Claudio Casula / 12.04.2007 / 16:13 / 0 / Seite ausdrucken

Wenn Juden an den Strand gehen…

…dann tun sie das, jedenfalls gewinnt man bei einem Blick auf die Titelseite der ZEIT Nr.15 diesen Eindruck, erstens in voller Bekleidung und zweitens mit umgehängtem Sturmgewehr. Die knappst bekleideten Bikinischönheiten, derer ich am Strand von Tel-Aviv zuletzt gewahr wurde, waren also wohl nicht mehr als eine Fata Morgana. Zu schade! Doch halt: Wen zeigt das Bild? “Jüdische Siedler am Strand von Gush-Katif/Gaza” – einem Ort also, der längst von Israel geräumt wurde. Da nachweislich keine Siedler in das von Terroristen beherrschte Wespennest zurückgekehrt sind und der als Geisel festgehaltene Soldat Gilad Shalit der einzige Israeli im Gazastreifen sein dürfte, datiert das Foto also gewissermaßen aus der Steinzeit. Überhaupt die Fotos. Das Dossier “Zions streitende Erben”, ein durchaus informativer und gut geschriebener Artikel von Wolfgang Büscher, ist folgendermaßen illustriert: 1. Das Aufmacherfoto über eine halbe Seite (wohlgemerkt: der ZEIT!) zeigt, nun ja: “die ganz Frommen”, vier ultraorthoxe bärtige Herren in Hut und Mantel. 2. Ein Straßencafé mit ein paar “netten Hedonisten”. 3. “Der Siedler und Philosoph Josef Ben-Schlomo in Kedumim” 4. “Orthodoxer Jude in Jerusalem” 5. “Bewaffneter Hippie beim Ausflug in die Stadt” (vulgo: Babybuggy schiebender junger Mann mit gehäkelter Kippa und Pistole am Gürtel im jüdischen Viertel der Altstadt) 6. “Juden und Araber in einem Souk der Altstadt von Jerusalem” (mit orthodoxem Juden) Wir halten fest: Jüdische Orthodoxe, jüdische Siedler und Feuerwaffen auf – zählen wir das Titelfoto mit – satten sechs von sieben Bildern. Eine reife Leistung der Fotoredaktion der ZEIT, wie wir finden. Da kann das israelische Tourismusministerium soviele bunte Broschüren drucken wie es will, das Klischee will bedient werden, ob vom “stern” oder von der ZEIT. Nur allen, die schon mal im Land waren, wird bei einer solchen Darstellung schwarz vor Augen.

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Direktüberweisung
Leserpost

netiquette:

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
Claudio Casula / 26.02.2016 / 19:43 / 9

30 Worthülsen für jede Gelegenheit

In einem Land, in dem man einst den Begriff Sonderbehandlung für Massenmord ersann, und in einer Zeit, in der die epidemische Ausbreitung von Terror, Zerstörung und Anarchie durch…/ mehr

Claudio Casula / 08.11.2015 / 20:33 / 0

Neue Deutsche Märchen

Zeitgemäße Märchenversionen – wer könnte sie besser erzählen als die Protagonisten des Antizionistenstadls mit ihren abenteuerlichen Narrativen des Nahostkonflikts? Insbesondere im Licht der aktuellen Aufregung…/ mehr

Claudio Casula / 04.06.2015 / 12:32 / 3

Tugendterror ohne Robiespierre

Die UA-Flugbegleiterin aus der läppischen Coladosengeschichte ist tatsächlich versetzt worden, und die Airline bittet die Kopftuchträgerin um Entschuldigung. Siehe hier. Und gegen die saarländische Ministerpräsidentin…/ mehr

Claudio Casula / 09.04.2015 / 23:05 / 10

Jakob der Spinner

In Amerika kann sich jeder Verrückte problemlos eine Waffe zulegen. Von dem „im Zweifel linken“ Jakob Augstein darf man annehmen, dass er das ganz furchtbar…/ mehr

Claudio Casula / 29.11.2013 / 15:40 / 3

Mit Sylvie über den Dom zu Kant

In einer Stadt, die jeglicher halbwegs glamourösen Bussi-Bussi-Szene entbehrt, müssen Tratschreporter nehmen, was sie kriegen können. Und wenn es eine holländische Spielerfrau mit der Ausstrahlung…/ mehr

Claudio Casula / 29.10.2013 / 14:55 / 4

Und täglich warnt das Murmeltier

Vor etwa einem Jahr dokumentierten wir die Haupttätigkeit unseres Außenministerdarstellers. Seither hat sich Guido Westerwelle weiter einschlägig hervorgetan. Westerwelle warnt Syrien vor Chemiewaffeneinsatz (Bundespresseportal, 4.12.2013)…/ mehr

Claudio Casula / 24.02.2013 / 12:48 / 0

De mortuis nihil nisi bene

Deutschland nimmt Abschied von Gerhard Frey Adolf war gerade an der Macht Im Februar dreiunddreißig, Da kam in einer dunklen Nacht Der Gerd zur Welt,…/ mehr

Claudio Casula / 24.04.2012 / 05:15 / 0

Feuer und Flamme für den Judenstaat

Die öffentliche Verbrennung von Flaggen westlicher Länder – insbesondere der Flagge Israels und der USA – ist in der islamischen Welt ein gesellschaftliches Event, ein…/ mehr

Meine Favoriten.

Wenn Ihnen ein Artikel gefällt, können Sie ihn als Favoriten speichern.
Ihre persönliche Auswahl finden Sie Hier
Favoriten

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com