Vera Lengsfeld / 04.05.2010 / 13:59 / 0 / Seite ausdrucken

Wie der Sozialismus das Paradies auf Erden ruiniert (5)

Lebensfreude gegen Geld

Wie ist es mit der sprichwörtlichen kubanischen Lebensfreude, werde ich immer wieder gefragt, wenn ich von meinen Erlebnissen in Kuba berichte. Weiß die westliche Welt nicht spätestens seit der Premiere des Kultfilms Buena vista Social Club, dass die Kubaner , allen Widrigkeiten zum Trotz, leichtfüßig durch das Leben tanzen, weil sie wissen, dass es auf materielle Güter nicht ankommt? Tatsächlich schallt dem Besucher aus allen Restaurants und Kneipen laute Musik entgegen, meist gespielt von Bands, die überall auftauchen, auf Straßen, Märkten, Terrrassen, im Park, am Strand. Man kann kein Gebäude besichtigen oder ein Sonnenbad nehmen, ohne von den karibischen Klängen begleitet zu werden. Was man anfangs noch passend findet, wird spätestens am dritten Tag zur Qual. Da die Leute ihr Geld mit ihrer Musik verdienen müssen, hält man ihnen Scheine hin, damit sie nicht spielen. Die Minen der Musiker sind keinesfalls gelöst. Es ist ein Knochenjob, den Touristen den Lebensunterhalt abverlangen zu müssen. Die gespielte Fröhlichkeit wirkt verkrampft. In einer Kneipe in Trinidad beobachtete ich, dass sich die beiden vorn stehenden Musiker kräftig ins Zeug legten und die erwartete Lebensfreude versprühten, während die drei dahinter gelangweilt bis gequält guckten. Tanzen habe ich die Kubaner nur mit Touristen sehen. Besonders ältere Damen werden gern herumgeschwenkt, die sich dann verpflichtet fühlen, die hingehaltene Mütze zum Schluss gut zu füllen. Schließlich hatte man jede Menge Spaß- und so authentisch! Mir ist kein einziger Kubaner begegnet, der nur mal so vor sich hin geträllert hätte. Im Gegenteil. Die Anstrengung, ständig für das Lebensnotwendigste sorgen zu müssen, ist den Kubanern ins Gesicht geschrieben. Eines morgens in Cienfuegos, einer Universitätsstadt, die, wenigstens im Zentrum, besser erhalten aussieht, als Havanna, ging ich kurz vor neun Uhr eine Einkaufsstraße entlang. Vor den Libreta- Läden hatten sich bereits lange Schlangen gebildet. In der Ferne gewahrte ich ein paar Marktstände. Von dort kam Musik und Gesang. Sollte ich tatsächlich hier auf die vielzitierte spontane Lebensfreude stoßen? Nein, beim Näherkommen sah ich einen jungen Mann, der vor sich hin tanzte. Noch näher dran gewahrte ich, dass er es tat, weil ein Amerikaner dazu klatschte. Als der Tourist,  sich ohne zu bezahlen, in der Überzeugung zum Gehen wandte, eine typische Straßenszene miterlebt zu haben, sah ihm der junge Mann Hass erfüllt hinterher.
Betteln ist auf Kuba verboten. Es wird mit Gefängnis bestraft. Wenn Kinder betteln, werden die Eltern zur Verantwortung gezogen. Trotzdem betteln alle. Von den farbenprächtig angezogenen alten Damen, die dekorativ große Zigarren rauchen, in der Hoffnung als Fotomotiv auserkoren zu werden, hört man im Vorübergehen: „Savon, Savon“. Seife ist eine Rarität auf Kuba und deshalb begehrt auf dem Schwarzmarkt. Die Kellner, die auf der Straße für den Besuch in ihrer Kneipe werben, wollen, wenn sie erfolglos sind, wenigstens einen Stilo, einen Kugelschreiber. Die Zimmermädchen im Hotel, die Handtücher zu kunstvollen Gebilden wie Schwäne oder Blumen falten, um dezent auf das Trinkgeld hinzuweisen, fragen nach T-Shirts . Die Kellner in den Ferienanlagen verteilen Ketten aus Bohnen, in der Hoffnung, ein oder zwei Cucs dafür zu bekommen. Die Kassiererin im Cuc- Laden verrechnet sich permanent. Wird es nicht reklamiert, ist es ihr Gewinn. Meistens reklamiere ich die geringfügige Summe nicht, fühle mich aber von mal zu mal unwohler. Am meisten geht mir die Prostitution an die Nieren. In der Hotelanlage, in die wir verfrachtet wurden, nachdem Eurobürokraten ein Flugverbot über den klaren Himmel von Deutschland verhängt hatten und uns so an der Rückkehr hinderten, sah ich als erstes einen faltigen Endsiebziger am Pool das Knie einer höchstens siebzehnjährigen Farbigen umklammert halten, die stundenlang wortlos neben ihm ausharren musste, bevor sie ihm aufs Zimmer folgte. Aber auch Frauen haben keine Probleme, Liebesdienste von ganz jungen Männern in Anspruch nehmen zu können. Sie werden auf der Straße auf Schritt und Tritt angeboten, sobald man ohne einen Mann in der Nähe zu haben, unterwegs ist. Castro, der sich gerühmt hat, das Bordell, das Kuba vor der Revolution war, geschlossen zu haben, herrscht jetzt über ein Land mit der vermutlich höchsten Nuttendichte in Latainamerika. Hasta la victoria sempre!

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