Machen wir uns nichts vor, die Lage betrifft mitnichten nur Israel; Israel und Juden gehören nur zu den ersten Opfern. Wir befinden uns im 3. Weltkrieg.
„Jeder hofft, dass das Krokodil ihn zuletzt frisst, wenn er das Krokodil genug füttert. Alle hoffen, dass der Sturm vorübergeht, bevor sie an der Reihe sind, verschlungen zu werden. Aber ich fürchte sehr, dass der Sturm nicht vorübergehen wird. Er wird wüten und er wird immer lauter und immer weiter toben.“ Winston Churchill, 20. Januar 1940
„Wir haben uns mit Blödsinn beschäftigt“. Dieser Satz stammt von Joav Kisch, Bildungsminister in Israel und Mitglied der Likud-Partei. Und weiter: „Wir haben vergessen, wo wir leben.“ Diese beiden Sätze sind die Quintessenz des Versagens des Westens. Denn, machen wir uns nichts vor, es betrifft mitnichten nur Israel; Israel und Juden gehören nur zu den ersten Opfern. „Wir haben uns mit Blödsinn beschäftigt.“ Ja, so ist es.
Wie heißt es so schön: „Wenn es dem Esel zu gut geht, geht er aufs Eis.“ Goethe beschrieb dieses Verhaltensmuster 1815 in einer Gedichtsammlung mit den Worten: „Alles in der Welt lässt sich ertragen, nur nicht eine Reihe von schönen Tagen“. Die Illusion, die Welt sei ein beschauliches Örtchen, bevölkert mit netten Menschen; einige haben halt etwas Pech gehabt, sind Opfer der Umstände oder der bösen Weißen – diese war (und ist) Grundlage westlicher Politik. Hüllt man sich dann noch in die Utopie, dass weltweit alle Menschen und Staaten unseren westlichen, universalistischen Ansatz teilen, also dass in allen Kulturen die gleichen moralischen Regeln gelten und der Mensch als Individuum mit unveräußerlichen Rechten ausgestattet und hochgeschätzt wird, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis man sich selbst „schlachtreif“ gemacht hat. Die Realität wurde komplett ausgeblendet, der Westen hat vergessen, wie die Welt wirklich aussieht.
Es ist ungewollt komisch: Die eine politische Seite verfolgt eine Variation des „Herrenrassen“-Ansatzes: Der Westen ist so wahnsinnig überlegen, da müssen – und können! – wir tollen Weißen den anderen, den Opfern, helfen, mit Geld, Anbiederung und Unterwerfung. Da wir so toll sind, wird man unserem Vorbild bestimmt folgen – hat eigentlich niemand gemerkt, was das für ein Gedankengut ist? Es war das erste Mal abstoßend, es ist es auch heute.
Die andere politische Seite ist das Spiegelbild: Sie hält uns, den Westen, ebenfalls für weit überlegen und furchterregend, weshalb zum Beispiel Russland angeblich vor uns zitterte und die Ukraine überfallen musste. Das glauben die wirklich! Und natürlich ist der Gegner die USA, die sind immer für alles verantwortlich, klar. Antikapitalismus, Antiamerikanismus und Antisemitismus gehen häufig Hand in Hand. Dass die Führungen in Russland und ihren verbündeten Achsenmächten Iran und China sich über uns schieflachen, uns für exakt die Loser halten, die wir sind, wird komplett ausgeblendet, denn es passt nicht ins Weltbild. Dabei weiß eigentlich jeder: Nur der (vermeintlich) Schwache wird angegriffen, nie der Starke.
Der dritte Weltkrieg hat längst begonnen
Es sind zerstörerische Kräfte im Inneren, die uns bis zur Wehrlosigkeit schwächen. Wer ist denn noch bereit, für unser Land, unsere Art zu leben zu kämpfen? Nun? Der Westen ist bei weitem nicht perfekt, es passieren Fehler und Irrtümer, aber er ist unendlich besser als alles andere. Die Ukrainer wissen, was wir haben, sie sehnen sich danach und sind bereit, dafür zu kämpfen. Und nun befinden wir uns im 3. Weltkrieg. Das heißt derzeit noch nicht, dass wir aktive Kriegspartei sind; aber es ändert nichts an der Tatsache, dass der 3. Weltkrieg schon längst ausgebrochen ist.
Wikipedia definiert Weltkrieg als einen Krieg, „der durch sein geographisches Ausmaß über mehrere Kontinente und durch den unbegrenzten Einsatz aller verfügbaren strategischen Ressourcen weltweite Bedeutung erlangt oder der im Ergebnis eine grundsätzliche Neuordnung der weltweiten internationalen Beziehungen mit sich bringt.“
Genau das ist die Absicht der Achsenmächte. Russland will seinen Einfluss in Europa ausdehnen, woraus Putin nie ein Geheimnis machte. Der Iran will die Vormachtstellung in der arabischen Welt und China letztlich jene über die ganze Welt, angefangen mit Asien. Das hieße de facto die Weltherrschaft, weil die asiatischen Staaten sowohl mit ihrer Bildung (MINT statt Genderstudies) als auch mit ihrer Anstrengungsbereitschaft uns weit überlegen sind.
Das ist der 3. Weltkrieg, und er hat längst begonnen, während bei uns die einen noch sagen, die Kriege gingen uns nichts an und die anderen so tun, als könne man das alles irgendwie begrenzen. Wieder ist es ein israelischer Politiker, der die Wahrheit sagt, nämlich der israelische Energieminister Israel Katz: „Wir befinden uns im Dritten Weltkrieg, und Israel steht an der Front.“
Wir müssen an allen Fronten kämpfen
So ist es. Der andere Frontstaat ist die Ukraine. Aber kein einziger deutscher Politiker hat den Mut, zu sagen: Freunde, der Krieg hat begonnen, er geht uns alle an, denn wir müssen um unsere Existenz kämpfen. Dieser Krieg wird lang und bitter, wir haben diesmal nicht nur äußere Feinde, wir haben sie uns auch ins Land geholt. Das müssen wir ändern. Wir müssen an allen Fronten kämpfen, schnell und entschlossen.
Unser Verteidigungsminister Boris Pistorius hat es verklausuliert gesagt. Er sprach die verschiedenen Brandherde an und betonte, dass die Zeitenwende mehr als ein Wort sei, dass wir unbedingt wehrhaft werden müssen:
„Wenn das Vertrauen der Menschen in den Staat und seine Institutionen schwindet, müssen wir Antworten finden und in die Wehrhaftigkeit und Resilienz unserer Demokratie investieren. Dies ist nach meiner Überzeugung eine der zentralsten und zugleich herausforderndsten Aufgaben, vor denen Politik und Gesellschaft heute wieder stehen.“
Aber auch er vermied es, den Menschen im Land sehr klar zu sagen, was Sache ist. Einige Journalisten haben die Ernsthaftigkeit der Lage benannt. So führt Eric Gujer, Chefredaktuer der NZZ, zutreffend aus, dass die westlichen Ordnungsvorstellungen generell „unter Druck stehen“, in der Ukraine wie in Israel. In der Wirtschaftswoche schreibt Dieter Schnaas:
„Bei Gräueltaten wie denen der Hamas handelt es sich um Zivilisationsbrüche, die nicht kontextualisierbar sind, sondern nur außerhalb allen Kontextes verständlich werden: als Statements elementarer Amoralität. Wer sie dennoch in einen Zusammenhang stellt, unterschreibt nicht nur seine moralische Bankrotterklärung, sondern verkennt auch die politische Dimension des Terrors: Die vom Iran unterstützten Hamas wollen der Welt gerade nicht als reagierendes Opfer einer Besatzungsmacht, sondern als mörderische Überzeugungstäter erscheinen – so wie auch der Iran und Russland mit dem Segen Chinas als faktenschaffende Mächte auftreten, um die Nachkriegsordnung zu revidieren und die Welt neu einzuteilen in antiwestliche Einflusszonen, um die Gleichrangigkeit von Völkerrecht und Menschenrechten zu dementieren – und gewaltsam Grenzen zu verschieben.”
Moralische Bankrotterklärung und Realismus
Realismus ist der wahrscheinlich einzige „Ismus“, der nützlich ist. Jeder, der Verantwortung trägt, muss sich Lagen stellen. Nicht nur dann, wenn sie einem in den Kram passen und die eigene Einschätzung bestätigen, sondern vor allem und gerade dann, wenn sie schmerzhaft sind; wenn man sie nicht wahrhaben, sich am liebsten verstecken möchte. Dazu gehört Mut und Tapferkeit. Aber anders geht es nicht.
Das zur Methode gewordene Verunglimpfen von Personen statt des Befassens mit der Thematik auf der Sachebene, also das Weglaufen vor den Problemen, ist nicht nur eine intellektuelle, sondern eine moralische Bankrotterklärung. Wer auf Warnungen nicht hört, nicht einräumt, dass man sich irren kann, Gefahren nicht analysiert und entsprechend reagiert, ist niemals, wirklich nie und unter keinen Umständen, charakterlich geeignet, eine Führungsposition einzunehmen. Wenn die politische Führung in Zeiten, in denen man um die Existenz kämpfen muss, derart ungeeignet ist, ist der Kampf bereits verloren.
Die Zeiten des Blödsinns sind vorbei, wir können uns das schlicht nicht mehr leisten. Noch einmal in aller Deutlichkeit: Der 3. Weltkrieg hat begonnen. Je früher wir uns darauf einstellen, desto größer unsere Überlebenschancen. Mit dem derzeitigen politischen Personal werden wir es nicht schaffen. Die Ereignisse rütteln sie kurz wach, dann fallen sie in alte Verhaltensmuster zurück. Diese sind es aber, die uns schwächen und dem Abgrund immer näher bringen. Bekanntlich ist es die Definition von Wahnsinn, immer dasselbe zu tun und auf einen anderen Ausgang zu hoffen. Es ist die Methode „Mehr vom Selben“, die Paul Watzlawick in seiner „Anleitung zum Unglücklichsein“ beschreibt. Die Zeit läuft gegen uns.
Annette Heinisch hat Rechtswissenschaften in Hamburg studiert, Schwerpunkt Internationales Bank- und Währungsrecht und Finanzverfassungsrecht. Sie ist seit 1991 als Rechtsanwältin sowie als Beraterin von Entscheidungsträgern vornehmlich im Bereich der KMU tätig.
Beitragsbild: Creative Commons CC0 Pixabay

Naja – aus mir unbegreiflichen Gründen scheint es ja manchen Personen wichtig zu seine „endlich“ den Ausbruch des „3. Welrkrieges“ formal manifestieren zu können. Beabsichtigt ist Ggf. damit ein gewisses Aufrütteln der Schlafenden. Wir befinden uns dauerhaft in der Auseinandersetzung konkurrierender System. Und „Kriege“ werden dabei nicht nur in klassischer Manier geführt. Eines ist jedoch richtig: der „Westen“ ist fett, dekadent und überheblich geworden. Die Zersetzung unserer Gesellschaften durch die eigenen Regierungen, Massenzuwanderung, etc. in Verbindung mit der faktisch fehlenden Wehrhaftigkeit und -Willigkeit, das wird ganz sicher zu massiven Problemen führen. Ob das jetzt bereits als „3. Weltkrieg“ bezeichnet werden muss? Ich finde das geht eher vorbei. Deutlich zu erkennen ist jedoch dass die massive Infiltration unserer Gesellschaften mit gewaltbereiten Menschen unsere Art zu leben bereits erheblich verschlechtert hat. Und diese Schwäche wird weiter ausgelotet.
„Und natürlich ist der Gegner die USA, die sind immer für alles verantwortlich, klar.“
Weder „immer“, noch DIE USA. Aber gewisse „Eliten“, sehr häufig mit US-Bezug. Wer hat die Farbrevolutionen initiiert, wer hat sie finanziert und was ist aus den Regionen geworden? Mein Kompliment gilt Dr. R, Möller, der hier am 26.10.2023 schrieb:
„Wer glaubt, daß Männer Kinder kriegen können, daß Hamas eine Protestbewegung ist, daß der Islam eine friedliche Religion ist, daß der Endsieg der Ukraine mit Hilfe der Wunderwaffe kurz bevorsteht, daß die FDP jetzt aber endlich mal zu ihren Wahlversprechen steht und Deutschland rettet, daß Biden geschäftsfähig ist, daß Sara Wagenknecht eine Demokratin ist, daß die AFD rechtsradikal und unwählbar ist, daß wir in einem Rechtsstaat leben, wer auf die Coronalüge hereingefallen ist und sich hat “impfen„ lassen, … der glaubt einfach alles. So wie die Mehrzahl der Autoren und Kommentatoren auf der Achse.“ Und ein Kompliment an die Achse, weil sie den Kommentar veröffentlicht (hat).
Wer befindet sich im Krieg mit wem? Das ist für mich schon wieder mal Kriegs Hetze. Die politische Führung kann von mir aus mit deren Feinden direkt in den Boxring steigen und sich die Nasen blutig hauen, inkl Live Übertragung. Die Polit Genossen & deren Hintermänner die den Hals nicht voll kriegen sind das einzige Problem. Sind die weg, wird es besser/ anders. KEINER sollte sich von Polit Genossen anstiften lassen und das dann evtl. mit dem eigenem Leben bezahlen. Die Kriege die seid Jahrzehnten toben haben nur für wenige Vorteile gebracht und beruhen auf komischen Vorstellungen was das Land oder dessen Grenzen angeht. Man kann auch sagen das die Erzeugung von Angst/ Furcht die Menschen am denken hindert. Das ist immer ein Bomben Geschäft. Nun bin ich schon länger auf dieser Erde und solange ich denken kann gab es in Israel Kämpfe. Wozu?? So wird man keinen Frieden erreichen und das gilt auch für alle anderen Kriegerischen Aktivitäten.
Liebe Frau Heinisch, ich fürchte Sie haben Recht. Es herrscht der Kampf der Kulturen, Religionen, Ideologien. Totalitäre Gesinnungen machen keine Kompromisse. Sie wollen den totalen Krieg und den totalen Sieg. Deshalb bringt es auch nichts mit ihnen zu verhandeln. Das Zusammenleben täglich neu aushandeln; ein bisschen weniger Menschenrechte, ein bisschen mehr Scharia? Der Westen ist seinen Feinden in jeder Beziehung haushoch überlegen: intellektuell, moralisch, menschlich, technisch, wirtschaftlich. Das ist keine „White Supremacy“, sondern Fakt. Wir dürfen nicht den Fehler des Kulturrelativismus begehen und Diamant & Dreck, Menschenrechte & Scharia gleichsetzen. Es ist KEINE Überheblichkeit unsere Überlegenheit zu betonen & wahren. Wir müssen zu unseren Werten stehen. Wir dürfen wegen unserer Überlegenheit KEINE Schuldgefühle & Schamgefühle zu haben. Das ist genauso idiotisch, wie wenn sich ein Schüler für seine guten Noten schämt und sich beim faulen, schlechten Schüler für seine Überlegenheit entschuldigt. Wir sind die Zivilisation und nicht die Barbaren & Bestien, die man uns als Bereicherung andreht.
Dieser Artikel hat BILD-Zeitungsniveau und ist quasi die Fortsetzung des Artikels der Autorin von Herbst 2022 zu den Anschlägen auf Nordstream 2.
Wir befinden uns nicht im Dritten Weltkrieg. Aber US-Präsident Joe Biden hat eine Zwei-Staaten-Lösung für Israel und die Palästinenser ins Auge gefasst, die auch von China und Russland unterstütz wird – und von 90+% der Mitglieder des UN-Sicherheitsrats – und von der Mehrheit der israelischen Bevölkerung.
Man kann es, wie oben, martialisch ausdrücken. Der Westen kennt seine Koordinaten im System dieser Welt nicht mehr. Zudem zeigt der Westen offen, dass im Innern die Fäulnis wabert. Die einen versuchen halbwegs eine westliche Position zu verteidigen, die andern haben aufgegeben und glauben, wenn sie sich bei anderen anbiedern, sei die Weltordnung, der Status Quo gegeben. Das ist wie mit den Schafen, die Wölfe in die Herde lassen und dann nach der Dezimierung erschrocken dem Wolf mitteilen, das sei gegen die Vorstellung unserer Natur.