Von Malca Goldstein-Wolf.
Florian von Brunn, Bayerns SPD-Spitzenkandidat, bezeichnete Aiwanger auf Twitter als „Schande Bayerns“. Ich kommentierte, dass ich als Jüdin froh bin, dass es der SPD nicht gelungen ist, den politischen Gegner auf Kosten der Juden auszuschalten. Und wurde prompt blockiert.
Dass es dem sozialdemokratischen Gegenspieler von Markus Söder, Florian von Brunn, nicht um die jüdische Sache geht, scheint nun klar zu sein. Im demokratischen Diskurs hatte ich angenommen, dass es möglich sei, dem bayerischen Spitzenkandidaten der SPD eine andere, jüdische Sicht auf die Causa Aiwanger zu eröffnen Am Sonntag schrieb von Brunn auf Twitter:
„Heute ist ein trauriger Tag für das Ansehen von Bayern in Deutschland und der Welt. Dass die CSU unter Markus Söder einen aktiven Rechtspopulisten und früher auch rechtsradikal tätigen Aktivisten als Stellvertreter in der Regierung akzeptiert, ist ein negativer Höhepunkt in der Geschichte von Nachkriegsdeutschland.
Die Bedingungen von Markus Söder waren klar: Es muss ein Einzelfall sein. Die letzten Tage zeigen jedoch keinen Einzel-, sondern einen Regelfall. Die Entschuldigen von Herrn Aiwanger sind zu spät, zu unvollständig und auch zu uneinsichtig. Die Angriffe und Vorwürfe gegen Medien sind unvereinbar mit der Pressefreiheit und mit der bayerischen Verfassung. So jemand ist kein Stellvertreter, sondern eine Schande Bayerns.
Den Bürgerinnen und Bürgern in Bayern ist nun klar, dass die CSU unter Markus Söder nicht nur rechts blinkt, sondern auch nach rechts winkt. Die Bayern SPD war, ist und bleibt das Bollwerk gegen Rechts im Freistaat Bayern. Wir kämpfen für ein bezahlbares Bayern für alle und mit aller Kraft gegen einen Rechtsruck in Bayern.“
Keine weiteren Fragen
So habe ich ihm auf Twitter geantwortet:
„Als Jüdin bin ich sehr froh, dass es Ihnen und den anderen Akteuren dieser Schmierkampagne nicht gelungen ist, den politischen Gegner auf Kosten der Juden auszuschalten. Ich wünsche mir sehr, dass Sie der Wähler für so viel Unredlichkeit abstraft. Überhaupt entbehrt es nicht einer gewissen Abgebrühtheit, ausgerechnet als SPD-Politiker die Judenkarte zu ziehen. Aus vielerlei Gründen … nicht nur weil Ihr Nachwuchs, die @jusos mit der extremistisch-antisemitischen Fatah-Jugend verschwestert sind. Hier zur Erinnerung:“
Anstatt auf meine Argumente einzugehen, hat er mich daraufhin, mir eine Antwort schuldig bleibend, blockiert. So geht also das Demokratieverständnis der Spezialdemokraten, die sich offenbar nur für die Juden einsetzen, die es nicht wagen, ihnen zu widersprechen – oder die bereits tot sind. Was ein guter Jude ist, bestimmt Florian von Brunn. Keine weiteren Fragen, worum es ihm tatsächlich in der Sache Aiwanger geht. Um den Schutz von Juden offenbar nicht.
Malca Goldstein-Wolf ist eine deutsch-jüdische Aktivistin und Publizistin, die sich gegen Judenhass einsetzt. Neben ihrem Aktivismus als ehrenamtliches, geschäftsführendes Mitglied des deutschen Präsidiums von Keren Hayesod, Israels größter Spendenorganisation, sammelt sie Gelder für israelische Menschen in Not. Mehr von Malca Goldstein-Wolf finden Sie auf ihrer Facebookseite.
Frau Faeser hat doch vor kurzem erst die Förderung der Bundesregierung für den ZdJ von 13 auf 22 Mio EUR pro Jahr erhöht. Da werden die Jungs und Mädels schon wissen, wem man hier quasi zwingend Antisemitismus unterstellen muss und wem besser nicht.
Sehr geehrte Frau Goldstein-Wolf, so sind sie halt, die kommunistischen Antisemiten…
Demokratie ist, wenn man seine Stimme abgibt. Wer sich dann, nach Abgabe der Stimme, trotzdem noch öffentlich zu Wort meldet, der macht sich doch der Vertragsverletzung schuldig. Kein, Wunder, wenn Annalena sagt, es wäre ihr egal, was ihre deutschen Wähler sagen. Recht hat sie. Die haben gar nichts zu sagen. Die haben die Stimme abgegeben. Analena for President! Slava Ukraini! Slava Trudu i slava slavi.
Die Reaktion des SPD-Politikers überrascht nicht. Gerade in Bezug auf die z. T. israelfeindliche Haltung vieler Jusos käme er auch schnell in Erklärungsnot. Dass Aiwanger oder die Freien Wähler antisemitische oder israelfeindliche Positionen vertreten ist mir jedenfalls nicht bekannt.
@Ralf Pöhling : >>Die Deutschen haben sich bis heute nie damit wirklich auseinander gesetzt, WARUM das alles passiert ist. Unabhängig davon, dass wir im TV sogar andauernd über Hitlers Essgewohnheiten, seine Frauenzimmer, seinen Köter und sogar seine Unterhosengröße aufgeklärt werden.<< Gut, wenn man mit „Die Deutschen“ nicht auch die Dunkeldeutschen meint, mag das stimmen. Ich will damit nicht sagen, die Aufarbeitung in Ostdeutschland wäre nicht auch unter stark verzerrten Ideologischen Vorbedingungen erfolgt, aber so läppisch und nichtssagend, wie die Essgewohnheiten oder die Unterhosengröße war das nicht. Und dort war das Schwergewicht der Opfer bei den Kommunisten. Aber auch Sozialdemokraten und Christen/Freikirchen blieben nicht unbeachtet und dass es eine beispiellose Verfolgung und Vernichtung der Juden gab, dürfte jeder Ostdeutsche wissen, sofern er noch vor 1989 in die Schule gegangen ist. Im Osten verengte sich das Thema nicht auf die Schoa, sondern auf die Verfolgung der Kommunisten. Sonst war aber die Frage, wer Hitlers Aufstieg finanziert hat, welche politischen Kräfte hinter der NSDAP standen, sehr viel präsenter. Am Ende blieb trotzdem Unverständnis, wieso sich eine Mehrheit der Deutschen so vereinnahmen lassen hat, die auch die DDR-typische Aufarbeitung nicht läsen konnte, Die beklagten nur immer die Spaltung der „Arbeiterklasse“ und die Lehre daraus war die Einheitspartei. Dass sehr viele Arbeiter in der letzten Wahl die NSDAP gewählt haben, wurde eher verschwiegen, dafür aber die Täuschung durch den Namen, durch die anfänglichen SPD-ähnlichen Teile der Reden und durch die Farbe Rot als Ursache der Verblendung „vieler Deutscher“ erwähnt. Aber die eigentlichen Schurken, das waren die Kleinbürger, die Händler und Halunken ohne Klassenbewusstsein, also kurz „Die Rächten! Die Feinde der Demokratie, die ungefestigten Charaktere, ohne politisches Bewusstsein, die Freikorps, die ostelbischen Junker und die Goebbels-Propaganda!“.
Warum soll es jemanden interessieren, was ein kleiner Chef einer Kleinpartei sagt?
Immer wieder ist zu lesen, der Florian von Brunn sei ein Adliger (auch bei Tichy). Der Name von Brunn ist eher ein Dutzendname nach dem Muster von „Imhof“ o.ä. In der Umgegend von Würzburg kannte ich mehrere von Brunns, die Bauern, Handwerker waren.
Die inverse Hochschätzung sollte man bleiben lassen. Das ist wie der antisemitische Philosemitismus unserer „Eliten“. Oder so dümmlich wie die Behauptung einer Definitionsmacht darüber, wer Jude sei und wer nicht, von einer Nichtjüdin Knobloch und einem Renegaten Schuster (es ging – die gute Gesinnung ist ja strafmindernd – um die Gruppe „Juden in der AfD“). – Außerdem („inverse Hochachtung“) ist es blöd, jemandem aufgrund seiner Herkunft eine bestimmte politische Haltung zuzuordnen.