Oliver Marc Hartwich, Gastautor / 05.06.2007 / 17:10 / 0 / Seite ausdrucken

Wer im Treibhaus sitzt ...

Da kürzt die Regierung von US-Präsident George W. Bush die Mittel für die Klimaforschung per Satellitenbeobachtung und wird dafür prompt in europäischen Medien kritisiert. Verschwiegen wird dabei übrigens, dass die US-Regierung nach wie vor einen gewaltigen Etat für Klimaprojekte bereitstellt, der jene Foschungsetats der allermeisten Kyoto-Ratifizierer in den Schatten stellen dürfte.

Aber noch eine Kleinigkeit habe ich nicht verstanden. Bei SPIEGEL online können wir nämlich Folgendes lesen:

“Die Initiative Climate Science Watch, welche die Aktivitäten der US-Regierung in Sachen Klimaschutz kritisch beobachtet, hat den 76-seitigen, ans Weiße Haus gerichteten Bericht auf ihrer Webseite veröffentlicht. Der Gründer der Initiative, Rick Piltz, hält die derzeitige Situation für eine ernsthafte Krise: “Wir sind dabei zu erblinden, was unsere Fähigkeiten betrifft, die Erde zu beobachten”, sagte er.

Auch von der renommierten Wissenschaftlervereinigung American Association for the Advancement of Science (AAAS) kam Kritik an dem Plänen der US-Regierung. Ein Zusammenstreichen des Satellitenprogramms werde große Lücken in den Informationen zu Folge haben, die Satelliten kontinuierlich über die Erde sammeln. Ähnlich äußerte sich auch die National Academy of Sciences.”

Das mag ja alles zutreffen, was dort geschrieben steht. Aber wenn jetzt in Europa - zum Beispiel bei SPIEGEL online - beklagt wird, dass der Ausstieg der Amerikaner dazu führt, dass die Erde nicht mehr beobachtet werden kann, dann wüsste ich gerne einmal, ob denn bislang die Amerikaner die Einzigen gewesen sind, die Geld für die Satellitenbeobachtung ausgegeben haben. Anders könnte man schließlich kaum erklären, dass die Einschränkung des amerikanischen Programms derart gravierende Folgen für die Wissenschaft haben soll.

Wo waren denn die Europäer, die sich nun lautstark über die Kürzungen beschweren, als die Amerikaner mit Milliardenaufwand ihre Beobachtungssatelliten installiert haben? Wenn sie sich bislang einfach auf die Amerikaner verlassen haben, ohne selbst in die entsprechenden Technologien investiert zu haben, dann haben sie nun eigentlich auch kein Recht, sich zu beschweren.

Zu kritisieren wäre somit weniger US-Präsident Bush, der sich vom SPIEGEL als “scheinheiliger Ökoritter” verspotten lassen muss. Scheinheilig sind vielmehr die Europäer, die darauf gesetzt hatten, im finanziellen Windschatten der US-Amerikaner Klimaforschung betreiben zu können.

Wer im Treibhaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.

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