Das Ritual der „Selbstkritik“ war in kommunistischen Diktaturen des 20. Jahrhunderts ein zentrales Instrument politischer Kontrolle. In der stalinistischen Sowjetunion wurde Selbstkritik vor allem innerhalb der Kommunistischen Partei angewandt. Funktionäre und einfache Mitglieder mussten öffentlich Fehler eingestehen, die oft vage oder konstruiert waren – etwa angebliche ideologische Abweichungen oder mangelnder Einsatz. Die Geständnisse dienten nicht nur der persönlichen Demütigung, sondern auch der Identifizierung vermeintlicher „Abweichler“. Während der großen Säuberungen gipfelte das Verfahren in erzwungenen Geständnissen bei Schauprozessen. Die ritualisierte Selbstkritik wurde so zu einem festen Bestandteil des Repressionsapparats und sollte die totale Unterordnung unter Stalin sichern.
In China nahm unter Mao die Selbstkritik eine noch umfassendere Form an, indem sie zu einem gesellschaftlichen Dauerzustand wurde, der in politischen Kampagnen immer wieder neu belebt werden konnte. Während der Kulturrevolution erreichte das Ritual eine extreme Ausprägung: In sogenannten Kampf- und Kritik-Sitzungen wurden Beschuldigte öffentlich erniedrigt, beschimpft und gezwungen, ihre vermeintlich „bürgerlichen“ oder „konterrevolutionären“ Einstellungen zu gestehen. Diese Veranstaltungen dienten der ideologischen Mobilisierung und der Festigung von Maos persönlicher Autorität, aber auch der sozialen Kontrolle bis in die kleinsten Einheiten des Alltags.
In der DDR war das Prinzip der „Kritik und Selbstkritik“ offiziell ein Mittel zur Verbesserung kollektiver Arbeit. Praktisch diente es jedoch der politischen Steuerung und sozialen Überwachung. In Parteigruppen, FDJ-Zirkeln oder Betriebszellen mussten Mitglieder regelmäßig eigene Versäumnisse einräumen, von unzureichendem Arbeitseinsatz über mangelnde Parteitreue bis hin zu fehlerhaften politischen Einschätzungen. Zwar fiel die Praxis weniger brutal aus als in der Sowjetunion oder in China, doch blieb sie ein einflussreiches Herrschaftsinstrument. Wer sich verweigerte, riskierte berufliche Nachteile oder politische Isolierung.
Kadavergehorsam
Diese Systeme nutzten Selbstkritik zur Herstellung von Konformität. Die Rituale erzeugten öffentlichen Druck, förderten gegenseitige Überwachung und verankerten politische Normen tief im sozialen Gefüge. Sie sollten nicht nur das Verhalten, sondern auch das Denken der Menschen formen. Selbstkritik war damit weniger ein Mittel zur Verbesserung als ein Werkzeug der Machterhaltung – ein Versuch, die Grenzen des Politischen bis in das Private und Innere des Einzelnen hinein auszudehnen.
Eine ähnliche Praxis gibt es in der antisemitischen Boykottkampagne BDS (Boycott, Divestment, Sanctions), wie der Fall des jüdisch-amerikanischen Journalisten und BDS-Unterstützers Peter Beinart zeigt, der kürzlich zu einer Veranstaltung an der Universität Tel Aviv eingeladen war und dessen dortiger Vortrag den Titel „Trump, Israel und die Zukunft der amerikanischen Demokratie“ trug.
Kurz vorher kündigte Beinart an, auch über seine Kritik an der israelischen Politik sprechen zu wollen. Unter anderem bezeichnete er Israel als einen Staat, der seiner Ansicht nach „nicht nur Apartheid, sondern auch Völkermord“ begehe. Er wolle Israelis direkt ansprechen, „um mit ihnen über Israels Verbrechen zu reden“ und sie herauszufordern, ihre Haltung gegenüber Palästinensern und der Politik Israels zu überdenken.
Anti-Israel-Business as usual also. Die gleiche Veranstaltung hätte – ohne Trump im Titel – auch vor fünf, zehn oder fünfundzwanzig Jahren stattfinden können. Damals hätte sie in Israel kaum Aufmerksamkeit erregt, und heute tut sie das auch nicht. Der einzige Nachrichtenwert besteht ironischerweise im BDS-internen Zank, da Peter Beinart zur Selbstkritik gezwungen wurde, weil er nach Israel gereist war und dort an einer israelischen Institution mit Juden geredet hatte.
Vielleicht wusste Beinart nicht, dass auch die Universität Tel Aviv verbotenes Territorium ist? Schließlich hat auch der in Katar geborene BDS-Chefideologe Omar Barghouti dort studiert, was er doch sicherlich nicht getan hätte, wäre es verboten gewesen? Nein, so konnte sich Beinart nicht herausreden: Seine Herren und Meister von BDS hatten ihm verboten, an der Universität Tel Aviv zu sprechen und das ganze Programm von „Kolonialismus“ und „Genozid“ abgespult. Beinart hatte einen Befehl verweigert, nun muss er Buße tun. Auf X schrieb er:
„Mit meinem Vortrag Anfang dieser Woche an der Universität Tel Aviv habe ich einen schweren Fehler begangen.“ Das Unheil habe damit begonnen, dass er eigenständig gedacht habe: „In der Vergangenheit habe ich bei der Formulierung meiner Ansichten zum Israel-Palästina-Konflikt stets palästinensische Freunde und Gesprächspartner aufgesucht und ihren Ansichten aufmerksam zugehört. Diesmal tat ich das nicht.“
Er sei nach Tel Aviv gereist, so seine Rechtfertigung, um den Israelis „zu erklären, warum ich glaube, dass Israel im Gazastreifen Völkermord begangen hat und warum ich die jüdische Vorherrschaft für grundlegend falsch halte“. Beinart beteuerte, kein Honorar erhalten zu haben; er wollte einfach nur „einem israelischen Publikum bestimmte Dinge sagen“. Der Rest des Textes klingt so, als stünde Beinart als Angeklagter in einem stalinistischen Schauprozess und würde eine vom Regime vorgefertigte Rede vom Blatt ablesen:
„Ich habe meinen Wunsch nach diesem Gespräch über meine Solidarität mit den Palästinensern gestellt, die angesichts ethnischer Säuberungen, Apartheid und Völkermord die Welt zum Boykott israelischer Institutionen aufgerufen haben, die an ihrer Unterdrückung mitschuldig sind.
Wie Noura Erakat und andere betont haben, gibt es Möglichkeiten, mit Israelis zu sprechen, ohne gegen die BDS-Richtlinien zu verstoßen und den gemeinsamen Kampf gegen Unterdrückung zu untergraben. Ich hätte den gewünschten Austausch führen können und dabei eine gewaltfreie Bewegung respektieren können, die auf Menschenrechten und internationalem Recht basiert. Hätte ich den Palästinensern besser zugehört, wäre mir das früher klar geworden.“
Noura Erakat, Nichte des verstorbenen PLO-Funktionärs Saeb Erekat, ist Juristin und der Meinung, Israel hätte keinerlei Recht auf Selbstverteidigung. Die Israelis hätten also nur das Recht, sich töten zu lassen. Folgerichtig schämt sich Beinart, einen Augenblick lang etwas anderes als Kadavergehorsam gegenüber den antisemitischen BDS-Apparatschiks an den Tag gelegt zu haben:
„Es ist mir peinlich, einen so schwerwiegenden Fehler einzugestehen. Ich wünschte zutiefst, ich hätte ihn nicht begangen, denn er hat besonders großen Schaden angerichtet, da internationaler Druck entscheidend für die Sicherung der palästinensischen Freiheit ist. Es war ein Fehlurteil. Es tut mir leid.“
Sekte BDS
Die Reaktionen auf Peter Beinarts öffentliche Selbstkritik und Selbstgeißelung sprechen für sich:
- Dave Rubin: „Wahrlich der jämmerlichste, erbärmlichste Verlierer auf dieser ganzen Plattform.“
- Karen Smith: „Man kann sich selbst nie genug hassen, um von Antisemiten geliebt zu werden.“
- Adam Louis-Klein: „Du tust nichts anderes, als jüdische Scham für antizionistische Rassisten zu inszenieren. Das ist keine wohlüberlegte politische Position, sondern eine rituelle Handlung, die dazu dient, die antizionistische Hassbewegung zu legitimieren.“
- Orli Peter: „In über dreißig Jahren als Traumapsychologin habe ich genau diese Haltung bei missbrauchten Frauen und Menschen in Sekten beobachtet. Wenn sie sprechen, stellen sie es als Sünde dar, sich nicht bei den Anführern der Gruppe zu melden, als ob unabhängiges Denken Buße erfordern würde. Sie fangen an, alltägliche Handlungen der Selbstbestimmung – Gespräche mit Außenstehenden oder eine eigene Meinungsbildung – als Verrat zu betrachten, der gebeichtet werden muss.“
Beinart, das zeigt sich, hat Angst, aus seiner selbstgewählten sozialen Gruppe verstoßen zu werden und klingt beinahe verzweifelt, als gäbe es für ihn kein Leben außerhalb der Anti-Israel-Szene.
Der Fanatismus, den die BDS-Jünger gegenüber Israel und Juden an den Tag legen, ist wohlbekannt, der Fall Beinart zeigt hingegen eine andere Facette, nämlich die Repression und Gleichschaltung im Inneren, wie man sie von manchen religiösen Sekten kennt. Aussteiger berichten von sozialem Druck und Furcht vor Konsequenzen: Viele Gruppen arbeiten mit Schuldgefühlen, Angst und Drohkulissen. Sekten geben oft das Gefühl von Familie, Sinn oder Zugehörigkeit. Den Schritt, das alles aufzugeben, ist emotional schwierig. Einige Gruppen reagieren feindselig auf Austritte oder setzen Mitglieder gezielt unter Druck. Wichtig für Peter Beinart wäre zu wissen: Aussteiger berichten oft, dass der Weg schwierig, aber befreiend ist.
Leider wirkt sein Geist derzeit verschlossen, hermetisch abgeriegelt gegen den Pluralismus der Außenwelt. Alec Mauer, der bei Beinarts Vortrag in Tel Aviv anwesend war, berichtete auf dem Blog der Times of Israel, dass er sich über ein Gespräch mit ihm gefreut habe: „Als jüdischer Student an einer israelischen Hochschule war ich dankbar, dass er sich entschied, mit meinen Kommilitonen und mir zu sprechen. Leider glaube ich nicht, dass er das genauso sieht.“ Mauer bedauert, dass Beinart meint, sich für seinen Vortrag schämen zu müssen, weil er angeblich nicht die Stimmen der Palästinenser gehört habe. Er frage sich, so Mauer, ob Beinart „sich überhaupt mit den fünfzehn Prozent unserer Studenten ausgetauscht hat, deren Muttersprache Palästinensisch-Arabisch ist“.
Dieser Beitrag erschien zuerst bei MENA-Watch.
Beitragsbild: Gili Getz - https://www.instagram.com/israelisforpeacenyc, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Großartig, in erster Linie handelt es um Araber, die bekanntermaßen nicht in nur in Gaza sondern auch in Deutschland ihr Unwesen treiben. So leid es mit tut, auf der Straße kann ich halbwegs die Ethnie Syrer von der Ethnie Afghanen unterscheiden, eventuell noch die Ethnie Türken im Unterschied zu Bulgaren/Rumänen. Oder gibt es tatsächlich noch Zweifel in Sachen weltweiter Ethnien mit definiertem Stammesgebiet wie in Deutschland? Nur weil die nicht wie Stammeshäuptling MBS mit Säbel und Koran in Deutschland rum laufen? Gibt es im Gaza Streifen kein ÖL? Dann weg damit, Oasen aus 1000 und einer Nacht werden die Araber aus Gaza wohl noch hin bekommen, Olivenhaine, Tierzucht, ein ganzer Harem für die Nachzucht, Falken, Kamele und so weiter. Geldhahn abdrehen oder besser gleich israelische Fachkräfte beauftragen, wie Mutti Block aus dem „Grand Elysee“ bei mir ums Eck in Hamburg.
Peter, beinhart und birnenweich.
Wieso lässt Israel so einen Faschisten überhaupt einreisen ?
„als gäbe es für ihn kein Leben außerhalb der Anti-Israel-Szene.“
Vielleicht ist das auch so. Muss man sich von üblen Angewohnheit trennen, dann klappt’s auch mit dem Nachbarn.
Genozid ? Aber klar doch . Jahre vor dem Gazakrieg schleuderte mir mal einer entgegen : „ Wir sind mehr . Eines
Tages werden wir sie überrennen , ihre Waffen werden ihnen nichts nützen . Wir werden sie alle töten . “ Im Ernst ,
wie soll man mit solchen Leuten denn „ verhandeln “ . Und
was ?
Hätte nie davon erfahren, stünde es nicht hier. Ich bin einfach nur froh normal zu sein, mit meinen Fehlern und Unzulänglichkeiten. Aber wenigstens bin ich normal und frei. Die Psychologin hat es gut beschrieben. Scheint eine (Wohlstands-) Krankheit zu sein, sich an Juden abzuarbeiten. Antiamerikanismus gehört in die gleiche Kategorie. Überhaupt sind wir von Sekten überzogen: Klima, Gender, Migration, die „Presse“. Alles dogmatisch und fanatisch.
Die jüdische ♦Vorherrschaft♦?? Wo lebt dieser Mann? Wie kommt er auf einen derart bizarren Gedanken?
Israel ist nicht größer als Hessen, wobei aber sechzig Prozent des israelischen Staatsgebiet WÜSTE sind!
Laut Statista gab es 2023 knappe 17 Millionen Juden weltweit, rd. 10 Mio davon in Israel – die von hunderten Millionen Feinden (mehrheitlich Muslime) umzingelt sind.
Weltweit stehen mindestens zwei Milliarden Muslime 17 Millionen Juden gegenüber.
Und da traut sich einer von jüdischer Vorherrschaft zu sprechen?
Und die Muslime sind bekanntlich nicht die einzigen Feinde Israels und der Juden.
Hunderte Millionen Marxisten/Kommunisten in allen möglichen Farben und Faschogewändern gesellen sich dazu.
Zwölf Komma fünf (12,5) Prozent der Landfläche des britischen Protektorats „Palästina“, die Israel 1917 von den Briten versprochen worden ist, haben sie 1948 tatsächlich erhalten; der große „Rest“ ging an Jordanien.
Und von diesen 12,5% sind 60% Wüste Negev.
Doch dieses winzige Land, dessen Name auf Weltkarten ins Meer geschrieben werden muss, will die Welt (einschließlich großer Teile der westlichen!) den Juden auch noch wegnehmen. Sie sollen samt ihrem Namen endlich im Meer verschwinden…
Aber da gibt es einen, der das verhindert: der dreieinige Gott der Bibel, der die Welt hat wissen lassen:
>>>Denn so spricht der HERR Zebaoth, der mich [Sacharja] gesandt hat, über die Völker, die euch beraubt haben: Wer euch antastet, der tastet meinen Augapfel an.<<<
(Quelle: Bibel, Prophet Sacharja (vorletztes Buch des AT), Kapitel 2, Vers 12)
Und der zudem nicht nur im NT, Römerbrief (Kapitel 9-11), sondern bereits an vielen anderen Stellen im AT die vollständige Wiederherstellung von Land und Volk Israel verheißen hat.