Von Gunnar Heinsohn
Als wir um 1980 die Tore aufmachten und Schulversager aus der ganzen Welt einluden, taten wir womoeglich das Nobelste in der deutschen Geschichte. Denn wann haette der einstige Gigant Mitteleuropas schon mal ein Volk befreit oder auch nur beschuetzt. Jetzt hat Deutschland sich in den eigenen Grenzen eine millionenstarke Minderheit geschaffen, die als eine Art Nebenvolk aller Fuersorge sicher sein darf…
Diese im globalen Vergleich grandiose Politik haben wir zum
Janaur 2007 noch einmal als ewig und unverrueckbar festgeschrieben,
indem wir unter den Einbuergerungskriterien die Brauchbarkeit fuer den
Arbeitsmarkt auf den fuenften und letzten Platz setzten. Ungeachtet
der Qualifikation stehen andere EU-Bueger auf dem ersten Rang. Danach
folgen Angehoerige von bereits hier Versorgten aus nicht EU-Laendern,
dann in ihrer Heimat nach unserem Recht Diskriminierte und
schliesslich die Illegalen, die noch im Untergrund leben. Weil bei uns
der Wert des Menschen als solcher gilt, weisen wir
Nuetzlickkeitserwaegungen ins politische Abseits.
Dass all dies Edle nur durchzuhalten ist, wenn es mit Augemass getan
wird, hat im Geheimen vielleicht schon mancher geahnt. Dass allerdings
in Berlin jemand den Verstand haben wuerde, das auch auszusprechen,
hat fast niemand mehr gehofft. Und doch tut der Bundespraesident am
17. Juni genaus dieses.
Er erinnert uns an Nationen, die aus unserer Sicht etwas ganz
Merkwuerdiges tun. Sie verlangen naemlich von Fremden dasselbe wie von
ihren eigenen Kindern. Diese werden es nur dann einmal besser haben,
wenn sie bessere Qualifikationen erwerben als ihre Eltern. Ganz
entsprechend koennen Neuankoemmlinge dem zulassenden Gebiet und damit
auch sich selbst nur dann etwas geben, wenn sie Faehigkeiten
mitbringen, die ueber dem Niveau der zukuenftigen Heimat liegen oder
dort noch gar nicht vorhanden sind. In den Worten des Praesidenten:
,,Manche westlichen Demokratien wählen ihre Zuwanderer so intelligent
aus, dass die höher gebildet sind als im Durchschnitt die
Einheimischen.”
Natuerlich haette Horst Koehler im gleichen Atemzug solche Demokratien
schelten koennen, dass sie einfach abweisen, was dann bei uns
Unterhalt findet. Das zu unterlassen, hat gewiss auch die Diplomatie
geboten. Aber haette er Kanada dafuer getadelt, dass fast hundert
Prozent seiner Einwander hochqualifiziert sind und nicht nur fuenf wie
bei uns, dann haette er aus Redlichkeit noch etwas hinzufuegen
muessen: Kanada ist weltweit die erste Nation, in der die Kinder der
Zuwanderer in allen Tests intelligenter abschneiden als die Kinder der
vor Ort Aufgewachsenen. Australien liegt uebrigens nur knapp dahinter.
In Deutschland hingegen liegt das Leistungsniveau der Migrantenkinder
tiefer unter dem Durchschnitt der Stammbewohner als irgenwo sonst auf
der Welt.
Der Praesident weiss um diese Zahlen. Aber diplomatisch verhaelt er
sich eben nicht nur gegenueber unseren Verbuendeten, sondern sanft
bleibt er auch im Umgang mit den Politikern der eigenen Republik. Nun
bleibt abzuwarten, ob der praesidiale Takt zum Anlass genommen wird,
seine Ermutigung gleich wieder in den Wind zu schlagen oder auch
hierzulande eine ,,kluge Einwanderungspolitik” zu beginnen.