Der Wechsel zu Trumps Populismus in Amerika ist kein Beweis für Opportunismus, sondern ein Ausweis des um sich greifenden Abschieds weiter Kreise von jahrzehntelang gewohnten politischen Lebenslügen. Eine Entgegnung auf Thilo Sarrazins Beitrag "Sozialer Opportunismus gestern und heute".
Thilo Sarrazin hat insbesondere den „Big Tech“ Anführern in Amerika unterstellt und vorgeworfen, aus purem Opportunismus nun plötzlich Donald Trump zu unterstützen und das Verhaltensmuster in die Nähe des bis heute verstörenden historischen Phänomens gerückt, das einen großen Teil der deutschen Eliten seinerzeit zu offenen Antisemiten und Unterstützern des Hitler-Regimes werden ließ.
Erstaunlich, dass ihm nicht geläufig (oder nicht kritikwürdig?) zu sein scheint, dass das mit der Partei der „Demokraten“ soziokulturell und ideologisch (sowie Macht-strukturell) identische Establishment der Meinungsführer in Amerika seit Jahren eine propagandistische Gleichsetzung Trumps mit Hitler im Speziellen oder Rechtsextremismus im Allgemeinen betreibt und dabei vor Lügen nicht zurückschreckt. (Beispiel: Eine einwandfreie und unmissverständliche Äußerung Donald Trumps zu Protestaktionen in Charlottesville ist jahrelang immer wieder übel aus dem Zusammenhang gerissen und so interpretiert worden, als sehe Trump echte Nazis und Rassisten als „feine Leute“, dabei hatte er die Nazis im Satz vorher in absoluter Klarheit komplett verdammt und verurteilt.)
Die extreme Schlagseite gegen alles, was nach Trump oder „MAGA“ Populismus aussieht, ist auch zu erkennen bei der traditionell als „Elite-Institution“ betrachteten „Washington Post“. Deren journalistische Unabhängigkeit sieht Sarrazin offenbar bedroht, weil der Eigentümer Jeff Bezos (der Amazon-Gründer) die absurde linksradikale Einseitigkeit des Blattes, mit dem er gar kein Geld verdient, sondern das er subventioniert, endlich abstellen will.
Dabei bewegt sich das Vertrauen der amerikanischen Bürger in die Glaubwürdigkeit der Traditionsmedien auf historisch niedrigem Niveau (knapp oberhalb von Drogendealern), und die Einschaltquoten und Reichweiten sind rasant in Auflösung … weshalb die „WaPo“ ja überhaupt subventionsbedürftig ist. Das Angebot kommt im Markt nicht mehr an, und der Eigentümer versucht zu retten, was zu retten ist. Das als Opportunismus zu bezeichnen, ist wie Volkswagen vorzuwerfen, anstatt unverkäuflicher Batterie-Stromer mehr attraktive und praktische Dieselautos zu bauen, falls das Unternehmen sich denn zu solcher Vernunft entschließen könnte.
Gewohnheit statt großer Gedanken
Opportunismus ist ein vielschichtiges Phänomen und nicht einfach nur übel, wie ganz ansatzweise auch in Sarrazins Betrachtung anklingt. Das Leben ist kompliziert, erst recht in heutiger Zeit. Die meisten Menschen, insbesondere normale Arbeitnehmer und Bürger, haben weder die Zeit noch die Veranlagung noch die bildungsmäßigen Voraussetzungen, den lieben langen Tag alles infrage zu stellen und zu analysieren und zu reflektieren, womit sie konfrontiert sind. So wie wir Menschen auch nur deshalb gehen, sprechen oder simple Alltagstätigkeiten ausüben können, weil wir einem eingeübten Muster fast automatisch folgen. In dem Moment, wo man beim Zubinden der Schnürsenkel überlegen muss „wie ging das nochmal“, ist man aufgeschmissen.
Die Gesellschaft funktioniert insgesamt nicht zuletzt, indem Dinge sich „von selbst verstehen“, Gewohnheit sind, den Sitten und Gebräuchen eines Volkes oder einer Kultur entsprechen. „Das macht man nicht“ habe ich jedenfalls in meiner Kindheit gesagt bekommen, um mich zu „erziehen“, also mich zu einem sozialverträglich agierenden, anständigen Zeitgenossen zu machen. Man kann eben nicht das Zusammenleben in einer komplizierten Gesellschaft „täglich neu aushandeln“, wie es das grün-multikulturelle Ideologem fordert. So macht man eine Zivilisation in Wahrheit handlungsunfähig. (Und all das muss man ausgerechnet Thilo Sarrazin sicher nicht erst erklären.)
Die Angst vor sozialer Ausgrenzung, weniger dramatisch: Bei seinen Mitmenschen unschön anzuecken und Antipathien zu erregen, ist insoweit ein nützliches Phänomen. Andererseits braucht eine moderne, industrialisierte Zivilisation zu ihrer gedeihlichen Entwicklung natürlich auch Innovation (die auch Anpassungsfähigkeit im besten Sinne bedeutet, an geänderte Rahmenbedingungen wie etwa verknappte Ressourcen!) – und damit den Mut, Althergebrachtes oder allgemein Anerkanntes infrage zu stellen. Das hat viel mit individueller Freiheit zu tun, setzt sie voraus. (Und sichert sie, wo sie in Gefahr gerät.)
Eine Frage der Persönlichkeit
Die Biologie des Menschen, auf die sich auch Sarrazin bezieht, ist nun so angelegt, dass es völlig unterschiedliche Persönlichkeiten gibt. In der Mischung aus Genetik und individueller kultureller Prägung ergibt sich, dass manche eigenwilliger und mutiger sind, andere hingegen ängstlicher und angepasster. Es sähe schlecht aus ohne die mutigen und selbstständigen Geister, zu denen Sarrazin gehört wie wenige andere, aber eine Gesellschaft nur mit Querköpfen wäre vermutlich auch nicht das Wahre. Kein Supermarkt, kein Krankenhaus und keine Fabrik würde funktionieren mit lauter Lauten, die immer alles „hinterfragen“ und aus Prinzip das Gegenteil machen. (Ein Lamentieren darüber, dass nur eine Minderheit zu den wirklich mutigen Stimmen gehört, ist insoweit selbst etwas weltfremd; zudem bedarf es letztlich nur einer klugen und anderen als Vorbild dienenden Minderheit, um am Ende eine effektive Mehrheit zustande zu bringen.)
Andererseits verbindet sich der Begriff des Opportunismus natürlich mit unschönen bis widerlichen Verhaltensweisen und Haltungen. Es gibt Karrieristen, Anpasser, Bücklinge, im Alltagssprachgebrauch auch „Schleimer“, Intriganten und regelrechte Soziopathen, die von der Mutlosigkeit oder auch einfach dem freundlichen Entgegenkommen anderer schamlos profitieren. Es ist ein breites Spektrum mit fließenden Übergängen. Es ist das Wesen totalitärer Bewegungen und Systeme, dass sie auf solche Charaktere angewiesen sind, die willig alles mitmachen, und dass solche Charaktere in solchen Umgebungen besonders blühen und vorankommen und davon angezogen werden.
Überraschend ist vor diesem Hintergrund die Erkenntnis, dass ungeachtet der relativen Vielzahl der eher angepassten und (aus Systemsicht) „pflegeleichten“ Bürger das Establishment in den westlichen Staaten zwar noch in den meisten Fällen am politischen Ruder sitzt, aber doch erkennbar mit Rückzugsgefechten beschäftigt. Kaum noch jemand schaut in faszinierter Ehrerbietung auf die Eliten von Davos (geschweige denn Brüssel) als Repräsentanten visionären Denkens, technokratischer Effizienz und moralischer Überlegenheit. Der neue deutsche Kanzler aus diesem Milieu würde mit seiner rotschwarzen Minikoalition aktuell keine Mehrheit der Wähler überzeugen, und das, nachdem die Bevölkerung seit Jahrzehnten durch die politmediale Maschine auf Linie getrimmt worden ist.
Opportunismus reicht dem alten Regime nicht mehr
Thilo Sarrazins Erkenntnisse und Grundhaltung zur Masseneinwanderung sind weitgehend Allgemeingut geworden (oder vielleicht auch immer schon gewesen, latent, unter Normalbürgern), obwohl er von Merkel offiziell abgekanzelt und ausgegrenzt wurde, und seine Thesen von den offiziösen „Faktencheckern“ angeblich widerlegt wurden. Wie passt das zusammen mit der Vorstellung, dass allzu viele Menschen angepasste Mitläufer seien, nur zu gern bereit, dem Zeitgeist selbst in arge Verirrungen zu folgen? Wieso sieht sich selbst Merz gezwungen, beim Thema Einwanderung ein Umschwenken anzudeuten?
Hier ist das wirklich Erstaunliche: Der zeitgeistige Opportunismus kommt in Wahrheit gar nicht aus der Tiefe des (nur durchschnittlich gebildeten, einfacheren) Volkes. Er kommt aus den angeblich besseren Kreisen. Der Karrierismus und die Anpasserei ohne Rückgrat (wobei man sich einredet, man gehe mutig voran) sind unter Akademikern mit Diplom in Laberfächern weiter verbreitet als unter Klempnern oder Krankenschwestern. Wer im wirklichen Leben steht und mit Realität zu kämpfen hat, anstatt auf Kosten des Steuerzahlers kühne Theorien zu verbreiten und an der Indoktrination der Massen mitzuwirken, ist für den ideologischen Blödsinn nicht zu haben. Wer seine heranwachsende Tochter nicht mehr Straßenbahn fahren lässt, weil er richtig wahrnimmt, dass die politischen Lügen über die „bunte Republik Deutschland“ gefährlich weltfremd sind, bei dem greift offenbar die Angst vor sozialer Ausgrenzung nicht.
Warum nimmt denn das Regime Zuflucht zu offener Einschüchterung bis hin zur massiven Kriminalisierung Andersdenkender? Weil der „normale“ Opportunismus, wo der durchschnittliche Bürger sich keine großen eigenen Gedanken macht, sondern für bare Münze nimmt, was ihm vom Sprecher der Tagesschau „erklärt“ wird, sich an den harten Realitäten so massiv stößt, dass der Bürger einfach nichts mehr glaubt. Der bequeme Opportunismus im Politischen lebt davon, dass die Gesellschaft reibungslos funktioniert und jeder sein Auskommen hat. Wenn das Establishment in ideologischer Verirrung und korrupter Selbstbereicherung den Menschen ihren Alltag und ihre traditionellen Vertrautheiten zerstört, dann kommt ein Punkt, wo der Gehorsam im Politischen erzwungen werden muss. Genau da sind wir längst – deshalb der Versuch, die AfD zu „Nazis“ zu erklären und verbieten zu wollen.
Aufstehen gegen brutale Staatsmacht?
Und damit zurück nach Amerika und den „Big Tech“ Anführern, die nach Wahrnehmung von Thilo Sarrazin in kritikwürdigem Opportunismus plötzlich zu Trump-Unterstützern geworden sind. Wer das spezielle Phänomen besser verstehen will, dem sei empfohlen, sich im Internet die ausführlichen … auch wirklich selbstkritischen … Stellungnahmen von früheren „Demokraten“ (auch als massive Geldspender) wie Marc Andreessen, Chamath Palihapitiya, David Sacks, Peter Thiel und natürlich Elon Musk anzusehen und zuzuhören, in Gesprächen auch mit Joe Rogan oder Jordan Peterson. Es ist vielschichtiger, als es bei Thilo Sarrazin anklingt.
Aber vor allem ist festzustellen, dass auch das politische Macht-Establishment in Amerika unter der Führung von Barack Obama und Joe Biden (oder wohl besser den Strippenziehern, die er hat machen lassen) längst jenseits eines funktionsfähigen Alltags-Opportunismus war, wo die breite Masse der Menschen noch „freiwillig“, aus einer Art Bequemlichkeit, den ideologischen Vorgaben der Führenden oder den schrillen Idiotien einer radikalen und extrem lautstarken aktivistischen Minderheit gefolgt wäre. Das gilt schon für 2016 und den damaligen wirklichen Überraschungs-Sieg von Donald Trump (sowie kurz vorher im UK den von Nigel Farage gegen das Establishment erwirkten „Brexit“).
Die Biden-Regierung hat in noch viel schärferer Weise und größerem Umfang, als wir das gegenwärtig in Europa und Deutschland erleben, brutale Macht ausgeübt, um politische Opposition mundtot zu machen, einschließlich massiver Zensur auf den Internet-Plattformen. Sie wollte, so erzählen es die „Big Tech“ Anführer, Investoren und Innovatoren, auch die Unternehmenslandschaft rund um Internet und Computer unter strikte Kontrolle bekommen und hat sich einen Dreck um wirkliches freies Unternehmertum geschert. Sie hat nebenbei etwa auch die Bewegung zugunsten von „Kryptowährung“ wie „Bitcoin“ und vielen anderen solcher virtueller Projekte massiv kriminalisiert.
Deshalb, beinahe aus nackter Not und ungläubigem Entsetzen, sind diese einflussreichen Stimmen aus dem „Silicon Valley“ zu Trump umgeschwenkt, und weil sie insgesamt erkannt haben, dass die Verrücktheiten der „woken“ Ideologie die Funktionsfähigkeit und Effizienz der eigenen Unternehmen in Gefahr bringen. Blauhaarige Queer-Aktivisten in der Personalabteilung, die der Belegschaft Indoktrinations-Seminare über „Inklusivität“ aufzwingen, sabotieren in Wahrheit das Geschäft – ganz abgesehen davon, dass sie ohnehin ein teurer Luxus sind, zur Alimentierung einer parasitären Schicht von Akademikern.
Elon Musk ist ein Opportunist – wirklich?
Wo ist jetzt hier der moralisch fragwürdige Opportunismus? Was an diesem strategischen, über Jahre vorbereiteten Umschwenken ist nicht rational und ethisch wohlfundiert, so wie der Kauf von „Twitter“ durch Elon Musk ihn viel Geld gekostet hat und sein Engagement für Trump und „DOGE“ ihm unzählige Morddrohungen sowie gewaltsame Zerstörung seiner „Tesla“ Standorte und Fahrzeuge einbringt?
Ja, zwischen Elon Musk am einen Ende und Mark Zuckerberg am anderen ist viel Distanz. Musk ist ein freiheitlich gesinnter Überzeugungstäter und höchst mutiger Zeitgenosse, ein echter Querkopf im allerbesten Sinne. Zuckerberg kann man wohl eher als Opportunisten der weniger sympathischen Machart betrachten. Seine eigene Darstellung ist allerdings ebenfalls die, dass sein Unternehmen durch die Biden-Regierung massiv und brutal genötigt worden sei, Zensur auszuüben. Das entspricht allem Anschein nach den überprüfbaren Tatsachen, auch angesichts der „Twitter-Files“, die Elon Musk öffentlich gemacht hat.
Hätte Zuckerberg gegen die mächtigste Regierung der Welt (mit „Demokraten“, deren Herrschaft quasi in alle Ewigkeit geradezu garantiert schien!) tatsächlich rebellieren und sich erfolgreich widersetzen können? Man muss Zuckerberg gewiss nicht mögen oder ihm naiv alles glauben, aber die Frage ist objektiv nicht so einfach und wohlfeil zu beantworten. Angesichts eines korrupten Regimes, das friedliche Abtreibungsgegner und Elternvertreter als „heimische Terroristen“ abgestempelt und aus der Bürokratie heraus terrorisiert hat, so wie schon Obama schamlos die föderale Steuerbehörde (IRS) genutzt hat, um politische Opposition mit Sonderprüfungen abzustrafen. Das alles ist eigentlich kein Geheimnis, aber man muss es schon zur Kenntnis nehmen wollen, und nicht nur „New York Times“ oder „Washington Post“ folgen.
„Common sense“ ist kein Opportunismus
Noch allgemeiner betrachtet, ist der Wechsel zu Trumps Populismus in Amerika gerade nicht ein Beweis für die Allgegenwart eines verachtungswürdigen Opportunismus, sondern ein Ausweis des um sich greifenden Abschieds weiter Kreise von jahrzehnte-lang gewohnten politischen Lebenslügen und propagandistischer Engführung. Mit Trump setzt sich in vielen Themenfeldern der „gesunde Menschenverstand“ wieder durch, und damit die Wahrheit: Männer können nicht schwanger werden, das Klima muss und kann nicht gerettet werden, das Virus aus dem Wuhan-Labor hat keine „lockdowns“ und Zwangsimpfungen gerechtfertigt, der verlogen so etikettierte und unfaire „freie Welthandel“ ist nicht zum Besten aller Völker, sondern dient der Bereicherung einer winzigen Elite (und ihrer tatsächlich existierenden höchst opportunistischen „intellektuellen“ Wasserträger).
Trump will und muss die unter Biden choreographierte Invasion Amerikas durch viele Millionen illegaler Einwanderer nicht nur stoppen, was er schon getan hat, sondern auch die mutwillig erzeugten Probleme durch Rückführung lösen – wobei ihm „demokratische“ Aktivisten in Richterrobe in tolldreister Amtsanmaßung die Hände binden wollen. Das kann man als Rechtsbeugung sehen, die die verfassungsmäßige Gewaltenteilung missachtet. Ohne das hier in allen Details ausdiskutieren zu können: Wieso hat ausgerechnet Thilo Sarrazin dafür anscheinend so wenig Sympathie oder Verständnis?
Trump senkt außerdem ganz in echt die Steuern und verschlankt die Bürokratie, macht Investitionen und Innovationen überhaupt erst wieder möglich, sorgt für ausreichende und bezahlbare Energie und verhindert – mit etwas Glück und kluger Strategie – den Ruin und das Versinken Amerikas unter einem nicht mehr beherrschbaren Schuldenberg. Elon Musk, Jeff Bezos und andere anerkennen insoweit nur das Offensichtliche – alles andere wäre extrem dumm, was diese Unternehmer gewiss nicht sind. Ihnen jetzt Opportunismus vorzuwerfen, als seien sie Erfüllungsgehilfen eines neuen Totalitarismus, das ist schon eine schräge Interpretation der politischen Entwicklung und der mit Trump verbundenen Rettung Amerikas (und hoffentlich des freien Westens insgesamt) von der linksradikalen Indoktrinierung und nihilistischen Sabotage.
Von dieser entschieden anti-ideologischen, freiheitlich motivierten Sorte angeblichen „Opportunismus“ würde man sich in Deutschland wesentlich mehr wünschen – anstelle von Unternehmensführern, die geflissentlich der „Großen Transformation“ und damit Merkels wie Merzens Agenda das Wort reden, bestenfalls kleinlaut und diplomatisch Kritik andeuten.
Letztlich kommt es darauf an, substanziell das Richtige zu tun. Die Menschheit kommt auch nicht voran, weil alle immer schon alles richtig gewusst haben. Lernfähigkeit und Umschwenken sind essenziell – und besser spät als gar nicht. Das sollte man nicht moralisierend und ziemlich vordergründig als Opportunismus diffamieren. Es kann nicht per se falsch sein, wenn Unternehmensführer und Politiker am selben Strang ziehen – die Richtung zählt. Europas Richtung ist exakt falsch, und von Amerika lernen, heißt siegen lernen. Wir sollten uns der Gewinnerseite anschließen, das wäre sowohl klug als auch moralisch. Lemminge, die endlich alle zusammen vom Abgrund weglaufen, das wäre doch gar nicht mal so schlecht. Am individuellen Eigensinn arbeiten wir dann später.
Michael W. Alberts hat langjährige Erfahrung in der Politikberatung und in politischer Kommunikation.
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Herzlichen Dank! Ein paar Beispiele aus Anschauung: Da ist der Arzt, der partout nicht sagen will, ob er mitgespritzt hat. Und der Staatsanwalt, der auf die Frage, wann denn der Lauterbach verhaftet wird, den Empörten zeigt und sagt, dass er „von den Schwurblern“ nichts wissen und ansonsten Attestfälscher hart bestrafen wolle. Es ist dieser Typus, der auf vornehm macht und nebenher das Unheil betreibt. Letztlich ist jeder Opportunist in Deutschland, dem es niemals einfiele, davon zu sprechen, dass es kaum eine Schwundform der Demokratie ebendort gibt und dass deswegen Reformen diesbezüglich auf der Tagesordnung stehen. Mit Verlaub, hierzu zähle ich auch Herrn Sarrazin.
Nach der Lektüre des Sarrazin-Artikels war ich auch etwas irritiert. Mir drängte sich die Frage auf: Wird Sarrazin jetzt altersmilde und biedert sich dem Mainstream an? Ein Zurückdrehen realitätsentlehnter, wissenschaftsfeindlicher (bezogen auf unabhängige Wissenschaft, Wissenschaft i.e.S.), mit den Gesetzen der Physik konfligierender, völlig überzogenem Gender- und Quotengedöns kann man wohl kaum als opportunistisch bewerten. Schon bei einigen vorherigen Beiträgen von Sarrazin war mir aufgefallen, dass sein Detailreichtum und die Stringenz seiner Argumentationslinien etwas nachgelassen haben. Vielleicht sollte er als Autor einfach Schluss machen und auf Kreuzfahrt gehen o.ä.;-))
Besten Dank, Herr Alberts und ganz groß MAGA.
Die Anpassung an geänderte äussere Rahmenbedingungen ist eine Überlebensstrategie aus der Natur. Wer sie beherrscht, kommt durch…wer nicht, geht unter.
Unangenehm wird das ganze immer dann, wenn eine gute Portion Moralinsäure dazu kredenzt wird. Wenn man sich munter einreiht in die Schar derer, die im orgiastischen Empörungsmodus auf den aktuell gerade zum „Bösen“ erkorenen Feind eindreschen. Dieses Feindbild wechselt gelegentlich in atemberaubenden Tempo.
Ich habe nichts dagegen, wenn – beispielsweise – die Volkswagen AG in ihren Werbespots ein schwules, lesbisches oder schwarzafrikanisches Paar präsentiert, das sein Glück durch den Erwerb eines Bullynachfolgers komplettiert. Es würde mir allerdings sauer aufstossen, wenn die Firma gleichzeitig offensiv damit werben würde, dass sie die Farbe blau aus ihrer Farbpalette streichen wird.
Vollends peinlich wird das ganze, wenn sich – wieder beispielsweise – grosse Sportvereinigungen hierzulande im Brustton der tiefsten Überzeugung für Diversität, Demokratie und Menschenrechte einsetzen (und vermeintlich starkmachen)…und gleichzeitig Grossveranstaltungen in Gegenden mit höchst zweifelhafter Menschenrechtslage abhalten.
Lieber Author, Ihr Beitrag ist seit langem und mit Abstand der Beste zu Trumps Amerika, der auf der Achse erschienen ist. 100% getroffen. Ich lebe seit 30 Jahren in den USA, endlich….endlich wieder common sense Politik bei uns. Und Besserwisser aus Deutschland ko hen vor Wut.
Beste Gruesse nach Deutschland.
Guter Artikel. Damit sind wir wieder die Illuminierten und die anderen bloß woke. / Donald Trump muß einen halbgesunkenen Tanker retten. Und der sank nicht erst seit der Kapitänszeit von Joe Binden. Norman Mailer schrieb schon während der Präsidentschaft George W. Bushs so deprimierte Sachen über die amerikanische Demokratie, wie: „Dieses Land wird längst von den Großkonzernen beherrscht. Die Vorstellung, das wir über eine aktive Demokratie verfügen, die sich um unser Wohl kümmert, ist falsch. Hatte ich je die Möglichkeit, darüber abzustimmen, wie hoch Gebäude sein dürfen oder sollten? Nein. hat man mich je gefragt, ob mein Essen aus der Tiefkühltruhe kommen muss? Nein. Konnte ich je sagen, dass Wahlkämpfe aus Steuermitteln und nicht von Interessengruppen bezahlt werden sollen? Bei vielem, was in unserem Leben so wichtig ist, wurde uns jede Mitsprache verweigert. Außerdem müssen wir mit ansehen, wie der politische Prozess immer mehr vom Geld gesteuert wird. Amerika ist in einen Machtrausch geraten, bei dem nur ein kleiner Teil des Volkes dabei sein darf. .. Meine Hoffnung ist, daß wir uns irgendwie hindurchlavieren können, vorausgesetzt, es ereignen sich nicht noch weitere große Katastrophen.“ Norman Mailer / Ich würde das, was uns widerfährt und den Amerikaner widerfahren war, als autoritäre Anarchie bezeichnen. Es gibt keine stabilen bürokratischen Parteistrukturen, sondern nur die personalistische und bündische Organisationsform. Jeder tut in seinem Ressort, was ihm beliebt, und macht dabei einen Krach, als würde er die Revolution anführen, dabei geht er nur auf den Balkon. Trotzdem abwarten, wie sich Merz als Kanzler entwickelt.
Da hat der Autor Herrn Sarrazins Aussagen missverstanden. Er beklagt ja nicht, dass sich die Unternehmen anpassen, sondern warum sie es tun. Selbstverständlich nicht aus Einsicht oder Überzeugung, sondern um stets auf der „richtigen“ Seite des Zeitgeists zu stehen. Fürs eigene Image.