Chaim Noll, Gastautor / 08.10.2018 / 06:25 / Foto: Joel Ormsby / 60 / Seite ausdrucken

Wie der deutsche Medienbetrieb sich bei Sarrazin bloßstellt

Mit der Veröffentlichung seines neuen Buches Feindliche Übernahme erweist sich Thilo Sarrazin als bleibendes Ärgernis. Sein schieres Sein und Wirken stellt – sozusagen als Nebenwirkung – den deutschen Medienbetrieb bloß, den Politikbetrieb, die missbrauchte „Öffentlichkeit“ eines mit dem Abbau des Geistigen beschäftigten Landes. Sarrazin trifft eine fast irrationale Wut. Dabei tut er nichts anderes als Bücher schreiben.

Seine bisher letzte Studie gilt dem Islam. Von dem er meint, wie der Untertitel des Buches ankündigt, dass er „den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht“. Dabei interessiert den Volkswirtschaftler Sarrazin besonders, ob die insuffiziente Wirtschaft muslimischer Länder, ihr gegen Null gehender Beitrag zu den Kultur- und Wissenschaftsleistungen der modernen Menschheit – ein Phänomen, das auch immer wieder von kritischen Muslimen beklagt wird – möglicherweise mit der Grundprägung dieser Gesellschaften durch die Religion des Islam zu tun hat. Er liest also dessen elementare religiöse Schrift, den Koran, vor allem unter einem sozialwissenschaftlichen, ökonomischen, sogar verwaltungstechnischen Aspekt.

Seit die deutsche Bundeskanzlerin das erste Buch Sarrazins abgeurteilt hat (erklärtermaßen, ohne es zu lesen), ist es eine sichere, die eigene Karriere fördernde Übung für deutsche Journalisten und Rezensenten, den unbequemen Einzelgänger zu attackieren. Schon am Tag der Veröffentlichung des Buches, dem 30. August 2018, eiferten die von großen Medien Beauftragten darum, Sarrazin abzutun.

Unter den ersten war die Rezensentin der Zeit, Johanna Pink, eine deutschen Professorin für Orientalistik. Es kann nicht wirklich überraschen, wenn Islamwissenschaftler, oft bis zur Lähmung jedes kritischen Gedankens in ihr Forschungsgebiet verliebt, das Buch von Sarrazin ablehnen: schon, weil es das Buch eines Außenstehenden ist. Frau Professor Pink und viele ihrer Kollegen haben längst den anmaßenden, Demokratie-feindlichen Ansatz islamischer Theologen verinnerlicht, nur Fachgelehrte dürften sich mit den heiligen Schriften des Islam beschäftigen. Eine der vielen restriktiven Besonderheiten dieser Religion, die sie wesentlich von anderen unterscheidet, etwa von der jüdischen oder protestantischen, die ihre Anhänger ausdrücklich – und vor allem die Laien – zur eigenständigen Lektüre und exegetischen Interpretation der Grundlagentexte ermutigen.

Arrogante Attitüde der Fachwissenschaftlerin

Frau Pinks Rezension beginnt mit der tadelnden Erwähnung der vielen Fehler, die Sarrazins Buch enthielte, doch sie verzichtet – bis auf ein einziges Beispiel, das wahrscheinlich ein schlichter Schreib- oder Druckfehler ist – auf Belege. Sie tut es durch Flucht in den negativen Konjunktiv: „das Unterfangen, auch nur die schwerwiegenderen Ungereimtheiten erschöpfend aufzulisten, wäre im Rahmen einer Zeitungsrezension aussichtslos“. So ist es um die meisten Behauptungen dieser Besprechung bestellt: Ihr Beweis wird aus Platzgründen nicht erbracht.

Raum genug bleibt aber für die Apologetik einer durch die Jahrhunderte blühenden islamischen Kultur. Angeblich hätte Sarrazin in seinem Buch die großen Kulturleistungen des Islam verleugnet. Als Beispiel für diese führt sie ausgerechnet „die ungemein reichhaltige Tradition der arabischen Dichtung“ ins Feld, als hätte nicht der Islam selbst, mit Mohammed beginnend, eben diese Dichtung immer wieder verurteilt und bekämpft.

Die arabische Dichtkunst hat so gut wie nichts mit dem Islam zu tun, sie ist viel älter, ihre Wurzeln reichen tiefer, sie ist autochthon und nicht epigonal wie der überwiegend aus biblischem Stoff zusammengeklaubte Koran, und die islamische Theologie hat alles versucht, sie zu unterdrücken. Der Prediger des Koran hat die großen Poeten der frühen arabischen Dichtung, etwa die Verfasser der berühmten Sammlung Al-Muallaqat, als „vom Satan Heimgesuchte“ bezeichnet (Koran, Sure 26, Vers 221) und damit über Jahrhunderte den Ton gesetzt für die religiös-islamische Haltung gegenüber freier Dichtkunst und Literatur.

Sarrazin geht es in seinem Buch auch weniger um islamische Beiträge zur Kulturgeschichte, als zur Gegenwart, zur Moderne. Gerade die arabische Dichtung ist ein Beispiel dafür, wie auf dem Koran basierender islamischer Traditionalismus bis ins zwanzigste Jahrhundert neue Entwicklungen behindert und die Dichtkunst ins Uralt-Muster der Kasside gepresst hat. Frau Pinks Plädoyer für Kulturleistungen, die dem Islam zum Trotz, nicht durch ihn erbracht wurden, bestätigt in Wahrheit Sarrazins Thesen. Nur kann Frau Pink nicht zwischen Kultur und repressivem Glaubenssystem differenzieren, für sie ist alles „Islam“, was aus islamischen Ländern kommt.

Daraus spricht Verachtung gegenüber den dort lebenden Menschen, die unter eine Religion subsumiert werden, die viele von ihnen in Frage stellen. Frau Pinks Polemik verleugnet das eigentliche Problem, die tiefe innere Widersprüchlichkeit islamischer Gesellschaften. Wie wenn man Solschenizyns Romane oder Vaclav Havels Theaterstücke als Kulturleistungen des Marxismus gedeutet hätte, weil sie in kommunistischen Ländern geschrieben wurden. Westliche Politik gegenüber solchen Systemen kann nur erfolgreich sein, wenn sie diese inneren Konflikte erkennt und dort ansetzt. Nicht behilflich ist, sie zuzudecken. Die arrogante Attitüde der Fachwissenschaftlerin hat im Leserforum der Zeit, eines dünkelhaften, um Volksbelehrung bemühten Blattes, die Zustimmung Gleichgesinnter erfahren, in Wahrheit bleibt ihr Text argumentativ jammervoll.

Zirkel angemaßter Allwissenheit

Am gleichen Tag versuchte Rainer Hermann in seiner „Haarsträubendes zum Islam“ überschriebenen Besprechung in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, einige „Fehler“ des Sarrazinschen Buches immerhin zu benennen. Hermann ist langjähriger Wirtschaftsredakteur und Abu-Dhabi-Korrespondent dieses Mediums, ein versierter Fürsprecher deutscher Wirtschaftsinteressen in islamischen Ländern. „Der Faktencheck fällt nicht günstig aus“, beginnt er. („Faktencheck“ ist ein beliebtes Wort in diesen Zirkeln angemaßter Allwissenheit.) „Mit Jahreszahlen nimmt es Sarrazin nicht genau (etwa bei der Eroberung von Bagdad durch die Mongolen), nicht mit der Geographie (Sudan ist nicht Teil des Maghreb) und auch nicht mit Übersetzungen. Sarrazin schreibt Namen und Vornamen falsch, verwechselt Aleviten und Alawiten, bringt Laizismus und Säkularismus durcheinander.“ 

Doch selbst diese Fehler – träfen sie wirklich zu – rechtfertigten nicht die durch Hermann vorgenommene Stigmatisierung von Sarrazins Buch als „Kampfschrift“ oder seine die Wahrheit verdrehende Behauptung, auch mit dieser Publikation werde „Sarrazin wieder Angst verbreiten und dennoch auf Resonanz stoßen“ – als wäre es das Buch, das Angst verbreitet, nicht die im Bewusstsein vieler Europäer längst angekommene Gefahr islamischen Terrors und unkontrollierter Einwanderung.

Sarrazin, der Rainer Hermann (auf die Firma FAZ vertrauend?) offenbar nicht für einen schreibenden Lobbyisten, sondern für einen seriösen Islam- und Nahostkenner hielt, machte sich die Mühe, ihm in einem ausführlichen Leserbrief zu widersprechen. Er wies nach, dass Hermann ihn unsauber zitiert. So hätte er, Sarrazin, keineswegs behauptet, der Sudan gehöre zum Maghreb. Doch selbst wenn, finde ich, es änderte nichts am Wahrheitsgehalt seines Buches. Hermanns Taktik ist lächerlich und leicht durchschaubar: ein paar unklare terminologische Fragen („Maghreb“ ist schließlich nur ein verabredeter Begriff), fragliche Schreibungen oder marginale Ungenauigkeiten als Legitimation ins Feld zu führen, um die eigentlichen Aussagen des Buches zu ignorieren.

Die von Hermann vorgenommene Abwertung des Buches als „Kampfschrift“ findet sich – sei es Einfallslosigkeit der Schreiber oder vorab ausgegebene Parole – am gleichen Tag, dem 30. August, in der Ankündigung eines Interviews mit Sarrazin im Magazin stern. Dieses Interview, geführt von Arno Luik, erweist sich nicht nur als Tiefpunkt der Sarrazin-Rezeption der Leitmedien, sondern des zeitgenössischen deutschen Journalismus überhaupt. „Bekannt geworden ist Luik für seine intensive Art des Interviews“, behauptet Wikipedia, doch im Gespräch mit Sarrazin erschöpft sich der Intensiv-Interviewer in billigen Provokationen, Sticheleien und Gehässigkeiten. Wo er offen zu lügen versucht, geht Sarrazin frontal dazwischen. „Ich würde sagen, Sie beuten Vorurteile aus, Sie bauen Vorurteile auf“, stichelt Luik, vorsichtshalber in der Ich-Form und im Konjunktiv. Worauf Sarrazin antwortet, ein wenig humorlos, doch zutreffend: „Das ist eine böswillige Unterstellung.“ Nach solchen Repliken weicht Luik aus und versucht es woanders mit ähnlich haltlosen Anwürfen. So geht es über fünf Druckseiten des stern. In der Sache weiß Luik nichts gegen das Buch vorzubringen.

Das tödliche Wort geschickt ins Spiel gebracht.

Mit verleumderischen Attributen arbeitet auch Anna Sauerbrey im "Tagesspiegel". Das Buch sei „verletzend, grenz-rassistisch und manipulativ“, heißt es schon in der Überschrift. „Grenz-rassistisch“ – eine geniale Wortbildung, im Sinne genialer Demagogie. Denn grenz-rassistisch ist noch nicht rassistisch, man hat also vermieden, Sarrazin lügenhaft des „Rassismus“ zu bezichtigen und dennoch das tödliche Wort geschickt ins Spiel gebracht. Dabei beschäftigt sich Sarrazins Buch mit dem Islam, einer Religion oder Weltanschauung, nicht mit einer Rasse. Zu schwer zu begreifen, dass Religions- oder Islamkritik etwas vollständig anderes ist als „Rassismus“?

Zentrales Argument von Frau Sauerbrey ist Sarrazins angebliche „Einseitigkeit“ und Fehlinterpretation bekannter internationaler Statistiken: „Wie einseitig Sarrazins Lesart ist, kann man in den Studien nachlesen, die er selbst zitiert, zum Beispiel 'The Future of the Global Muslim Population', ein Studie des renommierten US-Umfrageinstituts Pew Research Center von 2011.“ Aus der Studie ginge hervor, dass die von Sarrazin gefürchtete demographische Katastrophe Europas nicht stattfinden werde, weil die Geburtenrate islamischer Länder neuerdings regressiv sei.

In der Tat steht eins der Kapitel der zitierten Studie des Pew Centers unter der Überschrift „Growing, But at a Slower Rate“ und stellt fest: „The rate of growth among Muslims has been slowing in recent decades and is likely to continue to decline over the next 20 years.“ Innerhalb der nächsten zwanzig Jahre soll also ein allmählicher Rückgang der Geburtenrate erfolgen, doch bis dahin werden – weitere Schwäche der europäischen Politik angenommen – noch viele Muslime ins offene Europa einwandern und noch mehr in Europa geboren werden – wo übrigens das Pew Center keinen Rückgang der muslimischen Wachstumsrate prognostiziert –, so dass Sarrazins Befürchtungen für weitere Deformation der kulturellen und politischen Landschaft Europas durchaus realistisch sind. Und selbst wenn es zuträfe, dass die Zunahme in Zukunft etwas langsamer vonstatten ginge, wäre es kaum ein Trost. Denn sie bleibt, wie die gleiche Studie des Pew Center feststellt, nach wie vor vergleichsweise hoch. Außerdem ist längst, wie man so schön sagt, das Kind in den Brunnen gefallen: Europa hat bereits jetzt eine unbekömmlich hohe, stark wachsende, die Werte der westlichen Demokratien bedrohende muslimische Population.

Wenig Aussicht auf eine sachliche und faire Beurteilung

Mehrfach in den Rezensionen wird Sarrazin vorgeworfen, dass er sich, ohne durch seine Ausbildung dazu befugt zu sein, an den Text des Heiligen Koran exegetisch heranwagt. Doch welche Qualifikation befähigt die Rezensenten, um beurteilen zu können, ob Sarrazin in seiner Exegese irrt? Frau Pink verwechselt Islam mit arabischer Dichtkunst. Rainer Hermann unterschiebt Zitate. Arno Luik vermag nicht ein einziges Argument vorzubringen, nur rhetorische Finten. Frau Sauerbrey „hat Mittlere und Neuere Geschichte, Politik und Publizistik in Mainz und Bordeaux studiert“ (wie ein Papier der Bundeszentrale für Politische Bildung mitteilt, wo sie offenbar als Referentin antritt), doch – bei allem Respekt – vom Islam versteht sie nichts.

Angesichts der Zerrüttung der politischen Landschaft Deutschlands hat ein Buch wie das von Sarrazin wenig Aussicht auf eine sachliche und faire Beurteilung. Die Verfasser der Angriffe verstehen sich weniger als Rezensenten denn als Kämpfer in den Grabenkämpfen zwischen politischen Fraktionen. Störende Argumente werden, ehe man sie genauer zur Kenntnis genommen hat, als „wenig hilfreich“, „rassistisch“ oder „hetzerisch“ abqualifiziert und aussortiert. Eine diffizile Art der Debatte hat das deutsche Feuilleton nie gelernt. Abweichende Meinungen gelten nicht als Anregung zur Diskussion, sondern als feindlicher Akt.

Thilo Sarrazin ist ein Mann der Finanzwelt, ein Rechner und Statistik-Fan. Was ich alles nicht bin. Doch ich kann sein Denken, seine logischen Konklusionen, seine Rechenexempel nachvollziehen. Mir steht nicht Ignoranz oder Gruppeninteresse im Weg, um persönlichen Respekt zu empfinden vor der ungeheuren Mühe, der sich der Volkswirtschaftler Sarrazin in diesem Buch unterzogen hat. Allein das Sondieren des kaum überschaubaren Zahlenmaterials, die Sichtung der zahlreichen Quellen, die komplette Lektüre des Koran, noch dazu in der wenig angenehmen Übersetzung des bekennenden Antisemiten Rudi Paret, die – bezeichnend genug – vielen deutschen Islamwissenschaftlern bis heute als die „maßgebliche“ gilt.

Wenn man, wie in unserer numerisch orientierten Welt üblich, Statistiken als überzeugendes Argument in Betracht zieht, sind einige von Sarrazins Zahlenvergleichen schlechterdings erschütternd. Wie etwa in dieser Passage aus seinem Buch: 

„In Deutschland gab es im März 2017 rund 51 600 Strafgefangene, davon 30,1 Prozent Ausländer. Der Ausländeranteil an den Strafgefangenen ist damit rund dreimal so hoch wie der Ausländeranteil an der Bevölkerung, der Ende 2015 10,5 Prozent betrug (…) Für Nordrhein-Westfalen wird ein Anteil der Muslime von 22 Prozent an den Strafgefangenen angegeben. In Berlin wird der Anteil der Muslime an den Gefängnisinsassen auf rund ein Drittel geschätzt. In Frankreich sind etwa 60 Prozent aller Gefangenen Muslime. In den Niederlanden sind es 20 Prozent der erwachsenen und 26 Prozent der jugendlichen Strafgefangenen (…) In allen Fällen übersteigt der Anteil muslimischer Strafgefangener den sonstigen Bevölkerungsanteil bei Weitem.“

Was ließe sich gegen die Wirkungsmacht solcher Zahlen, samt und sonders mit Quellen belegt, vorbringen? (Noch dazu, wenn man in Rechnung stellt, wie viele von Muslimen begangene Straftaten aus allen möglichen Gründen unbestraft bleiben.) Die versuchte Diskreditierung des Autors hat bei mir und hunderttausend anderen Lesern wenig Eindruck hinterlassen. Ich bleibe bei meiner spontan beim Lesen des Buches entstandenen Einschätzung, es handle sich um „eins der intelligentesten Bücher zum Thema Islam und Moderne.“ Sarrazins Analyse der Inkompatibilität des traditionellen Islam mit der westlichen Welt von heute ergibt ein nach den Parametern der Vernunft gedachtes und geschriebenes Buch, dem größte Verbreitung zu wünschen ist.

Eine leicht gekürzte Fassung dieser Besprechung erschien in der Jüdischen Rundschau, Berlin, Oktober 2018.

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Leserpost (60)
Marie-Jeanne Decourroux / 08.10.2018

Die unkritische Haltung der Linken gegenüber dem ihr eigentlich fremden Islam wird erklärbar, falls ein Verdacht zutrifft, den der 2007 verstorbenen französische Historikers René Rémond [1] einmal geäußert hat.  In einer Talkrunde des Fernsehsenders KTO (Paris) sagte er, dass er sich manchmal frage, ob das leidenschaftliche Interesse ausgerechnet der Linken an einem EU-Beitritt der Türkei nicht teilweise daher rühre, dass viele von ihnen hofften, auf diese Weise, »quasi per Huckepack« - wie er sich ausdrückte [«sur le dos»], das verhasste Christentum in Europa aushebeln zu können. Dass gerade für die Linke die letzten Dinge schlimmer sein könnten als die ersten, dieser Gedanke tritt hinter dieser Leidenschaft zurück und kommt erst viel später. [1] René Rémond, frz. Historiker, Mitglied der Académie Française [ bei Wikipedia googlen… ]

Margit Broetz / 08.10.2018

“Raum genug bleibt aber für die Apologetik einer durch die Jahrhunderte blühenden islamischen Kultur”, wie sie zahlreiche sogenannte Experten, hier die Professorin Pink, verkünden. Schaut man genau hin, bleibt buchstäblich nichts übrig, was islamische Kultur der Menschheit positives gebracht hat. Die arabischen Ziffern um nur ein Beispiel zu nennen haben die Inder erfunden, die achso tolerante islamische Herrschaft in spanischen Mittelalter (Andalusien) etwa ist ein kompletter Mythos, die dort bewunderte Architektur, zum Beispiel der Alhambra, persischen Ursprungs und von den Goten tradiert. Die von der Islam-Apologetik heute hofierten “islamischen Gelehrten” oder gar Wissenschaftler - genannt seien nur Mamonides und Averroes - waren oft keine Muslime, und sie wurden in ihrer Zeit ohnehin von der achso toleranten islamischen Obrigkeit verfolgt und außer Landes gejagt (dazu zuletzt das hervorragende Werk “The Myth Of the Andalusian Paradise” von Dario Fernandez Moreira). Von einer “durch die Jahrhunderte blühenden islamischen Kultur” kann also keine Rede sein, das sollte endlich in das öffentliche Bewußtsein, gerade der Bildungsbürger gelangen, denn diese Legende - einer der Urheber wohl Lessing mit seiner Ringparabel - dient nur den Apologeten, die willentlich oder nicht, die Wiederkehr der Totalitarität des Mittelalters befördern.

Roland Stolla-Besta / 08.10.2018

Habe auch den letzten „Sarrazin“ mit Spannung und Faszination von der ersten bis zur letzten Seite gelesen, und das, obgleich – oder gerade weil – er so nüchtern sachlich schreibt, ohne den Furor, mit dem seine Kritiker über ihn herfallen. Obwohl die Bezeichnung „Kritiker“ für diese Giftspritzen völlig unzutreffend ist. Ich bin froh, daß Herr Sarrazin entgegen dem Wunsch jenes hochgejazzten tirkisch Journaschnösels Yücel noch gut beieinander ist und hoffentlich noch etliche kritische Bücher schreiben wird!

Marc Blenk / 08.10.2018

Lieber Herr Noll, der deutsche Medienbetrieb ist nicht diskursfähig. Vor allem nicht willens. Er hat sich längst entschieden, sich auf eine Seite zu schlagen. Ganz allgemein. Was spielen da die Befunde eines Sarrazin eine Rolle. Die mögen noch so stichhaltig sein. Die Wahrheit bildet längst keinen Maßstab mehr. Was zählt, ist das erwünschte, die eigenen Vorurteile, Gesinnung und Ideologie. Und da muss ich leider sagen, dass da die Juden die kleinste Rolle spielen und die Muslime mit die größte. Also immer schön brav sein wie Frau Knobloch. Lebendige Demokratie? Werte? Doch nicht im Berlin des Jahres 2018.

Uta Buhr / 08.10.2018

Ich bin gerade dabei, Sarrazins Opus Magnum zu lesen und mich im Dschungel seiner Statistiken und Zahlenbeispiele zurecht zu finden. Ich habe -zunächst - einmal mehrere Seiten übersprungen, um auch seine Einschätzung des Islams auf unsere moderne westliche Gesellschaft zu erfahren. Hierzu volle Zustimmung. Jahrelang habe ich den Vorderen und Mittleren Orient sowie Nordafrika bereist - auch beruflich - und bin, wie Sarrazin zu dem Ergebnis gelangt, dass Muslime keine Arbeitsethik haben, die mit der unseren zu vergleichen ist. Und Leistungen im wissenschaftlichen Bereich werden von den Gläubigen schon gar nicht erwartet. Es geht um die totale Unterwerfung unter diese Idiologie.  Das Buch gleichen Namens von Michel Houllebecq ist allen zu empfehlen, die es noch nicht gelesen haben. Nach der Lektüre weiß jeder, wohin die Reise geht. Auch seinerzeit wurde das Werk von allen Seiten verrissen. Besonders von jenen, die es noch gar nicht gelesen haben konnten, weil es noch gar nicht auf dem Markt war. Eine ungefähre Inhaltsangabe veranlasste eine junge Frau aus dem Feuilleton einer Tageszeitung zu einem total unreflektierten Verriss, den ich einfach nur peinlich fand. Ähnlich geht es jetzt Thilo Sarrazin. Ich kann mir gut vorstellen, dass unsere Kanzlerette auch dieses Werk nicht gelesen hat und es auch nicht lesen wird. Doch ihr Urteil dürfte dessen ungeachtet wohl schon feststehen: Nicht hilfreich. Damit hat sie und haben jene, die ihr stets nach dem Munde reden, allerdings recht. Ihren Plänen, dieses Land zu destabilisieren und schlussendlich zu zerstören, ist “Feindliche Übernahme” wirklich mehr als hinderlich. Ich freue mich über den überwältigenden Erfolg dieses Buches, das zum juste milieu zählende Buchhändler - leider die meisten - nur sehr ungern verkaufen. Ein herzliches Dankeschön an Herrn Noll, der Thilo Sarrazins mehr als überfällige Analyse des Islam so beurteilt, wie sie es verdient.

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