Die derzeit einzige Produktionsstätte von Tesla in Europa findet sich in Deutschland im brandenburgischen Grünheide, etwas südöstlich von Berlin. Von Berlin Mitte sind es etwa eine Auto- oder Bahnstunde bis zu der Riesenfabrik. Musk bezeichnet seinen Produktionsstandort nicht einfach als Autofabrik, es ist eine Gigafactory. Unter Giga tut es Elon Musk, Mitinhaber und CEO von Tesla, nicht. Der Milliardär ist eine schillernde Persönlichkeit. Er eckt an, wo er nur kann und bleibt damit im Gespräch.
Das Land Brandenburg ging bei der Gründung von bis zu 40.000 Mitarbeitern aus. Intern, so hatte Tesla selbst mitgeteilt, werde mit einer Zahl von 12.000 operiert. Derzeit beschäftigt die Tesla-Gigafabrik in Grünheide rund 10.700 Menschen. Damit ist die Mitarbeiterzahl im Vergleich zu 2024 um rund 1.700 gesunken. Bei der damaligen Betriebsratswahl im März waren es 12.400 Beschäftigte.
Umsätze brechen ein
Der aufgehende Star der Automobilbranche hatte einige Rückschläge hinnehmen müssen. Im Jahr 2025 war der Umsatz zum ersten Mal seit Existenz des Unternehmens gesunken. Die Zahl der ausgelieferten Autos hingegen sank bereits zum zweiten Mal in Folge. Das Werk erwirtschaftete dennoch einen Jahresüberschuss von mehr als 56 Millionen Euro. Tesla musste im Jahr 2025 in Deutschland einen dramatischen Absatzeinbruch um rund 48 Prozent auf nur noch 19.390 Neuzulassungen hinnehmen.
Nach den starken Jahren mit fast 70.000 Zulassungen in 2022 halbierten sich die Verkäufe im Jahr 2025 auf 37.574 Fahrzeuge. Erstmals seit vielen Jahren konnten VW und BMW den Konkurrenten wieder überholen. Das Werk blieb auch vorher schon hinter seinen Produktionszielen zurück. Es liefen demnach 2024 insgesamt 211.235 Fahrzeuge in Grünheide vom Band, was einen Anstieg um rund 11.000 Autos im Vergleich zum Vorjahr bedeutet, jedoch immer noch unter Teslas eigene Zielmarke von 287.000 Stück liegt. Neben vielen anderen Aspekten spürt Tesla die zunehmende Konkurrenz aus China, das bezahlbare E-Autos in großen Stückzahlen auf den Markt wirft. Dass China auch hinter seinen Zielen zurückbleibt, liegt an dem allgemeinen Trend. E-Mobilität vermag sich weder in Europa noch in den USA so richtig durchzusetzen. Die großen Automobilkonzerne beginnen wieder umzusteuern und Verbrenner zu produzieren.
Anschläge und der Suez-Kanal
Tesla gibt als Grund für seine Einbrüche in den vergangenen Jahren einerseits die überraschenden Produktionsstopps, wegen der Lieferkettenstörung im Roten Meer im Januar 2024 an. Ferner gab es einen Terroranschlag auf die Strominfrastruktur des Werks in 2024 und noch einmal im März des vergangenen Jahres. Insgesamt ist der Wohlfühlfaktor für Tesla in Deutschland nicht sonderlich hoch. Das liegt nicht zuletzt an der Person des CEO.
Elon Musk hatte sich auf seinem Kurznachrichtendienst X deutlich für die AfD ausgesprochen, was ihm besonders im Westen des Landes und in Berlin massive Kritik einbrachte. Insgesamt neigt der Milliardär zu Provokationen, was ihm einerseits nicht abreißende Öffentlichkeit beschert, bei einer linksorientierten strukturkonservativen deutschen Elite jedoch zu Naserümpfen und verschlossenen Geldbörsen führt.
Im Grunde liegt Elon Musk mit E-Autos voll im woken Mainstream, würde er diese Welle reiten, wäre ihm die Sympathie der Aufrechten sicher. Doch Musk klagt die Wokeness an, ihm einen Sohn geraubt zu haben. Musk kündigte an, gegen die Ideologie des Wokeness zu kämpfen. Diese und andere politische Kontroversen bescherten dem Musterknaben der E-Mobilität nicht nur in Deutschland massive Einbrüche. Die Zulassungen gingen in Schweden im Juli 2025 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 86 Prozent zurück, in Dänemark sanken sie um 52 Prozent, in Frankreich um 27 Prozent, in den Niederlanden sogar um 62 Prozent und in Belgien um 58 Prozent. Insgesamt, so meldete Reuters im Sommer 2025, sanken die Verkäufe von Tesla in Europa im ersten Halbjahr um mehr als ein Drittel.
Ein Skandal rund um die IG Metall
Anfang März 2026 stehen in Grünheide wieder Betriebsratswahlen an. Musk und die IG Metall gelten nicht gerade als Freunde. Das Programm der Gewerkschaft: Bindung des Unternehmens an einen Tarifvertrag. Außerdem beklagt die IG Metall die Arbeitsbedingungen im Werk sowie Nepotismus bei Beförderungen. Das klingt populär, hat der Gewerkschaft in den bisherigen Betriebsratswahlen aber dennoch nicht zur Mehrheit verholfen. Obwohl Arbeiter immer wieder beklagen würden, dass die Bänder zu schnell liefen und es nur Entlastung gebe, wenn die Verkäufe gerade mal zurückgehen. Drei Wochen vor der diesjährigen Wahl kam es in den vergangenen Tagen zu einem Eklat im Werk. Werksleiter André Thierig erhob schwere Vorwürfe gegen einen IG Metall-Vertreter. „Aus unbekannten Gründen zeichnete er die interne Sitzung auf und wurde dabei ertappt", schrieb Thierig auf X. Tesla stellte Strafanzeige.
Die Polizei nahm am vergangenen Dienstag eine Strafanzeige auf und stellte Beweismittel sicher. Der Computer des Gewerkschaftsvertreters wurde beschlagnahmt. Die Polizei gab bekannt, die weiteren Ermittlungen mit der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) abzustimmen Es gehe, so ein Polizeisprecher um den Verdacht der Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes und mögliche Verstöße gegen das Betriebsverfassungsgesetz. Die IG Metall hingegen sprach von einer Schmutzkampagne. Werksleiter Thierig teilte mit, er sehe in der Stellungnahme der IG Metall einen weiteren Skandal. Schließlich habe es mehrere Dutzend Zeugen gegeben. Der IG‑Metall‑Vertreter hätte sogar geäußert, er habe vergessen, sein Mikrofon abzustellen. Die IG Metall hat nun ihrerseits Strafanzeige wegen übler Nachrede gegen André Thierig gestellt, ferner sei beim Arbeitsgericht Frankfurt(Oder) eine einstweilige Verfügung beantragt worden, um Thierig die weitere Verbreitung angeblich falscher Behauptungen zu untersagen. Das hatte die IG Metall Berlin Brandenburg Sachsen am 17.2. auf ihrer Webseite mitgeteilt.
Rauer Gegenwind für Musk
In Summe wird es recht ungemütlich für Tesla in Deutschland. Neben Anschlägen gegen das Werk in den Jahren 2024 und 2025 drücken die Umsatzeinbußen und nun noch Stress mit der IG Metall gewaltig auf die Stimmung. Tesla CEO Musk hat sich mit seiner politischen Positionierung und seinem Engagement in der Regierung Trump in Europa äußerst unbeliebt gemacht. Insbesondere unter deutschen Politikern. Berlins Arbeits- und Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) bezeichnete Tesla letztes Jahr beispielsweise sogar als „Nazi-Auto“, obwohl sie damit einen der größten Arbeitgeber der Region angriff.
Will man die Entwicklung von Tesla in Deutschland bewerten, dann muss man die aufgezeigten Faktoren in ihrer Gesamtheit betrachten. Dass die Modelle von Tesla keine schlechten Produkte sind, davon kann sich jeder bei einer Probefahrt überzeugen. Autonomes Fahren, womit Tesla und andere gerade eine Bauchlandung erleben, könnte ein Irrweg sein. Besser wäre es, auf zuverlässige Assistenzsysteme zu setzen, die dem Fahrer vor allem lange Strecken erleichtern. Wer ein E-Auto fahren will, ist mit Tesla gut bedient. Wer lieber einen satt brummenden Motor mag, ist in Grünheide eh an der falschen Adresse. Langfristig liegt die Chance für E-Mobilität genau darin, die Konkurrenz und damit den wirtschaftlichen Wettstreit gegen den Verbrenner anzunehmen und Kunden zu überzeugen. Der Arbeitgeber Tesla muss sich vielleicht noch ein wenig an die in Deutschland übliche Mitbestimmungskultur gewöhnen. Umgekehrt sollte sich Deutschland daran gewöhnen, dass Unternehmerpersönlichkeiten wie Elon Musk einfach nicht stromlinienförmig sein können. Wer es nicht glauben mag, schaue sich die Biografien von Carl Benz, Gottlieb Daimler oder Wilhelm Maybach an.
Deutschland und Tesla, die Geburt des Elektropanzers. Die Lebenserwartung eines Panzers, dafür reicht der Strom.
Elon Musk sagt, was er denkt, das macht ihn sympathisch. Aber Arbeitnehmerrechte sind Arbeitnehmerrechte und sie gelten für jeden, der in Deutschland eine Firma betreibt. Dass Musk hier Sonderrechte für sich beansprucht, entspricht vielleicht seinem Denken, aber nicht der Realität. Gleiches Recht für alle. Und ganz so dringend brauchen wir diese Luxusautos nicht, dass wir schwer erkämpfte Rechte dafür aufgeben müssen.
Naja, die Modellpolitik von Tesla liegt beim Elon im Moment eher nicht oben auf dem Schreibtisch. Nach gefühlt Jahrzehnten könnten man ja mal irgendetwas Neues auf den Weg bringen, um die Umsätze wieder anzuheben. Andererseits sind die Zahlen schwarz und der Elon beschäftigt sich nicht wirklich mit solch irdischen Dingen wie SPD-Arbeits- und Sozialsenatorin Kiziltepe. Wer, um Himmelswillen, will es ihm verdenken ?! Das Weltall ruft und damit die einmalige Möglichkeit, dem irdischen Kleingeistertum zu entfleuchen.
Hm, Elon Musk hat wirklich viel geschafft und geschaffen … aber ich denke, er „schuf“ Arbeitsplätze … ;-)
Wäre ich nicht entschiedener Gegner der E-Auto-Zwangsbeglückung würde ich mir extra so einen Tesla vor die Tür stellen; nur um Musk zu unterstützen und den Hysterikern eine Nase zu drehen. Mittlerweile haben sie mich schon so weit getrieben, daß ich es absolut in Ordnung finde, wenn die USA und China die Treibhausgase nicht mehr als gesundheitsschädlich einstufen. Demnächst bau ich den Partikelfilter aus meinem Diesel aus und brech` die Filter an meiner Marlboro ab bevor ich die anstecke. So! Nehmt das!
Die attraktive Gläserne Manufaktur in Dresden konnte noch hochwertig umgenutzt werden. Grünheide-Toljatti wird wohl als Logistikzentrum für Chinachopper enden…
Was die deutschen Konzerne angeht – „stromlinienförmig“ sind die Manager allemal (so fluppt das dann auch mit direkten und indirekten Subventionen etc.) aber Unternehmer bestimmt nicht.