Von Okko tom Brok.
Als Kritiker wird man heute gern in die „rechte Ecke“ gestellt. Aus lauter Angst davor wagen sich viele nicht mehr aus dem Busch. Dabei sollten wir uns diesen Schubladen verweigern.
Als Kinder spielten wir im Sportunterricht der Grundschule das Spiel „Wer fürchtet sich vorm schwarzen Mann?“ Im Chor riefen wir todesmutig „niemand“ und rannten auf ihn zu. Der „schwarze Mann“ war ein zuvor auserkorener Spieler, dessen Ziel es war, in jeder Runde möglichst viele Gegenspieler abzuklatschen und dadurch seinem Team einzuverleiben. Sie wurden dadurch ebenfalls zu „schwarzen Männern“, und das Spiel ging in die nächste Runde.
Ich habe vergessen, was das eigentliche Ziel des Spiels war. Heute ist es ohnehin auf dem gefühlten Index dessen, was nicht sein kann und darf. Natürlich darf sich heutzutage im Multi-Kulti-Paradies Deutschland niemand mehr vor „schwarzen Männern“ fürchten. Wir fürchten uns lieber vor der Klimaapokalypse, und wenn schon vor Männern, dann möglichst vor „alten weißen Männern“ vom Schlage Putins oder Trumps und am allerliebsten vor Rechtsextremisten, vulgo: „den Rechten“!
Angst ist ein uraltes, in der Amygdala des menschlichen Gehirns angesiedeltes Gefühl der Bedrohung. Es kann infolge von Traumatisierungen pathologische Ausmaße annehmen, dient aber in seiner natürlichen Ausprägung der Gefahrenabwehr: Begegnete ein Urzeitmensch einem Raubtier, signalisierte das Gehirn höchste Alarmbereitschaft und löste so über ein komplexes Zusammenspiel von Nerven und Neurotransmittern wie Adrenalin und Noradrenalin den sogenannten „Fight-or-Flight-Mechanismus“ aus. Angst versetzt uns also in die Lage, den Kampf aufzunehmen oder die Flucht zu ergreifen. Ohne die Angst wären wir Menschen ausgestorben. Die meisten von uns sind so gesehen Nachfahren zutiefst ängstlicher Menschen, während die Mutigen auf den Schlachtfeldern dieser Welt zurückgeblieben sind.
Herrscher setzen gezielt Angst ein
Die Amygdala kann durch gezieltes Angsttraining desensibilisiert werden, weshalb die meisten menschlichen Kulturen für den Nachwuchs oft strenge Initiationsriten vorsehen, die vor allem einem Ziel dienen: die Angst zu beherrschen. Der jugendliche Massai-Krieger in Ostafrika, der zum ersten Mal auf die Jagd geschickt wird, kennt sie ebenso wie der Konfirmand, der vor der Gemeinde der Erwachsenen einen Bibelspruch auswendig aufsagen muss. Auch der Medizinstudent oder die Lehramtsanwärterin, die Angst vor dem strengen Staatsexamen haben, werden von ihrer Gesellschaft vor allem auf „Stress-Resilienz“, das heißt den erfolgreichen Umgang mit ihren Ängsten geprüft.
Sobald menschliche Gemeinschaften jedoch die noch aus den Zeiten der Jäger und Sammler stammende, als natürlich empfundene Größe von etwa 100 bis 200 Stammesangehörigen überschreiten, kommt eine machtpolitische Funktion der Angst ins Spiel: Sie kann von Herrschern gezielt eingesetzt werden, um die Untertanen, die sich nicht mehr durch biologische Bande an den Häuptling, den Stammesfürsten oder den König gebunden fühlen, gefügig zu halten. Die Angst wird jetzt oft massiv geschürt.
Als Angst vor dem Nachbarstamm, der die eigenen Nahrungsressourcen bedroht, mag sie weiterhin als natürlich empfunden werden. Reicht diese natürliche Angst nicht mehr aus, werden weitere Angstfaktoren aktiviert: Angst vor Naturkatastrophen, Hunger, abweichenden Minderheiten oder übernatürliche Bedrohungen wie Hölle und Fegefeuer.
Über weite Strecken der Religionsgeschichte dienten die bekannten Religionen m.E. auch und ganz wesentlich der Angstbewältigung. Zu diesem Zweck schufen sie Rituale, Regeln, Normen und Gebote, die ein Gefühl der Sicherheit vermitteln sollten. Ein buddhistischer Mönch, der sich in eine tiefe Trance versetzt, lässt die Angst hinter sich. Und ein orthodoxer Jude, der seinen Tag mit einem festen, unveränderlichen Ritual beginnt, darf sich sicher fühlen, im Einklang mit seinem Schöpfer zu leben und von daher keine Angst mehr haben zu müssen, wie mir ein orthodoxer Rabbiner einmal sehr schlüssig erläuterte.
Das Böse lauert inzwischen überall
Auch der berühmt-berüchtigte Ablasshandel des ausklingenden Mittelalters bot zunächst aus pragmatischer Sicht Schutz und Sicherheit vor der seinerzeit grassierenden Höllenangst. Der Papst nahm die Verheißung des „Gnadenschatzes“ der Kirche wörtlich und verkaufte diesen Schatz ganz einfach. Dieses Modell funktionierte dann schließlich so gut, dass ein Geschäftsmodell daraus wurde, mit dem das Papsttum auch seine weltliche Macht stärkte und den imposanten Petersdom damit finanzierte.
Doch an dieser Stelle brach das System der religiösen Angstbewältigung im Katholizismus zusammen. Längst wurde hier die Angst nämlich nicht mehr bewältigt, sondern für zahlreiche Menschen spürbar missbraucht und überreizt, um immer mehr Ablassbriefe verkaufen zu können. Die Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas, die sich im 19. Jahrhundert aus Unzufriedenheit über die oft als matt empfundenen Großkirchen gründete, hat dieses Modell noch verfeinert und dramatisch zugespitzt, so dass nur noch eine kleine Minderheit ihrer eigenen Mitglieder eine vage Aussicht auf Erlösung bekam. Das Leben eines Gläubigen wurde zum ständigen Kampf um einen der wenigen „Plätze an der Sonne“.
Die heutige Werbung versucht es auf ähnliche Weise: „Wer Windpocken hatte, kann auch Gürtelrose bekommen – und sollte sich schleunigst impfen lassen“, mahnen reißerische, von gefährlichen Blitzen durchzogene Spots in düsteren, an Hieronymus Bosch erinnernden Farben. Ob nicht auch die „Corona-Politik“ mit ihrem Impfzwang, ihrer Absonderung von als „Coronaleugnern“ beschimpften „Impfgegnern“ und der Drohung vor „Millionen Infektionstoten“ nach exakt diesem altbewährten Muster aufgebaut war, ist immerhin diskussionswürdig und wird unsere Gesellschaft in den kommenden Jahren noch sehr beschäftigen.
Die Gefahr lauert inzwischen (fast) überall, aber bitte immer schön den „offiziell zulässigen“ Angsthinweisen folgen: Angst vor Kernkraft, vor einer Abschmelzung der Pole, gerne auch noch einmal vor dem schon fast vergessenen Waldsterben und natürlich vor Viren und Krankheiten aller Art, vor denen nur der absolute Gehorsam gegenüber dem offiziellen Narrativ schützt! „Extra narrativum nulla salus“, möchte man ein altkirchliches Diktum aktualisieren: Außerhalb des offiziellen Polit-Narrativs gibt es kein Heil!
Links soll gut sein, rechts böse
Ein Sonderfall der geschürten Angst ist die Angst vor den Feinden der aktuellen Machthaber. Mögen die konkreten Ängste vor Krankheit, Tod und Hölle ja noch bedingt nachvollziehbar erscheinen, verblüfft es, in welchem Ausmaß die Angst-Propaganda auch dort funktioniert, wo Opposition gegen ein repressives Angstsystem diskreditiert werden soll. Noch zu Zeiten der Wende hatten viele DDR-Bewohner eine starke Angst vor „dem Kapitalismus“, der doch zugleich die erhofften materiellen und sozialen Verbesserungen bringen sollte. Erst als die Repression endgültig zu stark wurde, zerbrach das Angstregime. Der Wunsch nach Erneuerung und Aufbruch wurde stärker als die geschürte Angst. Wer fürchtete sich am 18. März 1990, dem Tag des Erdrutschsieges der Allianz für Deutschland, noch vorm Westmann? Niemand!
Nachdem die Linke in Deutschland wie auch in China und andernorts ihren Frieden mit Elementen eines Öko- oder Staatskapitalismus geschlossen hat, braucht es heutzutage andere Feinde. Wer nicht „für uns“ ist, landet jetzt in der „rechten Ecke“. Dorthin stellt man all diejenigen, die oft nur marginal abweichen. Die Achse hat die Liste der Abweichler in der Rubrik „Die Ausgestoßenen der Woche“ seit Jahren ausführlich dokumentiert. Paradoxerweise trifft der Vorwurf, „rechts“ zu sein, die Betroffenen noch immer. Die meisten wehren sich und betonen, wie „links“ sie doch immer schon waren. Auch in der DDR waren die Parteineugründungen wie das Neue Forum zunächst ausdrücklich linke, pro-sozialistische Formationen. Es galt, den „besseren Sozialismus“ endlich zu verwirklichen.
Ich wage an dieser Stelle die Prognose, dass der hysterischen Verteufelung alles Rechten vielleicht schon bald eine ebenso stürmische Bejahung folgen könnte. Und zwar zu Recht. „Links“ und „Rechts“ sind nämlich nicht nur Vokabeln einer „veralteten politischen Gesäßgeographie“, wie es CDU-Linksaußen Heiner Geißler einmal spöttisch formulierte, sondern es sind seit den Zeiten der Französischen Revolution durchaus brauchbare Positionsmarker, um die politische Gedankenwelt zu strukturieren. Nicht mehr und nicht weniger.
Links wird dabei traditionell mit den Begriffen „Ausgleich sozialer Ungleichheiten“, „staatlichem Interventionismus“ und oft auch mit „gesellschaftspolitischem Libertinismus“ sowie einem „Einsatz für Minderheiten“ in Verbindung gebracht. Rechts hingegen ist nach Auffassung der Politologie mit einem Engagement für „wirtschaftliche Freiheit“, „Abwehr staatlicher Bevormundung“ und einem „Eintreten für traditionelle Wertvorstellungen“ verknüpft, wie etwa die FAZ 2017 in einem kleinen Dossier für Erstwähler schlüssig darlegte.
Nicht den Mund verbieten lassen
Die NSDAP, die sich im Einklang mit ihrem Namensbestandteil „sozialistisch“ selbst nie als „rechte Partei“ bezeichnet hatte, wie die FAZ klarstellt, gilt insbesondere in Deutschland als Anlass, sich selbst nicht mehr rechts nennen zu wollen. Ängstlich-vermeidende Ausweichbegriffe sind „konservativ“ oder „bürgerlich“ oder auch „die Mitte“. Die NSDAP kann aber wohl eher als eine Art „politischer Zwitter“ gelten, der sowohl rechtsnationale als auch linkssozialistische Wähler erschreckend erfolgreich mobilisieren konnte, indem er die drängendsten Probleme der Zeit (gefühlte nationale Demütigung nach Versailles und soziale Not durch Inflation und Wirtschaftskrisen) geschickt verband. Wir sollten diese Sonderform des im Grunde religiös aufgeladenen Politmessianismus nicht länger als Maßstab oder Fixpunkt für die politische Kultur unseres demokratischen Gemeinwesens ansehen und aus dem Schatten der Angst endlich heraustreten.
Wo man nicht mehr rechts sein darf, hat es auch keinen Sinn, links zu sein. Wenn „links“ und „rechts“ tatsächlich verbrauchte oder gar verbrannte Begriffe sein sollten, wäre es doch klug, neue Vokabeln zur Beschreibung legitimer politischer Meinungsverschiedenheiten zu ersinnen. Und vor allem sollten wir aufhören, Menschen den Mund zu verbieten, weil sie von den erwünschten politischen Auffassungen des „Bescheidwissertums“ (Harald Schmidt) abweichen.
Ich jedenfalls habe keine Angst vor der „rechten Ecke“. Am meisten Angst habe ich, den mir begegnenden Menschen durch Politstereotype Unrecht zu tun oder dass mir ebensolches widerfährt! Das allerdings erscheint mir angesichts der hysterischen Corona-Jahre und ihrer in westlichen Demokratien zuvor nicht gekannten Diskriminierung Andersdenkender leider fast schon wie eine Illusion.
Der Autor ist Lehrkraft an einem niedersächsischen Gymnasium und schreibt hier unter Pseudonym.
Beitragsbild: Creative Commons CC0 Pixabay
Statt „links“ und „rechts“ wären „etatistisch“ und „freiheitlich“ die bessere Beschreibungen. Und als besonders etatistisch fallen SED und NSDAP auf – voila!
Danke! Erstmals wird hier ein wenig über rechts und links aufgeklärt.
„Der Idee der NSDAP entsprechend sind wir die deutsche Linke! Nichts ist uns verhasster als der rechtsstehende nationale Bürgerblock“
(Joseph Goebbels, „Der Angriff“ vom 6.12.1931. Gerard Radnitzky, Das verdammte 20. Jahrhundert: Erinnerungen und Reflexionen eines politisch Unkorrekten, Seite 162)
„Meine gefühlsmäßigen politischen Empfindungen lagen links.“ Adolf Eichmann
„Wir sind Sozialisten und Feinde, Todfeinde des derzeitigen kapitalistischen Wirtschaftssystems mit seiner Ausbeutung der wirtschaftlich Schwachen, mit seinen ungerechten Löhnen, mit seiner unmoralischen Bewertung von Personen nach Wohlstand und Geld anstatt nach Verantwortung und Leistung, und wir sind entschlossen, dieses System unter allen Umständen abzuschaffen!“ (Adolf Hitler 1927).
Keine Angst darf man davor haben, den eigenen Verstand zu nutzen. Genau davor haben die Denunzierer Angst und versuchen deshalb, das Denken anderer zu verhindern.
Soweit, so richtig, aber leider vergeblich. Die schon lange fragwürdigen Kategorien, heute voellig untauglich, haben sich instrumentell verselbststaendigt und das konnte nur mit sehr williger Hilfe der Liberalkonservativen funktionieren. Und natuerlich nur in einem Land resp einer Gesellschaft wie Deutschland. In keinem anderem Land kaeme man auf die Idee, Nation, nationale Interessen, deren Verfolgung, Volk und andere Entitäten als „rechts“ zu stigmatisieren. Es wuerden nicht einmal die Linken dort verstehen. Der Erfolg der „Linken“ bzw der Gruenen ist ohne eine totale, permanente Konditionierung oder eher Pathologisierung dieses Volkes nicht denkbar. Abgesehen davon, dass „rechts“ zum demokratischen Spektrum gehoeren wuerde bzw muesste, vor allem wenn es jede Menge mächtiger Linksextreme gibt, reicht es ja hierzulande aus, „jemanden“ ohne hinreichenden Grund als „rechts“ zu bezeichnen, um ihn politisch und sozial auszuschalten. Und das Ganze, ich wiederhole, mit intensivster Unterstützung der Liberalkonservativen, nicht nur der Politiker, sondern auch der Journaille, die zunaechst klären sollten, was sie ueberhaupt wie konservieren wollen. Bislang haben sie wie ersichtlich nichts gefunden. Und die, die Eigenes oder den Bestand konservieren wollen, sind fuer sie erstaunlicherweise „rechts“ und damit unberuehrbar. Das deutsche Problem ist schon prozentual nicht gruen, auch nicht „rechts“, soweit ueberhaupt vorhanden, sondern liberalkonservativ. Nicht zum ersten Mal.
Ich als Berliner fürchte mich vor der deutschen Politik, den deutschen Ämtern, der deutschen Justiz und den meisten deutschen Medien, also haargenau vor den Institutionen, vor denen sich in den beiden deutschen Diktaturen viele Bürger fürchteten. „Rechts oder/und links“ sind Begriffe aus der StVO und man sollte sie dort belassen, denn das StGB fordert die Ahndung von Straftaten, was insbesondere bei der Justiz in Berlin und den meisten Medien trotz zwei Diktaturen noch immer nicht angekommen ist. Wie verlogen die ganze Sache ist, bewies „der Fall der Mauer zur falschen Seite“, als einige sofort die rechte Gefahr an die Wand malten. Tatsächlich war es so, dass die SED plante, mit NVA und Stasi Westberlin militärisch einzunehmen, um sich das dortige Vermögen anzueignen und mit den Bürgern als Geiseln Bonn zu erpressen. Und die SED verstand sich doch als linke Partei oder etwa nicht? 1959 kam die Bundesrepublik international schwer unter Druck, da es in NRW zu massiven Drohungen gegen Ausländer gekommen war. Nach der „Wende“ stellte sich heraus, dass die Stasi diese Aktionen durchgeführt hatte und ihre beiden Allzweckwaffen Hermlin und Heym, die für Geld und schlechte Worte stets zu allem bereit waren, dafür sorgten, dass das ND diesen Schwindel groß aufmachte. Als im Treptower Park das sowjetische Ehrenmal beschmiert wurde, eilte Gysi schleunigst herbei, um gegen rechte Umtriebe zu wettern dabei waren es -und er hätte das wissen müssen- seine eigenen Leute, die noch mit Farbdosen in den Händen in den Friedrichsfeldern Kneipen mit ihren Heldentaten prahlten.
Wenn Sie keine Angst vor der „rechten Ecke“ haben, warum schreiben Sie dann anonym.
Irgendeine Angst scheint es ja zu geben.
Ah ja, zur Theorie Amygdala in Zusammenhang mit Rudelbildung & mitunter tödliche Aggressivität auch bei XX vs. „Feinde/Eindringlinge“ , hat ein nach Zypern emigrierte Blogger,> H.Danisch, auch schon so einiges geschrieben.
Man siehe sich zB. die „Person“ Lina E. , XX?, an, die als RädelsführerIN eiskalt, anstiftend und hauptorganisierend Überfälle und schwerste Körperverletzungen an Mißliebigen nicht nur befahl, sie war dabei. Und, ihre bewaffneten & zT vom Ausland finanzierten Sympahtisanten, iüS. „Kinder“ haben Rache & Krieg allen Bürgern Deutschlands geschworen, alos ein neuer, ein rotGRÜNER deutscher Herbst. Herr Genosse Kanzler Scholz, „s“PD, Frau Genossin Fäser, „s“PD, was sagen sie dazu?