Rainer Grell / 30.11.2017 / 06:19 / Foto: pixabay / 10 / Seite ausdrucken

Wer wird Polizist – und warum?

Bei der Lektüre von Peter Grimms Beitrag über die „Zwei-Klassen-Polizei“, in dem es um die Zustände bei der Auswahl und Ausbildung von Polizisten in Berlin ging, erinnerte ich mich an eine Frage, die ich mir immer wieder gestellt habe: Warum wird man Polizist?

Ich habe fast sechs Jahre im Landespolizeipräsidium, in der Polizeiabteilung des Innenministeriums in Stuttgart, gearbeitet und dabei auch sogenannte Umläufer betreut, die auf dem Weg in den höheren Polizeidienst eine Station bei uns absolvierten. Dabei habe ich mich immer wieder gefragt, was die Betreffenden eigentlich bewogen hat, in den Polizeidienst einzutreten.

Für die meisten stand das Motiv „Anderen irgendwie helfen zu können“ eindeutig im Vordergrund. Deutsche Bewerber „mit Migrationshintergrund“ waren damals (zwischen 1982 und 1988) allerdings ebensowenig darunter wie Frauen (obwohl auch damals schon ein paar im höheren Kriminaldienst waren; die Schutzpolizei von Baden-Württemberg nimmt erst seit 1. September 1987 Frauen auf).

Mittlerweile gibt es Polizisten mit ausländischen Wurzeln nicht nur in Spielfilmen (wie den Polizeimeister Tarik Coban in der ZDF-Serie „Notruf Hafenkante“, gespielt von Serhat Çokgezen), sondern auch im sogenannten wirklichen Leben.

Warum wird man eigentlich Polizist? Der Beruf ist zwar nicht ganz so gefährlich, wie manche meinen. Es sollen mehr Dachdecker vom Dach gefallen sein, als Polizisten im Dienst umgekommen sind: Dieser Beruf steht an zweiter Stelle der 50 gefährlichsten Berufe, während Polizisten darunter gar nicht auftauchen.

Die erste Leiche vergisst man nicht

Allerdings bringt ihr Beruf zahlreiche Unannehmlichkeiten mit sich, hat er doch überwiegend mit den Schattenseiten des Lebens zu tun. Und die erste Leiche vergisst man nicht, ob es sich nun um ein Mordopfer oder einen Verkehrstoten handelt. Außerdem hat man Schichtdienst, viele Überstunden und wenig Geld. Großstädte, wie beispielsweise Stuttgart, sind besonders unbeliebt, weil zu alldem noch die hohen Mieten und Lebenshaltungskosten kommen. Also: Warum wird man Polizist?

Ist es vielleicht die Macht, die dieser Beruf vermittelt? Mag sein, aber das dürfte kaum ausreichen, die mehrjährige (mittlerer Dienst 30, gehobener Dienst 45 Monate) Ausbildung durchzuhalten und danach den Beruf rund 40 Jahre auszuüben. Nach meinem Eindruck muss es schon etwas mit Gerechtigkeit, Sicherheit, Freiheit und dem Willen, diese Werte zu schützen, zu tun haben. Ja, auch mit Freiheit, denn ohne Sicherheit gibt es diese nicht.

Wer tagtäglich mit den vielfältigen Negativseiten des Lebens konfrontiert wird, wer die manchmal nervenden Anforderungen des Rechtsstaats beachten muss, und wer den Frust des unvermeidlichen Papierkrams erlebt und dann am Ende doch stets im Kreuzfeuer der Kritik von Presse und Politik steht, der braucht eine starke Motivation. Der Polizeiberuf ist abwechslungsreich und anspruchsvoll. Ob es ein „Traumberuf“ ist, wie die Nachwuchswerbung beispielsweise für Baden-Württemberg suggeriert, mag dahin stehen.

„Verhaltensweisen, die durch Rücksichtslosigkeit, Gewaltbereitschaft, Aggression oder Unehrlichkeit geprägt sind, führen grundsätzlich zu einer Ablehnung. Ebenso ist eine Vorgeschichte im Zusammenhang mit Betäubungsmittelkonsum und -kriminalität grundsätzlich nicht mit dem Berufsbild eines Polizeibeamten vereinbar“, heißt es in den Bewerbungshinweisen der baden-württembergischen Polizei. Auch „Tätowierungen im sichtbaren Bereich“ sind unerwünscht.

Kurzum: Polizeibeamte müssen Autorität und Vertrauen ausstrahlen („Die Polizei, dein Freund und Helfer“). Rambo-Typen, Machos und Abenteurer haben in diesem so wichtigen Bereich des öffentlichen Dienstes nichts verloren. Sollte die prekäre Nachwuchslage tatsächlich dazu führen, die Anforderungen zu senken, wäre dies der falsche Weg. Umgekehrt sollte gelten: Die Besten sind gerade gut genug. Das hat auch mit Geld zu tun, wenngleich nicht allein. 

Und den Verdacht, dass einige Bewerber mit Migrationshintergrund ihren Clans gewissermaßen auf legalem Weg Macht und Einfluss verschaffen wollen, sollte man gleich im Keim ersticken.

Foto: pixabay

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Leserpost (10)
Daniel Löw / 01.12.2017

Das Es, das Ich und das Über-Ich Das Es (Legislative) erlaubt dem weisungsabhängigen Ich (Exekutive/Judikative), ja, Judikative, nur soviel, wie das weisungsungebundene Über-Ich (dito Legislative) es befohlen hat. Ungefähr so funktionierts nicht nur bei Sigmund Freud, sondern auch in der verfassungswidrigen “““Gewaltenteilung“““ der BRD/Bananenrepublik. Beispiel: Verfassungswidriger Bundestag 2017, s. Überhangmandate,  + verfassungswidrige Grenzöffnung 2015; Um nur zwei (unsanktionierte) Beispiele zu nennen, von vielen, vielen, vielen – im sog. “““Rechtsstaat““““ BRD.

Dirk Jungnickel / 30.11.2017

Danke, Rainer Grell, für das Plädoyer für die Polizisten und für den Polizei - Beruf. Die Einlassung von Th. Weidner finde ich überflüssig. Ungerechtigkeiten sind unvermeidbar, aber sollten das hier Gesagte nicht konterkarieren. Mich dauern die Polizisten, vor allem wenn sie bittere Suppen auszulöffeln haben, die ihnen die Politik einbrockt. Wer sich z.B. mit arabischen Gangs herumzuschlagen hat, der muss sich ein ziemlich dickes Fell zulegen und müsste hohe Zulagen bekommen. @ Th. Weidner Das Knöllchenverteilen ist mitnichten Sache von Polizisten !

Hartmut Schilling / 30.11.2017

Allein Ihrem Schlußsatz kann ich nicht folgen: “Und den Verdacht, dass einige Bewerber mit Migrationshintergrund ihren Clans gewissermaßen auf legalem Weg Macht und Einfluss verschaffen wollen, sollte man gleich im Keim ersticken.” Vielleicht schauen Sie mal nach Berlin? Dort geschieht genau das, schon seit längerem. Wollen Sie das auch “im Keim ersticken”?

Gudrun Enigmayr / 30.11.2017

Was für ein saft- und kraftloser Text, Herr Grell! Wo stellen Sie denn heraus, daß doch die “Politiker” die Polizei bestimmend führen (und die Staatsanwaltschaften weisungsgebunden sind)? Und was ist denn nun das Ergebnis Ihrer früheren ministeriellen Tätigkeit; früher war alles besser? - Sind/waren Sie in einer Partei? Die erste Leiche vergißt auch der Bestatter nicht.

Christoph Kaiser / 30.11.2017

@M. Braun: Lieber ein paar mehr Schimanskis, als zopfrichtende Uniform-Herzchen mit Colt am Gurt….....

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