Alle Welt feiert den Gaza-Waffenstillstand, und es wäre unzweifelhaft gut, wenn das Blutvergießen aufhörte. Aber es wirft Fragen auf, wenn am Ende mit den Geiseln wieder massenhaft rechtmäßig verurteilte Terroristen freigepresst werden.
Israels Regierung stimmt heute über die gestern abgeschlossene Vereinbarung über eine Waffenruhe in Gaza ab. Aber schon seit gestern Abend bekommt die Vereinbarung so lauten internationalen Beifall, dass sich ihr wohl momentan niemand verweigern kann.
Einiges an dem Verhandlungsergebnis zwischen Israel und der islamistischen Mörderbande namens Hamas sind Regelungen, die zu einem solchen Waffenstillstand wahrscheinlich gehören müssen. Er tritt am Sonntag in Kraft und dauert in einer ersten Phase 42 Tage. Die Grenzen Gazas sollen für Hilfslieferungen geöffnet werden, die Abfertigung von täglich 600 Lastwagen mit Lebensmitteln und anderen dringend benötigten Gütern sei vorgesehen, heißt es in Medienberichten. Die Aufnahme von Verhandlungen über eine zweite Phase der Vereinbarung ist für den 16. Tag der ersten Phase avisiert.
Aber die zentrale Frage ist selbstverständlich die nach der Freilassung der Geiseln. Diese zu befreien war ein essenzielles israelisches Kriegsziel. Und nun liest sich dieser Teil der Vereinbarung aber wie ein Nachgeben gegenüber Entführern, nur dass das Lösegeld in Form von in Israel inhaftierten palästinensischen Terroristen und Terrorhelfern gezahlt wird. Und das – wie bei ähnlichen, zuweilen euphemistisch „Gefangenenaustausch“ genannten Aktionen in den vergangenen Jahren – zu einem Umtauschkurs, der eigentlich unerträglich ist. Verstehen lässt sich das nur als Zeichen dafür, dass die überlebenden Geiseln um nahezu jeden Preis gerettet werden sollten.
In der ersten Phase der Waffenruhe soll die Hamas 33 Geiseln freilassen, mindestens drei Geiseln pro Woche. Darunter sollen alle festgehaltenen Frauen und Kinder sowie Männer über 50 sein, wie die Medien unter Berufung auf den Ministerpräsidenten von Katar, Scheich Mohammed bin Abdulrahman al-Thani, gestern berichteten. Israel werde im Gegenzug für jede zivile Geisel 30 palästinensische Gefangene aus israelischer Haft entlassen. Ein willkürlich von einem islamistischen Überfallkommando gekidnappter Zivilist bringt den Terroristen somit die Haftentlassung eines im Rechtsstaat Israel inhaftierten und der Hamas mindestens nahestehenden Palästinensers? Für jeden israelischen Soldaten, der in der Gewalt der Hamas ist, würden sogar 50 palästinensische Gefangene freikommen, heißt es.
Freiheit für die Mörder?
Ein hoher Preis, aber es ist mehr als nachvollziehbar, wenn man ihn zur Rettung von Menschenleben zahlt. Das augenfällige Missverhältnis bei dieser Art von Austausch ist ja auch nicht neu.
Gilat Schalit, ein 2006 von der Hamas entführter israelischer Soldat, wurde 2011 gegen 1.027 palästinensische Häftlinge ausgetauscht, darunter verurteilte Mörder wie Yahya Sinwar, der spätere Chef der Hamas im Gazastreifen, der auch als einer der Planer des Angriffs auf Israel am 7. Oktober 2023 gilt.
Man kann niemanden dafür verurteilen, dass er Terroristen eine Art Lösegeld zahlt, wenn es darum geht, Menschenleben zu retten. Wer will schon festsetzen, welcher Preis für ein Menschenleben zu hoch ist. Doch nach 15 Monaten Krieg in Gaza, in dem die Angreifer des 7. Oktober, also die Islamisten der Hamas, niedergerungen werden sollten, stellt sich allerdings die bittere Frage, wer diesen Krieg eigentlich gewonnen hat? Israel offensichtlich leider nicht, denn es ist eher ungewöhnlich, dass der Verlierer eines Krieges dem Sieger solche Bedingungen stellen kann. Hätte Israel diesen Krieg gewonnen, müsste es eine Befreiung der Geiseln ohne solche Gegenleistungen geben.
Jetzt werden viele – nicht nur die Stammtischstrategen aus dem westlichen Ausland – sicher fragen: Hätte Israel die Geiseln mit einem „Gefangenenaustausch“ nicht auch ohne den Einmarsch in Gaza oder nach einer kürzeren Kampfzeit frei bekommen können? War der Blutzoll zu hoch?
Aber was kann eine Regierung tun, die sich eines Angriffs erwehren muss? Da war ein Gegenschlag wohl unausweichlich, auch um die quasi militärische Kampfkraft eines mörderischen Feindes zu schwächen. Hätte Israel den Waffengang früher beenden und die Geiseln schon eher mit Gefangenen auslösen können? Wie die meisten Schreiberlinge, die allenfalls im Kommentariat kämpfen, vermag ich das nicht zu beurteilen.
Eine halbe Auslöschung?
Die Frage, die sich quasi von der anderen Seite stellt, ist: Hätte Israel den Krieg nun bis zu einem tatsächlichen Sieg führen sollen bzw. können? Immerhin war es beeindruckend, dass es die Israelis im Unterschied zu anderen Kriegen, die in der Welt geführt werden, schafften, nicht nur die Fußtruppen des Feindes bluten zu lassen, sondern auch gezielt etliche Befehlshaber und Führer zu erwischen.
Natürlich hatte dieser Krieg – wie jeder andere Krieg auch – unzählige unschuldige Opfer. Doch wem lastet man die an? Dem Angreifer oder dem Verteidiger?
Und hierzulande kommt angesichts des Nicht-Sieges Israels noch ein besonderer bitterer Beigeschmack hinzu. Noch gehört zwar das Bekenntnis deutscher Politiker zum Existenzrecht Israels und seiner Sicherheit als deutsche Staatsräson zu den regelmäßig benutzten Textbausteinen. Aber die Belehrungen an den doch eigentlich Verbündeten, wie er sich zu verteidigen habe und wie nicht, waren deutlich zahlreicher. Das ist eine tolle Staatsräson, zumal, wenn man sich vergegenwärtigt, dass Israel hier Feinden gegenübersteht, die erklärtermaßen seine Auslöschung anstreben. Welchen Kompromiss will man den Bedrohten mit einem solchen Feind anempfehlen? Eine halbe Auslöschung?
Peter Grimm ist Journalist, Autor von Texten, TV-Dokumentationen und Dokumentarfilmen und Redakteur bei Achgut.com.

Weshalb haben die Palästinenser -nicht nur im Gaza-Streifen- von der Hamas nicht die unverzügliche Freilassung der Geiseln verlangt ? Wäre dies geschehen, hätte dieser mörderische Krieg viel schneller beendet werden können.
So Ist es Herr Peter Grimm, und eigentlicher noch viel schlimmer. Viele der hier kommentierende wollen sich hier mit ihren Kommentaren auf ein unermeßlichen Menschlichkeit Podest erheben, und sind blind für die Realitäten oder dämlich naiv, oder einfach nur Judenhaßende Antisemiten, bzw. alles zusammen. Sieh mein Kommentar bei „Der Hamas-Waffenstillstands-Deal bedeutet: Israel verliert“ Von Michael Rubin
Ich habe den Artikel überflogen, das Lesen der Kommentare abgebrochen.
Alle machen Schuldzuweisungen hierhin oder dahin!
Leute da im dauernden Kriegsgebiet, es hilft nur beidseitiger Gewaltverzicht!
Mit Terroristen verhandelt man nicht. Man tötet sie. Und wenn, dann nur solange wie man im Vorteil ist. Leere Versprechungen machen? Lügen? Klar doch. Es sind TERRORISTEN.
Weil es in Kriegen hauptsächlich auch um Macht = Geld geht, sind fortlaufende Kriege sehr beliebt. Krieg ist eben auch ein Geschäftsmodell. Und selbstverständlich sind Menschen im Kriege Verfügungsmasse der Reichen und Mächtigen. – Célines Buch „Die Reise ans Ende der Nacht“ in der modernen Übersetzung von Hinrich-Schmidt Henkel sollte man gelesen haben … danach noch „Tod auf Kredit“ und danach oder davor noch die Trilogie „Schloss, … Norden … , Rigadoon …“ …
@Rainer Schweitzer: Das Perfideste, was sich islamische UnMenschen leisten, ist der Missbrauch ihrer Kinder zu Schutzzwecken, im Wissen darum, was Bilder von verletzten und getöteten Kindern bei Menschen auslösen. Deshalb ist es in diesem spezifischen Kontext unerlässlich, sein Mitleid zurückzustellen, so schwer es auch fallen mag. Der Islam ist die einzige Religion bzw. Ideologie, die bewusst und gezielt ihre Kinder zu Terroristen und Mördern heranzieht, um ihren Kampf gegen die „Ungläubigen“ und den Anspruch auf Weltherrschaft der Scharia unaufhörlich personell abzusichern. Niemand kann sagen, ob aus einem weinenden, mitleiderregenden muslimischen Kind womöglich der eiskalte IS-Mörder der eigenen Kinder wird. Schlimm, aber leider Tatsache. Es lässt sich ja auch trefflich darüber streiten, wie die Welt heute aussehen würde, wenn z.B. Stalin, Hitler, Habeck und, und, und als Kinder ….. Sie wissen schon. Der Theorie, dass dann andere Namen das gleiche Geschäft erledigt hätten, kann ich wenig abgewinnen.
Eine Frage möchte mir niemand beantworten: warum erst jetzt? Warum erst jetzt, nach über einem Jahr Krieg, nach über einem Jahr Sterben, nach über einem Jahr in dem unzählige jüdische Zivilisten ermordet und Soldaten gefallen sind? Nach über einem Jahr Versprechen: HAMAS werden vernichtet?
Weil diese Frage nur so beantwortet werden kann: Israel hat diesen Krieg verloren und muss nun verhandeln und nachgeben.
Das ist der erste Krieg, den Israel verloren hat. Und er wird auch die kommenden Kriege verlieren, denn Schwäche zeigen ist in Nahost tödlich.
Wir Juden – und nicht nur wir – müssen uns auf schlimme Zeiten einstellen.