfen gerade alle Schreihälse öffentlich herumkommandieren und drohen.

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