Im Jahre 1977 machte schon einmal eine „Alternative“ in Deutschland Furore. So hieß das Buch des kreuzbraven Kommunisten Bahro, der sogar des stalinschen Terror für unvermeidlich gehalten hat, aber meinte, den Sozialismus auf den „richtigen“ Weg führen zu müssen.
Die Partei-, und Staatsführung der realsozialistischen DDR, die sich durch Bahros Ansicht, es handele sich im Arbeiter-, und Bauernstaat lediglich um „Protosozialismus“, verunglimpft sah, hetzte ihre Propagandamaschine und die Stasi auf den Dissidenten. Bahro verschwand hinter Gittern , ihm wurde der Prozess gemacht und in den Zeitungen war zu lesen, es handele sich bei ihm um einen Agenten des Imperialismus, ja um einen von gegnerischen Geheimdiensten gesteuerten Provokateur. Das war aus Sicht der DDR-Machthaber das schlimmste Stigma, das man einem Andersdenkenden anheften konnte.
Heute erschüttert wieder eine „Alternative“ das Land, nein, nicht das ganze Land, sondern die politisch-mediale Klasse, die sich mit großer Geschlossenheit gegen eine Partei stark macht, die erst noch gegründet werden soll. Dabei haben die kreuzbraven Professoren der AfD nichts anderes vor, als Deutschland wieder auf den Pfad der Rechtsstaatlichkeit, der Finanzsolidität und der politischen Seriosität zurückzuführen.
Anscheinend ein gefährlicher, subversiver Gedanke in den Augen unseres politisch-medialen Establishments, denn der Aufschrei war fast einhellig. Nicht nur die zwangsfinanzierten Staatsfunker, sondern durchaus auch Blätter, die man noch mit seriösem Journalismus verbindet, wie „Welt“ und „Focus“, glauben, zur schärfsten Keule greifen zu müssen, die man derzeit gegen Andersdenkende einsetzt: der Vorwurf des Rechtsextremismus oder Rechtspopulismus.
Am peinlichsten ist, dass man die „Argumente“ voneinander abschreibt. Kaum hatte die „Tagesschau“ enthüllt, dass (ungenannte) „rechtsextremistische Seiten“ die AfD „ermutigend“ fanden, wurde dieser „Beleg“ für die „mangelnde Abgrenzung vom rechten Rand“ von verschiedenen Medien, sogar von „Welt online“ zitiert.
Die Unverfrorenheit, mit der solche unbewiesene Behauptungen kolportiert werden, wird nur übertroffen von der Arroganz der offensichtlichen Annahme, dass die Leser/ Zuschauer zu blöd sind, diese Demagogie zu durchschauen. Wenn sich unsere Möchtegern- Meinungsmacher da mal nicht täuschen!
Man muss die Positionen von der AfD nicht teilen, um angewidert zu sein.
Zu der unseriösen Trickserei gehört auch, dass von einer Partei, die noch nicht gegründet wurde, verlangt wird, dass sie zu allen Details, bis hin zu Kitas, schon Stellung beziehen soll. Daran sieht man, wie sehr die demokratische Willensbildung bei unseren Qualitätsjournalisten schon aus dem Blickfeld geraten ist. Denn erst einmal muss es einen innerparteilichen Diskussionsprozess geben, ehe man zu gemeinsamen Positionen kommt. Freilich finden solche innerparteilichen Diskussionsprozesse in den etablierten Parteien kaum noch statt. Deshalb sind politische Statements überwiegend zu sinnleeren Sprechblasen verkommen, an die man sich kaum noch erinnern kann, nachdem man sie gehört hat.
Für die AfD kann man nur hoffen, dass sie sich dem Druck nicht beugt und nicht dazu übergeht, Sprechblasen zu liefern. Dann wäre sie keine Alternative mehr.
Um auf die in der Überschrift gestellte Frage zurückzukommen: dieselben Medien, die jetzt mit Hilfe anonymer Websites die AfD in die „rechte Ecke“ stellen wollen, hat es noch nie gestört, dass in Attac- Demos gegen die Machenschaften des internationalen Finanzkapitals oder für die Tobin-Steuer die braunen Kameraden mit identischen Losungen mitzumarschieren pflegen.
Es war nie Thema, dass z.B. bei den von der Linken dominierten Anti- Hartz- IV-Demos die Kameraden von der NPD mitmischten, deren sozialpolitische Forderungen denen der PDS-Linken zum Verwechseln ähnlich sehen. Legte man den Maßstab, mit dem die AfD in den letzten Tagen gemessen wurde, an Attac und die Linke an, müsste man Attac und Linke rechtsextremistisch nennen, denn sie wurden nicht nur von den Rechtsextremisten gelobt, sondern sogar ( natürlich ungewollt!)unterstützt.
Das zeigt, wie absurd und an den Haaren herbeigezogen die Anschuldigungen gegen die AfD sind. AfD wird sich hoffentlich nicht davon einschüchtern lassen.
Denn Deutschland braucht wieder eine offene, unvoreingenommene Diskussion ohne Denkverbote um die besten Lösungen. Es braucht eine Alternative.