Manche Extremisten legen gern Bahnstrecken lahm, leider tun das die Verantwortlichen für den Bahnverkehr auch.
Linksextremisten haben es in Deutschland wirklich nicht leicht, noch angemessen wahrgenommen zu werden. Wenn alles irgendwie links ist, wie will man da als Linksextremist noch auffallen? Sicher, durch Anschläge geht das immer noch. Bei Angriffen auf die Infrastruktur des verhassten kapitalistischen Gemeinwesens haben Linksextremisten schließlich durchaus eine gewisse Leistungsbilanz vorzuweisen. Doch auch da macht ihnen im neuen Deutschland der Staat Konkurrenz.
Gestern hat sich das Kommando Angry Birds beispielsweise zu dem wirkungsvoll platzierten Bandanschlag an dem wichtigen Gleisabschnitt zwischen Düsseldorf und Duisburg bekannt. Die Auswirkungen auf den Bahnverkehr sind erheblich, viele Verbindungen sind betroffen. Die Genossen dürften erreicht haben, was sie wollten. In ihrem auf Indymedia veröffentlichten Bekennerschreiben heißt es:
„Jede Störung des Bahnverkehrs hier hat direkt oder indirekt durch Umleitungen der betroffenen Züge Auswirkungen auf diesen Wirtschaftsraum.
Eine solche Störung haben wir soeben nördlich des Düsseldorfer Flughafens verursacht. Dazu kam erneut der Eisblock-Timer aus unserem Handbuch ‚Kabel Anzünden für Beginner‘ zum Einsatz.“
Linksextreme Anschläge auf Signal- und Gleisanlagen haben inzwischen eine gewisse Tradition. Und die Genossen verstehen von der praktischen Funktionsweise des Bahnbetriebs augenscheinlich viel mehr als die meisten Entscheidungsträger in den Führungsetagen der Deutschen Bahn, denn sie können immer wieder einen wunden Punkt finden, um mit minimalem Aufwand maximale Störungswirkung zu erzielen.
Was das Aufwand-Wirkung-Verhältnis angeht, sind die Linksextremisten der Bahnführung immer noch konkurrenzlos überlegen, aber beim Lahmlegen des Bahnverkehrs können sie streckenweise im Wettbewerb mit dem Staatsunternehmen, dem hierzulande fast alle Gleise gehören, nicht mehr mithalten.
"Wünschenswerte Abwanderung"
In den vergangenen Jahren beispielsweise war die Bahnlinie Berlin–Hamburg ein beliebtes Anschlagsziel einiger Genossen. Damit ist vorerst für ein dreiviertel Jahr Schluss. Die Bahn selbst stellt den Verkehr für diese Zeit in einer Weise um, dass es regionalen Bahnverkehr in diesem Bereich so gut wie nicht mehr gibt und sich im Fernverkehr Fahrzeiten wie weiland der Interzonenzüge ergeben. Dafür nimmt die Bahn auch richtig Geld in die Hand. Und die eigentlich effektiveren Bahnanschlagsexperten von Linksaußen sind ausgebremst. Wäre das Lahmlegen von Bahnverkehr ein Wirtschaftszweig, in dem Gruppen wie das Kommando Angry Birds mit der DB AG konkurrieren, würde man wohl von unlauterem Wettbewerb sprechen.
Man sieht es allein schon an der Medienaufmerksamkeit. Der Anschlag steht im Schatten der Langzeitsperrung der Bahnlinie Berlin–Hamburg. Hätte das Kommando Angry Birds noch ein paar Tage gewartet, wäre die Berichterstattung über ihren klassenkämpferischen Akt vielleicht völlig hinter der über das erwartbare Verkehrschaos durch die Langzeit-XXL-Baustelle im Norden verschwunden. Schon das Bekennerschreiben wurde gar nicht mehr angemessen gewürdigt. Dabei sollten die Leidtragenden der großen Verkehrsstörung doch erfahren, warum ihr Zug diesmal nicht fuhr:
„Wir haben unsere Gründe bereits ausführlich in unseren eigenen Worten dargelegt. Diesmal wollen wir uns die von Emmanuel Sieyès ausleihen“, heißt es im Bekennerschreiben. Als Quelle geben sie „Was ist der Dritte Stand, Emmanuel Joseph Sieyès, 4. aktualisierte und gekürzte Neuauflage“ an. Allerdings klingt der zitierte Text, als wäre er zumindest ein wenig modernisiert worden. In jedem Falle gibt er einen Einblick in die Gedankenwelt der Genossen vom Kommando Angry Birds:
„Die fähigsten Mitglieder der Mainstream-Umweltbewegung sind gezwungen worden, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten indem sie die Schmeichelei erlernen und sich dem Dienst für die Mächtigen widmen. Vielleicht kann man die stärksten Befürworter der Industrie innerhalb der etablierten Klimabewegung finden, unter Leuten mit viel Schlauheit und wenig Verdienst, die so unfähig sind, den Wert der Freiheit zu spüren, wie sie begeistert sind von Wohlstand, Macht und den Geschenken der Großen.
Die Zeit, an einer Versöhnung der Seiten zu arbeiten, ist vorbei. Welche Hoffnung auf Übereinstimmung kann es geben zwischen der Energie der Unterdrückten und der Wut des Unterdrückers? Sie haben es gewagt, die Abwanderung von Unternehmen als Schreckensszenario in den Raum zu werfen. Meine Güte, was für ein Segen wäre es für das Land, wenn diese große und wünschenswerte Abwanderung erreicht werden könnte. Wie einfach wäre es, ohne die Konzerne auszukommen! Wie unmöglich dagegen, sie zur Nachhaltigkeit zu bringen!“
Fünf Jahre Ruhe?
Die Kämpfer im Kommando Angry Birds sind vielleicht ein wenig frustriert darüber, dass sich die aktuelle Bundesregierung offenbar auch nachhaltig darum zu kümmern scheint, dass die Menschen bald lernen müssen, „ohne die Konzerne auszukommen“. Zumindest ohne einheimische Konzerne, von deren Wertschöpfung das Gemeinwesen profitieren könnte.
Aber zurück zum Lahmlegen des Bahnverkehrs. Was die Linksextremisten antrieb, haben wir gelesen. Bei der Bahn gibt es zu ihrem Projekt nicht nur ein Bekennerschreiben, sondern viele. Die meisten Fragen beantwortet die entsprechende Frage-Antwort-Seite auf bahn.de:
„Welche Vorteile bringt die Generalsanierung für Bahnfahrer:innen?
Mit der Generalsanierung verbessern wir auf der Strecke Hamburg–Berlin den Zustand der Infrastruktur, die Leistungsfähigkeit sowie Resilienz im Fall von Störungen. Gleichzeitig werden nach Abschluss der Arbeiten für fünf Jahre keine größeren Baumaßnahmen auf diesem Korridor erforderlich sein.
Die DB bündelt im Rahmen der Generalsanierung den Baubedarf der kommenden Jahre. In einer Sperrpause statt in unzähligen kleinen Sperrpausen wird der Baubedarf umgesetzt, der technisch erforderlich ist.“
Also nach einem halben Jahr totaler Streckensperrung 2024 und einem dreiviertel Jahr 2025 haben die Bahnfahrer nur für fünf Jahre Ruhe und danach könnte es wieder vollständige Streckensperrungen geben? Wie hat man das eigentlich früher einmal geschafft, Bahnstrecken in Schuss zu halten, ohne komplett zu sperren? Würden nicht vielleicht zusätzliche Gleise helfen?
„Warum wurde nicht zunächst eine Alternativstrecke durch zusätzliche Gleise erweitert und danach die bestehenden Gleise erneuert?
Dadurch hätten sich die gesamten Baumaßnahmen zeitlich stark verzögert, weil für den Neubau von Gleisen in Deutschland ein Planfeststellungsverfahren nötig ist. Die Durchführung eines Planfeststellungsverfahren ist ein sehr umfangreicher Prozess. Die vorher notwendigen Planungen und die Erstellung notwendiger Gutachten dauern mehrere Jahre.
Die Deutsche Bahn wäre in ihrer gegenwärtigen Verfasstheit vielleicht auch mit Verwaltung, Betrieb und Unterhalt zusätzlicher Gleise überfordert.
Nur Textbausteine
Aber im Ernst: Es mag ein witziger Gedanke sein, den linksextremen Anschlag auf das Bahnnetz mit seinem kuriosen Bekenntnis kurz mal in eine Reihe mit dem Herunterwirtschaften der Infrastruktur durch den Staatsbetrieb Deutsche Bahn zu stellen. Aber man sollte natürlich auf das eigentliche Problem schauen: Solange grundsätzliche System- und Strukturfragen nicht angegangen werden, hilft das teure Bauen nicht viel. Die organisierte Verantwortungslosigkeit, die Ignoranz gegenüber den Bedürfnissen und Interessen sowohl der Bahnfahrer als auch jener Mitarbeiter, die das Kerngeschäft, also den Bahnverkehr, trotz aller Widrigkeiten noch aufrechterhalten, sind Grundübel, die zuvörderst beseitigt werden müssen. Aber wenn Vorstände für die Erfüllung der Frauenquote unter Führungskräften Bonuszahlungen bekommen, während immer weniger Züge pünktlich sind, dann gibt es eindeutig eine Prioritätenschieflage.
Und linksextreme Anschläge auf den Bahnverkehr sind selbstverständlich auch alles andere als witzige Lappalien. Offenbar scheint es beim Schutz sensibler Punkte im Bahnbetrieb etliche Mängel zu geben. Und leider könnte es durchaus sein, dass Genossen vom Schlage des Kommando Angry Birds auch ein geeignetes Anschlagsziel an der Großbaustelle Berlin–Hamburg oder den Ersatzstrecken entdecken. Großen wirkungsvollen Schaden kann man dort sicher auch anrichten. Also witzig ist das alles leider nicht. Egal wohin man schaut, sieht man in vielen Facetten, was im politischen Beschönigungs-Deutsch gern „drängende Herausforderungen“ genannt wird. Aber von denen, die anpacken müssten, kommen nur Textbausteine.
Peter Grimm ist Journalist, Autor von Texten, TV-Dokumentationen und Dokumentarfilmen und Redakteur bei Achgut.com.

Falls die Gleis-Sabotierer doch noch erwischt werden, können Sie vor Gericht sicher auf Hochachtung seitens des Richters zählen …
Nur, damit es nicht verloren geht: Die linksgrünen Terroristen und die Bahnführung stehen auf der gleichen Seite.
Ich könnte jetzt an dieser Stelle sagen, wie ich das viel einfacher, effektiver und ohne Zeitzünder pp. machen würde. Diese Linken sind halt Voll-Idioten…
Das ist eben der Sozialismus: Man kann nicht mehr zwischen Arbeitenden, Streikenden und Blockierenden unterschieden. Das Resultat der Arbeit ist gleich dem Resultat des Streiks. Im Sozialismus gibt es keine Blockaden einzelner Wirtschatsbranchen: Sozialismus IST eine Blockade der gesamten Wirtschaft.
Der Gedanke, dass Reisen und jeder Verkehr für Klima und „Umwelt“ schädlich und deswegen erschwert, verteuert, vermieden werden sollen, ist ein alles übergreifende Mantra linksgrüner Klimaaktivisten. Nicht selten treten sie in hysterisch überhöhter Form auf, wobei nicht sicher zu unterscheiden ist, ob es sich um echte (krankhafte) Panik handelt oder um die I-want-you-to-panic-Show. Eine prominente Klimaaktivistin fiel kürzlich beim Talk im Hangar bei Servus-TV mit einem beeindruckenden Erregunsgszustand auf und verließ die Live-Runde vorzeitig in Ermangelung rationaler Argumente.
Der Gedanke ist nicht ganz abwegig, dass auch hinter den Brandattentaten auf die Bahn bezahlte Profis stecken, die sich als gemeinnützige NGO vom Altparteienkartell, von Ministerien, von der Regierung bezahlen lassen. Parteien, die den Kapitalismus, die Marktwirtschaft, den Energieverbrauch, die Industrie, die Bewegungsfreiheit der Bürger für schädlich halten und alles tun, um die Deindustrialisierung voranzutreiben, müssen den Saboteuren ja dankbar sein. Kein Wunder, dass der Verfassungsschutz mit leeren Händen da steht: Sein Ex-Präsident hat unlängst öffentlich seine Sympathie für die Aktivistinnen der Letzen Generation bekundet und dürfte folgerichtig argumentativ nichts gegen die Saboteure der Klimarettungs-Brigaden vorzutragen haben. Fest steht: In Deutschland werden die Falschen gejagt, während Personen, die dem Land epochale Schäden zufügen, „Immunität“ genießen und vorsorglich dafür Sorge tragen, dass der zerstörerische Linksstaat auch im Bundesverfassungsgericht repräsentiert wird.
@Jmonnig, die müssen nicht von A nach B. Wer den ganzen Tag auf BG vergammelt hat keine Termine und ist mit seinem Schälchen Müsli glücklich.
Streckenstilllegungen dienen der Pünklichkeit – was für ein jämmerliches Land.